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Die Foto-Monate der ÖBB zum 1. April: Der "Cabrio"-Panoramazug
Die Foto-Monate der ÖBB zum 1. April: Der "Cabrio"-Panoramazug
01.04.2026

„Cabrio“-Zug und andere Aprilscherze

ÖBB verschickten Foto – und ausführliche Meldung über einen angeblich neuartigen Zug. Woher kommt „in den April schicken“? Update: Link zu „Aprilscherzen“ der Satireplattform „Tagespresse“, die bitterböse Realität sind.

„Weltpremiere: erster Doppelstock-Zug mit offenem Obergeschoß“, titelten die Österreichischen Bundesbahnen eine Meldung an Medien. „Die ÖBB sorgen für frischen Fahrtwind im Fernverkehr: Mit dem neuen Railjet Sonnendeck präsentieren die ÖBB heute eine absolute Weltneuheit im Bahnverkehr. Das neue Flaggschiff des Fernverkehrs verbindet modernste Technik mit einem offenen Reisegefühl. Am Oberdeck kann das Dach vollständig geöffnet werden und verwandelt den Zug in den ersten „Cabrio“-Panoramazug weltweit…“

Die Meldung wurde am letzten Märztag verschickt – mit „Sperrfrist“ für den Tag danach, durfte also erst heute veröffentlicht werden. Samt Foto, oder besser gesagt, pardon geschrieben, mit bearbeitetem Bild. „April, April!“

Nehme an, alle Empfänger:innen haben erkannt, dass es sich dabei um einen Aprilscherz handelt. Eine lange Tradition, Scherze zu sagen oder machen, auf die andere (vielleicht) reinfallen. Im Kinder-KURIER, dem Vorläufer von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… hatten wir einmal in einer Foto-Montage aus der Zeitungsdruckmaschine Schokolade-Tafeln „drucken“ lassen.

Kinofilm

Im Vorjahr lief übrigens in Kinos der Film „Der Prank April, April“, der übrigens stark von den mitwirkenden Kindern bzw. Jugendlichen inspiriert worden war – Besprechung unten verlinkt. Aber woher kommt der Brauch, Menschen „in den April zu schicken“, sie zum Narren zu halten?

Viele Theorien

Das Online-Lexikon Wikipedia schreibt über mehrere Thesen – und manche Fakten -, wie es zum Aprilscherz in vielen europäischen Ländern und Nordamerika gekommen sein könnte: „Erstmals überliefert ist die Redensart „in den April schicken“ in Deutschland 1618 in Bayern. Der Begriff Aprilscherz bürgerte sich jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. In Grimms Deutschem Wörterbuch von 1854 ist zwar in den April schicken und der Aprillsnarr verzeichnet, aber noch nicht der Aprilscherz.“ Aber schon „wie es dazu kam, dass der 1. April zum Tag für besondere Scherze wurde, ist unbekannt“.

„Gesichert“ sei aber „dem Theologen Manfred Becker-Huberti zufolge einzig, dass es schon im Volksglauben der Antike eine Vielzahl von angeblichen Unglückstagen gab (vgl. Freitag, der 13.), zu denen regelmäßig auch der 1. April zählte.“

„(Ungesicherte) Erklärungen“

  • Der 1. April gilt in manchen Überlieferungen als Geburts- oder Todestag des Judas Iskariot, der Jesus von Nazaret verriet. Zudem sei der 1. April angeblich der Tag des Einzugs Luzifers in die Hölle und daher ein Unglückstag, an dem man sich besonders vorsehen müsse.
  • Auf dem Augsburger Reichstag von 1530 sollte unter anderem das Münzwesen geregelt werden. Aus Zeitgründen kam es jedoch nicht dazu, so dass für den 1. April ein besonderer „Münztag“ ausgeschrieben wurde. Als der 1. April kam, fand dieser Münztag dann doch nicht statt. Zahlreiche Spekulanten, die auf diesen Münztag gesetzt hatten, verloren ihr Geld und wurden auch noch ausgelacht.
  • Der französische König Karl IX. führte 1564 eine umfangreiche Kalenderreform durch und verlegte den offiziellen Jahresanfang auf den 1. Januar. In einigen Regionen Frankreichs feierten die Menschen aber – zum Teil aus Unwissenheit – weiter Ende März. Sie sollen als „Aprilnarren“ verspottet worden sein.
  • Ein weiterer möglicher Ursprung des Brauchs ist auf ein Ereignis während des Achtzigjährigen Krieges in den Niederlanden zurückzuführen. Am 1. April 1572 wurde Brielle als erste holländische Stadt von den Wassergeusen erobert. Dem verhassten spanischen Statthalter Fernando Álvarez de Toledo, Herzog von Alba, „drehte man daraufhin eine Nase“, was sich bis heute in den holländischen Geschichtsbüchern manifestiert: „Op 1 april verloor Alva zijn bril“ („Am 1. April verlor Alba seine Brille“).
  • Angeblich bat an einem 1. April ein sechzehnjähriges Mädchen, dessen Name unbekannt ist, den … französischen König Heinrich IV. schriftlich um ein heimliches Rendezvous in einem diskreten Lustschloss. Als Heinrich zu dem Tête-à-Tête erschienen sei, habe ihn überraschend der versammelte Hofstaat begrüßt, vorgestanden von seiner Gemahlin Maria de’ Medici, die ihm untertänigst dafür gedankt haben soll, dass er ihrer Einladung zum „Narrenball“ gefolgt sei.
Am 1. April 2026 von Künstlicher Intelligenz generierte Bilder zum
Eine andere Variante des „Nackt-Eisbohrers“, ebenfalls mit Ki generiert, dieses Mal nur mit Canva, ohne „Umweg“ über Claude

Spaghetti-Bäume

Die Wikipedia-Seite führt in der Folge noch einige historische Aprilscherze an, auf die viele Menschen reingefallen sind, unter anderem diese:

  • Die britische Rundfunkanstalt BBC zeigte am 1. April 1957 den scherzhaften Dokumentarfilm Spaghetti Harvest, der die angebliche Ernte von Spaghetti zum Thema hatte. Die Sendung wurde von etwa acht Millionen Zuschauern gesehen, von denen Hunderte anschließend bei der BBC anriefen, um sich zu vergewissern, ob Spaghetti wirklich auf Bäumen wüchsen, und andere sogar erfahren wollten, wie sie diese selbst anbauen könnten.
  • 1995 wurde der Heißköpfige Nackteisbohrer, eine in der Antarktis verbreitete fleischfressende maulwurfähnliche Tierart, in der Zeitschrift Discover vorgestellt. Die vorgebliche zoologische Sensation fand ein nie dagewesenes Publikumsinteresse.
  • 2025 meldete das Schweizer Radio SRF, dass alle Schweizer zu jenem Wissenstest anzutreten hätten, welchen Menschen zu bestehen hätten, die sich einbürgern lassen wollen. So solle sichergestellt werden, dass Schweizer das Wissen hätten, über das Einbürgerungswillige verfügen müssten, um den Schweizer Pass zu erhalten. Bei Nichtbestehen drohten Nachsitzen, bei Bestehen Steuerrabatt.

Wikipedia führt übrigens auch an, dass in anderen Ländern und Erdteilen andere Tage für vergleichbare Witze herhalten müssen: „In Spanien und Lateinamerika gibt es ähnliche Scherze am 28. Dezember, dem Día de los Santos Inocentes (Tag der unschuldigen Kinder).

Keine Scherze

Die österreichsiche Satireplattform „Die Tagespresse“ veröffentlichte am 1. April etliche vermeintliche Aprilscherze, die keine wirklichen sind – etwa die von der Türkis-blauen Regierung unter Sebastian Kurz versprochene „Patientenmilliarde“ oder das Klimaschutzgesetz, das im Regierungsprogramm 2020 schon stand… – Link zu dieser Seite ganz am Ende des Beitrages.

kijuku_heinz

Tagespresse –> Aprilscherze