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Willi Resetarits im Kurd:innengebeit in der Südost-türkei, Juni 2010
Willi Resetarits im Kurd:innengebeit in der Südost-türkei, Juni 2010
25.04.2022

Ostbahn-KurDi: erd ji we re ronahî be

Willi Resetarits war – neben vielem anderen – auch internationaler Musiker und Völkerverbinder.

Viel wurde schon über den riesigen Verlust des großen Musikers und noch viel größeren Menschen Willi Resetarits gesagt und geschrieben: Sein vielfaches künstlerisches Schaffen ebenso wie sein zivilgesellschaftliches Engagement für Menschen, die benachteiligt werden, nicht zuletzt solche, die flüchten mussten – Stichwort Integrationshaus.

Zu kurz gekommen ist bisher, dass Willi Resetarits auch als Musiker neben mehreren heimischen Bands (Schmetterling, Ostbahn-Kurti und die Chefpartie, Stubnblues) auch in der Musik immer wieder Grenzen sprengte. Zum europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs (2008) etwa lud er Musiker:innen aus mindesten einem halben Dutzend Herkunftskulturen zu einem gemeinsamen Konzert „Be a Mensch“. Und dann ist da noch die rund eineinhalb Jahrzehnte währende mitunter sehr intensive musikalische Zusammenarbeit mit Şivan Perwer, DEM kurdischen Musiker – über Jahrzehnte bevor er bei so manchen in Ungnade gefallen ist. Riesige Konzerte im Burgtheater, im Konzerthaus … – anlässlich eines solchen war dem damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer der Ehrentitel Ostbahn-KurDi eingefallen, den er auf der Bühne zum Besten gab.

Der Mann, der mit Şivan singt …

„Kommt schnell, da ist der ältere Mann ohne Haare, der mit dem Şivan „Cane, Cane“ singt.“ Nicht nur einmal waren solche und ähnliche Sätze – auf Türkisch – zu hören als die Band Stubenblues mit Willi Resetarits auftauchte. Egal ob am Flughafen, in der Stadt Van (knapp mehr als eine Millionen Einwohner:innen) oder im Bergdorf Bahçesaray (auf fast 2000 Metern Seehöhe): Menschen liefen zusammen, riefen Verwandte und Freunde an, baten um ein gemeinsames Foto mit Willi. Selbst erlebt im Juni 2010, als ich die Band in dieses südosttürkische, hauptsächlich von Kurd:innen bewohnte, Gebiet begleiten durfte – und damals noch für KiKu berichtet habe.

Willi Resetarits im Kurd:innengebeit in der Südost-türkei, Juni 2010

Wir wollen Frieden!

Rund drei Jahrzehnte hatte Perwer – mit bürgerlichem Namen Ismail Aygün – Einreiseverbot in der Türkei, seine Lieder waren verboten – u. a. weil in kurischer Sprache. Der Musiker war bei Kurd:innen aller Länder bekannt und beliebt. Bis er bei vielen politisch aktiven Kurd:innen vor allem in der Türkei in Ungnade fiel, weil er sich 2013 naiverweise auf ein Treffen mit der türkischen Regierung in Diyarbakır eingelassen hatte. Seine Hoffnung, er könne damit zur Versöhnung zwischen dem Regime und den verfolgten Kurd:innen beitragen. Das war auch ein oft von Menschen in der Region auf der besagten Reise gehörter Wunsch: „Sagen sie dem Şivan, er soll was tun, damit endlich Frieden kommt.“

Willi Resetarits hatte in diesen Begegnungen sein musikalisches und sein gesellschaftspolitisches Engagement unmittelbar vereinen können. Und nicht zuletzt auch so manches seiner Diskriminierungs-Empfindungen als Kind aus einer burgenlandkroatischen Familie, die nach Wien gezogen ist, einbringen können. Wie völkerverbindend musikalische Begegnungen sein können, war mitzuerleben, als Willi in einem großen Park des genannten Bergdorfs ein kroatischen Antikriegslied anstimmte. Natürlich verstand niemand den Text, „aber die verstehen die Botschaft“, merkte der Musiker und Mensch an, wie ergriffen verstehend die Menschen im Park waren. Umgekehrt war’s ja auch für ihn, der weder Kurdisch noch Türkisch verstand und dennoch nicht zuletzt Perwers Hymne „Cane, Cane“ (Seele übrigens sowohl auf Türkisch als auch auf Kurmandschi/ Kurdisch und Persisch) inbrünstig sang.

„Heilige Schulter“

Über seine doch durchaus überraschende große Popularität im Kurd:innengebiet in der Türkei merkte er damals mehrmals selbstironisch an: „The holy shoulder, the man who stood besides Şivan“ (die heilige Schulter, der Mann der neben Şivan stand…) Sie kannten ihn aus den Videos der Lieder ihres (musikalischen) Heiligen.

Dieser Musiker ist, als er – derzeit im Kurdengebeit im Irak unterwegs – vom Tod seines Freundes erfuhr, tief betroffen, tod-traurig. Dieser Musiker ist, als er – derzeit im Kurdengebeit im Irak unterwegs – vom Tod seines Freundes erfuhr, tief betroffen, tod-traurig. „Jahrelang hatte ich die Gelegenheit mit Dir für Völkerverständigung die österreichischen Bühnen zu schmücken. Willi du warst ein großer Mensch mit Weitsicht, der über den Tellerrand geschaut und die Internationalität gelebt hat. Stets warst du eine mahnende Stimme für die Einhaltung der Gerechtigkeit über Österreichs Grenzen hinweg“ so Şivan über Willi.

Erd ji we re ronahî be – die Erde sei dir leicht, lieber Willi!
Dankeschön, hvala vam, spas dikim

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Willi Resetarits + Sivan Perwer

Digitales Kondolenzbuch für Willi

Szenenfoto aus "Lust"
11.03.2022

Viva la Vulva!