„Malaika“: Achtjährige plus zwei Profitänzerinnen und eine Live-Musikerin nehmen in einem märchenhaften Bühnenbild (nicht nur junges) Publikum mit in magische Welten.
Schon der Bühnenboden strahlt von Anfang an magisch – schwarz, aber mit vielen leuchtenden Punkterln, als würde sich in einer nächtlichen Wasserfläche Sterne spiegeln. Oder einzelne Sandkörner in einer Wüste in fast stockdunkler Nacht glitzern. Irgendwo dazwischen steht aus Holzstäben ein Haus wie eine Strichzeichnung, ein 3D-gewordenes Kinderbild.
Auf einem mit geknüpftem Muster-Teppich belegten Tisch „wohnt“ die Komponistin und Musikerin Mona Matbou Riahi, die live Klarinette spielt und pfeifend Vogelgezwitscher imitiert. Als diese Bühnenfigur Leyla ihren Hort verlässt und nach vor kommt, bedauert sie, nicht mehr die ungezwungene Fantasie ihrer Kindheit zu haben. Da hilft dann die Rückreise in diese Ära – verkörpert durch ein unter dem beschriebenen Tisch sich hervorschlängelndes Kind, das sich dem Spiel mit Gedanken, Fantasie, Träumen, mitunter auch Ängsten, die der Wind bringt, hingibt.
Der Luftzug kriegt in diesem Stück von ATASH عطش Contemporary Dance Company den Namen Malaika. Ein aus dem Arabischen kommender Begriff für den Plural von Engel (malak), weltberühmt geworden als Lied auf Kisuaheli (Swahili), einer Sprache vor allem in Ostafrika (Kenia, Tanzania, Uganda), in der es viele arabische Wörter gibt. „Nakupenda Malaika“ (ich liebe dich Engel), u.a. gesungen von Miriam Makeba, Harry Belafonte, Boney M.
Zurück zum Spiel bzw. Tanz mit dem Wind. Diese kindliche „Leyla“ wird von der achtjährigen Ahyoka Krappmann getanzt und nicht nur so in kurzen Szenen, sondern praktisch durchgehend, fast die gesamten rund 50 Minuten – ob als Spiegelung bzw. in tänzerischer Zwiesprache mit den Profis Desi Bonato, Naline Ferraz, die in die unterschiedlichsten Tiere und Fabelwesen in Erscheinung tanzen – oder in einem großen, langen Solo.
Die beiden Genannten verwandeln sich – mitunter blitzschnell – sowohl von Kostümen als auch vor allem von Bewegungen her. Gemeinsam tauchen sie als Art Pegasus auf, aber auch einzeln als mal wildes Tier und dann gar als Art Statue, die vielleicht auch ein Baum sein mag – allzu viel sei hier aber nicht verraten, so manches lebt trotz allem von Überraschungsmomenten. Das wirklich Bewegende ist allerdings der fantasievolle „Rausch“ der sich ständig verändernden Bewegung, „personifiziert“ im Wind, der nicht immer nur sanft daherkommt, sondern auch so manch Feststehende umwerfen kann.
Ulduz Ahmadzadeh, künstlerische Ko-Leiterin und für die Choreografie verantwortlich, verrät Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, dass „Malaika“ aus dem Stück „Vasht“ fürs Tanzquartier Wien (März 2025) heraus entwickelt wurde. „Vasth ist ein altpersisches Wort für Tanz, ich habe über Tänze Südwest- und Zentral-Asiens recherchiert und daraus dieses Stück und eine neue Tanzsprache entwickelt.“
Ausgehend von dieser Basis ist nun dieses Stück (nicht nur) für Kinder im Dschungel Wien, dem Theaterhaus für junges Publikum im MuseumsQuartier entstanden. Dafür verfasste Marek Zink auf der Basis der Ideen von Ahmadzadeh und Till Krapmann (künstlerische Ko-Leitung, Szenografie, Bühne und Kostüme) einen gereimten, poetischen Text, den die schon erwähnte ganz junge Tänzerin eingesprochen und aufgenommen hat nachdem die Choreo fertig war, und der während der Performance abgespielt wird.
Sich das alles zu merken sei überhaupt kein Problem gewesen, quasselt Ahyoka Krappmann wenige Augenblicke nach der umjubelten Premiere im Dschungel Wien drauflos. „Zuerst haben wir mein langes Solo einstudierte und geübt und dann Bewegunsteile daraus genommen für einzelne Szenen. Und wenn ich auf die Kolleginnen reagiere, schau ich einfach was die machen und lass mich davon anregen“, erzählt die Achtjährige. Und sie tanze gar nicht seit ewig, sondern erst seit diesem Jahr. „Aber ich hab schon früher Zirkus gemacht mit der Mama von meinem Papa, meiner Oma in Italien im Circus de Luna“, ergänzt das junge Talent.
Gegen Ende schließt sich ein Kreis zwischen dem Wind-Thema und der wörtlichen Bedeutung von Malaika in Form von überdimensionalen Flügeln. Wenngleich das oben angesprochene bekannte Lied besingt, dass die Liebe zum Engel am nicht erschwinglichen Brautpreis scheitert: „Das Geld (das mir fehlt) bedrückt meine Seele“ / „Pesa zasumbua roho yangu, aber zum Glück spielt das Tanzstück ja weder in diesem Lied, noch in dieser Weltgegend 😉
Tanztheater / ab 6 Jahren; 50 Minuten
ATASH عطش Contemporary Dance Company (zeitgenössische Tanzgruppe)
Künstlerische Ko-Leitung und Choreografie: Ulduz Ahmadzadeh
Künstlerische Ko-Leitung, Szenografie, Bühne und Kostüme: Till Krappmann
Komposition, Live-Musik und erwachsene Leyla: Mona Matbou Riahi
Text: Marek Zink
Performance und Ko-Kreation
In vielen Rollen: Desi Bonato, Naline Ferraz
Leyla als Kind: Ahyoka Krappmann
Licht: Christopher Corsmann
Produktion: partner in crime Julia Neuwirth
Bis 13. Oktober 2025
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> malaika
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