„Hell, Girl!“ – an mehreren Wendepunkten entscheidet das Publikum, wohin und wie der Roadtrip eines jungen Trios (weiter) geht – in mehreren Wiener Bezirken und im Dschungel Wien.
Interaktiv – so nennen sich gern so manche Theaterstücke, wo es aber nicht viel mehr gibt als den Kasperl durch Rufe vor Gefahren zu warnen. Dann gibt es Performances, die als begehbare, bespielte Installationen in Theaterräumen aufgebaut sind. Und nun tourt „Hell, Girl!“ von Theater Foxfire für Junge Theater Wien durch einige Bezirke (Favoriten und Floridsdorf – siehe Info-Box) und kehrt zwischendurch im Jänner wieder in den Dschungel Wien im MuseumsQuartier zurück, wo kürzlich die erste kurz Spielserie stattgefunden hat. Und so ist – auch wenn das generell am Theater immer gesagt wird – jede Vorstellung anders. Hier aber nicht nur in Nuancen, abhängig von der Energie zwischen Bühne und Publikum, sondern tatsächlich von der Handlung, die an mehreren Wendepunkten vom Publikum bestimmt wird – die Abstimmung erfolgt meist über Lautstärke von Applaus, Stampfen usw.
Der Ausgangspunkt erinnert an – dort ohne Interaktion – an Wolfgang Herrndorfs Kult gewordenen Roman „Tschick“, den es in unzähligen Versionen auf Theaterbühnen (vor rund zehn Jahren das meistgespielte Stück) und einem Kinofilm gab / gibt. Sind es dort zwei Jungs – Maik Klingenberg und Andrej Tschichatschow, genannt Tschick – die mit einem Auto auf Tour gehen und dabei die toughe Isa Schmidt treffen, so startet hier ein Trio aus zwei Mädchen – Thea (gespielt von Kaisa Pušnik), Mirjam (Hannah Darabos) – und einem Burschen, Ben (Etienne Lestrange), gemeinsam in ihr(e) Abenteuer. Denn von diesen hat Autor Benedict Thill viel mehr geschrieben, als je in einer Stunde gespielt werden (Idee und Text: Benedict Thill, Regie: Richard Schmetterer).
Soll‘s in die Steiermark gehen oder nach Slowenien? Ist zum Beispiel eine der Entscheidungen, die das Schauspieltrio ans Publikum überantwortet, nachdem sie selbst in ihren Rollen zu diskutieren begonnen haben. Je nach dem ändern sich aber nicht nur die Bilder der projizierten Landschaften. Der Autor hat insgesamt rund fünf Dutzend Szenen geschrieben, was heißt, dass die die Schauspieler:innen auch urviel Text zu lernen hatten, von dem immer „nur“ ein Teil zu spielen ist. Die Handlung kann auch ganz schön wild werden mit der Frage, ob eine der Personen irgendwo zurückgelassen wird oder ob das dann doch nicht geht… – hier seinen keine Details verraten, hätte mich selber mehr als geärgert, wenn da im Vorfeld zu viel gespoilert worden wäre.
Und es geht auch nicht immer darum, was sie wie an Handlung ergibt, sondern um die Dynamik in den Konfliktsituationen, wie gehen die drei – die in bester Freundschaft starten – mit haarigen Konfliktsituationen um. Und wie und was meinen die Zuschauer:innen, dass entweder alle oder die eine bzw. der andere jetzt machen soll.
Und es scheint wirklich so zu sein, dass auch in einem so gravierenden Punkt wie dem zuvor angesprochenen, die Publikumsentscheidung nicht immer „aufgelegt“ ist. Neben dem Schreiber dieser Zeilen saß der Autor im Publikum und meinte vor Beginn, er habe schon einige relativ gleich verlaufende Aufführungen erlebt, aber an diesem Vormittag „hab ich Szenen gesehen, die kenn ich nur vom Text, habe sie aber noch nie gespielt erlebt, weil sich das Publikum heute ganz anders abgestimmt hat“.
Theater Foxfire
Ein Stück – viele Möglichkeiten; interaktives Schauspiel
Autor: Benedict Thill
Regie: Richard Schmetterer
Darsteller:innen
Mirjam: Hannah Darabos
Ben: Etienne Lestrange
Thea: Kaisa Pušnik
Visuals + Bühne: OMAi – Office for Media and Arts International
Kostüme: Clara Montocchio
Licht: Hannes Röbisch
Regieassistenz: Norbert Holoubek
Musik: Victor Weiss
10. Dezember 2025
Junge Theater Wien, Favoriten
Cape 10: 1100, Alfred-Adler-Straße 1/5
19. Jänner 2026
Junge Theater Wien, Floridsdorf
VHS Großjedlersdorf: 1210, Siemensstraße 17
28. bis 30. Jänner 2025
Dschungel Wien: 1070, MueumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
13. Februar 2025
Junge Theater Wien, Favoriten
VHS PaHo (Per Albin-Hansson-Siedlung Ost): 1100, Ada-Christen-Gasse 2B
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