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Szenenfoto aus "Der fabelhafte Die", Linzer Landestheater in den Kammerspielen
Szenenfoto aus "Der fabelhafte Die", Linzer Landestheater in den Kammerspielen
13.01.2026

Wer ist wer oder wir und warum vielleicht doch nicht ;)

„Der fabelhafte Die“ – als DAS Spiel mit Rollen und ihren Zuschreibungen, witziges Stück in einer spielfreudigen Fassung in den Linzer Kammerspielen; ab 9 Jahren.

Die ersten ausgelassenen Lacher erntet die jüngste Premiere für Kinder des Linzer Landestheaters in den Kammerspielen noch beim geschlossenen, edlen, samt wirkenden roten Vorhang. Aus dem Off ertönen Werbesprüche die eindeutig schon zum Stück gehören: „Dieses Ereignis wird Ihnen präsentiert von Matschis süßem Kribbel-Schleim… Kommt oben in die Öffnung rein!… Kann bei „übermäßigem Konsum“ zu unangenehmem Völlegefühl, Übelkeit und Magendruck ohne erlösendes Erbrechen führen… Weiterhin wird Ihnen dieses Ereignis präsentiert von Köttelspeiers Rülpskompott… Kaum gerochen, schon erbrochen!…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Rülpsen und Furzen zieht allemal. Doch die Sprüche – wie der Großteil des gesamten einstündigen Stücks in Reimen – ertönen selbstironisch und spielen damit schon mit Schein und Sein. „Der fabelhafte Die“, verfasst vom deutschen Schauspieler, Regisseur und Erfolgsautor junger Stücke Sergej Gößner ist in einem zirkus-artigen Setting angesiedelt und jongliert mit Rollen, Identitäten und vielen Wechseln und Wandlungen. Ein, nein DAS Ur-Ding des Theaters an sich: In (andere) Rollen und Geschichten schlüpfen!

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Rollenwechsel

Zwei bunt gekleidete und geschminkte clowneske Figuren stürmen links und rechts neben den Sitzreihen die Tribüne hinunter zur Bühne, die dritte Figur schwebt in einem großen leuchtenden Ring aus dem Zirkushimmel hernieder (Bühne und Kostüme: Anne Horny). Die drei Figuren vom Stück und im Programmheft – auf der Bühne jedoch so nie aus- oder angesprochen – tragen jeweils nur einen Buchstaben als Rollennamen: W (Levi R. Kuhr), I (Jakob Schmölzer) und R (Alexandra Diana Nedel) – unschwer als ein Gemeinsames zu erkennen. Alle drei spielen jeweils mehrere Figuren:

W: DIE / eine der klassischen Zirkusfiguren als der stärkste Mann der Welt / einen Jungen namens Ben sowie Fisch Kim namens Barsch;
I: Ente Klaus, den alle nicht zuletzt aufgrund seines Kostüms für einen Schwan halten und Frau Zahn sowie Verein fürs Richtgsein
R: F. Meyer-Schmitt / das aufgeweckte Mädchen Ayla, ein Vetterlein und ebenfalls vom Verein fürs Richtgsein.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Stärkster Mann liebt Socken stopfen

So verwirrend das aufs Erste klingen mag, so lustvoll und spielfreudig wechseln die Figuren ihre Rollen, spielen Szenen, die immer wieder zum Lachen anregen. Aber auch zu mehr. Denn das Stück selbst (Regie in Linz: Swaantje Lena Kleff) bricht auch noch in sich mit vermeintlichen Rollenzuschreibungen: „Hinter all den Muskeln, tief in der behaarten Brust / schlug ein musisch talentiertes Herz“ beim stärksten Mann der Welt.

Seine Hobbies: Socken stopfen, Fashion und blonde Locken. Doch das muss er lange verbergen, tanzen doch die beiden anderen mit großen Maßbändern und Linealen an als Leute vom „Verein fürs Richtigsein“, um Normen zu vermessen.

Während Mädchen spätestens seit Pippi Langstrumpf stark sein dürfen, ist es für Buben und Männer noch immer – und in jüngster Zeit erst recht wieder erneut – schwierig, sich offen sanft und fürsorglich zu zeigen. Da hilft zunächst nicht einmal die Ermutigung, dass dem stärksten Mann der Welt doch egal sein könne, was die anderen sagen. Aber natürlich gibt’s in diesem Erzählstrang ein mutiges Outing und nichts da mit den einschränkenden Vorschriften. Und wird dennoch auch wieder relativiert: Alles inszeniert und einstudiert 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

Alles nur erfunden, oder?!

Der Stücktitel kommt gegen Ende direkt ins Spiel. Was ist mit Herrn F Punkt Meyer-Schmitt? „Vielleicht arbeiten die zwei inzwischen zu dritt… oder er als Schaufensterpuppe … und ganz vielleicht, man weiß ja nie, nennt er sich inzwischen Die. Und fabelhaft obendrein…“

Um gleich danach in weiteren Reimen wieder gebrochen zu werden: „Das kann nur erfunden sein. Bei aller Liebe zur Fantasie. Das ist Quatsch. Das macht er nie…“ Und gleich nochmals eine Wendung… – aber die wird jetzt hier nicht gespoilert.

Szenenfoto aus „Der fabelhafte Die“, Linzer Landestheater in den Kammerspielen

(Weiter-)Spinnen

Jedenfalls ein kurz(weilig)es Fest fantasievoller Wort-, Bilder- und Rollenspiele das dank des mitreißenden Schauspiels und der teils ohrwurmtauglichen Reime – samt Musikalität (Musik und Sounddesign: Ludwig Peter Müller) vielleicht noch zum „weiterspinnen“ animiert. Apropos Spinnen – die kommen – textlich – auch recht witzig vor: „I bzw. Ente Klaus: „Was mich an Spinnen stört / Ist, dass man sie schlichtweg nicht hört“ 😉

kijuku_heinz

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Der fabelhafte Die

von Sergej Gößner
Ab 9 Jahren

Inszenierung: Swaantje Lena Kleff
W / DIE / Ben / Stärkster Mann der Welt / Barsch Kim: Levi R. Kuhr
I / Ente Klaus / Frau Zahn / Verein fürs Richtgsein: Jakob Schmölzer
R / F. Meyer-Schmitt / Ayla / Vetterlein / Verein fürs Richtgsein: Alexandra Diana Nedel

Bühne und Kostüme: Anne Horny
Musik und Sounddesign: Ludwig Peter Müller
Video: Nils Gallist
Dramaturgie: David Baldessari

Wann & wo?

Bis 22. April 2026
Landestheater Linz, Kammerspiele: 4020, Promenade 39
landestheater-linz.at –> der fabelhafte die

Buchungsanfragen für Schulen: 0 732/76 11-121
schulbuchungen@landestheater-linz.at

tickets.landestheater-linz.at –> der fabelhafte die