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Kinder und Jugendliche deren "Zuhause" die Straße ist
Kinder und Jugendliche deren "Zuhause" die Straße ist
31.01.2026

„Diese Kinder bleiben oft unsichtbar, obwohl sie großen Risiken ausgesetzt sind“

Tag der Straßenkinder: Jugend Eine Welt-Projektpartner Rafael Bejarano Rivera zu Gast in Wien; Erfolgsbeispiel aus Nairobi (Kenia) von einem Projektpartner der Dreikönigsaktion.

Mehr als (doppelt so viele) Kinder und Jugendliche wie in der gesamten Europäischen Union leben (rund 67 Millionen) leben weltweit mehr oder minder auf der Straße; zwischen rund 100 bis zu 150 Millionen Kinder und Jugendliche haben kein Zuhause, auch in einigen Ländern der EU, aber da noch am wenigsten. Der 31. Jänner gilt seit fast 30 Jahren (seit 1997) als „Tag der Straßenkinder“, ins Leben gerufen von der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“, ausgehend von den Salesianern Don Bosco. Und dessen Namensgeber, den italienischen katholischen Priester, Jugendseelsorger und Reformpädagogen (1815 – 1888), der im Turiner Stadtteil Valdocco aus einem Schuppen eine Zufluchtsstätte für (Straßen-)Jugendliche machte uns später gemeinsam mit den Salesianern in weiteren Ländern Europas aber auch Lateinamerikas Häuser für Jugendliche aufbaute und (Aus-)Bildungen anbot.

Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien
Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien

Gast aus Kolumbien

Anlässlich des Straßenkinder-Tages 2026 ist Pater Rafael Bejarano Rivera aus Kolumbien zu Gast in Österreich. Seit vielen Jahren setzt er sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Besonders Kinder in Straßensituationen, junge Menschen in extremer Armut sowie ehemalige Kindersoldaten stehen im Mittelpunkt seines Wirkens.

„Pater Rafael kennt in seiner Funktion als Generalrat der Salesianer Don Boscos, als oberster Vertreter und Experte für Jugend- und Sozialarbeit, alle von Jugend Eine Welt unterstützten Projekte aus der Sicht eines Projektpartners. Er kann somit gute Einblicke in die weltweite Arbeit unserer Entwicklungsorganisation in den Bereichen Straßenkinder, aber auch Schul- und Berufsausbildung geben“, so Reinhard Heiserer, Geschäftsführer von Jugend Eine Welt.

Kinder und Jugendliche in einer Straßensituation in Don Bosco-Salesianer-Projekten in Kolumbien
Kinder und Jugendliche in einer Straßensituation in Don Bosco-Salesianer-Projekten in Kolumbien

Rechte und Würde

„Seit Beginn meines priesterlichen Wirkens habe ich stets im sozialen Bereich gearbeitet – dort, wo junge Menschen Begleitung brauchen, um ihre Rechte und ihre Würde wiederzuerlangen“, so Rafael Bejarano Rivera aus Kolumbien, einem Land, das über Jahrzehnte von Gewalt, sozialer Ungleichheit und bewaffneten Konflikten geprägt war. Früh entschied er sich für den Weg der Salesianer Don Boscos und stellte sein Leben in den Dienst junger Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen. Nach seinem Studium der Philosophie und Theologie sowie einer zusätzlichen Ausbildung im Bereich Soziales Management und Entwicklung übernahm er verantwortungsvolle Aufgaben in der Jugendarbeit der Salesianer.

Ein zentraler Meilenstein seines Werdegangs war seine Tätigkeit in der Ciudad Don Bosco in Medellín, einer der größten salesianischen Sozialeinrichtungen Kolumbiens, die auch von Jugend Eine Welt unterstützt wird. Dort arbeitete Bejarano Rivera über Jahre hinweg direkt mit Kindern und Jugendlichen, die auf der Straße lebten, aus zerrütteten Familien stammten oder Gewalt, Missbrauch und den Einsatz als Kindersoldaten erlebt hatten. „Heute sprechen wir bewusst von ‚Kindern in einer Straßensituation‘ und nicht mehr von reinen ‚Straßenkindern‘, da es sich um eine vorübergehende Lebenssituation handelt und ihre Rechte wiederhergestellt werden müssen“, so der Jugend Eine Welt-Projektpartner.

Die Jugendliche Michelle und ihre Sozialarbeiterin Rescue Dada/Dreikönigsaktion auf der Müllhalde Dandora in Nairobi / Kenia
Die Jugendliche Michelle und ihre Sozialarbeiterin Mary Gatitu vom Rescue Dada/Dreikönigsaktion auf der Müllhalde Dandora in Nairobi / Kenia

Dreikönigsaktion: Erfolgsbeispiel Michelle in Nairobi (Kenia)

Viele Jahre lebte Michelle in Nairobi (Hauptstadt von Kenia, Afrika) dort, wo andere ihren Abfall entsorgen: auf Dandora, der größten Mülldeponie ihrer Heimatstadt. Zwischen meterhohen Müllbergen suchte sie nach Essen, Schutz und Hoffnung.

Dandora ist größer als 50 Fußballfelder. Verfaulte Essensreste und brennender Müll liegen in der Luft. Schweine und wilde Hunde streifen durch die Abfälle. Über allem kreisen Marabus, die nach Nahrung suchen. Bis zu 10.000 Menschen leben hier – ohne Sicherheit, ohne medizinische Versorgung, ohne Perspektive. Kinder sind dieser Realität besonders schutzlos ausgeliefert. Viele verlieren den Kontakt zu ihren Familien. Mädchen schließen sich Gangs an oder geraten in ausbeuterische Abhängigkeiten. Für die meisten scheint ein Ausweg unerreichbar.

Für Michelle aber änderte sich alles. Sozialarbeiterin Mary Gatitu ist täglich in Dandora unterwegs. Sie begleitet Mädchen wie Michelle, hört zu, stärkt sie – und greift ein, wenn Hilfe dringend nötig ist. Im Rescue Dada Center, Partner der Dreikönigskation, finden sie Schutz, regelmäßige Mahlzeiten, medizinische Versorgung und Zugang zu Schule und Ausbildung.

Michelle hat diese Chance genutzt. Heute geht sie in die Schule, wächst in Sicherheit auf und blickt mit Hoffnung in die Zukunft. Aus einem Leben im Müll wurde eine echte Perspektive. Für Michelle und anderen Kinder in vergleichbaren Situationen sammelt die DKA – mehr dazu im Link am Ende des Beitrages.

Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien
Kinder und Jugendliche in einer Straßensituation in Don Bosco-Salesianer-Projekten in Kolumbien

Bildung und Begleitung

Zurück nach Kolumbien, wo – wie überall in nachhaltigen Projekten Bildung eine zentrale Rolle spielt. „In mehreren Städten begleiten wir diese Kinder. Während man früher Kinder dauerhaft auf der Straße lebend antraf, hat sich die Situation verändert: Heute haben viele von ihnen Familien, verbringen jedoch viel Zeit auf der Straße und sind dort großen Risiken ausgesetzt – insbesondere Gewalt, Drogenhandel und Prostitution.“, so Pater Rafael Bejarano Rivera. Ziel sei es, jungen Menschen Schutz zu bieten und ihnen durch Bildung, psychosoziale Begleitung und Berufsausbildung echte Zukunftsperspektiven zu eröffnen.

Viele der Kinder und Jugendlichen, die mehr oder minder auf der Straßen leben müssen, besitzen keine Geburtsurkunde, wurden nie offiziell registriert und haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung oder Schulbildung. „Diese Kinder bleiben oft unsichtbar, obwohl sie großen Risiken ausgesetzt sind“, so Bejarano Rivera.

Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien
Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien

Experte für Jugend- und Sozialarbeit

Heute wirkt der Jugend Eine Welt-Gast auf internationaler Ebene. Als Generalrat für Jugendpastoral und soziale Werke im weltweiten Leitungsteam der Salesianer koordiniert er Bildungs- und Sozialprojekte in 138 Ländern. Mit Jugend Eine Welt verbindet Bejarano Rivera eine langjährige und enge Partnerschaft. Gemeinsam mit der österreichischen Entwicklungsorganisation arbeitet er daran, nachhaltige Bildungs- und Sozialprojekte für Straßenkinder und gefährdete Jugendliche umzusetzen – insbesondere in Lateinamerika.

„Über viele Jahre hinweg haben wir gemeinsam Programme entwickelt – zur Bewusstseinsbildung, zur Begleitung junger Menschen und zur Förderung von Bildung und Ausbildung. Dabei gab es Kooperationen mit österreichischen Unternehmen sowie zum Beispiel mit der österreichischen Botschaft in Kolumbien“, erzählt Bejarano Rivera.

Internationale Zusammenarbeit

„Die Unterstützung von Jugend Eine Welt ist von zentraler Bedeutung. Internationale Zusammenarbeit wirkt auf vielen Ebenen, doch entscheidend ist die Beziehung zwischen den Menschen. Spenderinnen und Spender – etwa in Österreich – können durch ihr Engagement Entwicklungsprozesse in ganz unterschiedlichen Realitäten ermöglichen. Jugend Eine Welt trägt dazu bei, jungen Menschen weltweit neue Hoffnung, neue Wege und neue Chancen zu eröffnen, ihre Träume zu verwirklichen und ihre Gemeinschaften zu stärken. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien
Pater Rafael Bejarano Rivera bei Don Bosco-Salesianer-Projekten in seiner Heimat Kolumbien

Freiwilligeneinsätze eine „Win-Win-Situation“

Jugend Eine Welt unterstützt unter anderem technische Ausbildungsprogramme, Maßnahmen zur Arbeitsvermittlung und Projekte für Kinder in Straßensituationen. „Besonders wichtig ist auch der Einsatz von Freiwilligen im Rahmen der von Jugend Eine Welt und den Salesianern Don Boscos getragenen Entsende-Organisation ‚VOLONTARIAT bewegt‘, zum Beispiel in den Städten Medellín und Cali meiner Heimat Kolumbien“, unterstreicht der Salesianer. „Diese Einsätze gehen weit über finanzielle Unterstützung hinaus: Sie ermöglichen echte Begegnungen. Für viele junge Menschen, die viel Leid erfahren haben, ist es von unschätzbarem Wert, Menschlichkeit, Nähe und Solidarität aus anderen Kulturen zu erleben. Gleichzeitig ist Freiwilligenarbeit eine der schönsten Ausdrucksformen gelebter Solidarität. Ich habe viele junge Freiwillige, entsendet durch ‚VOLONTARIAT bewegt‘, aus Österreich in Kolumbien erlebt und gesehen, wie sie persönlich gewachsen sind. Sie haben – genauso wie Freiwillige aus dem Senior Experts-Programm von Jugend Eine Welt – unsere Projekte nachhaltig unterstützt. Es ist eine echte Win-Win-Situation – fachlich, menschlich und auch spirituell.“ Darüber hinaus hilft Jugend Eine Welt auch mit Stipendien für Bildung, Lernmaterialien, Lebensmittel und berufliche Qualifizierung.

Einblicke aus Sicht eines Projektpartners

Im Zuge des von Jugend Eine Welt ins Leben gerufenen „Tages der Straßenkinder“ am 31. Jänner 2026 berichtet Bejarano Rivera bei zahlreichen Veranstaltungen in Österreich aus erster Hand über die Lebensrealitäten von Kindern in Straßensituationen, spricht über globale Herausforderungen und zeigt, wie konkrete Hilfe wirkt. Einen eindrucksvollen und nachhaltigen Einblick in die Lebensrealitäten von Kindern in Straßensituationen lieferte der Gast aus Kolumbien am Tag vor dem Straßenkinder-Tag rund 100 Schüler:innen der fünften und sechsten Klassne des GRG13 Wenzgasse (im selben Bezirk Hietzing hat die Organisation Jugend Eine Welt ihren Sitz).

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dka.at –> kenia-schutz-fuer-maedchen

strassenkinder.at

jugendeinewelt –> tag-der-strassenkinder-2026