Teil 2 der besten der besten mehrsprachigen Redner:innen von „Sag’s Multi reloaded“ aus Wien.
Kleinen Kindern ist es noch egal, welche Sprache die anderen Kinder sprechen, ob wer Türke, Jude oder Araber ist, sie spielen, gemeinsam. So begann Flavio Carmignani von der AHS Rahlgasse in Wien-Mariahilf (6. Bezirk) seine Ree auf Englisch und Deutsch beim Wiener Speech-Masters-Tag von Sag’s Multi im ORF-Zentrum auf dem Küniglberg. So wie nach ihm 29 Jugendliche äußerte auch er live und analog seine Gedanken beim mehrsprachige Redebewerb, nunmehr im 17. Schuljahr vor vielen anderen Jugendlichen im Atrium – und noch mehr Zuschauer:innen / Zuhörer:innen im Live-Stream (der übrigens in der TV-Thek nachgeschaut werden kann, siehe Link in der Info-Box am Ende dieses Beitrages). Dies ist übrigens – wie im Untertitel angemerkt – Teil 2 der Beiträge über diesen Wien-Tag, dem ähnliche in allen ORF-Landestudios folgen; Teil 1 unten am Ende verlinkt, weiter folgen, um alle 30 Reden vorzustellen.
Englisch ist für den nach eigener Definition halb serbischen, halb italienischen Österreicher mit US-amerikanischer Stiefmutter eine erlernte Sprache. Menschen werden nicht mit Vorurteilen geboren, doch irgendwann ändere sich das, so Carmignani: Beeinflusst nicht zuletzt durch Medien. Mit Mut und Zivilcourage gelte es, Unrecht zu erkennen und aktiv dagegen anzukämpfen. Das könnten auch schon sogenannte kleine Dinge sein, die aber Großes bewirken: Der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist, ihr zuhören. Denn das Gefühl von Unterstützung hilft mehr als alles andere (meistens). Es gelte, andere Menschen zu respektieren, auch wenn sie anders sind, nicht die gleiche Sprache sprechen, keine hohe Bildung oder eine andere politische Meinung hätten.
Gerechtigkeit ist jenes Thema, das viele der Redner:innen zum Inhalt ihrer Rede machten – übrigens in derart ausgezeichneter Form, dass ORF-Redakteurin Judith Weissenböck, Vorsitzende der Jury, mehrfach betonte, fast am Rande der Verzweiflung zu sein, denn Entscheidungen fallen da mehr als schwer.
Auch Wajd Badran vom TGM, der Schule für Technik, wo sie den Zweig Biomedizin in der zweiten Klasse besucht, machte es ihr und ihren Mit-Juror:innen nicht leichter. Sie könne hier wie eben viele Schulen besuchen und dürfe lernen. Vielleicht gar nicht so weit weg gibt es viele, vor allem Mädchen, die keine schule besuchen können oder gar dürfen, weil sie am „falschen“ Ort geboren worden sind. Mit der Empathie, sich das vorzustellen, könnte das Eintreten gegen diese Ungerechtigkeiten beginnen. Denn jedes Leben ist gleich viel wert. Wenn genug Stimmen dies fordern, dann könne sich etwas ändern. Damit diese Mädchen nicht nur von Bildung träumen müssen, sondern sie erleben dürfen, meinte sie engagiert auf Arabisch (und natürlich ebenfalls Deutsch – das ist die Regel des mehrsprachigen Redebewerbs).
Das Pendeln, nein viel mehr für diese Generation übliche Verbinden der On- und der Offline-Welten nahmen viele der Jugendlichen für ihre Rede her, so auch Alisha Kamilova (privates ORG – OberstufenRealGymnasium – der Vienna European School) auf Russisch (die Ergänzung und auf Deutsch wird ab nun nicht mehr jedes Mal erwähnt!).
Trotz dem „Zuhause“-Sein in beiden Welten, verhalte auch sie sich wie viele andere nicht in beiden gleich. Agiere sie in der Schule eher verhalten, so im digitalen Raum eher offen. „Hey Bro“, würde sie dort oft einsteigen, „Online kann ich leichter ich sein, beste Gespräche habe ich oft, wenn ich auf einen Bildschirm starre… Aber, wo Licht ist, gibt es oft auch Schatten: Druck, Likes zu zählen, auf Kommentare zu achten oder zu schauen, ob man auf Fotos auch „schön genug“ sei… Irgendwann misst man seinen Wert nur noch in Zahlen und verschweigt, wie es einem wirklich geht.“
Als Schlussfolgerung plädierte sie dafür, in beiden Welten lieber echt zu sein.
So wie erst viele kleine, bunte, unterschiedliche Mosaiksteinchen ein wunderschönes Bild ergeben, so sei eben Vielfalt keine Schwäche, sondern eine Stärke, illustrierte Nahla ElSayed (GRG 10, Ettenreichgasse, Arabisch) ihr Wortbild, das damit in den Köpfen der Zuhörer:innen entstand.
Die Wienerin hat familiäre Wurzeln in Ägypten. Man kann eben mehrere Identitäten haben. Sie kann eben Arabisch und Deutsch auch Englisch, Türkisch, das si zufällig durch Schauen türkischer Serien erst mit Übersetzungen und Untertiteln und dann unter Verzicht auf diese gelernt habe und Italienisch. Sprachen sind nicht nur Worte, sondern Brücken zwischen den Menschen. Man lerne, die Welt mit den Augen anderer zu sehen.
Natürlich gebe es auch Herausforderungen, weil sich manchmal Menschen ausgeschlossen fühlen, wenn sie nichts verstehen oder nicht verstanden werden. Da gelte es eben gemeinsame Lösung zu finden: Zugehörigkeit entsteht durch Begegnung nicht durch Herkunft, Diskriminierung ist Gift für den Zusammenhalt, und da können schon „kleine“ Dinge können große Wunden hinterlassen. Eine gute Strategie dagegen: Solidarität, nicht still sein, es braucht Nein, denn Schweigen stützt immer nur die Täter.
Stärke liege nicht in Uniformität, sondern im Miteinander, darum nicht fragen, was uns trennt, sondern was uns verbindet!“
Sehr mutig offen gewährte Aya Farhat (BAfEP – Bildungsanstalt für Elementarpädagogik Wien-Strebersdorf, Englisch als erlernte Sprache) höchst persönliche Einblicke in Angstzustände, die sie ab 13 Jahren entwickelte. Angefangen davon, wie sie online aussehen sollte bis zu Selbstzweifeln, dass alles falsch sei, was sie sage oder mache. Was andere über sie sagen und denken sei ihr wichtiger gewesen als eigene Gedanken.
Und sie haben sich zu dieser Offenheit entschlossen, um die Chance zu nutzen auf diesen gesellschaftlichen Erwartungsdruck aufmerksam zu machen und darauf, was dieser ja nicht nur für sie, sondern für viele Jugendliche bedeute.
Nach sehr viel Selbstreflexionen könne sie sagen, es bringe nichts, ewig anderer Erwartungen zu erfüllen. Glücklich werde man nur, wenn man auf das eigene Herz höre. Und sie wollte eben diese Rede nutzen, um mit ihrer Stimme offen jene eine Stimme zu geben, die (noch) keine haben.
… machte Catinca Militaru (Vienna European School) mit einer – „erstmals auf Rumänisch (Erstsprache) gehaltenen Rede (Deutsch lernt sie überigens erst seit 2½ Jahren) zu ihrem Thema. Wenn man oft genug die selben Meinungen höre und lese, die Algorithmen einspielen, könne man diese leicht für Wahrheiten halten.
Viele Menschen übernehmen Meinungen aus dem Netz, statt sich eigene Gedanken zu machen. Wie viele Ideen haben wir übernommen, ohne sie zu hinterfragen, sondern halten sie für wahr?
Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.
Beim nunmehrigen 17. Durchgang des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi! – seit 2020 vom ORF gehostet (davor vom Verein Wirtschaft für Integration) sind einige Regeln neu, auch der Name: Next Level: SAG’S MULTI reloaded.
Statt bisher drei Altersgruppen (7./8., 9./10. sowie 11. bis 13. Schulstufe) sind es nun zwei:
* YoungStars (7. und 8. Schulstufe) bzw.
* Speech Masters (9. bis 13. Schulstufe).
384 Jugendliche haben in diesem Schuljahr ihre mehrsprachigen Rede-Videos eingereicht, 105 YoungStars sowie 165 Speech Masters wurden von den Jurys für die Speech Offs eingeladen.
Bei den Speech Offs – den analogen Live-Reden (im Gegensatz zu den Video-Reden in der ersten Phase) vor Publikum und im ORF-Livestream (danach in der TV-Thek) – werden in beiden Gruppen von der Jury jeweils Platz 1 bis 3 vergeben.
Beginnend mit Wien (16. und 17. Februar) touren die Speech-Offs bis 12. März (St. Pölten/ NÖ)
Die Erstplatzierten aller neun österreichischen Bundesländer sowie aus Südtirol – jeweils in den ORF-Landesstudios – treten bei der Abschlussveranstaltung von Sag’s Multi reloaded im Wiener Rathaus (17. April 2026) – genannt „The Final 9+“ (neun Bundesländer plus Südtirol) mit einer neuen Rede an, wo eine Jury neuerlich bewertet, um eine Siegerin oder einen Sieger zu küren.
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