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Diese Trophäen winken den drei Erstplatzierten beim Finale im April im Wiener Rathaus
Diese Trophäen winken den drei Erstplatzierten beim Finale im April im Wiener Rathaus
19.02.2026

Lesen, checken, Quellen prüfen, dann erst teilen

Suche nach Wahrheit statt Fake News war Thema mehrere Reden bei Sag’s Multi reloaded der Speech Masters im Bundesland Wien; Teil 3 der besten der besten mehrsprachigen Redner:innen.

Für den Themenbereich „Online. Offline. Echt?“ hatte sich Katharina Meizer vom privaten ORG (OberstufenRealGymnasium) Vienna European School entschieden. Die Grenzen verschwinden zwischen beiden Welten begann sie ihren Englisch-Deutschen Beitrag beim mehrsprachigen Redebewerb Sag’s Multi im Wiener ORF-Zentrum. Und wies darauf hin, dass – und das schon lange – Menschen sich auch im „echten“ Leben verstellen (können).

In beiden Welten, in der digitalen vielleicht noch mehr, weil dort Filter eingesetzt werden, gehe es zu sehr ums Äußere, wie Körper ausschauen. Und dabei die Seele ignoriert werde. Dies sei ein Element des ständigen Drucks.

Ihr Rat als Gegenmittel: Selbstliebe und Echt-Sein und zwar dies nicht nur zu zeigen, sondern auch zu spüren bzw. spüren zu lassen. „Echt sein ist wichtiger als perfekt zu sein!“

Psychotherapeutische groooße Lücke

Monatelange Wartezeit auf einen Kassen-Therapieplatz rechnet Sarah Schermaier (VBS – Vienna Business School, private Handelsakademie, Schönborngasse) in Sekunden um. So begann sie Englisch und setzte Deutsch fort über den Mangel an psychotherapeutischer und psychologischer Versorgung für Jugendliche zu sprechen, immer wieder zwischen beiden Sprachen wechselnd – ein Charakteristikum von Sag’s Multi.

Krass die Zahl, die sie für einige Momente raten ließ, um die Antwort gleich zu geben: Den 1,1 Millionen Schüler:innen in 5936 Schulen stehen ganze 190 Schulpsycholog:innen „zur Verfügung“. Ihr selbst konnten die Eltern private, teure Psychotherapie bezahlen, weshalb es ihr heute wieder gut gehe. Und genau deswegen wollte sie dieses Thema offen ansprechen, weil es auch noch immer schambehaftet sei.

Rede an ihr mögliches künftiges Kind

Zu einer sehr außergewöhnlichen Form griff Olivia Kampmüller (AHS Wien West, in Penzing, 14. Bezirk). Auf Schwedisch – und selbstverständlich Deutsch (Wettbewerbsregel, die ab nun auch in diesem Beitrag nicht mehr jedes Mal erwähnt wird) – führte sie ein Gespräch mit ihrem möglichen künftigen Kind.

Sie fühle sich angesichts der Krisen diese Welt, nicht zuletzt der Sorge, ob die Klimaziele erreichbar wären, hilflos. Und je mehr sie die Welt verstehe, desto eher halte sie es für egoistisch, ein süßes Baby in diese zu setzen. Noch dazu wo Millionen von Kindern in totaler Armut aufwachsen.

Aber sie versprach diesem – vielleicht nie geborenen – Kind, weiterhin für eine bessere Zukunft dieser Welt zu kämpfen.

Ungleiche Waagschalen

Ihre Hände verwendete Kaya Lehmann (AHS Maria Regina) als zwei Waagschalen. Damit illustrierte sie optisch eindrucksvoll die noch immer vorhandenen Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und Männern – von Löhnen und Gehältern bis zur unbezahlten Care-Arbeit in Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege meist älterer Angehöriger.

Auf die Idee zu dieser (Englisch-Deutschen) Rede sei ihr gekommen, als sie zum ersten Mal vom Equal Pay Day gehört habe, der Tag bis zu dem Frauen, wenn ihre Arbeits-Einkommen mit dem von Männern verglichen werden, sozusagen gratis gearbeitet haben.

Wie könne es sein, dass im 21. Jahrhundert diese längst bekannte Tatsache noch immer bestehe?! Auf Worte müssten endlich Taten folgen – einerseits gesamtgesellschaftlich, andererseits aber auch in Partnerschaften.

Auf der Suche nach Wahrheiten

Wie so manch andere Teilnehmer:innen des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi bringt auch die beim Wiener Speech-Masters angetretene Amira Zaina Celina Talab (RG /WRG Real- bzw. Wirtschaftliches RealGymnasium Feldgasse, Wien-Josefstadt, 8. Bezirk) schon verschiedene kulturelle und sprachliche Schätze mit. Sie, die Englisch als Erstsprache für ihren Beitrag wählte, nannte syrische, kroatische, slowenische und österreichische Wurzeln. Ihr Thema: On- und offline und die Frage nach der Echtheit, dem Echt-Sein.

Vor allem durch Social Media würden sich Lügen oft schneller verbreiten als ein Waldbrand. Es trage jedoch jede und jeder selber auch Verantwortung, nicht alles zu glauben, Nachrichten, Meldungen usw. zu überprüfen, auch wenn es zeitintensiv sein möge.

Die gute Nachricht, sagte sie: Du bist nicht alleine auf der Suche nach der Wahrheit. Wir können lernen, Lügen zu durchschauen, denn Wahrheit ist wertvoller als Gold!

Gerechtigkeitsfan

Aufgewachsen in Washington D. C. (Hauptstadt der USA) mit einem US-amerikanischen Vater und einer irischen Mutter, nun in Wien lebend, fühle sie sich im Herzen als Europäerin, so Nerys McInterney Lankford (Lycée français de Vienne). Sie musste sich, wie viele andere, für eine ihrer Sprachen neben Deutsch entscheiden und wählte Englisch, obwohl es genauso gut Französisch (siehe ihre Schule) oder aber auch Spanisch sein hätte können.

Gerechtigkeit machte sie zu ihrem Thema – gerade in den USA, wo sie lebte als George Floyd, der im Todeskampf dem auf ihm knieenden Polizisten vielfach zurief, dass er nicht mehr atmen könne, ziehe sich diese Diskriminierung Schwarzer Menschen lange hindurch. Sie erinnerte an Rosa Parks und Martin Luthe King. In Nordirland sei immerhin nach jahrzehntelangen erbitterten tödlichen Kämpfen 1998 ein Friedensabkommen erreicht worden – Feinde fanden Frieden, statt gegenseitige Rache weiter zu verüben.

Nun lebe sie in Wien, aber auch das sei „wahre Gerechtigkeit oft leise“. Ihre Wege zu mehr Gerechtigkeit: Menschen, die hören, sehen, empathisch sind, den Mut haben, Stimmen hörbar zu machen, auch wenn ringsum Schweigen herrscht.

Gegen das Sterben von Wahrheit

Aus der selben Schule wie seine Vorrednerin kommt Renátus Kollar. Er sprach Slowakisch zum Thema Zukunft Europas und verknüpfte dies mit der Frage zur Suche nach der Wahrheit. Sogenannte soziale Netzwerke würden nicht nur psychische Gesundheit von Menschen stören, sondern auch die Gesundheit der Demokratie beeinträchtigen. Denn diese beruhe auf Wahrheit.

Vor drei Jahren sei er die 60 Kilometer aus der slowakischen Hauptstadt Bratislava nach Wien gezogen, um hier die französische Schule zu besuchen. Eine kurze geografische Distanz der beiden Städte seines Herzens, aber eine ganze Welt liegt zwischen ihnen.
Kollar erinnerte an die Ermordung des Aufdecker-Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová vor fast genau acht Jahren (21. Februar 2018) „auf dem Altar der Wahrheit“.

Er habe aber selber dann im Lockdown in historischen Online-Rollenspielen erlebt, wie schnell sich rassistische, antisemitische Lügen verbreiten können. Deshalb sei es umso wichtiger, dass –  nicht zuletzt über Initiativen wie Lie Detectors – schon früh in Sachen Fake News, Verdrehungen der Wahrheit …. Sensibilisiert werde.

Denn die Freiheit stirbt im Schweigen derer die aufhören zu denken, nicht im Lärm der Kriege.

Mensch-Sein statt Konkurrenz

Bezug auf die aktuell in Italien stattfindenden Winterspielen nahem Amelie Kröpfl (AHS Wien West, Englisch) mit dem zweiten Olympischen Motto (neben Dabei sein ist alles): Höher, schneller, weiter.

Der ständige Wettkampf, das dauernde Vergleichen, sei aber ein harmlos klingender Virus, der den Zusammenhalt gefährde. Und dazu führe, dass eine fiktive Andrea ständig das Gefühl habe „nicht gut genug zu sein“ und Ängste entwickle, dass andere auch diese Meinung teilten.

Daher brauche das Schulsystem dringend ein Update. Und zwar jetzt! Feedbacksystem statt Noten mit dem Ziel, niemandem das Gefühl zu geben, schlecht zu sein: Menschen, nicht Konkurrent:innen!

Leider setzt übrigens auch der neue Modus von Sag’s Multi reloaded mehr auf den Wettbewerb

Vor dem Teilen: lesen, checken, prüfen

Nicht zuletzt Elon Musk habe mit Algorithmen mit dazu beigetragen, dass Fake News spannender geworden sind als reale, echte, wahr Informationen, meinte Fabian Christ (HTL Rennweg, Englisch). Der 16-Jährige, der schon vor zwei Jahren eine Agentur gegründet hat, um für Kund:innen Videos zu gestalten, rief auf, erst Dinge zu lesen und zu checken, Quellen zu prüfen, bevor jemand sie teilt. Denn Fake News zerstören Vertrauen.

Medienkompetenz früh lernen

Natürlich sei es schwierig und nicht selten auch anstrengend, Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, Quellen zu checken, rauszufinden, was ist Wahrheit und was Lüge. Aber dafür brauche es – mehr! – Medienkompetenz-Unterricht und das möglichst früh, forderte Haya Al-Taie (GRG 10, Arabisch). Dazu zähle übrigens auch unterscheiden zu lernen, was von künstlicher Intelligenz erstellt wurde und was nicht.

Am Ende liegt es an uns allen, unterscheiden zu lernen zwischen Wahrheit und Lüge, denn die Wahrheit ist etwas Seltenes, Wertvolles.

kijuku_heinz

Wird fortgesetzt mit weiteren Beiträgen über die Wiener Speech-Masters-Reden.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Sag’s Multi Reloaded

Beim nunmehrigen 17. Durchgang des mehrsprachigen Redebewerbs Sag’s Multi! – seit 2020 vom ORF gehostet (davor vom Verein Wirtschaft für Integration) sind einige Regeln neu, auch der Name: Next Level: SAG’S MULTI reloaded.

Statt bisher drei Altersgruppen (7./8., 9./10. sowie 11. bis 13. Schulstufe) sind es nun zwei:
* YoungStars (7. und 8. Schulstufe) bzw.
* Speech Masters (9. bis 13. Schulstufe).

384 Jugendliche haben in diesem Schuljahr ihre mehrsprachigen Rede-Videos eingereicht, 105 YoungStars sowie 165 Speech Masters wurden von den Jurys für die Speech Offs eingeladen.

Platzierungen

Bei den Speech Offs – den analogen Live-Reden (im Gegensatz zu den Video-Reden in der ersten Phase) vor Publikum und im ORF-Livestream (danach in der TV-Thek) – werden in beiden Gruppen von der Jury jeweils Platz 1 bis 3 vergeben.

Tour

Beginnend mit Wien (16. und 17. Februar) touren die Speech-Offs bis 12. März (St. Pölten/ NÖ)

Final-Bewerb

Die Erstplatzierten aller neun österreichischen Bundesländer sowie aus Südtirol – jeweils in den ORF-Landesstudios – treten bei der Abschlussveranstaltung von Sag’s Multi reloaded im Wiener Rathaus (17. April 2026) – genannt „The Final 9+“ (neun Bundesländer plus Südtirol) mit einer neuen Rede an, wo eine Jury neuerlich bewertet, um eine Siegerin oder einen Sieger zu küren.

Sag’s-Multi-Homepage

ORF TV Thek –> sags-multi, wien, Speechmasters

ORF-TV-Thek –> Sag’s Multi, wien, YoungStars