Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Trio aus der Mittelschule Ebenfurth beim Redebewerb und grauer sowie bunter Regenbogen
Trio aus der Mittelschule Ebenfurth beim Redebewerb und grauer sowie bunter Regenbogen
10.05.2021

„Eine Gesellschaft ohne Multikulturalität ist wie ein farbloser Regenbogen!“

Finalrunden des mehrsprachigen Redebewerbs „SAG’S MULTI!“ – oft in ORF-Landesstudios. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … ist bei einigen dabei.

Was in den ersten zehn Jahren normal war, findet nun in den Finalrunden des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ erstmals wieder statt: Die Jugendlichen äußern ihre Gedanken vor Publikum. Wenngleich dieses auf die Jury sowie Fotograf*innen und Journalist*innen begrenzt ist. Dafür strahlt der ORF, heuer Partner und Träger des Bewerbs, diese als Live-Stream aus.

Im Vorjahr die Finalreden, heuer jene in der Hauptrunde, mussten/durften nur als Video eingeschickt werden. Manche fanden das „einfacher und besser, weil wenn du einen Fehler gemacht hast, konntest du’s noch einmal aufnehmen“, meinte einer der Redner aus der jüngsten Kategorie. Und doch nahm auch er dann die Energie eines Live-Publikums wahr und auf.

Der dritte Finaltag fand in St. Pölten im Landhaus im Regierungsviertel statt (davor gab es je einen in den ORF-Landesstudios Tirol bzw. Steiermark, den Abschluss bilden zwei Finaltage im Radiokulturhaus von ORF-Wien). Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr war in Niederösterreich dabei. Und hier – weiter unten in Fotostrecken kurze Zusammenfassungen der Reden aller dort auftretenden 23 Jugendlichen – aufgeteilt nach den drei Alterskategorien (7./8., 9./10 sowie 11. – 13. Schulstufe).

Zunächst sei noch aus jeder Altersgruppe stellvertretend ein/e Jugendliche/r etwas ausführlicher zitiert.

Rednerin Lorena Semiga
Lorena Semiga aus der Mittelschule Ebenfurth (NÖ)

846 Jahre

Lorena Semiga eröffnete den Reigen der Jüngsten. Die Mittelschülerin aus Ebenfurth (NÖ) fing sozusagen mit einem Rätsel an und nannte die Zahl 846 Jahre – auf Englisch (erlernte Fremdsprache) und natürlich Deutsch – das müssen alle verwenden. Grübel was war 1175? Und wo? In St. Pölten, in Ebenfurth? Nein, klärte sie auf, es geht um die Summe der Verwandten von Urgroßeltern bis eben Urenkeln. So viele Jahre errechnete die Rednerin für alle, die vor zwei Jahren beim alljährlichen gemeinsamen Treffen in Bosnien zusammenkamen. Ein Fixpunkt im Familienleben „mit viel Lachen und Weinen“.

Bereits zum zweiten Mal fiel dies wegen Corona aus. Noch viel mehr beeinträchtige Pandemie und die notwendigen Maßnahmen ihr Alltagsleben. „Ich kenn mich oft nicht aus, wann ist Schule, welcher Tag ist heute und warum klappt die Internetverbindung schon wieder nicht. Das Virus zehrt an unseren Nerven“ mit Folgen für die Konzentration… Lehrer machen uns schon oft Mut, aber sie leiden selbst. Wer schaut auf uns Junge?!“

Weitere Redner*innen bei den Jüngsten (7./8. Schulstufe)

Arge Erinnerungen kamen hoch

Media Hussain von der HLA Baden (NÖ) aus der mittleren Altersgruppe (9./10. Schulstufe) wies eingangs darauf hin, dass sie erst seit 5 ½ Jahren in Österreich lebt, geflüchtet aus Syrien. Und gleich am ersten Tag bei der Ankunft auf dem Hauptbahnhof habe sie auf der Suche nach ihrer jüngeren Schwester rassistische Erfahrung erlebt. Selbst die Erinnerung ging ihr so nahe, dass die dabei erlebten Gefühle so stark hochkamen, dass sie ihre Rede unterbrechen musste.

Rednerin Media Hussain
Media Hussain aus der HLA Baden (NÖ)

Sensibel und flexibel reagierte Moderatorin Eser Akbaba spontan und nahm die nächste Rednerin dran. Zuspruch aus dem Team des Bewerbs und ihr eigener fester Wille half Media Hussain danach ihre Rede – auf Arabisch „das nicht meine Muttersprache ist“ (sondern Kurdisch) und Deutsch sowieso neu zu beginnen und zu Ende zu bringen. Sie habe später auch gute Aufnahme bei einer Pflegefamilie bekommen, aber immer wieder erlebe sie Rassismus, Anfeindungen, Diskriminierung. „Dabei wollen wir doch nur Teil dieser Gesellschaft sein, uns zugehörig fühlen. Wir sind bunt, ja und? zitierte sie ihr gewähltes Bewerbsthema, „aber leider können nicht alle die Farben sehen!“

Weitere Redner*innen der 9./10. Schulstufe

Alle sind wir von einer Frau geboren

Gul Ahmad Salimi (HTBLA Wels, OÖ), ebenfalls ursprünglich aus Afghanistan und seit sechs Jahren hier, sprach der angehende Maturant im zweig Mechatronik auf Dari gegen jeden Hass. Polemisch nahm er aufs Korn, dass an allem „die Ausländer“ schuld sein sollten. Fragte sich – und uns – aber auch, „ob wir wirklich was und genügend gegen Hass und Gewalt getan haben“.

Redner Gul Ahmad Salimi
Gul Ahmad Salimi aus der HTBLA Wels

Jenen gegenüber Frauen könne er gar nicht verstehen, sind wir doch alle jeweils von einer Frau geboren worden.

Jede/r befinde sich auch im Kampf gegen sich selbst. Sich zu ändern sei nicht leicht, es brauche den Mut zum ersten Schritt. Aber wer aus Hass Liebe und Freundschaft machen könne, der öffnet Wege auch zu seinem eigenen Herzen.

Rednerin Dina Loshaj
Diana Loshaj

Diana Loshaj (Gymnasium Gmunden, OÖ; Albanisch/Erstsprache) findet es wichtig, dass es mehr Lehrer*innen mit multikulturellen Hintergründen gebe, um Kindern und Jugendlichen Vorurteile zu nehmen bzw. dass sich eben mehrsprachige Schüler*innen in Lehrpersonen wiederfinden. Ihre Lehrerin studiere Lehramt. Noch immer müsse sie selbst sich anhören, dass sie aber gut Deutsch spreche. „Ich bin hier geboren, habe hier mein Umfeld, fühle mich aber auch im Urlaub im Kosovo in der Heimat meiner Eltern wohl. Mir gefällt es an beiden Orten gleich gut.“

In Österreich leben rund zwei Millionen Menschen mit Migrationshintergrund – in führenden Positionen sowohl in Politik als auch in Medien spiegle sich das aber keineswegs. „Eine Gesellschaft ohne Multikulturalität ist wie ein farbloser Regenbogen!“

Weitere Redner*innen aus den 11. bis 13. Schulstufen

Follow@kiJuKUheinz

Schnappschüsse von Jurys, TV-Interviews und mehr …

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

12. Runde: 133 im Finale

Im Herbst sind 350 Jugendliche bei der 12. Runde des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ angetreten. Juror*innen entschieden aufgrund von eingesandten Videos, wer es ins Finale schafft(e). Jury-Vorsitzender und Erfinder des Bewerbs, Peter Wesely, sandte allen Redner*innen wertschätzendes, individuelles Feedback und den Finalist*innen Tipps dafür in jeweils rund 1 ½ -minütigen Videos. (Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … durfte etliche davon sehen).

133 Schüler*innen mit 25 Sprachen – immer natürlich Deutsch dabei – stell(t)en sich nun an fünf Finaltagen live den Jurys. Die Sieger*innen werden Ende Juni bekanntgegeben – hoffentlich sogar in einer Live-Veranstaltung.

In diesem Schuljahr hat erstmals der ORF die Patronanz für den Bewerb übernommen. Zum Gesicht des Bewerbs wurde die mehrsprachige, langjährige ORF-Wettermoderatorin Eser Akbaba.

sagsmulti.at