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Theaterhotel reloaded by Modul, Freitag, 20. Februar 2026
Theaterhotel reloaded by Modul, Freitag, 20. Februar 2026
22.02.2026

Fein speisen und Kultur genießen – und das für gute Zwecke

250 Tourismus-Schüler:innen bewirteten an zwei Tagen wieder fast 600 Gäste in Wiener Hotel am Rennweg.

Samstagmittag versetzt die „John Lennon Tribute Band“ (sehr) viele der 280 Gäst:innen im großen Saal des Austria Trend Hotels Savoyen am Wiener Rennweg um Jahrzehnte zurück in ihre Jugend. Oder ließ deren junge Jahre wieder „auferstehen“. Zum Tanzen – wie die Musiker:innen es sich wünschten, ließen sich nur wenige und das eher zaghaft animieren.

Für diesen Auftritt rangen sich Andy Baum, Ramona Kasheer (beide Gesang und Gitarre), Alex Gantz (E-Gitarre), Martin Payr (Keyboards), Jürgen Mitterlehner (Saxofon und Percussion), Arnulf Lindner (Gesang, Bass, Cello) und Bandleader Robin Gillard (Gesang und Schlagzeug) sowie Erik Trauner als Gast (Gitarre, Gesang, Mundharmonika) zu einer für sie ungewöhnliche Premier durch: Auf einer Matinee hatten sie noch nie gespielt. Aber was machen engagierte Künstler:innen nicht alles für gute Zwecke!? Denn das Konzert war Teil des diesjährigen Theaterhotels, reloaded by Modul.

Soziale Projekte

Bei Leser:innen von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… sowie dem Vorläufer dieser Plattform, dem Kinder-KURIER, klingelt’s vielleicht: Dies ist ein riesiges, wahrscheinlich das größte Schul-Charity Österreichs. Jugendliche einer Tourismusschule – mehr als eineinhalb Jahrzehnte der öffentlichen Bergheidengasse, nun im zweiten Jahr von Modul (Wiener Wirtschaftskammer) verbinden ihre fachliche Ausbildung – kochen, servieren, Projekt- und Eventmanagement. Sie organisieren diese große Veranstaltung mit exquisiten allesamt selber zubereiteten kulinarischen Genüssen, treiben ebenso hochwertige Kultur auf. Und die Einnahmen kommen Vereinen, Initiativen, Projekten zugute.

Otto Tausig überreichte nah einm Interview dem damaligen Kinder-KURIER Redakteur eine Rolle mit einem vonihm signierten Theaterhotel-Plakat
Otto Tausig überreichte nah einm Interview dem damaligen Kinder-KURIER Redakteur eine Rolle mit einem vonihm signierten Theaterhotel-Plakat

Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling

2008 fand das erste dieser „Theaterhotels“ noch in kleinem, schon ein Jahr später in größerem Rahmen und danach immer im oben genannten Hotel, vormals Heimat der Wiener Zeitung, statt. Initiiert von Schauspiellegende Otto Tausig (1922 – 2011) und einem der Bergheidengassen-Lehrer, Helmut Kuchernig-Hoffmann. Tausig hatte als Kind nur deswegen die Nazi-Zeit überlebt, weil er mit einem der bekannten Kindertransporte nach England entkommen konnte, war also einer von Tausenden minderjährigen Flüchtlingen. Mit seiner Schauspielkunst hat er abseits der Bühnen (Burgtheater) sich vielfach und stets gesellschaftspolitisch engagiert. Und so kam’s zu diesem großartigen Projekt. Er selbst hatte damals schon Projekte des Entwicklungshilfeklubs unterstützt. Und so werden mittlerweile Menschen in rund 100 Dörfern in Guntur im indischen Bundesstaat Andrha Pradesh, vor allem Angehörige ausgegrenzter Minderheiten, dabei geholfen, fixe Behausungen zu bekommen. Darüber hinaus werden immer wieder noch andere Projekte im Aus-, aber auch im Inland unterstützt. Aus aktuellem Anlass wanderte 2023 ein Teil der Einnahmen in die Erbebengebiete in der Türkei und in Syrien. Die Musik-Initiative für Kinder weniger betuchter Eltern, Superar und andere werden seit einigen Jahren auch unterstützt.

Literarisch-philosophisch

Freitag Abend – beim Dinner mit geschmortem Topinambur, getrüffelter Pastinakencreme, Rinderschulter und Rotkraut bzw. als fleischlose Alternativen Pilze und Kohlsprossen sowie einem optischen Kunstwerk aus Sesamparfait, „servierte“ Cornelius Obonya den 250 Besucher:innen ein literarischen-philosophisches Programm unter dem Titel „Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar“. Dazu spielte Christoph Paula am Klavier, Alexandra Aleksiuk am Cello und Andy Grabner Percussion.

Für Obonya gab es auf der Bühne eine überraschende Begegnung. Cornelia Karl, die gemeinsam mit Florian Aurelio Neumayr beide Tage moderierte, erinnerte ihn daran, dass sie schon Jahre vorher, als siebenjähriges Kind mit einem Chor von Kärntnerinnen in Wien im Stift Klosterneuburg die Bühne geteilt hatte.

Nachhaltig

Das Moderationsduo hat gemeinsam mit Regie-Assistentin Olivia Leopold – alle nun in der Abschlussklasse – den reibungslosen Ablauf sowohl Freitagabend als auch Samstagmittag organisiert. Die beiden Moderator:innen haben in dieser Profession – abseits der Bühne – Erfahrungen gesammelt in einer 17-teiligen Podcast-Serie im vergangenen Schuljahr, wie sie KiJuKU.at berichten: „Die ganze Klasse hat sich mit den Nachhaltigkeitszielen intensiv beschäftigt. Jede und jeder hat sich eines der 17 SDG – Sustainable Development Goals hergenommen und dazu recherchiert, wo und wie in Wien das exemplarisch erfüllt wird. Und wir beide haben unsere Klassenkolleginnen und -kolelgen dann für die jeweilige Folge interviewt.“ (Wien nachhaltig entdecken -Dein SDG-Guide für Wien, Modul onAir; Spotify; am Ende des Beitrages verlinkt.)

Und: Die Jugendlichen haben nicht nur über Nachhaltigkeit geredet, das Theaterhotel ist – wieder – als „ÖkoEvent+“ ausgezeichnet worden, weil von der Planung bis zur Durchführung klimabewusst gearbeitet wird, also geachtet wird möglichst Ressourcen zu schonen, Abfall soweit wie möglich zu vermeiden, auf regionale, saisonale, biologische Lebensmittel gesetzt wird, …

250 Jugendliche im Einsatz

An den beiden Tagen waren insgesamt 250 Schüler:innen von der ersten bis zur 5. Klasse im Einsatz. Der der jüngsten, die mit leeren, runden Tablets vor Beginn der Veranstaltung im Foyer vor dem großen Saal Ausschau hielten, wo was von den Stehtischen schon abzuservieren sei, verrieten Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… nicht nur, dass „wir heute schon seit 7 Uhr in der Früh da sind, weil viel vorzubereiten war“, sondern ach, weshalb sie sich für diese Oberstufe entschieden haben.

Mira Theodora Germann: „Ich wollte schon immer Schule mit mehr Praxis verbinden.“ Julia Böhm, ebenfalls 14 Jahre: „Schon in der Unterstufe wusste ich, dass ich eine Oberstufe will, in der ich auch schon einen Beruf lernen kann. Und ich wollte einen Beruf, in dem ich viel mit Menschen zu tun haben kann – das ist im Tourismus der Fall und macht mir großen Spaß. Außerdem haben wir in der Schule wirklich sehr viel Praxisausbildung – kochen, servieren…“

Mora Buisman beginnt damit, dass „mir im Gymnasium etwas gefehlt hat. Ich wollte nicht nur die „normalen“ Fächer lernen und so hab ich mir weiterführende Schulen bei Tagen der offenen Tür angeschaut. Beim Modul fand ich das mit dem Einsatz bei Veranstaltungen außerhalb der Schule sehr interessant. Und es gefällt mir immer noch. Neben kochen und servieren haben wir in der Schule noch weitere Praxistage, wo wir zum Beispiel für das Schüler-Café und dort für alles zuständig sind – bis dahin, wie man so eine Großküche auch ordentlich sauber halten kann.“

kijuku_heinz

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Mehr Informationen

Über die Hilfsprojekte in Indien <– damals, 2019, noch im Kinder-KURIER, Vorläufer vonKiJuKU.at

Fotos von Freitagabend

Das Theaterhotel

Nachhaltigkeits-Podcast der Modul-Schüler:innen

Modul

Entwicklungshilfeklub

John Lennon Tribute Band