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Puppe im Kinderbett starrt aufs Handy - aktionistisch machte der Unicef-Jugendbeirat auf die eigenen Forderungen in Sachen digitaler Kinderschutz aufmerksam
Puppe im Kinderbett starrt aufs Handy - aktionistisch machte der Unicef-Jugendbeirat auf die eigenen Forderungen in Sachen digitaler Kinderschutz aufmerksam
10.02.2026

Kinderbett auf der Straße, Puppe starrt ins Handy

Aktion des Jugendbeirates von Unicef-Österreich zum Safer Internet Day vor dem MuseumsQuartier Wien: Digitaler Kinderschutz – aber mit Kindern und Jugendlichen.

Eine kinderlebensgroße Puppe in einem Kinderbett starrt auf ein Handy, neben sich im Bett ein großes, grünes Stoff-Krokodil, vor dem Bett ein Stoffball. Rund um diese Installation auf dem Platz der Menschenrechte beim Wiener MuseumsQuartier stellten sich junge Erwachsene in roten bzw. hellblauen Westen auf. Sie sind Teil des neuen Jugendbeirates des Österreich-Zweiges von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Michael, Harleen, Naomi, Jad, Florian, Sabrina und Jasmin und dazu noch Charlotte (bei der UN-Organisation für Jugend-Partizipation und Engagement verantwortlich) wollten mit der auffälligen Aktion auf ihre Anliegen in Sachen Schutz und Sicherheit in der Online-Welt, insbesondere auf den unsozial gewordenen Plattformen hinweisen.

Gegensatzpaare

Zentrale Themen, die ihnen dabei besonders wichtig waren, fassten sie in Adjektiven zusammen – positive im Unicef-blau: Respektiert, informiert, geschützt und geliebt. Die negativen, Gefahren und Risiken trugen die Kolleg:innen in den roten Warnwesten in schwarzer Farbe: sexualisiert, desinformiert, ausspioniert und gemobbt.

Eine erste konkrete Sicherheitsmaßnahme setzten sie selber, indem sie für die Fotos mit den genannten Begriffen, ihre Gesichter gut zur Hälfte vermummten, um zu verhindern, dass ihre Fotos mit gut erkennbaren Gesichtern und diesen Begriffen missbräuchlich verwendet werden.

Echter Schutz nur durch Bildung und Rahmenbedingungen

Mit der Aktion „Digitalen Schutz im Kinderzimmer“ im aktuellen Safer Internet Monat und vor dem internationalen Safer Internet Day (2026 am 10. Februar, immer am zweiten Februar-Dienstag) wollte bzw. will der Jugendbeirat, aber auch Unicef Österreich insgesamt „deutlich machen: Digitaler Kinderschutz ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in dieser digitalen Welt auch online auf – doch Schutz, Aufklärung und klare Regeln halten damit oft nicht Schritt. Unser Ziel ist es, Bewusstsein für die Risiken digitaler Räume zu schaffen, Gespräche mit Passant:innen, Eltern und Großeltern anzuregen und gleichzeitig konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wir wollen zeigen, dass echte Sicherheit nicht durch oberflächliche oder rein technische Maßnahmen entsteht, sondern durch Bildung, Aufklärung und klare politische Rahmenbedingungen“, wird die 20-jährige Sarah zitiert.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… interviewte selber drei der Jugendbeiratsmitglieder – das Gespräch mit Florian, Jad und Jasmin folgt in einem eigenen Beitrag, der am Ende unten verlinkt ist.

Mitbestimmen, mitgestalten

Jugendbeiratsmitglied Michael (19) betont die Wichtigkeit von Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von Lösungen: „Junge Menschen wollen bewegen und mitgestalten. Egal ob es um moralische Fragen von Datenschutz und Kontrolle, um die Regulierung von Inhalten oder um den Schutz von Meinungen geht. Wir müssen eine digitale Welt schaffen, fernab von für Kinder schädliche Inhalte und mit Blick auf die mentale Gesundheit aller. Wir müssen den digitalen Raum aktiv mitgestalten dürfen und ihn gemeinsam mit anderen Generationen und Kulturen so einfordern wie wir ihn wünschen.“

Prominente Unterstützung

Zur Aktion der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen auf dem Platz der Menschenrechte gesellte sich mit Barbara Meier, Schauspielerin, Model und Ehrenbeauftragte von Unicef-Österreich auch prominente Unterstützung. „Als Mama mache ich mir Sorgen, wie es künftig für meine beiden Töchter einmal in der digitalen Welt sein wird. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass wir Kinder mit den Online-Gefahren nicht alleine lassen und dass wir sie als Eltern und als Gesellschaft zu Hause und in der Schule bei diesem Thema begleiten.“

Wissens- und Kompetenzförderung im Fokus

Unicef Österreich fordert Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen auf, über einfache Slogans und pauschale Verbote hinauszugehen und gemeinsam mit Kindern, Familien und Fachexpert:innen daran zu arbeiten, Social-Media-Umgebungen zu schaffen und zu regulieren, die von Grund auf sicher, inklusiv und rechtskonform sind.

Forderungen

  • Digitale Kompetenzen für jedes Kind, die auch verantwortungsvolles Onlineverhalten beinhalten
  • Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von Lösungen: In den Arbeitsgruppen zur Erarbeitung von Maßnahmen und Gesetzen müssen neben fachlichen Expert:innen aus verschiedenen Bereichen wie Psychologie, Pädagogik, (Kinder)Recht und IT, Jugendliche als Betroffene und Expert:innen ihrer Lebensrealität mit am Tisch sitzen und mitentscheiden dürfen.
  • Evidenz und wissenschaftliche Forschung: Um konkrete Maßnahmen festzulegen, braucht es eine fundierte Basis und Forschung, auch betreffend  Monitoring etwaiger Auswirkungen auf die Betroffenen. Junge Menschen sind individuell in Bedürfnissen und Entwicklung, Plattformen und deren Funktionen sind auch vielfältig. Es braucht daher passende unterschiedliche Schutzmaßnahmen und abgestufte Lösungen.
  • Kinderrechte bei der Umsetzung von Schutzmaßnahmen wahren: bei Maßnahmen wie der Altersverifikation müssen Datenschutz und Nicht-Diskriminierung eingehalten werden. Für die Entwicklung von digitalen Maßnahmen muss vorab die Auswirkung auf Kinderrechte bewertet werden. Unicef hat mit D-CRIA (Digital Child Rights Impact Assessment – am Ende des Beitrages verlinkt) ein entsprechendes Tool geschaffen, um potentielle Risiken für Kinder einschätzen und Maßnahmen ableiten zu können.

Petition

Außerdem verweist Unicef anlässlich des Safer Internet Days nochmals auf die eigene Petition „Online sicher – für jedes Kind“ für mehr Kinderschutzmaßnahmen auf Plattformen, digitale Bildung für jedes Kind sowie Einbeziehung junger Menschen, über die KiJuKU.at schon berichtet hat – Beitrag unten verlinkt; ebenso auf die Verurteilung von KI-generierten sexualisierten Bildern von Kindern – ebenfalls unten verlinkt.

Jugendbeirat und links Klara Krgovic-Baroian, stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy & Kinderrechte, bei einer kurzen Rede zu den Forderungen von Unicef Österreich in Sachen digitaler Kinderschutz
Jugendbeirat und links Klara Krgovic-Baroian, stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy & Kinderrechte, bei einer kurzen Rede zu den Forderungen von Unicef Österreich in Sachen digitaler Kinderschutz

Verbot (allein) könnte auch kontraproduktiv sein

Ein generelles Social Media Verbot unter einem gewissen Alter berge auch Risiken und könnte nach hinten losgehen, meinte Unicef Österreich rund um diese Aktion. „Wenn Kinderrechte missachtet werden, könnte das etwa dazu führen, dass Kinder von Informationen, Freundschaften und Unterstützung abgeschnitten werden, die sie anderswo nicht finden können – besonders bereits ohnehin marginalisierte Kinder. Junge Menschen könnten in unsichere, unregulierte Räume gedrängt werden und viele Kinder umgehen Altersgrenzen ohnehin.

Ganzheitlich denken

Klara Krgovic-Baroian, stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy & Kinderrechte, betont: „Es ist eine genaue Abwägung und ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Kinder bis zu einem gewissen Alter von Social Media auszuschließen kann zum Schutz beitragen, darf aber keine Ausrede dafür sein sonst keine weiteren Schutzmaßnahmen auf Plattformen zu setzen. Zudem muss sichergestellt sein, dass Kinder den Umgang mit Plattformen lernen, bevor sie Zugang zu diversen sozialen Netzwerken erhalten.“

Datenschutz

Darüber hinaus braucht es bessere Moderation von Inhalten, altersgerechte Designs und vorgegebene Kinderschutzeinstellungen, die ihre Daten schützen. Bei der Umsetzung von Altersüberprüfungen müssen Kinderrechte wie Datenschutz und Nicht-Diskriminierung beachtet werden – es gilt genau hinzuschauen: Wie wird die Überprüfung durchgeführt? Welche Informationen über die Kinder erhalten die Plattformen? Haben alle Kinder die Möglichkeit, ihr Alter nachzuweisen, oder sind manche Kinder davon ausgeschlossen, weil etwa Dokumente fehlen oder nur eine einzige zu komplizierte Methode zugelassen ist?

kijuku_heinz

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Mehr Informationen

Unicef –> Petition

safer-internet-day-2026

unicef –> D-CRIA