Aktion des Jugendbeirates von Unicef-Österreich zum Safer Internet Day vor dem MuseumsQuartier Wien: Digitaler Kinderschutz – aber mit Kindern und Jugendlichen.
Eine kinderlebensgroße Puppe in einem Kinderbett starrt auf ein Handy, neben sich im Bett ein großes, grünes Stoff-Krokodil, vor dem Bett ein Stoffball. Rund um diese Installation auf dem Platz der Menschenrechte beim Wiener MuseumsQuartier stellten sich junge Erwachsene in roten bzw. hellblauen Westen auf. Sie sind Teil des neuen Jugendbeirates des Österreich-Zweiges von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Michael, Harleen, Naomi, Jad, Florian, Sabrina und Jasmin und dazu noch Charlotte (bei der UN-Organisation für Jugend-Partizipation und Engagement verantwortlich) wollten mit der auffälligen Aktion auf ihre Anliegen in Sachen Schutz und Sicherheit in der Online-Welt, insbesondere auf den unsozial gewordenen Plattformen hinweisen.
Zentrale Themen, die ihnen dabei besonders wichtig waren, fassten sie in Adjektiven zusammen – positive im Unicef-blau: Respektiert, informiert, geschützt und geliebt. Die negativen, Gefahren und Risiken trugen die Kolleg:innen in den roten Warnwesten in schwarzer Farbe: sexualisiert, desinformiert, ausspioniert und gemobbt.
Eine erste konkrete Sicherheitsmaßnahme setzten sie selber, indem sie für die Fotos mit den genannten Begriffen, ihre Gesichter gut zur Hälfte vermummten, um zu verhindern, dass ihre Fotos mit gut erkennbaren Gesichtern und diesen Begriffen missbräuchlich verwendet werden.
Mit der Aktion „Digitalen Schutz im Kinderzimmer“ im aktuellen Safer Internet Monat und vor dem internationalen Safer Internet Day (2026 am 10. Februar, immer am zweiten Februar-Dienstag) wollte bzw. will der Jugendbeirat, aber auch Unicef Österreich insgesamt „deutlich machen: Digitaler Kinderschutz ist kein Randthema, sondern eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Kinder und Jugendliche wachsen heute in dieser digitalen Welt auch online auf – doch Schutz, Aufklärung und klare Regeln halten damit oft nicht Schritt. Unser Ziel ist es, Bewusstsein für die Risiken digitaler Räume zu schaffen, Gespräche mit Passant:innen, Eltern und Großeltern anzuregen und gleichzeitig konkrete Handlungsoptionen aufzuzeigen. Wir wollen zeigen, dass echte Sicherheit nicht durch oberflächliche oder rein technische Maßnahmen entsteht, sondern durch Bildung, Aufklärung und klare politische Rahmenbedingungen“, wird die 20-jährige Sarah zitiert.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… interviewte selber drei der Jugendbeiratsmitglieder – das Gespräch mit Florian, Jad und Jasmin folgt in einem eigenen Beitrag, der am Ende unten verlinkt ist.
Jugendbeiratsmitglied Michael (19) betont die Wichtigkeit von Jugendpartizipation bei der Erarbeitung von Lösungen: „Junge Menschen wollen bewegen und mitgestalten. Egal ob es um moralische Fragen von Datenschutz und Kontrolle, um die Regulierung von Inhalten oder um den Schutz von Meinungen geht. Wir müssen eine digitale Welt schaffen, fernab von für Kinder schädliche Inhalte und mit Blick auf die mentale Gesundheit aller. Wir müssen den digitalen Raum aktiv mitgestalten dürfen und ihn gemeinsam mit anderen Generationen und Kulturen so einfordern wie wir ihn wünschen.“
Zur Aktion der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen auf dem Platz der Menschenrechte gesellte sich mit Barbara Meier, Schauspielerin, Model und Ehrenbeauftragte von Unicef-Österreich auch prominente Unterstützung. „Als Mama mache ich mir Sorgen, wie es künftig für meine beiden Töchter einmal in der digitalen Welt sein wird. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass wir Kinder mit den Online-Gefahren nicht alleine lassen und dass wir sie als Eltern und als Gesellschaft zu Hause und in der Schule bei diesem Thema begleiten.“
Unicef Österreich fordert Regierungen, Regulierungsbehörden und Unternehmen auf, über einfache Slogans und pauschale Verbote hinauszugehen und gemeinsam mit Kindern, Familien und Fachexpert:innen daran zu arbeiten, Social-Media-Umgebungen zu schaffen und zu regulieren, die von Grund auf sicher, inklusiv und rechtskonform sind.
Außerdem verweist Unicef anlässlich des Safer Internet Days nochmals auf die eigene Petition „Online sicher – für jedes Kind“ für mehr Kinderschutzmaßnahmen auf Plattformen, digitale Bildung für jedes Kind sowie Einbeziehung junger Menschen, über die KiJuKU.at schon berichtet hat – Beitrag unten verlinkt; ebenso auf die Verurteilung von KI-generierten sexualisierten Bildern von Kindern – ebenfalls unten verlinkt.
Ein generelles Social Media Verbot unter einem gewissen Alter berge auch Risiken und könnte nach hinten losgehen, meinte Unicef Österreich rund um diese Aktion. „Wenn Kinderrechte missachtet werden, könnte das etwa dazu führen, dass Kinder von Informationen, Freundschaften und Unterstützung abgeschnitten werden, die sie anderswo nicht finden können – besonders bereits ohnehin marginalisierte Kinder. Junge Menschen könnten in unsichere, unregulierte Räume gedrängt werden und viele Kinder umgehen Altersgrenzen ohnehin.
Klara Krgovic-Baroian, stellvertretende Leiterin der Abteilung Advocacy & Kinderrechte, betont: „Es ist eine genaue Abwägung und ein ganzheitlicher Ansatz notwendig. Kinder bis zu einem gewissen Alter von Social Media auszuschließen kann zum Schutz beitragen, darf aber keine Ausrede dafür sein sonst keine weiteren Schutzmaßnahmen auf Plattformen zu setzen. Zudem muss sichergestellt sein, dass Kinder den Umgang mit Plattformen lernen, bevor sie Zugang zu diversen sozialen Netzwerken erhalten.“
Darüber hinaus braucht es bessere Moderation von Inhalten, altersgerechte Designs und vorgegebene Kinderschutzeinstellungen, die ihre Daten schützen. Bei der Umsetzung von Altersüberprüfungen müssen Kinderrechte wie Datenschutz und Nicht-Diskriminierung beachtet werden – es gilt genau hinzuschauen: Wie wird die Überprüfung durchgeführt? Welche Informationen über die Kinder erhalten die Plattformen? Haben alle Kinder die Möglichkeit, ihr Alter nachzuweisen, oder sind manche Kinder davon ausgeschlossen, weil etwa Dokumente fehlen oder nur eine einzige zu komplizierte Methode zugelassen ist?
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