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Severin Weh/wienXtra
Severin Weh/wienXtra
29.04.2021

Raus aus der Einzelzelle? Oder nicht

Abhängig von Internet und Social Media – abwägende Rede mit Aufmerksamkeits-Tricks. Vier Beiträge mit Interviews von Top-Redner*innen des Wiener Landesjugendredewettbewerbs.

Als hätte er den Beginn seiner Rede eigentlich verpasst, tippt Severin Weh am Anfang in sein Smartphone. Und redet danach unter dem Titel „Ich und meine Einzelzelle“ darüber, wie die Kommunikation vom realen und analogen Miteinander in die digitale Welt abwandert. Bricht aber nicht in eine Jammerei darüber aus, sondern nennt auch Vorzüge des Redens mit weit entfernten Bekannten. Der Tenor seiner Rede, mit der er in der Kategorie Neues Sprachrohr Platz 2 belegte, war aber dennoch der Vorsatz, künftig mehr real und live mit anderen reden zu wollen, um … Nein, das Ende sei hier nicht verraten. Auch seine Rede ist unten verlinkt.

Der Maturant aus dem Gymnasium Rainergasse (Wien-Margareten) hat übrigens auch noch in einer weiteren Kategorie gesprochen. Mit seiner Spontanrede – 5 Minuten Vorbereitungszeit zum Thema „Leben 2050: wohin entwickelt sich unsere Leistungsgesellschaft“ – gewann er sogar.

Eigene Gedanken anderen mitteilen

Seit zwei Jahren nimmt Weh an diesem Bewerb teil, aber auch an anderen, etwa dem Schreibbewerb Texte.wien, wo er es ins Finale schaffte. „Mir ging’s immer darum, meine eigenen Gedanken anderen mitteilen zu können und Rückmeldung zu bekommen.“ Insofern bedauert er sehr, dass die Pandemie zum Tele-Modus zwang. Rede daheim aufnehmen, einsenden. Feedback auch nicht spontan und gleich…

„Gleichzeitig“, so Weh im Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …, ist man stärker auf die Selbstwahrnehmung konzentriert. Das hat was Eigenes, ist aber nicht unbedingt negativ.“

Severin Weh/wienXtra
Severin Weh trat in zwei Kategorien beim Redebewerb an

Spontan, intuitiv, konzentriert

Die Spontanrede mit nur wenig Vorbereitungszeit findet er „ganz toll, du musst dich vor allem auf dein Gefühl verlassen, viel improvisieren und dem Intuitiven Platz einräumen, konzentriert auf die Frage: Was will ich rüberbringen. Und bei diesem Thema hab ich das Gefühl, wir erleben auch im Bildungssystem, dass wir immer mehr die Gejagten sind, alles am Wettbewerb orientiert ist. Das kann einerseits schon Ansporn sein, aber andererseits bleibt das Emotionale, das Soziale auf der Strecke. Und doch glaube ich, dass man selber bestimmen kann, ob man sich auf die Treibjagd begeben will.“

Zwiespalt zeigen

Beim neuen Sprachrohr wollte der Schüler, der nach der Matura jedenfalls erst Zivildienst machen wird, „diesen Zwiespalt zeigen: Die Erkenntnis und den Willen, sich weniger von Social Media und anderen Online-Nachrichten abhängig zu machen und andererseits doch noch selbst in dieser Einzelzelle zu sein und die Kommunikation auf diesen Wegen zu suchen.“

Übrigens, so verrät er im Gespräch mit dem Journalisten, „hab ich mich ein paar Wochen vor der Rede von einigen Plattformen abgemeldet, um diese Online-Zeit zu reduzieren.“ Die sei durch Distance-Learning ohnehin viel mehr geworden. Andererseits war gerade das die Rettung, weil reale Treffen mit Freunden immer wieder über viele Wochen nicht erlaubt war.

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Jugendredewettbewerb
Österreichweit findet dieser Bewerb bereits zum 68. Mal statt. Die Sieger*innen aus den Landesbewerben treten beim Bundesfinale an, diesmal 30. Mai und 1. Juni in St. Pölten – hoffentlich schon live und analog.
Pandemie-bedingt fanden die Landesbewerbe online statt.
jugendportal.at/redewettbewerb

Vom Wiener Landesbewerb gibt es hier alle Videos jener Jugendlichen, die der Veröffentlichung zustimmen, hier

Sag’s Multi!
Neben den schulischen Fremdsprachen-Redebewerben für einzelne Sprachen gibt es seit mehr als zehn Jahren auch den mehrsprachigen Redebewerb „SAG’S MULTI!“. Dort treten Jugendliche mit Reden jeweils auf Deutsch sowie einer anderen Sprache an. Jedes Jahr kommen dabei mindestens 50 verschiedene Sprachen vor. Demnächst starten die regional aufgeteilten Finalrunden.
sagsmulti.at