Manche Juniorfirmen produzieren pädagogisches, spielerisches Material; Bericht von der internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse in Wien, Teil 2.
Spielerisch Umweltwissen vermitteln – das wollen Schüler:innen des Gimnazija „Panto Mališić“ aus Berane in Montenegro (Südosteuropa zwischen Kroatien, Bosnien & Herzegowina, Serbien, Kosovo und Albanien) mit ihrer Junior-Company nmb Ecostep. Dafür entwickelten sie eine App, mit deren Hilfe der eigene ökologische Fußabdruck verringert werden kann. Wer Altmaterialien zur – richtigen – Recycling-Sammelstelle bringt, kann den dortigen QR-Code scannen und kriegt dafür EcoCoins. Die wiederum lassen sich dann beispielsweise in manchen Kooperations-Geschäften gegen ökologische Produkte eintauschen.
13 Jugendliche haben an dieser Plattform mitgearbeitet, erzählen die Vertreter:innen in Wien bei der internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… „Neben“ der App haben sie auch kleine Bilderhefte gestaltet und sich dafür Geschichten mit Umwelt-Touch ausgedacht – samt zwei Kindern namens Nemi und Elias sowie den beiden Fantasie-Charakteren Lux und Infiny, die auch als Avatare für die App verfügbar sind. „Bei den Geschichten und Figuren haben wir und schon an bekannten Märchen und Geschichten orientiert, aber doch selber geschrieben und gezeichnet“, gestehen die drei Schüler:innen, die ihre Kolleg:innen in Wien vertreten. Begleitet wurden sie nicht nur von Lehrpersonen, sondern auch von einer Mentorin aus einem Unternehmen, das das Projekt unterstützt.
Derzeit gibt’s App und Stories nur auf Englisch, so die Schüler:innen, „aber wir richten uns ja an Jugendliche ab 13. Und wir haben die App schon von 4200 Schüler:innen testen lassen“, vertrauen sie stolz dem Reporter an.
Mit diesem „Seitenwechsel“ – Schüler:innen in der Rolle von Pädagog:innen – knüpft dieser Beitrag insofern an Teil 1 der Berichte über die schon erwähnte internationale Messer der Junior-Companies an, als es dort um Re-, Upcyling-Produkte und Nachhaltigkeit ging. Etwas, das hier später auch noch einmal im Zentrum der Produkte einer der Junior-Firmen stehen wird.
Zunächst einmal aber noch eine weitere „Seitenwechsel“-Company. MeDit ist ebenfalls eine pädagogische Online-Plattform, entwickelt von Schüler:innen in Albanien mit Inhalten auf Instagram und Facebook. Und einer breiten Palette an Themen. Umwelt spielt auch eine Rolle, aber ebenso Wissenschaft, Ethik, Handwerk, Sport, Gesundheit. Da sie sich, wie die Jugendlichen berichten, vor allem an sehr junge Kinder wendet, fragte der Journalist doch einigermaßen erstaunt: Alle diskutieren über Altersgrenzen für soziale Netzwerke, diese selbst geben 13 Jahre als unteres Alterslimit an?
„Wir richten unsere Angebote an Eltern und Lehrer:innen. Und die sollen unsere pädagogisch vermittelten Inhalte und Toolboxen aus der virtuellen in die reale, analoge Welt mit Kindern übertragen. So bieten wir eine echte kleine Schachtel mit kleinen Gartenwerkzeugen an und Anleitungen, wie verschiedene Samen gesät, Pflanzen gesetzt werden können. Oder es gibt Puzzles zu unserem Buch, das wir im Sortiment haben – Das Abenteuer von Lili und dem Hasen. Und dann haben wir noch unsere kleine Geheimnis-Box mit Knetmasse.“
Hinter dem Firmennamen, so verraten die Schüler:innen und eine ihrer begleitenden Lehrer:innen steckt auch ein albanisches Wortspiel: Ditë heißt Tag und das ähnliche dish steht für wissen.
MeDit gewann bei der Handelsmesse übrigens den Gesamtpreis für die beste Junior Company auf dem JA (Junior Achievement/ Leistung) Marketplace Vienna, weil sie „Bildung zu einem sinnvollen, langfristigen Abenteuer machen“.
Runde schwarze Schachteln mit Halb-, Drittel-, Viertel- und so weiter flachen Kreisteilen bis zu sozusagen zehn „Tortenstückchen“ – in unterschiedlichen bunten Farben offerierten Lara Domková, Sabina Urbánková und Nikola Majerovičová aus Nove Mésto nad Váhom (Slowakei, nahe dem bekannteren Trenčín). „Dieses Spiel zum leichteren Lernen von mathematischen Brüchen haben wir uns ausgedacht, weil wir uns selber damit in der Klasse im Matheunterricht schwergetan haben. So sind wir drauf gekommen, daraus nicht nur ein Spiel, sondern sogar ein Business zu machen, weil wir ohnehin nach einer Idee für unsere Junior-Company gesucht haben“, berichten die beiden erst Genannten die Entstehungsgeschichte von Lomiq.
Was es mit dem allgegenwärtigen Oktopus rund um das Spiel und den Messestand auf sich hat, wollte KiJuKU.at wissen. „Das ist nur so, weil Oktopusse schlau sind und sogar neun Gehirne haben.“
Es gibt den bekannten Spruch „wenn dir das Leben Zitronen schenkt, mach draus Limonade!“ Rund um diesen ranken sich auch – echte und vielleicht so manch erfundene – Geschichten von Kindern, die mit Limonaden-Verkaufsständen ihre ersten unternehmerischen Schritte gesetzt haben. Bekannt ist vielleicht jene der siebenjährigen Liza Scott aus Alabama (US-Bundesstaat), die mit einem Limo-Stand Geld für ihre eigene notwendige Hirn-Operation zu sammeln begann. Oder auch das Buch von Virginia E. Wolff „Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus“ (Originaltitel: Make Lemonade, Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Brigitte Jakobeit; Hanser Verlag, 1999).
Zitronen sind für die Schüler:innen-Firma Lemonaid aus dem zypriotischen Nikosia Ausgangsmaterial. Antonis Hadjiliasis, Eleni Michael, Vasilis Panayides, Konstantinos Konstan und Stefanos Nikolaos, einige mit witzigen, dunkelgelben Scherz-Brillen zeigen den Besucher:innen ihres Messestandes einerseits ihr Hauptprodukt: Wäsche-Weißmacher-Tabletten ohne Chemie nur aus vor allem geriebenen Schalen von Zitronen, meist ein Abfallprodukt. Die der Wäsche auch angenehm, frischen Duft verleihen und gesund und gut zur menschlichen Haut sind. Und natürlich haben sie bei ihrem Firmennamen ein Wortspiel eingebaut, klingt doch Lemonaid ähnlich wie Lemonade (Limonade), verbindet aber das englische Lemon (Zitrone) mit aid für Hilfe.
Die fünf Schüler:innen verwerten die Zitronen aber auch unter anderem für die Zubereitung von Keksen. Für ihren umfassenden Nachhaltigkeits-Gedanken bei ihrem Geschäft wurden sie mit dem entsprechenden Preis bedacht.
Wird fortgesetzt mit Berichten über weitere Juniorfirmen aus dem In- und Ausland.
… sind von SchülerInnen – für ein Schuljahr – gegründete Unternehmen, die mit realen Produkten oder/und Dienstleistungen handeln. Das unterscheidet sie von den Übungsfirmen (ÜFA) in den Handelsakademien und -schulen, die dort im Lehrplan verankert sind, aber „nur“ virtuell handeln.
Für diese Schüler:innen-Firmen gelten vereinfachte Steuer- und andere Regelungen. Der Grundsatz leitet sich von den Erfindern von vor mehr als 100 Jahren – siehe weiter unten – ab: Wirtschaft lernen durch eigenes Wirtschaften sozusagen.
In Österreich beteiligten sich erstmals im Schuljahr 1995/65 Junior Companys an dem Bewerb. In diesem Schuljahr nennt die Homepage des österreichischen Projekts 5200 beteiligte Schüler:innen in 550 Junior Companies, unterstützt von 315 Lehrpersonen und 487 Volunteers (Freiwillige)
Die Idee geht auf drei US-Amerikaner zurück: Horace Moses, Theodore Vail und Winthrop M. Crane gründeten vor mehr als 110 Jahren (1919) „Junior Achievement“ (JA). Ziel: Verbesserung der Wirtschaftsbildung in US-amerikanischen Schulen. Der Leitspruch lautete: „Learning business by doing business“.
Vor mehr als 30 Jahren (1990) wurde „Junior Achievement International“ (JAI) als weltweiter Dachverband gegründet. Damals gab es bereits in 15 Ländern Junior Companies. Im Jahr 2002 kam es zur Fusion von Young Enterprise Europe und Junior Achievement International. 2004 wurde der Dachverband in Junior Achievement Worldwide umbenannt.
Heute zählen bereits über 100 Staaten zu den Mitgliedern von JA Worldwide!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen