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Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU, Heinz Wagner
Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU, Heinz Wagner
02.09.2025

Taliban nicht „normalisieren“, Mädchen Bildung ermöglichen!

Am Rande des 12. Festivals „Von Kabul bis Wien – Gemeinsam für Gleichberechtigung“ konnte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… die afghanische Botschafterin interviewen.

Beim mittlerweile zwölften Festival „Von Kabul bis Wien – Gemeinsam für Gleichberechtigung“ des Sport- und Kulturvereins „Neuer Start“ der afghanischen Community in Österreich – ausführlicher Bericht mit vielen Fotos und Videos folgt demnächst – wurde die kämpferische Noch-immer-Botschafterin Manizha Bakhtari enthusiastisch begrüßt. Sie reihte sich auch ein in die Vereins- und Diaspora-Vertreter:innen, die die Pokale für die besten Sportteams übergab.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… durfte die Gelegenheit zu einem kurzen Interview nutzen. Da viel über die beeindruckende Persönlichkeit im derzeit in den Kinos laufenden Film „Die letzte Botschafterin“ zu sehen, hören und erleben ist – Filmbesprechung in einem weiteren, am Ende verlinkten, Beitrag, konzentrierte wir uns auf eine Frage. (Das Fest und das Interview fand übrigens vor dem schweren Erdbeben im Osten Afghanistans statt.)

Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU, Heinz Wagner
Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Frau Botschafterin, erstens Gratulation zu ihrem Mut, nicht aufzugeben, die Machtübernahme der Taliban zu kritisieren und sich auch in konkreten Projekten für Bildungs-Chancen für Mädchen in ihrem Heimatland einzusetzen. Die Frage nun, was empfehlen sie Österreich, vor allem jungen Menschen, wie können Kinder, Jugendliche, vor allem die von höherer Bildung ausgeschlossenen Mädchen in Afghanistan unterstützt werden?
Botschafterin Manizha Bakhtari: Zuallererst einmal geht es darum, möglichst viele Menschen in Österreich zu informieren, was sich in Afghanistan abspielt. Es gilt, die Diskussion darüber am Leben zu erhalten. Das Taliban-Regime ist keine legale Regierung. Die Bevölkerung leidet unter dieser Herrschaft, vor allem Frauen und Mädchen – diese werden aus dem öffentlichen Leben völlig ausgeschlossen. Und wenn nicht mehr darüber geredet wird, besteht die Gefahr, dass sich so etwas wie eine Normalisierung einschleicht, dann wird davon geredet, es gäbe zwar keine diplomatischen Beziehungen aber Gespräche auch technischer Ebene, was letztlich doch eine Art Anerkennung dieses Regimes bedeutet.

Das Zweite ist, wie können wir hier Bildung in Afghanistan unterstützen, auch wenn es für Mädchen im formellen System nicht möglich ist. Es können Online-Kurse sein.

Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU, Heinz Wagner
Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: So wie Ihre Initiative Daughters-Program…
Manizha Bakhtari: … Ja, aber meine Initiative ist eine kleine, Menschen sind eingeladen, diese zu unterstützen, aber es muss nicht diese sein. Es gibt viele Initiativen und können neue starten – es geht darum, Mädchen, die von Bildung ausgeschlossen werden, eine solche auf eben informellen Wegen zu ermöglichen.

Und das größere Bild ist: Die Welt sollte wissen, wer die Taliban sind und wie sie Afghanistan beherrschen. Ihr Weg ist kein Regierungs- oder legales System. Sie haben kein Rechts-System, keine Verfassung. Sie kontrollieren das Land nach ihrem Willen. Nichts sollte die Taliban normalisieren, „weiß-waschen“, sie sind dieselben, die die internationale Gemeinschaft 20 Jahre lang in Afghanistan bekämpft hatte.

Afghanische Botschafterin Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU, Heinz Wagner
Manizha Bakhtari im Interview mit KiJuKU-heinz

KiJuKU: Ist das auch das Problem europäischer Regierungen, die jetzt sagen, wir sprechen nicht mit den Taliban, aber…
Manizha Bakhtari: … ja „nur“ auf technischer Ebene. Ich glaube, dass jede Art der Verhandlung die Taliban als Rechtfertigung für ihre Herrschaft ansehen. Auch wenn wir unterscheiden müssen zwischen politischen Gesprächen und humanitärer Hilfe. Solche könnte schon geschickt werden, aber ohne sich politisch mit den Taliban zu arrangieren.

KiJuKU: Modsha kheram, kheli mamnoon, sepaz, daste shoma dart nakone, tasakkor.
Manizha Bakhtari: Thank you so much.

kijuku_heinz