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Esra und Berna Üner
Esra und Berna Üner
19.03.2022

Land der Vielfalt – junge Autor:innen schreiben und dichten Geschichte

Zum 25. Mal wurden exil-Literaturpreise vergeben. Bei „Schreiben zwischen den Kulturen“ gab es diesmal mehr Jugendpreise.

Linz ist die Heimat der meisten der zwei Dutzend Jung-Autor:innen, die mit ihrem Text-Puzzle „Land der Vielfalt: Wir schreiben Geschichte“ einen der beiden Gruppenpreise bei den exil-literaturpreisen des vergangenen Jahres gewonnen haben. Kürzlich – sorry für doch verspätete Berichterstattung – ging die Verleihung der Auszeichnung über die kleine, feine Bühne des Wiener Literaturhauses. Von den Schülerinnen und Schülern der Löwenfeldschule (MS 10 in der oberösterreichischen Landeshauptstadt) war leider „nur“ die Lehrerin Ursula Hirtl in Wien, die das Schreibprojekt in der vergangenen 4A initiiert hatte. Wie so viele Schulklassen zeichnet(e) sich auch diese dadurch aus, dass die Jugendlichen viele Sprachen mitbringen – hier insgesamt zwölf.

Geboren in Linz

In ihren Texten schreiben sie über ihre Herkunft – die meisten in Linz geboren – aber auch jene der Eltern und Großeltern, ihre Sprachen – oft sogar dreisprachig aufwachsend -, ihr Verhältnis zu den Ländern, in denen die Vorfahr:innen aufgewachsen sind und die sie mehr oder minder oft auch besuchen. Die einen fühlen sich dort ebenso heimisch wie in Oberösterreich. Nicht zuletzt floss in so manche der Texte auch ein, dass Eltern flüchten mussten vor Bomben – was jetzt wieder brandaktuell geworden ist. Damals vor dem Krieg im vormaligen Jugoslawien oder auch aus Afghanistan. Im Übrigen jährt sich derzeit der Kriegsbeginn in Syrien zum elften Mal – und scheint leider aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden zu sein.

Jugend-Einzelpreis

„Er sah hinunter auf seine Hände. Mädchenhände … Die Stimme, mit der er dachte, war auch eine Jungsstimme…. Aber wenn er lange nachdachte, passierte es, dass er vor seiner eigenen Stimme erschrak … die Jungsfüße stellte er zufrieden nebeneinander auf den gelben Teppich. Nur die Mädchenhände, die machten ihm Sorgen…“

Isabell Rosenkranz, 17-jährige Schülerin des Musischen Gymnasiums Salzburg mit Schwerpunkt Literatur gewann den vorjährigen Einzel-Jugendpreis des Bewerbs der Edition exil. Das Thema Anders- oder Fremd-Sein verpackte sie in die Geschichte „Jungsstimme Mädchenhände“ in der Lucia zum Luka wird. Ausgangspunkt dafür sei eine Film-Doku über Geschlechtsumwandlung gewesen. Und dass auch das Thema für sie selbst fremd war und sie sich damit empathisch in eine/n ganz ander/n Jugendliche/n hineinversetzen musste/wollte.

Ein zweiter Jugend-Gruppenpreis

So viele Preise wie fürs Vorjahr wurden selten zuvor vergeben. Neben glich zwei Lyrikpreisen – siehe weiter unten – entschied die Jury, zum ersten Mal auch zwei Gruppenprojekte Jugendlicher auszuzeichnen. Neben der eingangs genannten Linzer Schulklasse vergaben die Juror:innen – Barbara Zwiefelhofer (Literaturhaus Wien), Susanne Gregor (Autorin), Günter Kaindlstorfer (Kulturjournalist) – bekam ein Gruppe Germanistik-Studierender der Uni Wien einen der Awards. Ihre Professorin Ulrike Titelbach hatte die Student:innen im Seminar „Mehrsprachigkeit und Literatur“ animiert, selber Gedichte – auch in mehreren Sprachen – zu verfassen.

„Obwohl Schüler*innen und Studierende sich ständig mit Sprache beschäftigen (müssen), spielt der kreative Umgang mit ihr und ihren besonderen Möglichkeiten bislang kaum eine Rolle. Nur wenige meiner Studierenden erhielten in ihrer Schullaufbahn adäquate Anregungen zum literarischen Schreiben. Noch schlimmer ist es offenbar innerhalb des (Sprach)Studiums, wo der künstlerische Ausdruck so gut wie gar nicht vorkommt. Das ist meines Erachtens so, als würde ein Maler 12-18 Jahre lang alle Techniken der Malerei bis ins Detail erlernen… und dann nur Zimmer ausmalen“, scheibt die Uni-Lehrende für den Sammelband aller Preistexte samt Interviews mit Preisträger:innen.

Esra und Berna Üner
Esra und Berna Üner – zwei der Studierendengruppe

Vier Studentinnen waren zur Preisverleihung mitgekommen, darunter die Zwillingsschwestern Esra und Berna Üner. Die beiden 23-Jährigen machen fast alles gemeinsam und lieben es. „nur manches Mal nerven wir uns schon gegenseitig, aber das ist dann auch schnell wieder vorbei“, verraten sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… vor der Preisverleihung im Wiener Literaturhaus. Neben ihren beiden Sprachen Deutsch und Türkisch haben sie im Laufe ihrer Schulzeit noch natürlich Englisch, aber auch Französisch, Italienisch und Spanisch im Gymnasium Draschestraße im bilingualen Zweig (Englisch/Deutsch) gelernt. „Wir sind beide sehr leseaffin und schreiben auch gerne.“ Letzteres meist auf Deutsch. „Wir ergänzen oft gegenseitig angefangene Sätze und wir reden gern und viel miteinander. Wenn eine von uns beispielsweise eine halbe Stunde shoppen war, kann sie gut gefühlte fünf Stunden darüber reden“, fließen die Worte so fast abwechselnd aus Esras und Bernas Mündern.

Wut/ überkommt mich/ alles ist durcheinander/das ist der Anfang vom Ende/ verschlungen
Esra Ün
er

Jeden Tag/ Schlaflos von der langen Nacht/ hab viel nachgedacht
Berna Üner

gedacht gesucht: gefunden/ geschrien gestürzt: geblutet/ gesehen gemalt: gewonnen/ gelogen geglaubt: gefürchtet
Barbara Schwarz

Sternennacht/Die Nacht ist hell./ Es weht kein Wind./Alles ist ruhig/außer meiner Seele.
Oriona Zylja

„Çok uzakta/ Weiß nicht wo/ In a new world/Allein“, dichtete Sümeyye Yıldız gleich vielsprachig.

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Story über die anderen Preisträger:innen

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
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