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Der Autor bei der Buchmesse in Guadalajara (Mexiko)
Der Autor bei der Buchmesse in Guadalajara (Mexiko)
19.10.2021

(Noch) immer auf der Suche nach realer Utopie

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …-Interview mit dem Autor von „Globalopoly“, Wolfgang Korn

Als Jugendlicher bzw. junger Erwachsener hat er Häuser in Berlin mit-besetzt. In seinem Beruf – Journalist und Sachbuchautor, letzteres auch für Jugendliche – treibt er sich in der Welt herum oder verfolgt weltweite Lieferketten von der Produktion bis zu Konsument:innen – etwa einer Fleecweste (2008) oder von Sneakers (2019). Nun hat er Wolfgang Korn einerseits seine Kritik an der kapitalistischen Globalisierung und andererseits die Suche, das Streben nach einer anderen, besseren Welt, einer Utopie in sein jüngstes buch gepackt, seinen ersten Jugend-Roman, „Globalopoly“ – Besprechung siehe hier unten.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … wollte mehr über die Beweggründe, die Entwicklung der Story und den 63-jährigen Autor wissen. Kaum war die Anfrage an den Verlag (Jacoby & Stuart) geschickt, meldete er sich per eMail und wenige Minuten danach fand das ausführliche Telefongespräch statt.

Geschrieben habe er vor allem viel in den Lockdown-Zeiten in der Pandemie. „Vor allem anfangs gab’s eine weit verbreitete Stimmung: So kann’s nicht weitergehen. Die hab ich bei uns in Hannover auch so gespürt“. Das gab ihm Auftrieb, Hoffnung auf globale Veränderungen. Und beflügelte die Story in Richtung Alternativen zum globalen Kapitalismus bei dem viel zu viele Menschen unter die Räder kommen. „Doch leider gab es bald diesen starken Wunsch vieler, zurück zur alten Normalität. Und selbst Jugendliche, die sich mit 16 oder 17 sehr aktiv für Fridays For Future engagieren, laufen dann mit 20 mit ihren Handys durch den Wald, wollen im besten Viertel wohnen und lassen sich durch Konsum wieder einlullen.“

Im Gespräch mit dem Verleger:innen-Paar entstand dann die Idee das alles in einen Roman zu packen, der von einem Spiel à la Monopoly ausgeht, in das Risiken aus der Realität und die Kritik an dieser eingebaut ist. Und in dem die jugendlichen Protagonist:innen damit eine Veränderung des Bewusstseins vieler und damit in Richtung einer anderen, besseren Welt anstreben.

Viele der Stationen, die in dem fast 400-seitigen, flott zu lesenden, spannenden Roman vorkommen, kennt Wolfgang Korn von eigenen Reisen, nicht zuletzt die gepriesene reale vorgeblich utopische Siedlung Auroville in Südindien. „Meine Verleger und ich waren dort. Es war für mich eine schwere Enttäuschung. Du kommst als Tourist hin und es ist alles für den Tourismus arrangiert. Das Projekt lebt zu einem Gutteil von den Einnahmen aus diesem Geschäftszweig. Viele Inder arbeiten dort, aber wohnen außerhalb. Bewohnerinnen und Bewohner in Auroville fühlen sich als etwas Besonderes, stellen ihre vorgebliche Utopie zur Schau, scheinen aber oft selbst nicht davon überzeugt zu sein.“

Auf einem Schiff am Nil
Auf einer Feluke auf dem Nil

Leider gelte das auch für viele andere scheinbare Utopien. Er kenne es aus nächster Nähe aus einer Waldorfschule, war selber lange bei den Grünen, habe dort auch gearbeitet – „in all diesen und vielen anderen Projekten, die als Utopie gestartet sind, wird dann letztlich immer nur eine kleine Gruppe besser bedient, bildet sich eine neue Elite heraus. Das ist traurig. Deshalb bin ich jetzt der Überzeugung, die einzige Chance auf eine wirkliche, nachhaltige Veränderung besteht darin, möglichst viele verschiedene Lebensstile zu akzeptieren. Deshalb Multitopia als neues Projekt der vier Jugendlichen in Globalopoly.“

Follow@kiJuKUheinz

wikipedia -> Wolfgang_Korn

Doppelseite aus dem Jugendbuch "Mein Plan B oder Wie ich zum ersten Mal Brausepulverkribbeln im Bauch hatte"
14.10.2022

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