„Extrablatt! Extrablatt!“ in einer eigenen Bühnen-Neufassung frei nach dem US-Bühnen- und Filmklassiker „The Frontpage“ im Theater Scala (Wien).
Ausstattung und Kostüme (Raum: Marcus Ganser, Kostüme: Anna Pollack) versetzen Spiel und Publikum in die Mitte des vorigen Jahrhunderts: schwarze, schwere Telefonapparate mit Wählscheiben, Gabel und knochenartigen Hörern stehen auf dem großen langen Tisch im Presseraum des Chicagoer Gerichtsgebäudes. Journalist:innen der lokalen und überregionalen Zeitungen berichten über einen zum Tod verurteilten Kriminellen.
Doch was und wie immer wieder auch humorvoll, (selbst-)ironisch gespielt wird – mit Ausnahme der Muße, die diese Reporter:innen haben und die Zeit mit Kartenspiel vertreiben, was heute wo es auch um darum geht, wer stellt’s als erstes online -, wirkt so gar nicht alt: Konkurrenz um die beste Schlagzeile, einige der Medien, die sich in Übertreibungen überbieten, korrupte Deals zwischen Medienleuten und dem Sheriff sowie dem Bürgermeister. Heftige ideologische Schlagseite mit dem mehrfach zitierten Slogan „nur ein toter Roter ist ein guter Roter“ samt angeblich überall lauernder Kommunisten. Ein Gouverneur, der angeblich nicht erreicht werden kann, weil er fischen ist. Jobangebote vom Bürgermeister an einen Polizisten, um das vom Gouverneur doch unterschriebene Gnadengesuch des Verurteilten nicht in Empfang nehmen zu müssen…
Turbulent, intrigant und – leider – fast zeitlos, wenngleich vom Impresario des Theaters zum Fürchten, Bruno Max, in eine aktuelle Bühnenfassung gegossen, läuft „Extrablatt! Extrablatt!“ frei nach „The Frontpage“ (auch mehrfach verfilmt) von Ben Hecht und Charles MacArthur derzeit im Wiener Theater Scala, nachdem es schon im Dezember im Mödlinger Stadttheater gespielt wurde. Unter anderem hat Max, der auch Regie führte, wenigstens eine Journalistin unter die männlichen Kollegen gesetzt.
Die Story: Die Reporter:innen warten auf die Hinrichtung des Kommunisten Earl Williams (Felix Frank), der einen schwarzen Polizisten erschossen haben soll. Der Bürgermeister (Anselm Lipgens) will ihn noch vor seiner Neuwahl hängen sehen, um Law- and Order-Fans und die Stimmen der Schwarzen zu bekommen. Aber Williams kann beim abschließenden Gespräch mit dem aus Österreich aus der Freud’schen Schule stammenden Psychologen aus dem Büro des Sheriffs flüchten; vor allem, weil ihm Sheriff Hartman (Robert Notsch) mit dümmlich Trump’schen Zügen seinen eigenen Revolver leiht, um die (angebliche) Tat nachzustellen.
Verfolgungsjagd mit vielen Pannen und „Kollateralschäden“. Und die Reporter:innen auf der Jagd nach der besten Story: Bensinger von der „Tribune“ (Hermann J. Kogler), Murphy vom „Chicago Journal“ (Christian Kainradl), Frau Schwartz von der „Daily News“ (Ildiko Babos), Endicott von der „Post“ (Christopher Korkisch), McCue von der „City Press“ (Leopold Selinger), Wilson vom „American“ (Christoph Prückner).
DER Starreporter Hildy Johnson (Paul Barna) hat sich kurz davor eigentlich aus dem Spiel genommen und seinem Chef, dem Herausgeber des „Examiner“, Walter Burns (Alexander Rossi) eröffnet, dass er aussteigt, um seine Verlobte Peggy Grant (Chiara Larson) zu heiraten und ins Werbe-Business seiner Schwiegerfamilie einzusteigen – gemütlicher und lukrativer.
Doch dann – während seine Kolleg:innen im Gerichtsgebäude nach dem Flüchtigen suchen, klettert der Todeskandidat beim offenen Fenster in den Presseraum. DIE Exklusivstory. Da lässt Hildy die Braut im Taxi mit den Koffern warten und …
Jede Menge Verwicklungen, Ungewöhnliches Versteck für den Todeskandidaten, dessen einzige Fürsprecherin, Mollie Maloy (Stephanie-Christin Schneider) aus dem Puff taucht auf. Earl Williams und sie sind die einzigen die einander auf Augenhöhe begegnen, alle anderen blicken auf sie herunter.
Mehr sei über die Handlungsstränge nicht verraten. Neben spannenden Wendungen lebt es mit nicht wenigen Anspielungen auf kleine und größere Deals zwischen Polizei, Politik und Medien(leuten), die leider keine historisch überwundenen sind, wenngleich vielleicht als Gegenpol wenigstens ein Qualitätsmedium mit Bemühen um Wahrheit abgeht. Für eine doch eher kleine Bühne agiert hier ein relativ großes Ensemble von 16 Schauspieler:innen – mit einer reifen Ensembleleistung, unterschiedlichen Journalist:innen-Typen, aber auch sogenannte Nebenfiguren wie etwa Ulrike Hübl als irgendwie schräge Putzfrau Jenny bringt einen eigenen Schwung mit ihren Auftritten in den Presseraum des Gerichtsgebäudes und deutet immer wieder an, dass sie viel mehr Durchblick hat als ihr alle anderen zutrauen.
frei nach „The Frontpage“ von Ben Hecht und Charles MacArthur
Bühnenfassung und Inszenierung: Bruno Max
Ca. zwei Stunden (einschließlich einer Pause)
Ort und Zeit: Pressezimmer im Strafgericht von Chicago, 1951
Schauspiel
Hildy Johnson vom „Examiner“: Paul Barna
Walter Burns, Herausgeber des „Examiner“: Alexander Rossi
Bensinger von der „Tribune“: Hermann J. Kogler
Murphy vom „Chicago Journal“: Christian Kainradl
Schwartz von der „Daily News“: Ildiko Babos
Endicott von der „Post“: Christopher Korkisch
McCue von der „City Press“: Leopold Selinger
Wilson vom „American“: Christoph Prückner
Sheriff Hartman: Robert Notsch
Bürgermeister: Anselm Lipgens
Officer Eichorn: Marius Lackenbucher
Hilfs-Sheriffs: Helfried Roll, Thomas Krempl
Peggy Grant, Verlobte von Hildy Johnson: Chiara Larson
Putzfrau Jenny: Ulrike Hübl
Mollie Maloy: Stephanie-Christin Schneider
Earl Williams, zum Tod auf dem elektrischen Stuhl verurteilter Kommunist: Felix Frank
Raum: Marcus Ganser
Kostüme: Anna Pollack
Licht: Andrea Wezedenka, Karl Steinsch
Maske: Gerda Fischer
Musikalische Einrichtung: Fritz Rainer
Bühnenbau: Adrian Burcea, Emanuel Burcea, Andrei Indries, Gabriel Galea
Regie-Assistenz und Inspizienz: Helfried Roll
Bis 31. Jänner 2026
Theater zum Fürchten in der Scala: 1050, Wiedner Hauptstraße 106
Telefon: 01 544 20 70
TheaterScala –> extrablatt-extrablatt
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