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Szenenfoto aus dem Stück "Nur ein Tag"
Szenenfoto aus dem Stück "Nur ein Tag"
21.05.2021

Aus jedem Moment einen glücklichen machen!

Gruppen-Interview der drei Darsteller*innen und der Regisseurin mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …

Nach der Generalprobe durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … die Regisseurin sowie die drei Darsteller*innen kurz hinter dem Vestibül zu einem Interview treffen. Zu Beginn die Frage an die Regisseurin Anja Sczilinski, welche der drei Figuren sie selbst gerne wäre.
Anja Sczilinski: Ich würde am liebsten die Eintagsfliege sein, weil ich finde, sie hat all die Attribute, ins Leben zu gehen mit all der Kraft das positiv zu nehmen und aus jedem Moment einen glücklichen zu machen.

Ist das nicht nur unsere Sicht von außen, weil wir wissen, dass sie nur einen Tag zu leben hat?
Anja Sczilinski: Wir alle wissen ja, dass wir nur eine begrenzte Zeit zu leben haben Sie nutzt diese Zeit total und ist bei sich, um jeden Moment aktiv zu gestalten und ihr Leben so zu nehmen wie sie’s gern möchte. Sie hat die Möglichkeit, Dinge zu durchleben und zu wissen, was Freundschaft bedeutet, weil sie einfach diese Begegnungen hat.

Szenenfoto aus dem Stück

Wie ist es als Fuchs vom Wildschwein zu hören, dass du jetzt am Ende dieses Tages sterben sollst und das Schicksal der Eintagsfliege zu übernehmen?
Max Gindorff: Am Anfang ist eine Irritation da, aber dann kann man sich ganz gut drauf einlassen, weil man so die schönsten Momente des Lebens geballt dargeboten bekommt. Das ist sehr, sehr aufregend und dann macht man das eben in dem Moment. Sobald es ums Sterben geht, ist es gruselig, aber sobald es darum geht, den Moment zu erleben, ist es eben wunderschön.

Wie fies oder bös ist es, dem Fuchs anzuhängen, dass er noch am selben Tag sterben sollte?
Lukas Haas: Es ist eine Notlüge, die das Ganze ins Rollen bringt und das Wildschwein macht das natürlich aus einer guten Absicht heraus. Er will ja nichts Böses, er will ja nur, dass die Fliege nicht erfährt, dass sie nur einen Tag hat. Dadurch entsteht dieses Spiel und dadurch kommen sich die alle erst nahe. Das ist eigentlich eine Lüge, die zu etwas Positivem führt. Sonst hätten sich recht früh ihre Wege getrennt.

Szenenfoto aus dem Stück

Liebe Fliege, wie ist es zwischen Eintags- und Mai-Fliege hin und her zu switchen und dann das Baby von Wildschwein und Fuchs zu sein?
Maresi Riegner: Ich glaube, man kann sein eigenes Glück ja auch darin finden, wenn man andere glücklich macht. Es ist schön, zu beobachten und erleben, wie diese beiden – Fuchs und Wildschwein – sich auf dieses Spiel einlassen, überrascht sind und alles mitmachen, glücklich sind und daraus so eine Freundschaft – aller drei – entsteht, die sehr besonders ist.

Für mich ist es gar nicht so ein Hin- und Her-Switchen, weil für mich ist am Anfang klar, ich bin eine Maifliege. Erst am Schluss ist es so: Huch, ich bin eine Eintagsfliege – aber nicht so „Oh, ich wird jetzt sterben!“, sondern „Huch, ich hab ja noch eine Aufgabe! Und dann kann ich gehen!“

Da gibt es aber noch so diese arge Begegnung mit der zweiten Eintagsfliege, die einfach nichts anderes macht, als die Sekunden ihres Lebens runterzuzählen und den Eindruck vermittelt, dass sie froh ist, wenn es endlich aus ist.
Maresi Riegner: Man kann so oder anders an das Leben herangehen. Sie hält es nicht aus, dass sie weiß, dass es zu Ende geht und ist deswegen nur damit beschäftigt zu zählen. Das ist halt nicht mein Umgang mit der Sache.

Szenenfoto aus dem Stück

Gab es die Gefahr, in Kitsch dieser drei ungewöhnlichen Freunde abgleiten zu können?
Anja Sczlinksi: Ich hab das ie so gelesen oder gesehen. In dem Moment, wo man jede Figur sehr ernst nimmt und nicht versucht, sie als die Tiere zu spielen. Sie haben alle drei extrem menschliche Gefühle. Die sind sehr stark schon im Text angelegt, so dass wir recht schnell eine Form oder Grundhaltung für jede Figur gefunden haben, mit der sie das spielen. Und in dem Moment wird das echt verhandelt. Da geht es immer genau um den Moment und große Frage, darf man jetzt jemandem weh tun und ihm sagen, dass es zu Ende geht und damit die Zeit kaputt machen, die man noch hat oder ist eine Notlüge erlaubt. Und die Not, es aufzulösen, weil man ja nicht lügen möchte… Ehrlichkeit ist ein großes Thema in dem Stück.

Ich habe den Musiker Kilian Unger, mit dem ich schon oft gut zusammengearbeitet habe, früh in die Proben geholt. Wir wollten früh was finden, das musikalisch auch noch bestimmte emotionale Momente verstärkt. Außerdem hat jedes Tier ein eigenes musikalisches Moment. Über die Musik haben wir auch teils unsere Figuren gefunden.

Szenenfoto aus dem Stück

Max Gindorff: Wenn man sich beim Schlaflied draufsetzen und gar flennen würde, könnte es ins Pathos abgleiten. Das machen wir aber nicht.

Lukas Haas: Wenn man die Figuren, die Momente ernst nimmt, kann’s nicht im Kitsch landen.

Maresi Riegner: Es wechseln ja diese Momente ab, wir switchen hin und her im Spiel und lassen uns nie in diese Traurigkeit fallen.

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