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Szenenfoto aus "Mamageddon""
Szenenfoto aus "Mamageddon""
10.03.2022

Eine andere Art von „Endzeit-Schlacht“

„Mamageddon“: Patriarchale Gewalt mit bitterböser getanzter und gerappter Ironie demaskieren.

Ein güldener-samt-roter Thron auf dem Podest vor dem im Stile alter Ölgemälde angefertigten Foto einer Königin, Frau-scherin mit Präzisionsgewehr, das sie mit der rechten Hand umfasst. Der Thorn strahlt schon eine gewisse Bedrohlichkeit aus – die goldgefärbten Lehnen-Stützen eher Speere.

Königin der Macht und ihre Prätorianer:innen

Podest und die Bühne daneben und davor erobern vier, an diesem Abend nur drei, Tänzer:innen und die Königin herself. Alle adjustiert wie es Bilder von SM-Klubs nahelegen – leicht, leder- und kettenbekleidet. Als Kampftrupp treten sie in „Mamageddon“ sowohl bewegungs- als auch gesanglich und redend auf. Eine Art paradoxe Intervention gegen die Herr-schaft des Patriarchats, noch dazu fast ausschließlich weißer Cis-Männer. Das Wortspiel des Performance-Titels mit Anklang an das biblische „Armageddon“ als Art Hügel der letzten Entscheidungsschlacht am Ende der Welt ist sicher alles andere als zufällig 😉

Wenn Lachen im hals stecken bleibt

Myassa Kraitt als Königin der Macht und ihr feministisch-queerer Block – Anna Gaberscik, Lena Ruziczka, Lukas Ruziczka und üblicherweise auch noch Luis Javier Murillo Zuñiga, der an diesem Abend als der hier schreibende Rezensent die Performance erlebte, in Madrid einen Auftritt hatte – nehmen verschiedene Facetten patriarchaler, autoritärer, aber auch weniger autoritärer Dominanz aufs Korn. Analysieren und zerlegen sie – voller Kraft, Energie mitunter auch mit Witz und Humor. Und bitterer Ironie der Umkehr von (Geschlechter-)Verhältnissen. Mit dem vielleicht auch im Hals stecken bleibenden Lachen angesichts dessen, dass scheinbar aufgeklärte, liberale, offene, friedliebende, auf Vielfalt und Gleichberechtigung setzende Menschen, dann plötzlich doch Gewaltbilder zu ver-herr-, -frau-, -queer oder was auch immer beginnen.

Österreichs Beitrag

Um gegen Ende auf sämtliche performative Elemente zu verzichten. Die „Königin“ kippt nach dem Abgang ihres „Blocks“ den Thron, setzt sich hin und liest bewegt und bewegende, berührend davon zu berichten, dass in Österreich ein Präszisionsgewehr – HS50 von Steyr produziert wird, das auf eineinhalb Kilometer Entfernung trifft. Von dieser Waffe wurden einige Hundert Stück vor knapp mehr als drei Jahren in den Iran geliefert, dort kopiert und später u.a. in Syrien eingesetzt, wo vor knapp zwei Jahren ein junger Mann damit erschossen worden ist.

„Und bitte, kein Applaus!“, so der Schlussappell Myassa Kraitts, die sich Mamageddon ausgedacht hatte.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Mamageddon

KDM und der feministische Block
Performance & Rap-Konzert, rund eine Stunde; ab 16 Jahren

Konzept & Idee: KDM Königin der Macht
Regie & Choreographie: Myassa Kraitt
Performers: Anna Gaberscik, Lena Ruziczka, (Luis Javier Murillo Zuñiga), Lukas Ruziczka; Myassa Kraitt
Produktionsleitung: Dilan Sengül
Graphic & Set Design: Rawan Almukthar
Musik produziert von Sloth Pallas
Mix & Mastering: Aras Levni Seyhan

Filmregie: İpek Hamzaoğlu & Deniz Örs
Kamera & Edit: İpek Hamzaoğlu
Gaffer & Kamera Assistenz: Öykü Özer
Colorist: Deniz Örs
Make-up & Hair: Franziska Fröhlich
Make-up & Hair Assistenz: Helena Stöss
Social Media: Christoph Steinberger & Maryam Almufti
Actor in Video Ya Kelb und Abu G.: Christoph-Lukas Hagenauer
Choreographie Matryarkhat & Abu G: Lukas Ruziczka

Ein Projekt von Rewaq – Verein für feministische und diskriminierungskritische Kunst und Kultur. Konzipiert und geleitet von Myassa Kraitt; in Kooperation mit WUK performing arts und Dschungel Wien

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