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Kinderfilm-Festival-Jury vor dem Votiv-Kino
Kinderfilm-Festival-Jury vor dem Votiv-Kino
17.11.2021

Fünf junge Film-Expert:innen diskutieren über Ameise und seine (Not-)Lügen

Lokalaugenschein bei einer Sitzung der Kinderjury des 33. Kinderfilm-Festivals in Wien.

Ziemlich angetan bis begeistert zeigen sich die fünf Filmfans von dem was sie eben im Votiv-Kino gesehen haben: „Fourmi – von Liebe und Lügen“. Hochkonzentriert diskutieren Gustav, Lorenz, Helene, Rosa und Karlotta über Inhalt, schauspielerische Leistungen, Kameraführung, Bilder … Die 12- und 13-Jährigen stellen die diesjährige Kinderjury des 33. KinderFilmFestivals in Wien (noch bis 21. November; in einigen steirischen Städten vom 20. Bis 29. November – siehe Info-Box im verlinkten Übersichts-Artikel hier unten und ganz unten noch einmal).

Die Jury vergibt jährlich übrigens zwei Preise: Einen generellen sowie einen speziellen UNICEF-Preis für jenen Film, der am stärksten Kinderrechte anspricht. Auch du als Besucherin/Besucher hast pro gesehenem Film eine Stimme – auf deine Eintrittskarte warten Röhren mit lachendem, traurigem und einem gleichgültigen, also mittelprächtigem Smilie. Daraus ergibt sich der Publikumspreis. Die preisfilme werden eine Woche nach dem Festival – bei freiem Eintritt – noch einmal im Cinemagic gezeigt.

Filmbild aus
Maleaume Paquin überzeugte – nicht nur – die jungen Juror:innen in seiner Rolle als Theo

Worum geht’s in diesem Film

Kürzest zusammengefasst, worum’s in diesem französischen Film geht: Theo ist ein guter Kicker. Sein Vater, arbeitslos geworden und von der Mutter getrennt, ersäuft seinen Kummer. Wenn er betrunken ist, randaliert er oft, weshalb er auf dem Fußballplatz nicht besonders willkommen ist. Sein Sohn bringt ihn dazu, mit dem Alkohol aufzuhören und sich einen Job zu suchen, nachdem er ihm gesagt hat, er sei von einem Talente-Sucher der weltbekannten Mannschaft Arsenal nach England eingeladen worden. Aufgrund dieser Notlüge reißt sich der Vater eben zusammen. Doch: Eine Lüge braucht die nächste und so weiter…

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … darf dem Filmgespräch lauschen und Fotos machen, als die jungen Fachleute Notizen – und manche auch Zeichnungen – in ihre Filmtagebücher schreiben und malen.

Fachgespräch

„Es ist die ganze Zeit diese Liebe zwischen dem Sohn und dem Vater zu spüren, auch in den Szenen, wo der Vater noch trinkt“, streichen die jungen Filmkritiker:innen heraus. „Und alle, wirklich alle in dem Film spielen echt gut und überzeugend.“ Hervorgehoben wird, dass der Vater sogar Englisch zu lernen beginnt, um seinen Sohn auf die vermeintliche Auslandsreise begleiten zu können. „negativ war nur, dass vom Spiel fast nichts gezeigt worden ist.“

Angesprochen wird auch der Filmtitel. Das französische Wort Fourmi heißt auf Deutsch Ameise. Dies ist einerseits der Spitzname, den Theo – wegen seiner flinken Beine – von einer Freundin bekommen hat. „Am Anfang sieht man groß eine Ameise auf dem Fußball“, erinnern sich die Festival-Juror:innen.

An Kameraeinstellungen gefiel den Expert:innen unter anderem „eine, wo durchs Gras auf das Spiel gefilmt worden ist UND“ – stimmen fast alle im Chor ein „die Nahaufnahmen auf die Gesichter, wo oft, ohne dass etwas gesagt worden ist, zu sehen war, was los ist“.

Großes Interesse und Fachwissen

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … wollte dann auch noch wissen, warum sich die fünf für die Jury beworben hatten.

Helene: „Ich mag Filme anschauen, aber auch mit anderen darüber zu reden und richtig herauszufinden, was hinter den Kulissen passiert, draufzukommen, was dahintersteckt.“ Dazu wird die Kinderjury dieses Jahr – in der Vorbereitung von Nina und Annelies sowie während des Festivals auch von der erwachsenen Filmexpertin Paula begleitet, die die Seite hinter der Kamera ganz gut kennt – und selber Jurorin bei den Video- und Filmtagen war, wo jährlich rund fünf Dutzend Filme gezeigt werden, die Kinder bzw. Jugendliche produziert haben.

„Ich schau nicht so viele Filme, weil wir zu Hause auch keinen Fernseher und auch nicht Netflix haben, aber wenn ich im Kino bin, schau ich sehr genau“, meint Gustav, dem auch klitzekleine Details wie eine fehlende Spieglung in einer Glasscheibe oder im Wasser auffallen. „Naja, hier achte ich mehr auf Details, das ist ja unser Job als Jury.“

Kinder im Mittelpunkt

Als er sagt, „ich finde die Themen der Filme beim Festival sehr gut, weil’s da immer auch um Kinderrechte geht“, stimmen seine vier Kolleg:innen mehr als zustimmend ein.

Lorenz, der viele Filme schaut etwa sagt: „Ich find’s cool, dass Kinderrechte in den Filmen hier so eine große Rolle spielen, einfach weil’s mich interessiert, wie’s Kindern in anderen Ländern auf der Welt geht. Es soll ja nicht nur mir gut gehen!“

Rosa mag „relativ jede Art von Filmen und ich hör gern die Meinungen von anderen darüber, um gemeinsam darüber zu reden. Hier sind viele erste Themen angesprochen, das ist aber nicht schlecht.“

Karlotta schließlich kommt sozusagen aus einer Kinderjury-Dynastie. „Alle meine sechs älteren Geschwister waren auch schon in der Kinderfilmfestival-Jury. Wir reden zu Hause oft über Filme. Mein Vater ist Filmproduzent und erzählt oft von der Arbeit am Set. Das find ich spannend.“

Einige der jungen Juror:innen, die sich als große Auskenner:innen erweisen, zieht’s später möglicherweise in Richtung Film. Helene, „wenn dann nicht vor der Kamera, sondern zum Drehbuch schreiben“, für die anderen ist’s noch eher ungewiss. Nur Rosa weiß „ganz was anderes, ich will Ärztin werden“.

Follow@kiJuKUheinz

Zu den Jury- und Publikumsentscheidungen

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

33. Internationales KinderFilmFestival

Wien

Bis 22. November 2021
Cinecenter, Cinemagic, Votivkino
Festivaltelefon: 0664 465 56 60
Für Schulen: 01 909 4000-83400

Kinderfilmfestival Wien

Steiermark – 13. Internationales KinderFilmFestival

20. Bis 29. November 2021
Graz, Liezen, Kapfenberg, Eibiswald, Hartberg
Organisation: Ines Wagner
Telefon: 650 714 72 80
ines.wagner@kinderfilmfestival.at

Kinderfilmfestival Steiermark