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Szenenfoto aus "Opium" im Werk X Meidling
Szenenfoto aus "Opium" im Werk X Meidling
18.05.2022

Hat’s wirklich niemand kommen gesehen?

„Opium“ – ein Stück über den schon lange tobenden (Hybrid)Krieg in der Ukraine von einem Autor aus Belarus, der eingeladen war, die österreichische Botschaft aber ein Visum verweigerte, derzeit im Werk X-Meidling.

„Gashaupthahn“ – ein Hinweisschild mit diesem Wort steht scheinbar achtlos neben dem Schlagzeug. Dessen Spieler Fritz Rainer sowie sein E-Geiger-Kollege (Maxim Franke) in der Box nebenan in dem auf vorgeblich Billig-Art zusammengestoppelten zweistöckigen „Plattenbau“-Konstrukt (Bühne und Kostüme: Daniel Sommergruber) liefern den lautstark krachenden Auftakt zu „Opium“. Ein Stück, das als Statement gegen den seit fast drei Monaten tobenden von Putin angeordneten Angriffskrieg in der Ukraine gelesen werden kann. Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … hatte schon einen Bericht von einem probenbesuch veröffentlicht – Link hier unten:

Und doch hat das Werk X in Wien-Meidling das Stück von Witalij Korolew aus Belarus schon im Vorjahr ausgesucht und übersetzen lassen. Der Autor hat es nach der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland geschrieben – in einer Zeit als führende Personen in Österreichs Wirtschaft und Politik Wladimir Putin den Roten Teppich mit Schleimspur ausgelegt haben (Copyright: Vizekanzler Werner Kogler).

Not treibt in den Krieg

Und er hat – ausgehend von einer an oder eher unter der Armutsgrenze lebenden Kleinfamilie – Alleinerzieherin mit zwei jungen erwachsenen Söhnen – den darüberhinaus im Donbas, dem Osten der Ukraine, herrschenden (Hybrid-)Krieg aufgegriffen. Kolja, der ältere Bruder (Sören Kneidl), hat seinen Job als Grab-Gräber verloren, der jüngere Bruder Andrej (Niklas Doddo) will studieren, die Mutter (Sylvia Haider) ist schwerkrank und braucht extrem teure Medikamente. So entschließt sich Kolja in die Ukraine zu gehen – wahrscheinlich als Kämpfer, Bruder und Mutter erzählt er „hinter der Front, technische Arbeiten und so weiter …

Aktuelle Bezüge

In den – im Gegensatz zur ärmlichen Ausstattung der Plattenbauwohnung – großen Flachbild-Monitoren laufen immer wieder Bilder von Treffen Putins mit Alexander Lukaschenko, dem Diktator von Belarus (Weißrussland). Und aus dem Krieg (Regie: Harald Posch). Den Bezug zur Aktualität stellt auch immer wieder Victoria Nikolaevskaja mit Ukulele und russischen Liedern – einmal davon auch im Zusammenspiel mit E-Geige und Schlagzeug, die in diesem Fall von den harten auf sanftere Töne umschwingen – herein. Samt Österreich-Bezug, indem sie eine Liste führender Mitglieder der Österreich-Russischen Freundschaftsgesellschaft verliest – Wirtschaftskammerfunktionäre und (Ex-)Politiker.

Putin-Versteher vs. Demokratische Werte

Der Bruch arm – reich manifestiert sich auch im aneinander vorbei reden von Andrej und seiner bisherigen aus besserem Haus stammenden Freundin Tanja (Josephine Bloéb) – Gespräche aus Angehörigen zweier verschiedener Welten. Andrej wird auch noch zum Angelpunkt eines weiteren 2-Welten-Konflikts, diesmal noch heftiger. Der Streit mit seinem Freund Stas (Luka Vlatković) nimmt vorweg, was im Westen erst nach dem 24. Februar, als russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, wirklich begonnen hat: Putin-Versteher gegen Werte wie Meinungsfreiheit, Demokratie und so weiter, beschimpft als verkommener Westen. Und angeblich will ja kaum wer gesehen haben, was da (nicht nur) auf die Ukraine zukommt. Selbst als fast 200.000 Soldaten in Russland und Belarus an der Grenze zur Ukraine zu „Truppenübungen“ wochenlang zusammengezogen worden sind…

Österreichische Botschaft verweigerte dem Autor die Reise

Den aktuellsten, recht eigenartigen, Österreich-Bezug stellte die heimische Diplomatie her. Das Theater hatte selbstverständlich den Autor eingeladen, auch die Übernahme der Kosten garantiert, doch die Botschaft – obwohl es in Minsk, der Hauptstadt von Belarus eine solche gibt, ist jene in Moskau für Visa zuständig – hat den Antrag abgelehnt!

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Opium

von Witalij Korolew
Übersetzung ins Deutsche: Lydia Nagel

Inszenierung: Harald Posch
Mutter: Sylvia Haider
Kolja: Sören Kneidl
Andrej, sein jüngerer Bruder: Niklas Doddo
Stas, Andrejs Freund/ Djonja, Koljas Freund: Luka Vlatković
Tanja, Andrejs Freundin: Josephine Bloéb:
Singende Erzählerin (neue Figur im Vergleich zum Text des Autors): Victoria Nikolaevskaja,

Live-Band: Maxim Franke (Geige), Fritz Rainer (Schlagzeug)

Bühne und Kostüme: Daniel Sommergruber
Musik: Fritz Rainer
Dramaturgie: Hannah Lioba Egenolf
Regie-Assistenz: Sophie Berghäuser
Ausstattungs-Assistenz: Silvia Aguilar
Dramaturgie-Assistenz: Lili Bana

Wann & wo?

Bis 27. Juni 2022
Werk X Meidling: 1120, Oswaldgasse 35A
Telefon: 01 535 32 00
werk-x.at -> opium

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