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Szenenfoto aus "Jeann d'Arc" im Wiener Rabenhoftheater in Kooperation mit dem Theater der Jugend
Szenenfoto aus "Jeann d'Arc" im Wiener Rabenhoftheater in Kooperation mit dem Theater der Jugend
25.11.2025

Heldin vs. dümmlich-machtgierige Männer

In der Reihe „Classics for Kids“ im Wiener Rabenhoftheater – in Kooperation mit dem Theater der Jugend – nun „Jeanne d’Arc“.

Nach vielen antiken Sagen und der ägyptischen Pharaonin Kleopatra stellt das Rabenhoftheater in seiner Reihe „Classic for Kids“ nun eine weitere Heldin in den Mittelpunkt des jüngsten Stücks für junges Publikum: Jeanne d’Arc, oftmals auch als „Jungfrau von Orleans“ tituliert. Kennzeichen jeder der Inszenierungen (Buch und Regie: Roman Freigaßner-Hauser) sind fünf durchgängige Elemente:

  • Viel Humor, Momente für herzhafte Lacher, manchmal auch für Schmunzler
  • Machthungrige Männer machen sich lächerlich – was den zuvor genannten Punkt speist
  • Frauen sind – meist – vom zuvor genannten „Virus“ nicht befallen
  • Zwischen den Zeilen, manchmal auch dezidiert, werden Verbindungen zwischen den (ur-)alten Geschichten und der Gegenwart hergestellt – weil es jenseits der historischen oder sagenhaften Geschichten um die Strukturen geht und
  • Letztlich schlüpfen die – meisten – Schauspieler:innen in mehrere Rollen, nur ein kleines Ensemble bevölkert die – meist spannend gestaltete – Bühne (Thomas Garvie); die Crew hinter und rund um die Bühne ist ein Vielfaches größer – siehe Info-Box, damit das möglich wird.

Nun also die sagenumwobene echte Figur. Eine Frau, die es – angeblich aufgrund von (göttlichen) Visionen – sich vor rund 600 Jahren in den Kopf gesetzt hat, in den Krieg zu ziehen, um die von englischen Soldaten eroberte französische Stadt Orleans zu befreien. Was ihren männlichen Kollegen nicht gelungen ist, schafft sie, nachdem diese zunächst einmal sie auch daran hindern wollen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jeann d’Arc“ im Wiener Rabenhoftheater in Kooperation mit dem Theater der Jugend

Erst Heldin, dann verbrannt, dann heilig

Danach steigt sie zur Heldin auf. Als sie gefangen genommen, an die Engländer ausgeliefert wird, stimmen sowohl der französische König als auch die Kirche einem Deal mit den Feinden zu, wenn Jeanne d’Arc (geboren als Darc) im Alter von 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird – soweit die kürzest zusammengefassten Fakten. Das tödliche Ende wird in der Version im Wiener Rabenhoftheater – die Reihe findet in Kooperation mit dem Theater der Jugend statt – ausgespart, ja sogar eine vermeintliche Rettung angedeutet; hinter der versteckt sich vielleicht die spätere Rehabilitierung und sogar Heiligsprechung durch die katholische Kirche (1920).

Clara Lou Kindel ist als Jeanne d’Arc die einzige der fünf Schauspielenden, die „nur“ diese Rolle tough, überzeugend zielstrebig einnimmt. Ihre vier Kollegen – Theo Colarusso (französischer König Karl VII., Pater Pius, ein Burgunder, Peter, ein französischer Soldat), Edward Lischka (Salisbury, Pierre, Beamter, Bischof), Bernhard Majcen (Beaudricourt / Berater des Königs, Jacques, französischer Hauptmann) und Christoph Radakovits (Bedford, Arture, ein Burgunder, Promoter/ Richter und Vollstrecker) switchen von Szene zu Szene in die verschiedensten – in Klammern genannten – Rollen. Und führen diese sehr oft kunstvoll dümmlich, mitunter bewusst übertrieben aus, anderen Figuren verleihen sie Hang zu Intrigen und Bösartigkeit, aber auch die gegen sie nicht selten der Lächerlichkeit preis (in den Brunnen pinkeln?).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Jeann d’Arc“ im Wiener Rabenhoftheater in Kooperation mit dem Theater der Jugend

Brücken zur Gegenwart

Als schaler Geschmack bleibt jenseits der Lacher und der Bloßstellung (männlicher) Machtgier, dass Hass – hier vor allem zwischen Frankreich und England „nur“ als Beispiel dafür steht, was dem großen Friedensprojekt Europäische Union Wiederaufflammen von Nationalismus und Kriegslüsternheit leider Wiederauferstehung feiert.

kijuku_heinz

geolino —> johanna-von-orleans

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Classic for Kids: Jeanne d’Arc

Rabenhoftheater in Kooperation mit dem Theater der Jugend
2 Stunden (eine Pause); ab 10 Jahren

Buch und Regie: Roman Freigaßner-Hauser
Schauspiel
Jeanne d‘Arc: Clara Lou Kindel
Karl VII., Pater Pius, ein Burgunder, Peter, ein französischer Soldat: Theo Colarusso
Salisbury, Pierre, Beamter, Bischof: Edward Lischka
Beaudricourt (Berater des Königs), Jacques, französischer Hauptmann: Bernhard Majcen
Bedford, Arture, ein Burgunder, Promoter (Richter und Vollstrecker): Christoph Radakovits

Bühne: Thomas Garvie
Kostüme: Julia Klug
Musik: Raphael Rameis und Gidon Öchsner
Maske: Katrin Bohaly
Lichtdesign: Katrin Neyer
Dramaturgie: Fabian Pfleger

Regie-Assistenz: Christoff Tscharyiski
Kostüm-Assistenz: Luisa Zeitler
Ausstattungs-Assistenz: Malin Alexandersson, Rosa Dreher, Lea Radatz
Regie-Hospitanz: Maximilian Linzbauer
Bühnenbau: Aufwiederschön
Spezialbauten: Analena Matejschek
Bühnenmalerin: Shan Kim
Produktionsleitung: Abdula Dervisoski
Produktions-Assistenz: Hanna Ohler
Technische Leitung: Christian Thaler
Lichttechnik: Katrin neyer, Thomas Muck, Ernst Piesl
Tontechnik: Marion Oberleitner, Sofie Strunk, Maximilian Antoniades, Valentin Gruber
Bühnentechnik: Arne Bauer, Gerhard Binder, Thomas Kienberger, Boris Knirsch, Roland Renner

Wann & wo?

Bis 26. Jänner 2026
Rabenhof Theater: 1030, Rabengasse 3
(keine 100 Meter entfernt von der U3-Station Kardinal-Nagl-Platz)
Telefon: 01 712 82 82
service@rabenhof.at
rabenhoftheater –> jeanne-darc