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Szenenfoto aus "Tabu" im Dschungel Wien
Szenenfot aus "Tabu" im Dschungel Wien
27.09.2022

Internationale Performance schafft Nähe rund um verborgene Gefühle

„Tabu“ ein Tanz-Theater-Musik-Projekt eines portugiesischen und eines Wiener Theaters in das auch Jugendliche beider Länder eingebunden waren. Derzeit im Dschungel Wien.

„Ihr habt eine große Nuss genommen und daraus eine Show gemacht … mit viel Emotionen, einem Leid, das sehr stark berührt hat und Szenen, die auch Angst gemacht haben“ Das ist vielleicht die kürzestmögliche Zusammenfassung von „Tabu“ von Teatro O Bando (Portugal) und dem Dschungel Wien. Die energiegeladene, manchmal auch mit stillen Momenten durchsetzte, vor allem tänzerische Performance mit nicht allzu vielen Worten – in den vier Sprachen Portugiesische, Englisch, Deutsch und Türkisch – dreht sich vor allem um Gefühle. Die zu äußern, zu ihnen zu stehen, sich damit auseinanderzusetzen ist oft noch immer ein Tabu.

I feel foreign here.
Estrangeira Aqui.
Ich bin weit weg von meiner Familie, my home. Home?!

Es geht nicht um Sprache oder Land. It is about feeling.

Aus „Tabu“
Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Tabu“ im Dschungel Wien

International

Dieser Begriff gibt dem jetzt – bis 27. September 2022 – im Dschungel Wien gespielten Stück für ein Publikum ab 12 Jahren den Titel, in einem Monat wird es in Portugal gespielt. Und es ist Teil eines europäischen Kulturprojekts connect up über „The Lives of Others“ (Die Leben der anderen) an dem Theater, Forschungseinrichtungen und nicht zuletzt auch Jugendliche selbst aus zehn Ländern beteiligt sind (neben den beiden genannten noch Tschechien, Slowenien, Polen, Deutschland, Kroatien, Norwegen, Großbritannien und Italien). Die jeweils länderübergreifend erarbeitenden Stücke beziehen Jugendliche in die Research-Phase ein. So wurden im Frühjahr Schüler:innen in Portugal vom Teatro O Bando und im September vom Dschungel Wien Kolleg:innen in Wien über ihre Tabus befragt. Die – tonmäßig aufgenommenen – Antworten werden auch während der Performance abgespielt.

Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Tabu“ im Dschungel Wien

Grenzen ziehen und überwinden

Ansonsten beginnen die vier Performer:innen – drei aus Portugal (Nèrika Amaral, Rafael Barreto und Maria Taborda, die auch live Musik mischt), eine aus Wien (Elif Bilici) – heftig Schnur springend, wenn das Publikum den großen Saal des Theaterhauses im MuseumsQuartier Wien betritt. Ausgelassen toben die vier über die Bühne. Und doch stets in den genau abgezirkelten Grenzen ihrer Sprungschnüre. Bis aus dem OFF eine fast Kommando-artige Stimme ertönt: Regeln einhalten, Anordnungen befolgen. Hinter die Linie. Alle das Gleiche…

Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Tabu“ im Dschungel Wien

Ist es nicht auch ein Tabu, Regeln zu brechen? In der knapp mehr als eine Stunde dauernden Performance wird auch das immer wieder – nie plump, sondern einfach durch – vor allem – tänzerisches Agieren thematisiert. Die Konzentration richtet sich aber vor allem auf den Umgang mit Gefühlen. Da kommen unter anderem eine alte, stellenweise rostige Blechkiste mit versenkten Geheimnissen, viele unterschiedliche Stoffe, die einerseits zu Verkleidungen, aber auch zu Verwandlungen in geisterhafte und andere Wesen dienen und nicht zuletzt eine riesige künstliche Nuss zum Einsatz.

Yabancı gibiyim
Arada bir annemin yanına gidiyorum. Türkiye’ye. Doğduğum, büyüdüğüm yerlere. Tanıdık ama yabancı gibi. Obwohl mir alles vertraut ist, fühle ich mich fremd hier. Acaba kendi evinde bile yabancılık çekmek, kişinin kendi yokluğundan mı ileri gelir?

Aus „Tabu“
Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Tabu“ im Dschungel Wien

Sprachen

Die erinnere an ein Gehirn, meinte ein Jugendlicher im anschließenden Publikumsgespräch. So manche Mädchen kicherten als würde sie das an ganz was anderes erinnern. Etwas, das oft auch Nüsse genannt wird. Vor allem aber stehe es für die Gefühle oder auch Geheimnisse und Erinnerungen, die geknackt werden könnten. Die sich dann aber nicht mehr zusammenkleben lassen, wie Juliana Pinho (Konzept und Regie) von Teatro O Bando meinte. Und der Tänzer und Tanzlehrer Rafael Barreto ergänzte die Besonderheit, dass sich das portugiesische „noz“ (Nuss) und „nos“ (wir) recht ähnlich anhören.

Szenenfot aus
Szenenfoto aus „Tabu“ im Dschungel Wien

Apropos Sprachen: Ähnlich wie in der Vorwoche beim Birdie15-Festival im Vogelweidpark neben der Stadthalle Menschen kamen und im Publikum aufblühten als sie in „Ćelava pevačica“ (die kahle Sängerin von Eugène Ionesco „meine Sprache“ (BKS – Bosnisch/ Kroatisch/ Serbisch hörten, erging es bei der Vorstellung von „Tabu“, die der Rezensent erleben durfte vielen Schüler:innen als sie kaum glauben konnten, von der Bühne Türkisch zu hören.

Und trotz der Vielschichtigkeit der behandelten (tabuisierten) Gefühle und Themen schaffen die vier Performer:innen eine große Nähe zwischen ihnen und dem (jugendlichen) Publikum. In einem Monat spielen sie die gleiche Show – dann vieles vom Englischen in Portugiesisch – in Portugal.

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Sou partícula do universo. Eu sou verso, sou reverso. Sou prazer, também sou dor. Eu sou causa, sou efeito. Sou torta, sou direita. Enfim, eu sou o que sou. I am who I am. Ich bin, was ich bin. Nem bom nem mau, nem quente nem frio, nem sombra nem luz! Mas não te enganes, não sou meio-termo. Sou tudo e não sou nada! Ich bin alles und ich bin nichts! I am everything and I am nothing! Ousadia é meu nome. Estou sempre pronta. I’m just ready.
Warum lachen Sie?
Why are you laughing?

Aus „Tabu“
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Tabu

Teatro O Bando (PT) & Dschungel Wien
Performance (mehrsprachig); ab 12 Jahren; eine Stunde

Konzept, Regie: Juliana Pinho (O Bando)
Choreografie, Ko-Regie: Corinne Eckenstein (Dschungel Wien)
Performance: Nèrika Amaral, Rafael Barreto, Elif Bilici und Maria Taborda
Musik: Maria Taborda

Dramaturgie: Amarílis Anchietta, Alesa Herrero, Susana Mateus
Bühne: Rui Francisco

Kostüme: Catarina Fernandes

Produktion: Inês Gregório
Regieassistenz: Amarílis Anchieta

Wann & wo?

Bis 27. September 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Tabu
connect-up

Szenenfoto aus "Lust"
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Viva la Vulva!

Bildmontage aus Fotos von der Diskussion, vom Konzert und aus einem Video zur Gründung der HÖR, deren Logo und der Roma-Fahne