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Werner Mössler, hier komplett gehörlos, spielt auf der Bühne im Theater Spielraum
Werner Mössler, hier komplett gehörlos, spielt auf der Bühne im Theater Spielraum
27.05.2022

Körperliche Handicaps dürfen kein Hindernis für Kunst sein

Internationales Projekt „Entwicklung von Fertigkeiten und soziale Inklusion durch Kreativität und Kunst“ im Rahmen des diesjährigen visuellen Theaterfestivals von ARBOS. Derzeit in Wien.

Wie kann Kultur auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich sein/gemacht werden? Und dabei ist nicht nur gemeint, dass Menschen im Rollstuhl Theateraufführungen, Konzerte usw. besuchen können. Sondern genauso auch Menschen, die (fast) nichts hören, sehen oder welches körperliche Handicap immer sie haben, auch als Künstler:innen auftreten oder agieren können. Dies ist ein zentrales Thema eines internationalen, von der EU geförderten Projekts für die „Entwicklung von Fertigkeiten und soziale Inklusion durch Kreativität und Kunst.“

Das EU-Projekt findet im Rahmen des mittlerweile 23. Internationalen visuellen Theaterfestivals (vormals Gehörlosentheater) von ARBOS statt.

Gehörlos und Musik?

Zum Auftakt des oben genannten Projekts demonstrierten Mitglieder der österreichischen Veranstalter, ARBOS (Gesellschaft für Musik und Theater, Wien – Salzburg – Klagenfurt), im Theater Spielraum, wie ein gehörloser Schauspieler mit seinen Kollegen sogar zu Musik performen kann.

Werner Mössler, der im Alltag mit Hilfe eines Hörgerätes auf einem Ohr hören kann, nimmt dieses für die Vorstellung ab und ist damit komplett taub. „Wenn ich meine Brille noch weggebe, sehe ich auch nur sehr wenig“, erklärt er. Dann legen er und Markus Rupert sowie Herbert Gantschacher (Ober-Checker von ARBOS und Regisseur der Szenen) los. Sie spielen nach dem Metallica-Song „One“ kürzest gefasst die Geschichte „Johnny zieht in den Krieg“ (Roman und Film von Dalton Trumbo). Die basiert auf der wahren Geschichte des 21-jährigen Joe (Johnny) Bonham, der freiwillig für die USA in den Ersten Weltkrieg zieht und schwer verwundet wird.

Während der Song läuft, stellen sich die beiden hörenden Schauspieler auf den Rhythmus ihres gehörlosen Kollegen ein, hin und wieder sorgen sie mit heftigem Sprüngen auch dafür, dass dieser ihre „Auftritte“ durch Vibration des Bodens spürt.

Nach demselben Muster agieren sie bei der Inszenierung von „Sturmangriff“ nach einem Gedicht von August Stramm mit Werner Mössler, Herbert Gantschacher und Markus Rupert – zur Musik von „Never the Heroes“ von Judas Priest.

Blinder Schauspieler

Bei einem früheren Treffen des internationalen Projekts im Rahmen eines inklusiven Theaterfestivals im polnischen Łódź hatte übrigens der blinde Schauspieler Hesi Heliyou vom Theater Nalaga’at (Jaffa, Israel) gespielt – Link zu der Geschichte und einem Interview unten.

Tastbilder

Während der Zeit des Festivals (bis 25. Juni 2022) hängen Porträts berühmter, gebildeter Frauen, die über weniger als die bekannten fünf Sinne verfügen, als Tastbilder an einer Wand, gestaltet von der bildenden Künstlerin Burgis Paier. Von der vielleicht bekanntesten, weil ihre Geschichte auch schon mehrfach verfilmt wurde und im Theater zu erleben war, Helen Keller. In frühem Kindesalter plötzlich ertaubt und erblindet, wurde die US-Amerikanerin durch frühe Förderung sogar zweisprachige (englisch und französisch) Schriftstellerin und engagierte Kämpferin gegen Diskriminierungen aller Art und gegen Krieg. „Verweigert jede Militärarbeit“ lautet auch der Titel einer weiteren Ausstellung während des Festivals im Theater Spielraum (Wien-Neubau).

Eine andere der fünf portraitierten Frauen ist Laura Dewey Bridgman (1829 bis 1889), seit früher Kindheit taubblind, lernte sie sprechen, verfügte übrigens auch über keinen Geruchs- und Geschmackssinn. Ihr blieb nur der Tastsinn. Die anderen drei: Mary Ann Moore, Sarah Harvey Porter und Marie Huertin.

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Europäische und internationale Partnerschaften zur Entwicklung von Fertigkeiten zur sozialen Inklusion mittels Kreativität und Kunst

Im Rahmen dieses internationalen Projekts, das von der EU gefördert wird, finden Treffen in den Ländern der beteiligten Partner:innen statt, derzeit ist Wien Ort des Geschehens (bis 30. Mai 2022).

Partner:innen

Norrköpings stadsmuseum (Schweden)
Instytut Toleranci und Poleski Ośrodek Sztuki, Łódź (Polen)
Teater van A tot Z, Antwerpen (Belgien)
Possible World, Berlin (Deutschland)
Nalaga’at, Jaffa (Israel)
ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater, Wien – Salzburg – Klagenfurt (Österreich)

arbos -> EU-Project_2022

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