Jaroslav Hašeks bitterböse Anti-Militär-Satire rund um den „braven Soldaten Švejk“ als ins absurd-kafkaeske überdrehte Figurentheater-Version im Wiener Schubert Theater.
Zwischen Wirtshaus und Toren im Packpapier-Design (Bühne: Claudia Vallant) mit einer Vielzahl politischer Graffiti-artigen Zeichnungen bzw. Bildern vom gestreckten Mittelfinger bis zu Diktatoren-Konterfeis bzw. einem Hund, der ein Haxerl hebt und sozusagen politisch brunzt, spielt das Schubert Theater in der Wiener Währinger Straße knackig in einer Stunde „Die Abenteuer des braven Soldaten Švejk“.
Was Jaroslav Hašek, im ersten Weltkrieg selbst Soldat der Habsburger-Armee bis er desertierte und zu den Russen überlief, Anfang der 20er Jahre in einem vierteiligen, unvollendeten Roman auf mehr als 650 Seiten satirisch über Militär geschrieben hat, wurde von Martina Gredler (Textfassung und Regie) verdichtet und nochmals überhöht.
Die Hauptfigur, der nunmehrige Ex-Soldat Švejk (Schwejk), verdiente sich seinen kärglichen Lebensunterhalt in den anschließenden Friedenszeiten mit dem Handel von Hunden. Hier kriegt er selbst glich ein Hundegesicht. Und das auf eine Art Totenkopfmaske (Puppenbau & Ausstattung: Annemarie Arzberger). Sozusagen ein Zombie – als mehr als deutlich sichtbares Zeichen dafür, was Krieg aus Menschen macht. Die psychische Deformation sozusagen ins Gesicht geschrieben.
Mehr noch als mit Hunden zu handeln, säuft der Figurentheater-Švejk wie das sprichwörtliche Loch. Sein „hündischer“ Begleiter entpuppt sich als überdimensionaler Hundefloh. Als dritte Figur lassen die beiden Spieler:innen Andrea Köhler und Markus-Peter Gössler noch eine Raupe aus einem anderen Repertoire-Stück des Figurentheaters für Erwachsene ins Geschehen tanzen.
Die satirische Kritik Hašeks an Krieg und Militarismus wird hier noch eine Runde weiter ins Absurde gedreht, mit versuchten kafkaesken Anwandlungen, manches Mal vielleicht ein wenig zu fest gedreht, wie eine Schraube, die zu stark angezogen wird.
Andererseits – wenige Gehminuten vom Schubert Theater entfernt liegt die US-Botschaft. Wie Möchtegern-König Donald die Kriegsmaschinerie gegen Venezuela fest und immer stärker bis zum Zerreißen fest zurrte bis zum nächtlichen Bombardement der Hauptstadt Caracas am ersten Wochenende des neuen Jahres, da scheint keine noch so absurde Satire heranzukommen…
Jaroslav Hašek, selbst Soldat im ersten Weltkrieg in der kaiserlich-königlichen Armee des Habsburgerreiches – zunächst in České Budějovice (Budweis), dann mit dem 91. Infanterie-Regiment ins niederösterreichische Bruck an der Leitha verlegt, desertierte und lief zu den Russen über. Nach der Oktoberrevolution wurde er Kommissar in der politischen Abteilung der 5. Armee der Roten Armee. Als er nach dem Krieg in die Heimat, dann schon Tschechoslowakei, begann er an dem Roman, erst in Wirtshäusern, zu schreiben, wo er viele der Texte anderen Gästen vorlas und auf ihr Urteil hörte.
So manche der Figuren, des letztlich unvollendeten Romans, haben reale Vorbilder vor allem aus der Zeit in Bruck an der Leitha, weiß Wikipedia zu berichten.
Dort wird auch vermutet, dass er sich den Namen seiner Hauptfigur bei einem Josef Švejk, „einem Reichsratsabgeordneten der tschechischen Bauernpartei (Agrarier)“ ausborgte, „der … in seinen seltenen Wortmeldungen meist Unsinn von sich“ gab. „Auf diesen Abgeordneten soll die damals populäre Redensart Pan Švejk – něco žvejk (etwa: »Herr Schwejk sprach eben – wieder mal daneben“) gemünzt gewesen sein.“
„Inhaltlich hat die literarische Figur Josef Schwejk aber nichts mit dem vermutlich namensgebenden Abgeordneten zu tun. Möglicherweise kam Hašek die Idee für den braven Soldaten Schwejk durch die Lektüre einer Geschichte, die 1905 in der auch in Prag erhältlichen und von Hašek viel gelesenen deutschen satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus erschien und in tschechischer Übersetzung in der sozialdemokratischen Prager Tageszeitung Právo lidu nachgedruckt wurde.“ Link zum entsprechenden Wikipedia-Eintrag am Ende dieses Beitrages.
Nach Jaroslav Hašek; Schubert Theater Wien
Regie & Textfassung: Martina Gredler
Spiel: Andrea Köhler & Markus-Peter Gössler
Puppenbau & Ausstattung: Annemarie Arzberger
Bühne: Claudia Vallant
Musik: Raimund Hornich
Technik & Licht: Simon Meusburger, Max Juch
Assistenz: Pavlína Shaikh Oklešteková, Julia Braunegger
Produktionsleitung: Lisa Zingerle
14. – 16. Jänner 2026
26. & 27. März 2026
Schubert Theater
1090, Währinger Straße 46
Schuberttheater –> Schwejk
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