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Szenenfoto aus "AreYouAre" im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Uni, Linz)
Szenenfoto aus "AreYouAre" im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Uni, Linz)
06.04.2026

Mensch trifft Roboter(hund) – und wo ist die Grenze?!

Starke körperlich-sinnliche Performance einer Tänzerin mit einigen Robotern im Zirkus des Wissens der Linzer Univiersität.

Die Publikumstribüne im „Zirkus des Wissens“, der Location der Linzer Uni in der Wissenschaft und theatrale Inszenierungen zu kombinierten Performances werden, ist für „AreYouAre“ sehr zusammengestaucht. Nur eine, die oberste Reihe, ist für Besucher:innen übrig, dafür stehen an zwei Seiten der Bühnenfläche Sessel. Den große „Rest“ teilen sich jeweils eine Tänzerin, drei Feucht-Saug-Roboter und ein Roboterhund. Sowie eine Kochinsel samt KI-aufgemotztem Thermomix in einer Ecke und ein Gerüst samt einer Art Klettergurt am anderen Ende des Tanzbodens.

Die Tänzerin – beim Besuch von Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… an der JKU, der Johannes-Kepler-Universität am Rande der oberösterreichischen Landeshauptstadt, ist es Jerca Rožnik Novak – betritt die Bühne, also die Streifen des hellen Tanzbodens irgendwie majestätisch. Menschen beherrschen die technoid ausgestattete Szenerie – noch.

Ein Hund taucht auf, ein technischer. Der Roboterhund mit einer Art dauerrotierender Schnauze scannt mit dieser ständig via Infrarot alles in seiner Umgebung.

Die Saugroboter verlassen ihre Ladestationen und begeben sich ebenfalls aufs Spielfeld (Robotics: ARS Electronica Center Linz). Dafür wechselt die Tänzerin beim Gang zur Kochinsel in roboterähnliche Bewegungen.

Szenenfoto aus

Spiel mit Rollenklischees

Rund um diese verwandelt sie sich nach und nach in eine Art menschlicher Koch-Roboterin – klischeehaft dargestellte Hausfrau mit metallenen Kochlöffeln, -Schöpfern und Werkzeugen an Armen, Beinen und geschlechtsspezifischen Stellen (Kostümdesign: Bianca Fladerer). Womit die rund einstündige Performance nicht nur das Mensch-Technik-Verhältnis spielerisch-sinnlich erlebbar macht, sondern auch Geschlechter-Stereotypen thematisiert. Die „dank“ Fütterung künstlicher „Intelligenz“ mit vorhandenen von Menschen produzierten Inhalten eben die entsprechenden Schlagseiten (Bias) aufsaugt und weitergibt.

Grenz(überschreitung)en

„AreYouAre“, ausgedacht und choreografiert von Silke Grabinger, spielt mit dem Aufeinandertreffen von Mensch und KI-gesteuerten Robotern. Der ständig scannende Hund verlässt nach und nach seinen erst selbst begrenzten Raum, tritt in Interaktion mit den Saugrobotern. Immer wieder kommt es zu Berührungen – und damit Überschreiten eigener Grenzen. Nicht zuletzt, wenn gegen Ende die Tänzerin den im technologisch hochgerüsteten „Thermomix“ fertig gekochten Germknödel über die Begrenzung der Tanzfläche hinweg dem Publikum zu ebener Erd diesen offeriert. Und damit an Schöpfungsmythen von göttlicher Formung des Menschen aus einem Batzen Lehm erinnert.

Was mehr oder minder durch-choreografiert wirkt, ist aber – der Beschreibung und nach dem Ende auch der Erklärung der Erfinderin zufolge – trotz Plans und Choreo – von vielen Zufälligkeiten gekennzeichnet. Die Roboter bewegen sich mitunter völlig überraschend. Bei einer Vorstellung sei einer der Sauger über die durch eine Lichtleiste erhöhte Begrenzung hinweg in den Publikumsbereich gedüst.

Und sehr zufällig gestaltet sich auch die Passage, wenn die Tänzerin im Klettergerüst hängend, hin- und herschwingend mit Pinseln eine Leinwand bemalt – jede Aufführung ein eigenes Kunstwerk – für eine spätere Ausstellung.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „AreYouAre“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Uni, Linz)

Teil 2 einer Trilogie

Jerca Rožnik Novak wechselt sich bei Vorstellungen mit Silke Grabinger, der Erfinderin dieser Performance, die sie in einer Erwachsenen-Version schon beim vorjährigen Ars-Electronica-Festival tanzte, ab. Und sie betrachtet „AreYouAre“ – wo hört Mensch auf und wo beginnt Maschine – als Teil einer Trilogie. Die begann mit SpotShotBeuys, einer Performance, in der sie Die Aktion „I like America and America likes me“ des aktionistischen Künstlers Joseph Beuys 50 Jahre danach aufgriff und neu interpretierte. Mit „Spot“, einem Roboterhund, beginnt sie diese – nun in Are YouAre fortgesetzte -Beziehung lebendig-leblos zu bespielen.

Als Teil drei kündigt sie – schon auf ihrer Homepage – „Quantwin“ an: Grabinger wird mit einem kleinen „immersiven, digitalen Zwilling mit Soft-Robotik als interaktivem Partner an ihrem Körper“ agieren. Das Teil ist gerade in Entwicklung.

Eine ihrer Inspirationsquellen, so Grabinger, war / ist die US-amerikanische Künstlerin Carolee Schneemann (1939 – 2019), die vor allem in den 60er- und 70er-Jahren also vor gut einem halben Jahrhundert bereits in Happenings und aktionskünstlerischen Performances (weibliche) Körperlichkeit und Geschlechterrollen thematisierte.

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Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „AreYouAre“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Uni, Linz)
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

AreYouAre

Wenn Mensch und Roboter einander begegnen

Konzept und Choreografie: Silke Grabinger
Performance: Silke Grabinger bzw. Jerca Rožnik Novak
Probenleitung: Kirin España
Produktionsleitung: Julia Lehner
Produktionsteam: Veronika Selinger, Christina Zoulianiti
Dramaturgie: Silke Grabinger, Ludwig Felhofer
Kostümdesign: Bianca Fladerer
Bühnen-, Sound- und Lichtdesign: Max Windisch-Spoerk
Bühnentechnik & Lichttechnik: Remi Dernier
Video: Karol Kensy
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Martina Mara, Stephanie Meisl, Barbara von Rechbach
Robotics: ARS Electronica Center Linz
Company Management: Amabel Thomas
Marketing & PR: Julia Lehner
Foto: Meinrad Hofer

Zusammenarbeit zwischen Silke Grabinger, Zirkus des Wissens und der Johannes Kepler Universität Linz, mit freundlicher Unterstützung des ARS Electronica Centers Linz.

Wann & wo?

8. bis 11. April 2026
Zirkus des Wissens: 4040 Linz, Altenberger Straße 69 (Gelände der JKU – Johannes-Kepler-Universität)
Telefon: 0732 2468-0
zirkus-des-wissens –> areyouare

silk.at –> areyouare

Trailer

silk.at –> spotshotbeuys

silk.at –> quantwin

wikipedia.org –> Carolee_Schneemann