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Jüngstes bernhard.ensemble Mash-Up verknüpft in schräger Manier pseudofeministisch geframtes Marketing und Menosphere mit Jelineks Rollenklischee-Kritik.
Zuckerlrosa – wie eine bekannte Konditorei-Kette (seit 1913; die Ehefrau des Gründers Josef Prousek hieß Rosa Nerad) bzw. noch naheliegender die Welt der fast 70-jährigen wohl meistverkauften Puppe er Welt – dominiert die jüngste Produktion von das.bernhard.ensemble in der White Box des Wiener Off-Theaters – bis hin zum Programmfolder. Als „Schmuckfarben“ kunterbunt verspielter Touch (Ausstattung: Eva Grün & Ernst Kurt Weigel; Kostüme: Julia Trybula)
Die ultraschlanke, kurvige, anatomisch kaum mögliche Puppe bzw. der Kinofilm (2023) rund um sie, der teilweise „feministisch“ geframt wurde, ist das eine Element des jüngsten Mash-Ups der Theatergruppe. Seit vielen Jahren entwickelt die Gruppe aus einem bekannten Kinofilm und einem Theaterstück jeweils eine eigene Performance – sehr körperlich, sehr humorvoll, nicht selten auch ziemlich schräg. Also „Barbie“, aber in der häufig verwendeten österreichischen Form des Vornamens Barbara, nämlich Babsie. Und die Theaterkomponente für die Collage: Elfriede Jelineks „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte; oder Stützen der Gesellschaften“ (1979 als Buch veröffentlicht und im selben Jahr in Graz uraufgeführt). Übrigens selber eine Art Mash-Up aus Henrik Ibsens „Nora oder Ein Puppenheim“, ihrem eigenen Roman „Die Liebhaberinnen“.
In der Collage „Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken …?“ wird die dominante Babsie – es gibt deren mehrere in unterschiedlichen Ausprägungen von der „verrückten“ bis zur neuerdings boomenden Tradwife – zum Internet-Star. „Hi Babsies!“ begrüßt sie ihre Millionen Follower:innen, um ihnen als Art Live-Hacks Tipps fürs Leben zu posten, stets mit der Schlussbemerkung: „Haltet die Beine steif, stay hydrated“. Meist mit Kauf-Empfehlungen eigener Produkte 😉
Mit einer Art (pseudo-)feministischem Touch, nicht selten inspiriert von der Influencerin Tara-Louise Wittmer (bürgerlicher Name Manière), die als „wastarasagt“ auf Instagram und TikTok postet, aber auf kommerziell gespült.
Als diese Haupt-Babsie tobt sich Rina Juniku als Parodie auf Barbie aus. Schickt ihren Nice-Ken (Christian Kohlhofer) ins Verkaufsregal (zurück), versucht irgendwann den eigenen Verkaufszwängen zu entkommen. Statt wie Elfriede Jelineks Nora als Fabriksarbeiterin, heuert sie als Supermarktkassiererin an. Und wird dort vom Chef, der Karikatur eines Superprolo-Kens (Ernst Kurt Weigel, der gemeinsam mit der Stückautorin Sophie Resch für die Dramaturgie verantwortlich zeichnet), zu sich und die Karriereleiter hochgehoben.
Leonie Wahl, Yvonne Brandstetter und Ylva Maj, die einerseits die Babsie-Variationen Eva, Weird und die dauergebärende Tradwife sowie bedingungslose Followerinnen der zentralen Basie spielen, schlüpfen auch in die Rolle „richtiger“ Männer, entsprungen aus dem Kosmos der Menosphere. Echte kleine rosa Puppen werden zu ihren Schwänzen, über den Softie Nice-Ken machen sie sich erst lustig, bedauern ihn dann, um ihn bekehren zu wollen.
Der Kult um vorgeblich feministisches Marketing, das nicht viel mehr will, als auch kritisch denkende Frauen zum Kauf der „richtigen“ Produkte zu verführen wird ebenso witzig aufs Korn genommen wie die Welle der Retro-Rolle, der Boom der Tradwifes auf der einen Seite. Und das (Wieder-)Aufkommen des Macho-Gehabes des überkommenen Männlichkeitswahns. Ein häufiges Lachen, das mitunter doch im Hals stecken bleibt angesichts der rückwärtsgewandten Entwicklungen in der realen Gegenwart.
Wenn es fast unglaublich wirkt, dass die Babsies ratlos den Kopf schütteln angesichts des Namens Elfriede Jelinek, deren genanntes Buch von der Decke fällt, so kann nur auf eine Folge der Millionenshow rund um die Premiere von „Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken …?“ hingewiesen werden. Einer jungen Lehrerin sagten die Namen der österreichischen Autorinnen Julya Rabinowich, Eva Rossmann, Angelika Hager und Martina Parker genau nichts.
Mash-Up inspiriert von Elfriede Jelinek (v.a. „Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte; oder Stützen der Gesellschaften“ und Greta Gerwigs Kinofilm Barbie)
das.bernhard.ensemble
Ab 16 Jahren; 1 ¾ Stunden
Gastregie: Sophie Resch
Dramaturgie: Sophie Resch & Ernst Kurt Weigel
Im Text, der während des Probenprozesses gemeinsam von Regie, Dramaturgie und Ensemble entstand, kommen viele Zitate vor – die im Stück benannt werden
Performance
Babsie: Rina Juniku
Eva Babs: Leonie Wahl
Weird-Babs / Elfriede Jelinek: Yvonne Brandstetter
Tradwife-Babs: Ylva Maj
Nice-Ken: Christian Kohlhofer
Superprolo-Ken: Ernst Kurt Weigel
Followerinnen / Männer: Leonie Wahl, Yvonne Brandstetter, Ylva Maj
Komposition: Bernhard Fleischmann
Choreografie: Leonie Wahl
Ausstattung: Eva Grün & Ernst Kurt Weigel
Kostüme: Julia Trybula
Dramaturgische Beratung: Miriam V. Lesch
Lichtdesign / Technik: Max Smirzitz & Andreas Schmidt
Regieassistenz: Alexandra Wimmer
Ausstattungsmitarbeit: Alex Grüner
Produktionsleitung: Monika Bangert
Presse: SKYunlimited, Alina Groer
Social Media/ künstlersiche Assistenz: Nadine-Melanie Hack
Bis 9. Mai 2026
Off-Theater / White Box: 1070, Kirchengasse 41
Telefon: 01 523 17 29 10
Off-Theater –> Was geschah nachdem Babsie…
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