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Szenenfoto aus "Leinen los"
Szenenfoto aus "Leinen los"
12.02.2022

Sehnsucht treibt das Segelboot voran

„Leinen los!“ im Dschungel Wien: Figuren- und Objekttheaterstück auf der Suche nach einem Zufluchtsort. Um neue Fotos ergänzt.

Ein beachtliches auf alt gebautes hölzernes Boot thront auf einem blauen Wellenberg, Segel aufgezogen, davor in einer Ecke sitzt ein Klischee-Seebär und spielt auf einem Saiteninstrument. Wirkt upcycled – drei Saiten mit einem Klangkörper aus einer umgebauten großen Konservendose. Mit diesem Sanshin (auch Shamisen genannt) hat alles begonnen, was nun auf der Bühne des Dschungel Wien als Figuren- und Objekttheaterstück „Leinen los!“ von werk89 & Marionettentheater Schwandorf (D) zu erleben ist.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Leinen los!“

Die Story

Bevor hier auf die erwähnte musikalische Geburtsstunde des Stücks (Idee und Konzept Scarlett Köfner und Michael A. Pöllmann) eingegangen wird, knapp zusammengefasst die Story (Text und Dramaturgie: Carolyn Amann): Mit dem eingangs geschilderten Boot, das mit Spielbeginn über einen Motor und Metallwellen ständig in Bewegung bleibt, wollen Hannah und Arik aufs offene Meer hinaus. Sie mussten beide flüchten, fanden nirgends so wirklich Aufnahme und suchen mit dem Schiff ihres alten Freundes Mikloš nach einem sagenumwobenen Nauticai der Maritimen. Dabei handelt es sich um eine Insel wo jede und jeder ein Zuhause findet.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Leinen los!“

Natürlich braucht eine knapp einstündige Geschichte ein paar Hürden. Erste Bewährungsprobe: Während die beiden Kinder schon so eine Weile gesegelt sind, taucht aus dem Bauch des Bootes ein verschlafener, nicht gerade freundlicher Kater auf. Der behauptet, das Schiff wäre sein’s. Als sie sich doch auf die gemeinsame Weiterfahrt einigen, begegnen ihnen Geisterriffpiraten. Klar, auch dieses gruselige Abenteuer bestehen sie.

Wie fährt’s zum Paradies?

Aber wie geht’s zu Nauticai? Ach, da steigt ein in der Zwischenzeit heimlich von der Möwe gebrachter in den Rettungsring gesetzter stiller Fahrgast auf: Eine Ratte mit Koffer, in dem sich ein Spezialkompass befindet. Statt Nord-Süd zeigt er in Richtung des genannten Paradieses. Wobei dies hier nur eine knappe Schilderung der Story ist. Die wahre Handlung liegt in den kleinen Szenen, in den (Zwischen-)Tönen der Begegnung der zum Leben erweckten Figuren, in deren Annäherung, dem Bestehen der Abenteuer durch gemeinsames Auftreten – und in der Sehnsucht nach einem Ziel, sich wo Zuhause fühlen zu dürfen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Leinen los!“

Vielstimmiges Solo

Alle handelnden Personen und Tiere sind Figuren, designt von Scarlett Köfner, gebaut von ihr sowie vor allem von Primož Mihevc (insbesondere das Boot und seine Mechanik, wowh!) und dem Marionettentheater Schwadorf (Deutschland). Unterschiedliche Stimmen und seine beiden Hände, die sie alle bewegen, leiht der eingangs genannte „Seebär“, Puppenspieler Michael A. Pöllmann, der daran sichtlich große Spielfreude hat. Am meisten hörbar, wenn er die Möwe als Stabpuppe fliegen lässt und der Geräusche über Bühne und ins Publikum schallen lässt.

Plastik-Monster

Hin und wieder wirkt’s (noch), als könnte er mindestens eine Hand mehr brauchen, um die genannten Bühnen-Akteur:innen an Deck zu bewegen. Zumal noch ein riesiges Monster auftaucht – ein Einsiedlerkrebs, der statt beispielsweise in Muscheln in Plastikabfällen sein Zuhause findet – und aus solchen auch ein Ersatzsegel für die „Jacqueline“ (wie das Boot heißt) hat, nachdem die Stoff-Dreiecke im Kampf mit den Geisterpiraten zerfetzt worden waren. In Miniaturform – Körper aus unter Hitze gebogenen Lego-Platten – kommt er zwischendurch auch an Deck des Seglers.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Leinen los!“

Unterstützung beim Spiel bekommt Pöllmann vor allem an jenen Stellen, in denen Musik (Markus und Matthias Jakisić) gespielt wird. Da geht das junge Publikum voll lebendig mit. Nicht unerwähnt bleiben soll Lichttechnikerin Jana Resetarits, die neben den vorprogrammierten Lichtstimmungen mitunter spontane Einsätze fährt, mit bestem Timing.

Drei-Saitig

Ach ja, nun zum Sanshin. Pöllmann hatte dieses Instrument bei einem Theaterfestival in Okinawa (südlichste Präfektur Japans) kennen gelernt. Es hat eine seeeehr lange Tradition und Geschichte, kam aus China ins damalige Königreich Ryūkyū, dem heutigen Okinawa. Mythen und Legenden ranken sich um die Entstehung des Instruments, das jahrhundertelang fast nur von unteren Schichten, teilweise auf der Straße, gespielt wurde. San steht übrigens für drei – sowohl im Mandarin-Chinesischen als auch im Japanischen. „Als ich das damals gesehen und gehört habe, hat es für mich sofort nach Seefahrt geklungen und es war mir klar, wir müssen ein Stück machen, das dazu passt, also auf dem Meer spielt“, so der Puppenspieler zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr …

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INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Leinen los!

werk89 & Marionettentheater Schwandorf (D)
Puppen- und Objekttheater; ab 6 Jahren; 50 Minuten

Idee, Konzept, Trickfilm: Scarlett Köfner, Michael A. Pöllmann
Text, Dramaturgie: Carolyn Amann
Puppenspiel: Michael A. Pöllmann
Puppen- & Bühnendesign: Scarlett Köfner
Puppen- & Bühnenbau: Primož Mihevc, Scarlett Köfner, Marionettentheater Schwandorf
Komposition, Musik: Markus und Matthias Jakisić
Licht: Claus Zweythurm, Jana Resetarits
Produktion, PR: Simon Hajós

Wann & wo?

Bis 16. Februar 2022 und
28. bis 31. Mai 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Leinen los!

Szenenfoto aus "Lust"
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