Gastspiel aus Litauen beim internationalen Theaterfestival für junges Publikum spleen*graz; Teil 1.
Rote, schwarze, weiße Dreiecke, Linien, Streifen, ein roter großer Kreis mit schwarzen konzentrischen Kreislinien, an den Rändern schwarz-weiße breite, flache Pölsterschlangen. Dieser so ansatzweise beschriebene Spielboden ist aus Stoff nicht nur in sehr geometrischen Formen, sondern auch unterschiedlichen Materialien – glatt, rau, stark strukturiert, spürbar. Denn die Performance richtet sich nicht nur an sehr junge Kinder, sondern auch an solche mit Sehschwächen bis hin zu blinden.
Die beiden Tänzerinnen – zu Musik wie sie an Spieldosen erinnert (Musik: Valerio Camporini Faggioni) – sind in den gleichen Farben gekleidet und auch mit ertastbaren Stoffen und Bommeln an Schnüren, die sie mitunter aus dem Gewand rausziehen (Bühnenbild, Kostüme: Medilė Šiaulytytė).
Anfangs bewegen sich Giedrė Subotinaitė, Agnė Ramanauskaitė seeehr sachte und wenig. Später immer stärker, auch Maß nehmend an exakten Formen, Arme und Beine bilden rechte Winkel, von einem Bein aufs andere balancierend, bleiben die Beine voll gestreckt wie die Schenkel eines Zirkels. Wobei die beiden keine vorgegebene Choreo abspulen, sondern immer sehr genau auf die – insbesondere ganz jungen – Kinder im Publikum achten. Den Blickkontakt suchen, sie wortlos aber über Blicke und Bewegungen nach und nach auf die Bühne einladen. Was bei jener Vorstellung, die KiJuKU.at im KNOPFtheater des Grazer Kindermuseums FRida & freD besuchte, so manche fast von Anfang an, andere zögerlicher annahmen.
„Unsichtbare Welt“ ist die nur unzureichende deutsche Übersetzung für die von Birutė Banevičiūtė in Litauen gemeinsam mit den beiden Tänzerinnen entwickelte Performance „World without eyes“ (Welt ohne Augen).
Damit gastieren die Künstlerinnen des Dansema Dance Theater erstmals in Österreich und da bei spleen*graz, dem Internationalen Theaterfestival für junges Publikum in der steirischen Landeshauptstadt. Das geht derzeit zum elften Mal (alle zwei Jahre) über viele Bühnen und auch außerhalb von Theatern spielt sich so manches ab (mehr in der Info-Box am Ende des Beitrages).
Bisher spielte die Gruppe ihre rund ¾-stündige Performance, bei der die Tänzerinnen die möglichst jungen Kinder beobachtend, animierend mit auf die Bühne einladen, in 15 verschiedenen Ländern – bis Brasilien und in die Türkei. In Istanbul performten sie sowohl im europäischen als auch im asiatischen Teil, so die Erfinderin und Choreografin Birutė Banevičiūtė zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…
„Entstanden ist diese Show in der Pandemie, da hatten wir viel Zeit zur Recherche. Die starken Kontraste weiß und schwarz haben wir gewählt, weil die auch Kinder mit Sehbeeinträchtigung gut wahrnehmen können und das Rot als leuchtende Farbe auch. Und die geometrischen Formen sind auch Grundformen der Bewegung, wie sie der Tänzer, Choreograf und Bewegungsforscher Rudolf Laban (1879-1958) als Fundament für zeitgenössischen Tanz entdeckt und formuliert hat – Tanzschritte und Drehungen entsprechen den Dreiecken, Linien und Kreisen.
Compliance-Hinweis: Das Festival spleen*graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für drei Tage zur Berichterstattung nach Graz eingeladen.
(World without eyes)
Dansema Dance Theater (Litauen)
½ Jahr bis 6 Jahre; ca. ¾ Stunde
Ohne Sprache, geeignet für sehbehinderte und auch blinde Kinder
Idee, Choreografie: Birutė Banevičiūtė
Co-Choreografie und Tanz: Giedrė Subotinaitė, Agnė Ramanauskaitė
Bühnenbild, Kostüme: Medilė Šiaulytytė
Musik: Valerio Camporini Faggioni
dansema.lt
Die rund eineinhalb Dutzend Produktionen der 11. Ausgabe „verhandeln auf sehr unterschiedliche Weise, was es heute heißt, auf dieser Welt zu sein – und Verantwortung für sie zu übernehmen. Sie fragen nach Wahrheit und Lüge und danach, warum Theater gerade dann wichtig ist, wenn Gewissheiten brüchig werden. Sie erzählen von Selbstermächtigung, von Körpern in Bewegung, von Tanz als politischer Geste. Sie erkunden, wie Demokratie gelernt, gelebt und infrage gestellt werden kann – im Großen wie im Alltäglichen.
Gleichzeitig öffnen die Arbeiten Räume für Imagination und Widerstand: wenn Dinosaurier und Performer*innen Freundschaft schließen, wenn wir an den Anfang der Erde zurückgehen oder ins Jahr 2225 in eine Science-Fiction springen, wenn wir durch Wälder streifen oder versuchen, der Schwerkraft zu entkommen. Immer geht es um Identität und Entscheidung: Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie revoltiere ich?
Oder ganz banal: Was soll ich anziehen? Alle Fragen werden zu Einladungen, sich selbst und die Welt ein wenig anders zu betrachten. Die Themen sind so unterschiedlich wie die künstlerischen Handschriften der eingeladenen Produktionen. Gemeinsam ist ihnen der ernsthafte Blick auf junges Publikum und der Wunsch, Theater als Erfahrungsraum zu begreifen: als Ort des Staunens, des Zweifelns, des Lachens und des gemeinsamen Denkens – und den Raum dazwischen zu öffnen“, heißt es im Programmheft.
Bis 22. April 2026
Graz – in vielen Theatern und an anderen Orten
spleen-graz –> programm
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen