Vom Samen bis zur Pflanze – ein Stück, gedacht schon für sehr junge Kinder, vom Werden, das auch seine Zeit braucht.
Vor einem breiten bräunlichen Etwas, das zunächst Gedanken an einen aufgeschnittenen ast-losen Baum vermittelt, beginnen Gianna Grimaldi, Annabella Tedone ihr anfangs wortloses, später von einigen italienischen Sätzen begleitetes Schauspiel. Sie platzieren zwei hellbraune flache Pölster am vorderen Bühnenrand – zu nahe an der ersten Reihe, was bewirkt, dass die Zuschauer:innen weiter hinten sich schwertun, zu sehen, dass sei symbolisch etwas in diese „Erde“ pflanzen.
Um Säen, Samen, Wachsen und Werden dreht sich das nicht ganz ¾-stündigen Stück, das Compagnia Teatrale Kuziba aus Italien für leider nur zwei Vorstellungen nach Wien mitgebracht hat. Glattstreichen der „Erde“, Wind in Form von entsprechenden Blas- und verstärkten Geräuschen. Regen, den sie mit Fingertrippeln auf den eigenen Köpfen und danach auf dem Boden beginnen – und der ebenfalls aus dem Off zu heftigem Schütten wird. Den zwischenzeitlichen aufgespannten Schirm abschütteln und mit diesem Wasser die kleinen Felder gießen…
So stellen die beiden – Tedone hat übrigens auch Regie geführt – zum Einen notwendige „Zutaten“ zum Pflanzen-Wachstum spielerisch dar. Zum Zweiten setzen sie an bei schon jungen Kindern bekannten Bewegungsspielen an und zum Dritten wollen sie die Freude am Staunen vermitteln. Was bei der Vormittagsvorstellung leider nicht durchgängig gelungen ist, weil viele so manches nicht wirklich sehen konnten, was schon zu Unruhe führte.
Doch bevor am Ende – das hier ja verraten werden kann, weil „Como SeMe“ einerseits schon vorbei ist und andererseits ohnehin vermutet würde – aus einem der Felder eine Grünpflanze wächst, muss das Warten darauf überbrückt werden. Das Duo nähert sich vertraulich an, miteinander spielen sie, „zerlegen“ den vermeintlichen Baum aus dem Hintergrund, was den Blick auf eine Leiter freigibt. Die wird zum leicht akrobatischen Spielplatz.
Das große Ding entfalten sie als Decke, unter die sie kriechen, sie dann wieder ent-falten… alles szenische Bilder eben rund um Werden, Wachsen, Veränderungen…
Später wieder als Art Schlafsack senkrecht an die Leiter gelehnt schlüpfte eine unten, die andere oben rein. Und so wie am Ende vorne eine Pflanze wachsen wird, so reift in diesem „Leib“ ein kleiner aus Packpapier geformter Mensch heran…
Ein wenig tricky ist schon der Titel des Stücks, das die Gruppe mit TRIC Teatri di Bari koproduziert und dafür auch mit Terreno Fertile, La luna nel pozzo, Armamaxa, IV Circ. Didattico „Don P. Uva“, Bisceglie (Italien) zusammengearbeitet hat: „Como SeMe“ – bewusst mit einem Großbuchstaben mitten im zweiten Wort, auf der Webiste der Gruppe an einigen Stellen mit einem großen Punkt zwischen „se“ und „me“ – verwandelt den kurzen Satz in zwei Bedeutungen: „Wie Samen“ bzw. wenn se und me getrennt gelesen wird: Wie mache ich 😉
Das geht leider auf der Homepage des Theaterhauses für junges Publikum im MuseumsQuartier, dem Dschungelwien, „dank“ der dortigen durchgängigen Großbuchstaben (was übrigens online immer als schreiend interpretiert wird), verloren.
Koproduktion von Compagnia Teatrale Kuziba und TRIC Teatri di Bari in Kooperation mit Terreno Fertile, La luna nel pozzo, Armamaxa, IV Circ. Didattico „Don P. Uva“, Bisceglie (Italien)
Ab 2 Jahren; 40 Minuten
Regie: Annabella Tedone
Schauspiel: Gianna Grimaldi, Annabella Tedone
Bühne: Bruno Soriato
Musik: Livio Minafra
Kostüm: Maria Pascale
Licht: Angelo Piccinni
Choreografie-Research: Micaela Sapienza
Stimm-Research: Teresa Vallarella
Regie-Assistenz: Livio Berardi
Bühnenbild-Assistenz: Valentina Vecchio
Bewegungsregie und Feldenkrais: Rossana Farinati
Produktion: Bruno Ricchiuti
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