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Szenenfoto aus "Waldrapp"
Szenenfoto aus "Waldrapp"
22.05.2022

Wie Menschen Vögeln den Flug in den Süden beibringen

Theaterstück von „schallundrauch agency“ über das echte „Waldrapp“-Aufzucht-, Auswilderungs- und Zugvögelprogramm des Schönbrunner Tiergartens.

Eine wahre – leider erforderliche – Erfolgsgeschichte ist die Basis des jüngsten Stücks der „schallundrauch agency“: Waldrapp. Gabriele Wappel, Jasmin Steffl und Lawrence Ritchie (Regie Janina Sollmann) pendeln zwischen ihrem Menschsein und der Verwandlung in dies vom Aussterben bedroht (gewesenen) Vögel. Leichtfüßig, schwebend, fast fliegend, tanzend, singend, nahe dran kostümiert und dann wieder eher abstrakt erzählen sie die echte Geschichte der Aufzucht- und Zugvögel-Flugprojekte. Und verknüpfen sie hin und wieder – wie praktisch in jedem Stück dieser Gruppe – mit persönlichen Bezügen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Waldrapp“

Der echte Hintergrund

Bevor’s zu verwirrend wird, der Hintergrund der Geschichte – die in rund einer Stunde lebensnah gespielt wird: Erst haben Menschen die Waldrappe fast ausgerottet – vor allem in Massen gejagt und sein Fleisch gegessen. Seit ein paar Jahren scheinen die Versuche, das Überleben dieser Vogelart durch Aufzucht- und Flugprogramm zu sichern, Erfolg zu haben. Babys der in Zoos (u.a. Schönbrunn in Wien) gehaltenen Waldrappen wird der Flug in den Süden gelehrt. Die Tiergarten-Waldrappe hatten ihr Zugvogel-Dasein verlernt.

Menschen, die die Vogelbabys händisch füttern und sie an sich gewöhnen, werden als „Pflegeltern“ von den Vögelchen angenommen. Diese können dann dazu gebracht werden, den Leit-Eltern, die in Leichtflugzeugen – eine Art Paraglider mit Sitz und Motor – sitzen, nach Italien zu folgen. Den Rückweg im Frühjahr finden die Waldrappe dann automatisch – und können so im folgenden Herbst ihren Kindern beim Weg in den Süden voranfliegen. Sie sind sozusagen ausgewildert und können den Fortbestand der Art in Freiheit gewährleisten. (Links zu Reportagen über das Aufzuchtprogramm – damals noch im Kinder-KURIER – unten).

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Waldrapp“

Atmosphärisches Verwandeln in Vögel

Und diese Geschichte setzt das genannte Trio in verschiedenen Abschnitten um – hin und wieder erklären die drei dazwischen Wissenswertes über die Vogelart und das Projekt, im wesentlichen aber vermitteln sie in ihrer tänzerischen und theatralen Szenen, wie sie erst fast ausgestorben sind, die Aufzuchtprogramme begonnen haben, sie zu Pflege-Eltern für die frisch geschlüpften Waldrappe, die von manchen als hässlichste Vogelart beschimpft, von anderen – aufgrund ihres Federschopfs am Kopf als Punks der Lüfte bezeichnet werden. Von aufgerissenen „Schnäbeln“ beim Füttern, Begrüßungsritualen und schließlich Flugversuchen bis hin zum Flug in den Süden – in einer igluzeltstangen-artigen Konstruktion und Vogel-Mobiles (Bühne: Michael Haller, Kostüme: Afra Kirchdorfer) – spannt sich das Stück. Und so „nebenbei“ ist’s damit auch generell eine Geschichte über Er-, vielmehr Be-ziehung zu Kindern mit dem Fokus, Kinder bei der Entwicklung zur eigenen Selbstständigkeit zu unterstützen und fördern, statt sie im Käfig zu halten 😉

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Waldrapp“

Eigene Bezüge

Dazwischen treten die Darsteller:innen hin und wieder aus ihren Rollen heraus und singen als Gabi, Jasmin und Lawrence von ihren Bezügen zu Vögeln – über den Umweg der Liebe zu Dinosauriern -, Zugvogeldasein – den Sommer beim Papa in der Schweiz, den Rest des Jahres bei der Mama in Wien -, oder „Abheben“ bei Geschichtenerzählen des Zieh-Papas.

Bleibt zu hoffen, dass diesmal die Waldrappe in der Natur nicht wieder von Menschen zu Tode gejagt werden.

Menschliche-flughilfe-fuer-punks-der-luefte

Sie-werden-von-tag-zu-tag-aufgeweckter

Anti-Storch

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Waldrapp“
INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Waldrapp

schallundrauch agency
Performance; eine Stunde; ab 4 Jahren

Regie: Janina Sollmann
Performance, Tanz, Musik und Stückentwicklung: Gabriele Wappel, Jasmin Steffl, Lawrence Ritchie
Bühne: Michael Haller
Kostüm: Afra Kirchdorfer
Licht: Michael Zweimüller

Regieassistenz: Ottilia Gaurean
Musikalisches Coaching: Theresa Seits
Künstlerische Mitarbeit: Silvia Auer, Gabriele Wappel, Michael Haller

Produktion: Lena Obenaus
Koordination Workshops: Martin Wax

Dank an: Katharina Huchler, Johannes Fritz, Bernhard Gönner und das gesamte Waldrappteam, den Zoo Schönbrunn, Manuel Kemethofer und Regina Kramer, Sascha Becker, Emma Juhász, Malina Idam und Sebi Moser-Sollmann für den kindlichen Blick und die Beratung und an alle Waldrappe

Wann & wo?

Bis 26. Mai 2022
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien -> Waldrapp

schallundrauchagency -> Waldrapp

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