Eine flauschige gelbe Decke mit schwarzen Punkten (Ausstattung: Lena Winkler-Hermaden) hängt in der Mitte der Bühne, die beiden Performerinnen – Anna und Frida Spitzbart (Mutter und Tochter) begrüßen das Publikum, das sie später auch immer wieder einbeziehen werden zu dem rund ¾-stündigen Spiel „Was zählt, bist du“. Während der Begrüßung bauen sie noch das Herrichten der Bühne ein, Frida schaut sich im Fundus des Spielorts – diesmal des Dschungel Wien – um und holt hinter dem Vorhang so allerhand hervor. Zuletzt den Musiker mit Gitarre, Alexander Lainer – ihren Papa.
Die Familie zieht das Publikum mit in die Geschichte des Bilderbuchs rund um Zählen, einen Gepard als Sinnbild für Gefährlichkeit. Und geht so das Thema Ängste an – vor Gefahren, aber auch vor Unbekanntem, Fremdem. Da Frida, wie sie bekennt, noch nicht lesen kann, greift sie beim „Vorlesen“ zu einer Fantasiesprache, die sie sich jeweils spontan einfallen lässt. „Paleleo“ ist aber immer gleich, verrät sie KiJuKU.at und das steht für den Gepard.
Und so wie du in das Bilderbuch von Magda Hassan (Text) und Raffaela Schöbitz (Illustrationen) versinken kannst, nach und nach der Raubkatze nahe und näher kommst – übers Zählen seiner Punkte unter anderem, so taucht das Publikum ins verspielte (Schau-)Spiel der beiden ein; unterstützt von der Musik – auf Gitarre, Kalimba, Xylophon und Zug-flöte.
Immer wieder bietet das Stück auch Kindern an, ihre Sitzplätze zu verlassen, um auf der Bühne mitzuspielen, sozusagen selber dem Gepard, der im Stück weniger für Ängste steht als im Buch, näher zu kommen.
In einer anderen Szene, in der zwischen Spielenden und Zuschauenden wieder getrennt wird, kommt es dafür zu einem gemeinsamen Lied, dessen Text vor Beginn verteilt wird. Besungen wird, dass jede und jeder irgendwas gut kann:
„Manche können Lieder singen,
manche über Hecken springen,
manche können ganz viel essen,
manche Zitronen pressen,
manche können sich allein abwischen,
manche tun lieber Farben mischen…“
Mehrerer solcher Strophen münden stets in den Refrain:
„Was zählt, bist du… (3 Mal)
und ein Schokoladeneis“
Am Ende wird die Bühne komplett für die jungen Theaterbesucher:innen geöffnet – mit der Möglichkeit, sich selber aus einer Vorlage (die es auch im Buch gibt) eine Gepardenmaske zu basteln.
Und so „nebenbei“ vermittelt vor allem Frida so manches echte Wissen über diese Tiere, die zum Beispiel nicht wie andere Raubkatzen brüllt. Die Jungtiere miauen jedenfalls. Aber auch ausgewachsen bedienen sie sich vieler anderer Geräusche (neben Miauen noch Bellen, Fauchen, Knurren, Meckern, Schnurren, Miauen, Zwitschern und Zischen). Angerissen, aber nie aufgelöst, wird die Frage nach der Zahl der Punkte oder Flecken.
Hier wird das – nach Internet-Recherche (vor allem Kindernetz, Klexikon und Petbook – Links in der Infobox am Ende)– nachgeliefert: Ungefähr 2000 bis 3000 Punkte / Flecken haben erwachsene Gepard:innen. Die schwarzen Stellen auf gelblichem Fell helfen bei der Tarnung „und gaben ihnen (den Tieren, Anmerkung der Redaktion) ihren englischen Namen Cheetah. Dies stammt vom indischen Hindi-Wort Chita ab und bedeutet gefleckt“. (Petbook)
Übrigens lebt diese kleinste Raubkatze nur noch auf ungefähr einem Zehntel ihres ursprünglichen Lebensraums und gilt auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) als gefährdet.
Weiß. Alles weiß – der Boden, die Wände, das Licht. Sozusagen wie ein unbeschriebenes Blatt Papier bietet sich die Bühne im Stück “So nah wie nie zuvor” dar – und an.
Dann taucht von links (aus Publikumssicht) eine der beiden Schauspielerinnen/Tänzerinnen (Jolyane Langlois) auf, freundlich lächelnd winkt sie mit einer Hand ein Hallo ans Publikum. Und verschwindet wieder. Auf der anderen Seite erscheint eher zögerlich und schüchtern ihre Kollegin Elda Gallo, um beide Hände zaghaft von den Beinen weg nicht einmal bis zur Körpermitte zu heben.
Das Bewegungsspiel der beiden wiederholt sich x-Mal, jedoch mit wechselnden erst kleinen Accessoires wie Brillen und dann fast Unmengen an Kleidungsstücken (Kostüme: Gudrun Lenk-Wane). Gleich bleibt das Auftreten – cooler und forscher die eine, schüchterner die andere. Obwohl Letztere als erste den Mut hat, sich sogar in einem Badeanzug-Zweiteiler zu präsentieren.
Keine scheint von der anderen Notiz zu nehmen – obwohl sie natürlich exakt getimt und aufeinander abgestimmt jeweils aus ihren Umkleidekabinen die Bühne entern. Wie Kontakt mit anderen aufnehmen, miteinander kommunizieren – unter Bedingungen des verordneten „Social Distancings“ und halb verhüllter Gesichter wie es fast drei Jahre an der Tagesordnung war. Das – so ist dem Begleitmaterial zu entnehmen -, bildete den Ausgangspunkt für das Stück (Konzept, Choreografie: Gat Goodovitch Pletzer). Gegen Ende der Weihnachtsferien feierte es vielumjubelte Premiere im Dschungel Wien – die erste Aufführungsserie folgt gegen Ende Jänner – siehe Infobox.
Das erste Fast-Aufeinandertreffen der beiden – ein punktgenaues knapp aneinander Vorbeischrammen findet erst nach 20 – von insgesamt 50 Minuten statt. Fünf Minuten danach beginnen die beiden ihre ersten synchronen Bewegungen zu Klängen des Ohrwurmsongs „Where do I begin“ aus dem Film „Love Story“ (mehr als 50 Jahre alt) – auch da noch ohne einander anzuschauen. Was sich allerdings in den nächsten Minuten ändert – erste Blicke aufeinander samt Berührungen.
Und dennoch bleibt das Zögerliche, das Zurücktreten, das Unsichere nicht überwunden. Ja es erfolgt sogar ein heftiger Bruch. Dunkel. Stille. Die beiden sind hinter ihren Wänden verschwunden. Leere – die das Publikum mit eigenen Bildern und Gedanken füllen kann. Bevor es ins Finale von „So nah wie nie zuvor“ geht, in dem erstmals auch Worte fallen – über Anfänge und was Eda Gallo alles als erstes einfällt oder sie unternimmt.
Der lange Weg, einander näher zu kommen wird von den beiden noch erweitert – in Richtung Publikum. Abwechselnd sprechen und spielen sie Zuschauer:innen individuell an – in der Regel in Form von Komplimenten über Haare, Schuhe oder Sitzhaltung mit Vermutungen über Lese- und andere Freudigkeiten oder mit spiegelndem Augenspiel und Mimik. Da beginnt das Publikum bei der Premiere auch aufzutauen und zu reagieren, während auf das Hallo-Winken zu Beginn lediglich ein einziger (der Rezensent) reagierte. Was sich aller Voraussicht nach bei den Vormittagsvorstellungen im Rahmen der Aufführungsserie mit vielen Kindern im Publikum ändern dürfte 😉
PS: Bei er Verbeugung nach der Premiere – in der in der Regel neben den Akteur:innen auf auch die mitwirkenden hinter der Bühne sich Applaus abholen, fehlte Gat Goodovitch Pletzer, die das Konzept fürs Stück entwickelt hatte und die Show choreografierte. Sie brachte wenige Stunden vor der Premiere ihr Kind zur Welt – so nah wie nie zuvor!
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