Shirin Grace Saeedi Razavi spielt in dem Kinofilm „Happy“ die im Film neunjährige Maya, Tochter des Hauptdarstellers. Ihre österreichische Mutter ist gestorben, der indische Vater lebt in einer rechtlosen Grauzone, ständig von Abschiebung bedroht. Sie lebt in einem Heim und darf den Vater höchstens einmal in der Woche treffen. Der tut alles für seine Tochter, verschuldet sich, unter anderem um sein Moped, mit dem er Essen ausliefert, rot zu lackieren, wie Maya das gerne hätte.
Die damals 12-Jährige spielte diese Maya sehr beeindruckend, kaum zu glauben, dass dies eine Premiere für sie war.
KiJuKU: Wie kam es dazu, dass Sie die Maya gespielt haben?
Shirin Grace Saeedi Razavi: „Ich wollte schon immer eine Schauspielerin werden und meine Mutter gebeten, dass sie mich bei einem Casting anmeldet. Damals hab ich Kathak, einen indischen Tanzstil gemacht. Eine meiner Tanzlehrerinnen hat Sandeep gekannt. Irgendwie ist es dann passiert ;)“
KiJuKU: Wann ist Ihr Wunsch entstanden, Schauspielerin zu werden, schon im Kindergarten?
Shirin Grace Saeedi Razavi: „Eher in der Volksschulzeit. Ich hab gern Filme und Serien angeschaut und mir gedacht, wowh, ich will auch irgendwann einmal vielleicht in Hollywood sein.“
KiJuKU: Und Sie haben nie vor diesem Dreh etwas in diese Richtung probiert?
Shirin Grace Saeedi Razavi: „Ich war eher mit Tanzen beschäftigt. Ach ja, einmal in der Volksschulzeit war ich in einem Schauspiel-Sommer-Camp.“
KiJuKU: Haben Sie das ganze Drehbuch gelesen oder nur kurz jeweils Ihre Szenen?
Shirin Grace Saeedi Razavi: „Das Ganze hab ich glaub ich zwei Mal durchgelesen und die Texte, die ich sagen sollte natürlich öfter.
KiJuKU: Sie sind als Maya ja in einer nicht ganz einfachen Situation – die Mutter ist tot, den Vater dürfen Sie nur fallweise sehen, leben in einem Heim. Wie ist es, sich in so eine Situation hinein zu fühlen?
Shirin Grace Saeedi Razavi: Ich hab’s schon hart gefunden. Manche Szenen besonders. Ich musste ja in die Geschichte eintauchen.
KiJuKU: Wie haben Sie das gemacht – Ihre eigene Lebenssituation ist davon ja weit entfernt?
Shirin Grace Saeedi Razavi: Meine Eltern – Vater Perser, Mutter Rumänin – hatten auch nicht wirklich immer ein gutes Leben, deswegen kenn ich schon solche Geschichten, die in echt so oder ähnlich passiert sind. Aber es war schon hart. Aber ich finde es toll, dass der Vater alles getan hat für seine Tochter.
KiJuKU: Danke, motašakkeram, kheli mamnoon, sepaz, mersi, Mulţumesc
Shirin Grace Saeedi Razavi: Khoish mi konam, cu placere, bitte, gern.
Im Film „Happy“ macht der Regisseur stellvertretend für Tausende Menschen, deren Arbeit die Gesellschaft in Anspruch nimmt, sie aber nicht beachtet, einen von ihnen sichtbar. Er, der wie viele andere in Österreich Zuflucht gefunden hat, aber weder Asylstatus noch einen anderen Aufenthaltstitel bekommen hat, schwebt in einer rechtlichen Grauzone.
„Happy“, so sein Name, stammt aus Indien, steht kurz vor der Abschiebung wie auch viele seiner Landsleute. Hält sich erst mit als Kolporteur mit dem Verkauf der großen Tageszeitungen und später als Essenszusteller für ein indisches Restaurant über Wasser. Kann überall ausgenutzt werden. Er kann sich ja nicht wehren, wo soll er hin. Sieht er Polizisten, traut er sich nicht einmal die Straße zu überqueren oder biegt, wenn mit dem Moped bei der Essenslieferung unterwegs, schnell ab. Als sein Moped während der Zustellung von Unbekannten über den Haufen gefahren wird – dasselbe. Da rennt er zu Fuß quer durch die Stadt.
So tragisch sein – und vieler anderer – Schicksal ist, der Film von Sandeep Kumar, der selbst vor mehr als zwei Jahrzehnten aus Indien nach Österreich kam – kommt nie anklagend, nie pathetisch, nie tränendrüsen-drückend daher. Er stellt diesen Mann und seinen Kampf ums (Über-)Leben plastisch, realitätsnah so dar, dass Happy stellvertretend für die vielen „Unsichtbaren“ als das wahrgenommen werden kann, was er ist: Ein Mensch wie alle anderen auch mit Träumen, Wünschen, Zielen und nicht einen namenlosen maschinen-ähnlichen Sklaven.
Und Happy rückt vor allem die Beziehung von Happy zu seiner österreichischen Tochter Maya ins Zentrum. Auch wenn er diese nur selten treffen darf, ist sie es, die ihm die Kraft gibt, den ganzen Überlebenskampf auf sich zu nehmen. Um ihren Herzenswunsch zu erfüllen, macht er sogar eine Reise nach Tirol – wo übrigens viel Bollywood-Filme spielen – möglich. Bei der Fahrt mit der schier anachronistischen Zillertalbahn schweben sie in einer aus der Zeit gefallenen Art Traumwelt.
Während Sahidur Rahaman, der Happy verkörpert, ein Top-Filmschauspieler aus Indien ist – einer von den ganz wenigen unter Tausenden Bewerber:innen der wichtigsten (Film-)Schauspielschule, ist seine Filmtochter Maya eine absolute Newcomerin: Shirin Grace Saeedi Razavi stand mit 12 zum ersten Mal vor der Kamera.
In der achten Woche in der „Happy“ in Kinos lief, fand in einem der Säle im Votiv-Kino noch einmal eine Vorführung mit anschließendem Filmgespräch – mit Regisseur und zwei Darsteller:innen statt – dem unguten Beamten Paschner, der Happys Aufenthalts-Akt ignorant bearbeitet – und den er noch einmal trifft, weil der Essen bestellt hat, das ihm der Fahrer liefert, gespielt von Robert Ritter. Eine sehr bewegende Szene, denn Paschner scheint den Fahrer gar nicht zu erkennen – oder will es in dieser Situation gar nicht. Happy sieht ein Foto des Mannes mit dessen Tochter, spricht es an und der Beamte wird traurig, weil er nach der Trennung von deren Mutter das Mädchen praktisch nie sehen kann…
Mit im Kino: Die sehr beeindruckende Maya-Darstellerin, die damals 12-jährige Shirin Grace Saeedi Razavi.
Für den Film hatte der Regisseur und Drehbuch-Autor, der die Idee zu diesem Film seit ungefähr 12 Jahren im Kopf hatte, unter anderem einen jener beiden Schauspieler gewonnen, „die ich immer schon einmal in einem meiner Filme wollte“, Roland Düringer; „der andere ist Robert De Niro, aber der muss noch warten ;)“
Düringer spielt einen windigen, „schlawinernden“ Gebraucht-KFZ-Händler, bei dem Happy sein Moped ersteht. Lilian Klebow spielt eine engagierte Sozialarbeiterin und Flüchtlingshelferin namens Karoline.
Bei den seltenen, berührend-bewegenden Begegnungen von Vater und Tochter spielt ein traditionelles indisches Spiel mit sieben Steinen eine große Rolle: Pittu. Dabei müssen die ungleichen Steine zu einem Turm aufgebaut werden, der meist ziemlich wackelig ist. Den gilt es gegenseitig umzuwerfen und schnellstmöglich wieder aufzubauen.
Sandeep Kumar seiht dieses Spiel stellvertretend für Happys und aller anderen „grauen Existenzen“: Aufbau, Zusammenbruch, wieder Aufbau – und immer sehr wackelig, von neuen Einstürzen bedroht.
Gespräch mit Kumar über seinen Film „Ohne Bekenntnis“ <- damals noch im Kinder-KURIER
Über den Film „Ohne Bekenntnis“ <- ebenfalls im KiKu
Über Kumars Austro-Bollywood-Film Servus Ishq <- ebenfalls noch im KiKu
Fast die Hälfte der Wiener Bevölkerung beurteilt das Zusammenleben zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten sehr (12 Prozent) bis ziemlich gut (36 %). Diesen 48 Prozent stehen 37 % (wenig) plus 12 % gegenüber, die finden, es funktioniere gar nicht gut – also 48 : 49 % – 3 Prozent der 1.104 Befragten machten keine Angaben.
Die Sozialwissenschafter:innen des Meinungsforschungsinstituts SORA wollten von den Befragten aber auch wissen, wie empfinden sie das Zusammenleben in ihrem Bezirk bzw. sogar in noch näherem Umfeld, dem sogenannten Grätzl. Und da stellt sich heraus, je näher, desto besser funktioniert das Miteinander. Auf Bezirksebene verändert sich das oben genannte ungefähr ausgewogene Verhältnis auf 58:38, im Grätzel sogar auf 65 (21 + 44) gut zu 39 (21 wenig + 8 gar nicht gut).
Diese – und viele andere – Zahlen und Daten stellten Dienstagvormittag (4. Juli 2023) Wiens Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr und Christian Glantschnigg für Sora vor, um Grundlagen für faktenbasierte Maßnahmen zu haben. Befragt worden waren – zwischen Ende Februar und Ende März per Telefon und Online die schon genannten 1.104 Menschen ab 16 Jahren, die in Wien wohnen, knapp mehr als ein Drittel der Befragten hat Migrationshintergrund (105 Türkei, 152 Nachfolgestaaten Jugoslawiens und weitere 101 verschiedenster eigener oder elterlicher Herkünfte). Wobei die 61-seitige Studie – Link zur ganzen Umfrage am Ende dieses Beitrages – noch viel mehr Fakten enthält.
So wurde auch abgefragt, was die Menschen überhaupt als Problem wahrnehmen. Und da stand/steht – nicht ganz überraschend – an allererster Stelle: Teuerung, die von fast zwei Dritteln (64 %) als sehr großes und weitere 28 % als ziemliches Problem, also 92 Prozent, angesehen wurden. Wohnen (74 %), Klimawandel (69 %) folgen in der Liste, bevor überhaupt Zuwanderung (67%) sowie Aufnahme und Unterbringung geflüchteter Menschen (66%) genannt wurden.
Übrigens fand knapp mehr als eine Woche vor dieser Studienpräsentation in der Volkshalle des Wiener Rathauses zwei Stockwerke darüber im großen Festsaal die Abschlussveranstaltung des mehrsprachigen Redewettbewerbs „SAG’S MULTI!“ statt. Und siehe da, nicht nur diese eloquenten Jugendlichen, mittlerweile auch ein Gutteil der Wiener Bevölkerung ist nicht mehr nur einsprachig. Fast die Hälfte der Befragten kann alltägliche Unterhaltungen in zwei Sprachen führen (49 %), etwas mehr als ein Drittel sogar in drei oder mehr Sprachen. Unter Wiener:innen mit Migrationshintergrund können sich 38 Prozent in zwei und weitere 54 % in drei und mehr Sprachen unterhalten. Wiener:innen ohne Migrationshintergrund sind zu einem Fünftel (22 %) einsprachig, mehr als die Hälfte kann in zwei und weitere 19 % in drei und mehr Sprachen kommunizieren.
Dass Mehrsprachigkeit von Vorteil ist, sehen mittlerweile rund zwei Drittel so. 67 Prozent der Befragten sehen Mehrsprachigkeit in Kindergärten und Schulen als eine wichtige Integrationsmaßnahme (40% sehr wichtig, 27% ziemlich wichtig). 64% finden es darüber hinaus auch wichtig, dass der Arbeitsmarkt für Menschen im Asylverfahren geöffnet wird (30% sehr wichtig, 34% ziemlich wichtig). Förderung und Unterstützung beim Deutschlernen finden noch mehr für wichtig: 90 Prozent nennen Unterstützung für Kinder, die nicht gut Deutsch sprechen als erste Maßnahme für gelungene Integration (67% sehr + 23 % ziemlich wichtig) sowie leistbare Deutschkurse für zugewanderte Menschen (64 + 24 %).
Daraus leitete Vizebürgermeister Wiederkehr die Forderung nach einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr ab. Und nannte Bildungsminister Martin Polaschek, der sich dagegenstellt, gemeinsam mit der für Integration zuständigen Ministerin Susanne Raab sowie Innenminister Gerhard Karner „Achse der Unwilligen“, die in Integrationsfragen ebenso wie Wiens VP-Chef Karl Mahrer wenig zu Lösungen beitrügen statt vielmehr Öl ins Feuer von Spaltung und Auseinanderdividieren schütteten.
Eine absolute Mehrheit von 53% der Wiener:innen fand laut dieser Studie, es gäbe zu viel Zuwanderung in Wien, knapp mehr als ein Drittel findet das Ausmaß von Migration in Ordnung, acht von zehn meinen, Wien könnte mehr Migrant:innen vertragen. Im Großen und Ganzen gelten diese Prozentzahlen sowohl für alle, also auch die Befragten mit (51/35/10 Prozent) bzw. ohne Migrationshintergrund (54/36/7 %).
Bei dieser Frage stellten sich allerdings große Unterschiede heraus: So sind junge Wiener:innen (bis 29 Jahre) häufiger der Ansicht, dass der bestehende Anteil an Zuwanderung in Ordnung ist (45%) oder die Stadt noch mehr Zuwanderung vertragen könnte (13%), während die 45- bis 59-Jährigen zu zwei Drittel ein Zuviel an Zuwanderung nach Wien empfinden, ebenso wie Pflichtschul-Absolvent:innen (67%) oder Arbeitssuchende (67%).
Wiener:innen in einer guten (47%) oder mittelmäßigen (41%) ökonomischen Lage finden das Ausmaß an Zuwanderung okay; Menschen in schlechterer ökonomischer Lage sehen häufiger zu viel Zuwanderung (72%).
Aus weiteren Fragen ergibt sich übrigens laut Studie: „Selbst unter jenen Befragten, die die Zuwanderung nach Wien als (sehr oder ziemlich) problematisch wahrnehmen, gibt es eine Mehrheit von 60%,die die positiven Auswirkungen von Restaurants, Geschäften, Veranstaltungen… von zugewanderten Wiener*innen auf die Lebensqualität in der Stadt sieht. Unter jenen, die in der Zuwanderung nach Wien kein Problem erkennen, sind es sogar acht von zehn (81%), die dieser Ansicht sind.“ (Seite 40)
Zur ganzen Studie geht es hier
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