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Screenshot der Postings des Kinderfilmfestivals auf instagram zu den vergebenen Preisen

Preise für Filme über Kinder, die große Schwierigkeiten meistern

Nach einer Woche ging am Sonntag das 37. Internationale Kinderfilmfestival in Wien zu Ende, in der Steiermark läuft die 17. Ausgabe des Festivals, die erst dieses Wochenende beginnen hat, noch bis 30. November. Aber auch in Wien spielt es – traditionell als „Zugabe“ am Sonntag, 30. November drei Filme, und zwar die preisgekrönten eine Zugabe, den von der Kinderjury ausgewählten Film, und zwar am Samstag, 29. November, 15 Uhr im Cinemagic (Urania).

Kinderjury-Preis

Die Kinderjury wählte „Honey“ zu ihrem Favoriten. Die Hauptfigur, ein Mädchen namens Honey, ist immer für ihre Familie da: Für ihre überarbeitete Mutter, ihren kleinkriminellen Vater und ihre Schwester mit Down-Syndrom. Ständig übernimmt sie Aufgaben, für die eigentlich ihre Eltern verantwortlich wären. (Regie: Natasha Arthy; Honey: Selma Sol í Dali Pape; Dänemark 2025; 95 Minuten; ab 11 Jahren).

Im Statement der jungen Filmkritiker:innen – Arto, Lea, Livia, Matilda, Mathis, Noa und Philemon – heißt es: „Der Preis geht an einen musikalischen Film, der traurig und sehr realistisch ist. Er entführt uns in den harten Alltag der 13-jährigen Hauptfigur, die für ihr Alter sehr viel Verantwortung übernehmen muss. Im Laufe der Geschichte lernt sie auch ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen. Und durch den totgeglaubten Opa wächst di Familien enger zusammen.“

Szenenfoto aus dem Kinofilm
Standbild aus dem Kinofilm „Superkräfte im Kopf“

Die sieben jungen Jury-Mitglieder begnügten sich aber nicht nur mit einem Preis, den sie vergaben, sondern „wollen außerdem eine lobende Erwähnung für den Film „Superkräfte im Kopf“ aussprechen. Wir konnten uns gut in die Hauptfigur Lev hineinfühlen. Wir fanden den kindgerechten Film lustig und actionreich. Der Film macht Mut, laut zu sagen, wovor man Angst hat und zu seinen Gefühlen zu stehen.“ – Mehr zu diesem Film, samt Interview mit dem Hauptdarsteller Finn Vogels, in eigenen – unten verlinkten – Beiträgen; übrigens auch ein Interview mit der Kinderjury.

Erwachsenen-Jury-Preis

Erstmals gab es beim 37. Internationalen Kinderfilmfestival in Wien zusätzlich eine erwachsene Fachjury aus der Filmbranche – Claudia (Slanar, Co-Leiterin der Diagonale), David (Wagner, Regisseur und Drehbuchautor) und Stefan (Huber, Leitung der Filmvermittlung im Österreichischen Filmmuseum): Dieses Trio entschied sich für den Film „Lampje“.

Lampje ist die Tochter eines Leuchtturmwärters. Sie zündet jeden Tag das Licht im Turm an. Als ihr die Streichhölzer ausgehen, geschieht ein Schiffsunglück und Lampje wird zur Strafe in das geheimnisvolle Schwarze Schloss verbannt. Dort lebt ein Monster, – so wird im Dorf erzählt… (Regie: Margien Rogaar; Niederlande 2024; 93 Minuten; ab 11 Jahren).

Auch die Fachjury sprach darüber hinaus einem weiteren Film eine lobende Erwähnung aus- „Zirkuskind“. Santino ist elf Jahre alt und der Zirkus ist sein Zuhause. Das ganze Jahr über ist der aufgeweckte Junge unterwegs und packt, wie alle Mitglieder seiner großen Zirkusfamilie, bei Vorstellungen und beim Auf- und Abbau der Zelte mit an. Besonders gerne verbringt Santino Zeit mit seinem Opa Ehe, der aus seinem bewegten Leben als Zirkusdirektor erzählt. (Regie: Anna Koch, Julia Lemke; Deutschland 2025; 86 Minuten; ab 8 Jahren)

Szenenfoto aus dem Kinofilm
Szenenfoto aus dem Kinofilm „Das geheime Stockwerk“

Publikumspreis

Die Besucher:innen des Festivals konnten – wie von Anfang an – mit dem Abschnitt ihrer Eintrittskarte in drei verschiedenen Röhren abstimmen, ob ihnen der Film gar nicht, mittelmäßig oder sehr gefallen hat. Die meisten lachenden Smilies vergaben die Zuschauerinnen an den Film „Das geheime Stockwerk“ – mehr zu diesem Film, samt Interviews mit zwei Kindern, die mitgespielt haben und bei der Premiere im Wiener Uraniakino, dem Cinemagic von wienXtra, dabei waren, in eigenen – unten verlinkten – Beiträgen.

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Kinderjury des 37. Internationalen Kinderfilmfestivals beim Gruppen-Interview mit KiJuKU.at

Über geheime und andere Superkräfte

Im fast übervollen größten „Lichtspieltheater“ Österreichs, dem Gartenbaukino fand am Leopolditag (15. November) die vielumjubelte Eröffnung des Kinderfilmfestivals statt – zum 37. Mal und wie immer international mit Filmen aus vielen Ländern, Kulturen und den entsprechenden Sprachen – Deutsch live im Kino eingesprochen. „Superkräfte im Kopf“ – wie vier weitere Filme dieses Mal aus den Niederlanden, die sogar vom Botschafter vertreten war. Mehr über diesen beeindruckenden, berührenden und über viele Strecken auch humorvollen Film in einem späteren Beitrag – samt Interview mit dem jungen Hauptdarsteller Finn Vogels.

So wie bei der Viennale ist auch beim internationalen Kinderfilmfestival das Gartenbaukino der Ort für den Eröffnungsfilm
So wie bei der Viennale ist auch beim internationalen Kinderfilmfestival das Gartenbaukino der Ort für den Eröffnungsfilm

Dichte Woche

Auf der Bühne stellten sich auch die sieben Mitglieder der Kinderjury gegenseitig vor – siehe Video. Am Sonntag vor der Premiere von „Das geheime Stockwerk“ im ebenfalls vollbesetzten Cinemagic, dem Kinder- und Jugendkino von wienXtra in der Urania am Donaukanal durfte Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… Arto, Lea, Livia, Matilda, Mathis, Noa und Philemon (alphabetisch sortiert) treffen. Neben Schule und anderen Verpflichtungen haben sie ein dichtes Festivalprogramm: Gemeinsam acht Filme anschauen und das sehr konzentriert, danach darüber besprechen gemeinsam mit ihren Betreuerinnen Annelies und Paula, bewerten und am Ende Preise vergeben.

KiJuKU durfte zunächst zuhören, wie sie gerade noch den dänischen Film „Honey“ sehr detailliert diskutierten – bis hin zu Details von Hintergrundmusik. „Aber nicht nur die Hintergrund-, sondern die ganze Musik des Films ist sehr gut“, meinten einige der jungen Juror:innen. Gesamteindruck ungefähr so: Gefühlvolle Drama-Komödie mit einigen lustigen Szenen…

Sie lieben es, Filme zu schauen und…

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wollte vor allem wissen, was die Jurymitglieder bewogen zu dieser Tätigkeit bewogen hatte.

Matilda, 12: Ich schau liebend gern Filme, weil ich mich gern in andere Welten reinversetze und mit Charakteren mitfühle. Ich will wissen, wie sie ticken und schreib auch gern selber Geschichten, hab da viele Ideen und fantasievolle Dinge im Kopf. Seit ich schreiben kann, mach ich das. Im Kopf Geschichten ausgedacht hab ich mir aber schon davor. Und ich lese gerne, am liebsten Fantasybücher.

Livia, 11: Ich bin da, weil ich’s von einer Freundin erfahren habe und gern viel Filme schaue und viele Geschichten lese. Außerdem ist meine Mama Regisseurin und so hab ich schon einige Erfahrungen rund um Filme. Aber ich bin sehr aufgeregt, wenn ich auf der Bühne sprechen soll. „Superkräfte im Kopf“ fand ich extrem cool und eine sehr gute Entscheidung, ihn zum Eröffnungsfilm zu wählen, auch weil er von dem Mut handelt, über Gefühle zu reden. Und weil die Oma im Film sagt, wenn man nie etwas macht, das einem peinlich ist oder Angst bereitet, dann hat man keinen Spaß im Leben. Das ist auch eine ganz wichtige Sache, um dann doch auf die Bühne zu gehen und zu sprechen!

Arto, 11: Ich schau gern viele Filme und Serien, geh überhaupt gerne auf Veranstaltungen wie Game City und andere, wobei ich das manchmal gerne ein bisschen übertreibe. Ich mein, in der Festivalwoche machen wir schon sehr viel.
„Superkräfte im Kopf“ fand ich am Anfang sehr traurig, weil Lev (Hauptfigur) von seinen Eltern nur rumkommandiert wird. Aber dann kommt zum Glück die Oma und es gibt für ihn nun viele Ausnahmen. Das Ende fand ich sehr schön, weil er dann doch auf die Comic Con geht, neue Freunde gewinnt und alle mitgerissen hat als er über Gefühle geredet hat.

Lea, 12: Ich war vorher schon öfter beim Kinderfilmfestival und hab andere Kinderjurys gesehen, meine große Schwester wollte auch einmal in die Jury, ist aber nicht gezogen worden – es gibt so viele Bewerbungen, dass das Los entscheidet. Ich hatte mehr Glück. Ich mag es, auf Bühnen zu stehen und etwas zu präsentieren. Und ich liebe es natürlich, Filme anzuschauen. Mit meine Schwester und meiner Mama hab ich auch schon früher über Filme, die wir gemeinsam gesehen haben, geredet. Und ich mag es, andere Meinungen zu verstehen und auch wie es zur Vergabe von Preisen kommt.
„Honey“ fand ich einen emotionalen Film, ich konnte mich in diese Welt reinversetzen, in der gespielt wurde. Er war für mich sehr traurig, aber auch ernst und man kann vestehen, wie das alles passiert.

Noa, 12: Mit meiner Mutter hab ich schon vor einigen Jahren die Kinderjury gesehen, mich früher aber nicht angemeldet, weil ich da so viele Schularbeiten hatte. Heuer geht sich’s aus. Ich mag gern Filme schauen, wir machen das auch in der Schule oft – zu Genderthemen oder antirassistische Filme und reden dann darüber. Außerdem arbeite ich gern in Gruppe, mag diskutieren und steh auch gern auf der Bühne.
„Superkräfte im Kopf“ fand ich cool und der Titel ist gut ausgesucht. Er ist kindlicher als „Honey“, beide sind traurig aber gut.

Mathis, 12: Ich schau natürlich auch sehr gern Filme und ich mag es, darüber zu sprechen. Bevor ich in der Kinderjury war, hab ich über Filme weniger nachgedacht als jetzt, wo wir auch auf vieles achten, zum Beispiele wie so ein Film aufgebaut ist. Beim Eröffnungsfilm fand ich auch sehr gut, dass der junge Hauptdarsteller da war und ihm viele ihre Fragen stellen konnten.

Philemon, 11: Ich bin ein leidenschaftlicher Film-Schauer, diskutieren auch mit meiner Familie oft über Filme. Und ich arbeite gern in Gruppen wie hier. Beim Eröffnungsfilm finde ich, war einfach für jede und jeden was dabei.

Auf viel mehr achten

KiJuKU wollte dann auch noch wissen, ob sich durch die Tätigkeit in der Jury etwas beim Betrachten von Filmen geändert hat.

Praktisch alle äußerten Gedanken wie
„Ich achte jetzt mehr auf Details wie die Musik oder was sich im Hintergrund abspielt.“
„Ich schaue viel konzentrierter und versteh dann auch Sachen, die ich vorher vielleicht gar nicht so genau beachtet habe.“
„Mehr Achtgeben auf Effekte.“
„Früher hab ich mich nur auf den Inhalt konzentriert, der Rest war mir wurscht, jetzt hab ich gelernt, dass ein guter Inhalt noch nicht genug für einen guten Film ist.“
„Ich hab vorher auf die Musik fast gar nicht beachtet.“

Veränderungen

Mehrere der Kinderjury-Mitglieder gestehen, dass sie auch ihr Schauverhalten zu Hause verändert haben. „Früher hab ich oft nebenbei aufs Handy geschaut, ich hab ja auch so die Handlung mitgekriegt. Jetzt drück ich auf Pause oder spule sogar zurück, um mir eine Szene noch einmal genauer anzuschauen.“
„Mir ist jetzt immer wichtig, den ganzen Film aufmerksam zu sehen, wenn ich aufs Klo muss, drück ich auf Pause, ich mag nicht das Gefühl haben, irgendwelche Details zu verpassen.“

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Mehr Informationen

kinderfilmfestival.at/wien -> kinderjury-und-preise

Filmbilder aus "Fußball am DAch", Lars ist LOL", "Young Hearts" und "Grüße vom Mars" sowie ein Foto der Kinderjury auf der Bühne des Gartenbaukinos und der eingeblendete Schriftzug vom Festival

And the winners are…

„Der diesjähriger Kinderjury-Preis geht an einen sehr schönen Film, der uns außergewöhnlich berührt hat. Er entführt uns auf einen anderen Kontinent und zeigt Kinder, die alleine klarkommen müssen. Ein wahrer Frauenpower-Film, in dem Geschlechterklischees keinen Platz haben. Aber auch Jungs spielen eine wichtige Rolle und wachsen letztendlich über sich hinaus.“ So begründeten Agathe, Alma, Keren, Luisa, Mila, Nils und Wenzel, die sieben Mitglieder der diesjährigen Kinderjury, die Entscheidung für den ihrer Meinung nach besten Film – „Fußball am Dach“ (aus China).

Mit den Entscheidungen endete das diesjährige internationale Kinderfilmfestival, das mittlerweile 36.in Wien; in der Steiermark hat das 16. erst am Sonntag begonnen (dauert bis 1. Dezember 2024).

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Young Hearts“

Lobende Erwähnung

Die Kinderjury hatte aber noch für einen weiteren Film eine „lobende Erwähnung“ parat, für den belgischen Film „Young Hearts“ (Junge Herzen). „Ein herzerwärmender Film mit großartiger Filmmusik über die erste Liebe, die anders verläuft als gedacht. Besonders die Beziehung zwischen Elias und seinem Opa hat uns sehr beeindruckt. Es ist sehr schön, wenn man zu seinen Gefühlen stehen kann“, begründeten die sieben jungen Film-Auskenner:innen ihr Urteil.

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Lars ist LoL“

Kinderrechte-Film

Seit vielen Jahren vergibt die Kinderjury auch einen Unicef-Preis. Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNO). Dieser Preis gebührt immer einem Film, in dem Kinderrechte eine wichtige Rolle spielten. Das Festival findet übrigens immer rund um den internationalen Kinderrechtetag (20. November) statt.

Die Juror:innen wählten für diesen Preis „Lars ist LOL“ (Norwegen) aus. „Lars wird aufgrund seines Down-Syndroms gemobbt und ausgegrenzt und dann sogar von einer Freundin verraten. Ein Film über Freundschaft, Ehrlichkeit und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Wir finden es sehr schön, dass sich fast alle Figuren am Ende weiterentwickelt haben und füreinander einstehen“, lautet die Begründung für diese Wahl.

Bild aus dem Film
Bild aus dem Film „Grüße vom Mars“

Lob und Publikumspreis

Auch beim Unicef-Preis hatte die Kinderjury eine „lobende Erwähnung“. Und die deckt sich übrigens mit dem Publikumspreis: „Grüße vom Mars“. Während das Publikum natürlich keine Begründung hatte, sondern „nur“ mit Hilfe der Abschnitte der Eintrittskarten abstimmte, lieferte die Kinderjury natürlich auch ein Statement zu ihrer Entscheidung: „Wir konnten uns in den Hauptdarsteller von Grüße vom Mars sehr gut hineinversetzen. Dabei geholfen haben uns die Kamera aus Toms Perspektive, die verstärkenden Geräusche und auch die schauspielerische Leistung. Es hat uns sehr bewegt, in die Welt eines autistischen Jungen einzutauchen und zu sehen, dass seine Familie immer für ihn da ist.“

In diese Rolle hineinzuschlüpfen war übrigens für den 12-jährigen Darsteller Theo Kretschmer, der nicht Autist ist und davor auch keinen Kontakt zu Autist:innen hatte, nicht einfach, wie er in einem Interview mit Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… schilderte – Link dazu unten am Ende des Beitrages.

Gewinnerfilme nochmals zu sehen: 1. Dezember

Alle Preisträgerfilme sind am 1. Dezember nochmals auf der großen Leinwand zu erleben – Details siehe Info-Box.

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Mehr über den Film „Grüße vom Mars“

Beitrag über die Filme des Festivals – mit Infobox auch zu den noch verbleibenden Terminen in der Steiermark

Die Kinderjury: Oliver (11 Jahre), Emma (12), Mathilda (11), Finni (12), Franzi (11), Ruth (13), Mia (11) im Foyer des Gartenbaukinos mit dem Plakat des Kinderfilm-Festivals

Cool, weil wir so viele Filme anschauen und darüber ausführlich reden

Mittwoch, 15. November 2023, mitten im 35. Internationalen Kinderfilm-Festival. Für Kinder und Jugendliche in Niederösterreich und Wien ist schulfrei – Leopoldi ist dem Landespatron Leopold (Markgraf Leopold III, ein Babenberger, der vor rund 900 Jahren lebte und „der Heilige“ genannt wird) gewidmet. Viele Kinder – und Eltern – nutzen dies, um sich einen der Filme aus verschiedensten Ländern der Welt anzuschauen und so ein bisschen die „Luft“ anderer Kulturen zu schnuppern.

Sieben Kinder schauten sogar zwei Filme an diesem Tag an – und in der ganzen Festivalwoche sogar neun. Emma, Finni, Franzi, Mathilda, Mia, Oliver und Ruth sind die heurige Kinderjury des Festivals. Sie schauen die Filme – jene, die für Sechs- bis 12-Jährige angegeben sind – nicht nur an, sondern sie diskutieren jeweils rund eine Stunde darüber. Dabei geht’s – wie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… an diesem Mittwoch nach dem ersten Film miterleben durfte – um vielfältige Aspekte.

Bevor die Jurydiskutiert, schreiben alle ihre ersten Notizen ins
Bevor die Jury diskutiert, schreiben alle ihre ersten Notizen ins „Film-Tagebuch“

Filmheftchen

Doch bevor sie zu diskutieren anfangen, schnappt sich jede und jeder ein kleines Heftchen. „Filmtagebuch“ steht auf der Titelseite. Jedem der Filme sind zwei Seiten gewidmet – eine, um selber Gedanken zum jeweiligen Film zu notieren, auf der gegenüberliegenden sind oben zwei Zeilen mit je neun verschiedenen Smilies gedruckt. „Da können wir so viele auswählen wie wir wollen. Darunter laden Felder und „Wolken“ ein, die Lieblingsszene aufzuschreiben, was gefallen hat und was nicht und – darüber stöhnen einige verständlicherweise – den Film in drei Wörtern zu beschreiben.

Neben der gezeigten Geschichte, tauschen sich die jungen Filmjuror:innen auch über Kameraführung, Farben, Ton, Verständlichkeit, die einzelnen – wichtigsten – Figuren aus, darüber wie diese gespielt haben… Oder auch – wie bei „Kokon und Schmetterling“ (dem Mittwoch-Vormittagsfilm im Cine-Center, übrigens noch am 16. November zu sehen – siehe Infoblock) ob sie den Titel zum Film passend finden.

Foto aus
Bild aus dem Film „Kokon und Parvaneh“

„Kokon und Parvaneh“

In dem Film in einem kleinen Dorf im Norden des Iran darf das Mädchen Parvaneh (was übrigens zu Deutsch Schmetterling bedeutet) nicht in die Schule. Ihr Bein wurde bei einem Brand schwer verletzt, der Vater kann – und will – sie nicht in die weit entfernte Schule tragen. Außerdem scheint er nicht davon überzeugt, dass auch Mädchen Bildung brauchen und wollen. Der Nachbarsbub Yavar versucht zunächst vor allem heimlich Parvaneh beizubringen, was er schon in der Schule gelernt hat. So baut er ein „Becher-Telefon“, um von Fenster zu Fenster mit ihr reden zu können, hält Rechnungen auf Papier an seine Scheibe, sie haucht ihre Fensterscheibe an und malt die Ziffern nach…

Offenes Ende

Sehr oft fallen in diesem Film-Nachgespräch Worte wie „sehr süße, wie sich der Junge bemüht“, aber auch Sätze wie „sehr langgezogen, weil so wenig geredet wird“. Die Altersangabe „ab 7 Jahren“ finden praktisch alle Juror:innen für zu niedrig angesetzt. Sie selber, die alle – das ist Vorgabe für die Teilnahme – zwischen 11 und 13 Jahren sind, hätten selbst mit 8 Jahren wenig mit dem Film anfangen können. Ziemlich unzufrieden waren alle mit dem offenen Ende. Parvaneh darf doch wenigstens zur Prüfung in die Schule, der Vater schaut beim offenen Fenster rein – und nicht mehr so böse und grantig.

Die Jurorinnen und der Juror reden, wie sie selber die Geschichte weiterspinnen würden oder gerne hätten, dass sie fortgesetzt und dann anders geendet hätte.

Einige der jungen Juror:innen im Gartenbaukino
Einige der jungen Juror:innen im Gartenbaukino

Kinderrechte

Paula, die gemeinsam mit Annalies, für das Festival die Kinderjury begleitet, bittet, noch einen weiteren Gesichtspunkt zu diskutieren: Welche Kinderrechte werden denn in diesem Film angesprochen? Denn die Kinderjury vergibt nicht nur einen Preis für den ihrer Meinung nach insgesamt besten Film, sondern auch einen weiteren für den Film, in dem Kinderrechte am besten thematisiert werden.

„Dass alle Kinder ein Recht auf Bildung haben“ – kommt fast zeitgleich von allen Jury-Mitgliedern. Aber auch Gesundheitsversorgung. Denn als sich Yavar den Arm verletzt, behandelt ihn der Arzt, Parvanehs kaputtes Bein bleibt unbehandelt, weil der Vater dafür zahlen müsste. „Im Winter haben die Kinder nur dünnes Gewand“, ist einigen aufgefallen. „Und die Kinder haben gar keinen Raum für sich, keine Privatsphäre“.

Kinderjury auf der Bühne des Gartenbaukinos bei der Eröffnung des 35. Internationalen Kinderfilm-Festivals
Kinderjury auf der Bühne des Gartenbaukinos bei der Eröffnung des 35. Internationalen Kinderfilm-Festivals

Nachdenklich, dankbar

„Der Film macht sehr nachdenklich“, ist einer der Sätze, die Paula in den Laptop tippen soll. „Und dass wir viel dankbarer sein könnten, was wir hier haben, wenn diese Kinder nicht alle in die Schule gehen dürfen oder kein warmes Gewand.“ Beeindruckend fanden einige die Landschaftsaufnahmen.

Aus den Sätzen, die sie von der Kinderjury einsammelt, stellt sie Filmkritiken zusammen, die auf der Homepage des Festivals veröffentlicht werden – Link dazu am Ende des Beitrages.

Warum dabei?

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wollte dann noch von den jungen Juror:innen wissen, was sie bewogen hat, Teil der Kinderjury zu werden, wie das nun ist und ob sie vorher schon über Filme (so intensiv) gesprochen hätten.

Da sich viele Aussagen decken, seien die Antworten gar nicht einzeln angeführt. Viele der Jury-Mitglieder haben ältere Geschwister, die schon Teil der jeweiligen Kinderjury waren. Was diesen sehr gefallen hat – und deren Begeisterung sich auf sie übertragen hat. Dass sie selbst schon mal in früheren Jahren beim Kinderfilm-Festival waren ist eine der Voraussetzung, da die Bewerbungen nur dort fürs jeweilige kommende Jahr abgegeben werden können.

Das meiste Wort das bei der Einschätzung fiel: Cool. Auf die Nachfragen, was das Coole sei, kam oft: Weil wir uns gemeinsam die Filme anschauen und dann darüber reden, man deshalb auf Dinge achtet, auf die man vorher nicht so geschaut hat. Vor der Jury-Tätigkeit sei nach Filmen höchstens über Handlung, vielleicht noch über Charaktere gesprochen worden, aber nie so viel auch über Kamera, Bilder, Dialoge, ob etwas logisch oder weniger ist, wie die Darsteller:innen spielen – immerhin sind bei allen Filmen des Kinderfilm-Festivals Kinder bzw. Jugendliche die Hauptdarsteller:innen. Jedenfalls ist große Begeisterung deutlich herauszuhören.

Erst als Anneliese und Paula zaghaft ansprechen, dass es doch auch ganz schön anstrengend sei, fällt den Mitgliedern der Kinderjury ein: „Ja, sehr zeitaufwendig ist es schon!“. Immerhin schauen sie in einer Woche neun Filme – samt ausführlicher Gespräche und Diskussionen darüber.

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