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Szenenfoto aus "Denn sie wissen, was sie tun: Romeo & Julia"

„… dann hätt ich mich nicht in dich verlieben können!“

„Sterben ist nicht so leicht zu spielen!“ ist einer der frühen Sätze zwischen drei Sesseln und vor einem mit Kostümen behängten Kaufhaus-Kleiderständer. Doch schon wenige Augenblicke später kippt eine nach dem anderen um – auf unterschiedliche, jeweils mehr oder minder dramatische Weise.

Zehn Jugendliche des Spielclubs im Grazer Jugendtheater Next Liberty gastierten mit ihrer Version der vielleicht bekanntesten tragischen Liebesgeschichte – eines Teils – der Welt beim „Wild & Schön“ Festival von NEST (Neue Staatsoper) und Dschungel Wien. In „Denn sie wissen, was sie tun: Romeo & Julia“ spielen sie rund um eine geplante, vorbereitete, geprobte Inszenierung des Shakespeare’schen Dramas.

Spielwitz

Sterbeszene üben einerseits, Vorsprechen für die Rolle der Julia andererseits. Mit bewusst übertriebenem Spiel, wie früh schon die Leidenschaft für diesen Stoff und diese Rolle da war. „Ich hab mit schon als Kind zum Nikolo dieses Buch gewünscht…“

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Denn sie wissen, was sie tun: Romeo & Julia“

Als Gruppe hätten sie auch schon ein Vermittlungsprogramm vorbereitet – und schon referieren sie in wechselnden Rollen sozusagen im Schnelldurchlauf die (fast) ganze Story. Die sie dann ja – nach einem Anruf des „Direktors“ (Stimme aus dem Off) auch wirklich spielen dürfen. Mit so manch witziger Einlage – als Romeos Leoichnam zu schwer ist, um ihn wegzutragen, steht er auf und wandelt als lebendige Leiche ein paar Meter weiter…

Ein anderes Mal spielen zwei Kleingruppen die Veroneser Balkonszene parallel in Variationen, einmal mit (selbst-)ironischer überspitzter Verwendung sogenannter jugendsprachlicher Ausdrücke.

Unüberbrückbar

In sehr kurzen Szenen spannen die zehn Jugendlichen – Lena Daradin, Alois Frank, Laurenz Grasser, Simon Hager, Lilly Kahlen, Felix Mayer, Fabienne Oswald, Kyra Schenkel, Jana Schoberegger, Felix Schwarz (Nachnamen-alphabetisch sortiert); Leitung: Anna Spitzbart – einen Bogen von Shakespeares Grundgeschichte zu zeitlosen und orts-unabhängigen Begegnungen. Via Social Media- und anderen Plattformen lernen einander mögliche Liebespaare kennen, doch dann beim ersten analogen Treffen kommen sie drauf: vegan vs. Steak-Liebhaber, Raucherin und Nichtraucher…

Geht es dabei noch um eigene gegensätzliche Haltungen, so beim israelischen Soldaten und der Palästinenserin wieder um die Feindschaft zweier Gruppen. Doch stets sind die Sager diesfalls recht ähnlich: „Wenn ich das frühe gewusst hätte, hätte ich mich nicht in dich verliebt…“

Und das sagt einiges über die Unversöhnlichkeit von Positionen aus, im Drama stehen beide zu ihrer Liebe, obwohl sie natürlich die Feindschaft ihrer Familien kennen.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Denn sie wissen, was sie tun: Romeo & Julia“

Das echte Ende fehlte auch hier

Übrigens wird auch in diesem knapp ¾-stündigen, kurzweiligen, abwechslungsreichen Spiel zwischen Szenen aus dem übersetzten Original, Vorbereitungen, Proben und rundum – wie zuvor geschildert – das echte Shakespeare’sche Ende gänzlich ausgespart. Wie in den meisten Bühnen-, aber auch Film-Versionen endet die Story mit dem Tod des Liebespaares. Während der weltbekannte Dramatiker die Capulets und Montagues immerhin erkennen lässt, dass ihre Feindschaft ihnen beiden das Liebste gekostet hat, ihre Kinder und sie deshalb zum Versöhnungsessen laden.

Viele andere eigene Varianten

Übrigens war vor knapp mehr als zehn Jahren die Regisseurin von „Romeo & Julia freestyle“ (im Dschungel Wien, 2014; Link zur Besprechung, damals noch im Kinder-KURIER, unten am Ende des Beitrages) mit drei Romeos und drei Julias aus verschiedensten Herkunftskulturen verblüfft, als ihr afghanische Jugendliche eröffneten, eine ganz ähnliche Geschichte aus ihrer Heimat zu kennen – „Mem û Zîn“. Und das ist nicht die einzige Variante, die sich nicht von Shakespeare ableitet, sondern teils sogar älter ist, als da unter anderem sind „Leila mecnun“ / „Madschnūn Lailā“, „Kherim Aslı“ oder „Laila w kais“.

kijuku_heinz

romeo-und-julia-freestyle <– damals noch im Kinder-KURIER, Vorläufer von KiJuKU.at

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