Die einen besprechen, sammeln und notieren Fragen für das bevorstehende Interview mit einer Blumenhändlerin auf dem langen Straßenmarkt. Wie sie zu ihrem Job gekommen ist, ob man davon leben kann, welche Erde für welche Pflanzen gut ist, ob sie allein arbeitet oder Angestellte beschäftigen kann…
Andere Kinder fixieren eine Zeltplane mit Kabelbindern in einem Einkaufswagen, füllen später Erde ein – hier werden die Pflanzen eingesetzt, die die erstgenannte Gruppe nach den ausführlichen Interviews mitbringt. Das Wagerl kriegt bei der Gestaltung auch einen Namen: „Kinderuni Kunst-Beet“, schreiben reihum die Jungstudierenden.
Eine dritte Gruppe bastelt und schreibt an Plakaten. „Pflaster auf, Pflanzen rein!“, steht auf der größten der Kartontafeln an einem Holzstock – und das in frei schwebenden unterschiedlich gestalteten Buchstaben. Auf kleinere Tafeln schreiben einige einerseits den genannten Spruch noch einmal und kleben dazu Krepppapier und anderes auf das Täfelchen, andere „weniger Autos, mehr Grün“ und ähnlich programmatische Slogans.
Der Erstgenannte ist auch Titel dieses mehrtägigen Workshops in der Brunnenpassage am Wiener Brunnenmarkt im 16. Bezirk (Ottakring, auch als OTK bekannt). Rund eineinhalb Dutzend Jung-Studierender teilen sich die Arbeiten auf – wobei alle Teile einer großen Radio-Reportage gestalten. Am dritten Tag des Workshops besuchen sie gemeinsam die Redaktion und das Studio von Radio Orange 94.0, wo sie in einer Live-Sendung zu Gast sind und über ihre bereits ersten beiden Tage berichten.
Somit wird / ist der umfangreiche Radio-Workshop auch etwas Außergewöhnliches: Die Jung-Reporter:innen reden und interviewen nicht nur, wie die gerade in den vergangenen Wochen brütend heißen Städte durch mehr Bäume und Pflanzen ein bisschen menschenfreundlicher klimatisiert werden können – sie tun’s auch im kleinen Maßstab. Könnten Vorbilder sein.
Apropos Vorbilder: Der Einkaufs-Wagen ist inspiriert vom Interviewpartner am ersten Tag dieses aktionistischen Radio-Workshops: Christoph Schwarz kam vor einem halben Jahrzehnt auf die Idee, ein Cabrio (ein Auto mit offenem Dach) mit Erde zu befüllen und Pfalz en einzusetzen. Das ist, sofern das Auto fahrtüchtig ist, erlaubt, direkte einen Parkplatz zu einem Pflanzenbeet zu machen leider nicht. So begrünt das Cabrio-Beet eben wenigstens immer einen Parkplatz 😉
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… berichtete von der diesjährigen (2026) Kinderuni Kunst hier schon über einen Trickfilm-Workshop und nun eben über die jungen Radiomacher:innen. Einige derer, die gerade zuvor Interviews – mit der Blumenhändlerin, siehe oben, vor allem aber sehr eifrig mit Passant:innen auf dem größten Straßenmarkt führten, stellten sich nun Kurz-Interviews für diese Website.
„Radio machen, in ein Mikro spreche, das hat sich für mich gut angehört, darum hab ich mich dafür entschieden“, meinte eine von zwei Lauras. Ihre Vornamens-Kollegin ergänzt: „Es hat voll Spaß gemacht, Leute zu interviewen. Meistens heißt es ja, du sollst nicht mit fremden Menschen reden. Hier durften wir. Jüngere haben leichter zugesagt, Ältere wollten oft nicht interviewt werden.“
Ioanna geriet, wie sie erzählt, „zufällig in diesen Workshop, und ich find ihn sehr ok.“ Ihr Kollege Lian „war schon drei Mal bei Kinderunikunst-Workshops hier in der Brunnenpassage. Voriges Jahr haben wir Kunstwerke gestaltet und am Schluss eine kleine Ausstellung. Radio macht besonders viel Spaß – mit dem Mikro Leuten Fragen stellen zu dürfen. Und auch aus dem Einkaufswagen ein Blumenbeet zu machen.“
Apropos Blumenbeet: Tipp der Blumenhändlerin Ilse: Ein großer Fehler ist, dass viele Leute zu viel gießen. Das ergibt Staunässe. Lieber weniger. Pflanzen zeigen’s dir eh an: Wenn sie beginnen ihre Köpferln hängen zu lassen, erst dann gießen, dann richten sie sich wieder auf.
„Du hast Privilegien, ich hab Freunde dabei…“ ist mindestens so eine Hymne wie „OTK“ oder „Der Tschusch ist da!“ Das Duo Esra und Enes rappt seit eineinhalb Jahrzehnten kraftvoll und gibt Kraft – nicht zuletzt dem multikulturellem Wien. Die Rapper:innen haben aber immer wieder auch sanfte, leise Nummern. In der Woche vor der Nationalratswahl 2024 veröffentlichten sie eine neue Nummer, in der sie gestehen, nicht immer so stark zu sein: „Es tut so weh, anders zu sein“.
Im Rahmen eines Konzerts gemeinsam mit dem italienischen Pianisten Marino Formenti gaben sie die auf der Bühne des Wiener Volkstheaters zum ersten Mal zum Besten. Und dennoch war es letztlich ein ausgelassenes, Mut machendes Fest mit der neuen sanften vom Pianisten ins Mikro gehauchten ergänzenden Schluss-zeile: „Es ist so schön, anders zu sein!“
Das Konzert stand am Beginn der Reihe „Drei Tage für Österreich“, die am Wahltag selbst unter dem Motto „Bangen, wetten, hoffen“ zunächst im Café Liebig am Vormittag beginnen (ab 11 Uhr) und am Nachmittag mit einer „Wahlparty“ samt gemeinsam Hochrechnung schauen über di Bühne gehen werden, moderiert von Michael Ostrowski.
volkstheater -> drei-tage-fuer-oesterreich
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