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Kundgebung gegen die Einschränkung des Rechts auf Bildung für Frauen in Afghanistan; Jänner 2023, Wien, Stephansplatz

Fast fünf Jahre ohne Schule, ohne Zukunft

„Es sind jetzt 1788 Tage, an denen Mädchen aufwachen und nicht in die Schule gehen dürfen. 1788 Tage, an denen es keine Zukunft gibt, die auf sie wartet…“ So begann Manizha Bakhtari, noch immer afghanische Botschafterin in Österreich, die sich eben nicht von den Taliban abberufen lässt, ihr Online-Statement aus Kanada, wo sie sich derzeit aufhält. Sie war eine der Sprecher:innen bei einem Mediengespräch wenige Tage bevor sich die Wieder-Herrschaft der diktatorischen Terror-Gruppe zum fünften Mal jährt (14./15. August).

Seit nunmehr fünf Jahren „verschwinden“ Mädchen und Frauen aus der Öffentlichkeit Afghanistans. Knapp nachdem die Taliban (wieder) die Herrschaft im zentralasiatischen Land übernommen haben, wurde es das einzige Land weltweit, in dem Mädchen höchstens sechs Jahre Schulen besuchen dürfen. Und auch sonst praktisch fast nur in die eigenen vier Wände verbannt werden. Seit drei Jahren treten Organisationen und bekannte Einzel-Persönlichkeiten wie etwa als bekannteste die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi mit der Kampagne „End Gender Apartheid“ dafür ein, diesen Geschlechter-„Rassismus“ als Verbrechen gegen die Menschlichkeit in internationales Recht aufzunehmen.

Humanitäre Katastrophe

Dies – sowie die insgesamt unerträgliche Menschenrechtslage, das Fehlen von Meinungs- und Medienfreiheit, die katastrophale humanitäre breiter Teile der Bevölkerung mit bitterer Armut bis zu Hungersnot bildeten einen wichtigen Background an Informationen. Ein elf Organisationen (siehe Info-Box am Ende des Beitrages) umfassendes Bündnis, bzw. einzelne Referent:innen haben darauf bei einem Mediengespräch hingewiesen. Anlass:  Der bevorstehende fünfte Jahrestag (14. / 15. August – knapp vor dem Unabhängigkeitstag – 19. August 1919) der Eroberung der Hauptstadt Kabul eben durch die terroristischen Extrem-Islamisten (hier fällt Gendern definitiv weg).

Gefahr der „Normalisierung“

Aber statt dass die internationale Staatengemeinschaft, die EU oder auch Österreich – immerhin ab Jänner für die kommenden zwei Jahre nicht-ständiges Mitglied im ranghohen Sicherheitsrat der UNO – Druck auf die Taliban ausüben, wenigstens die im sogenannten Doha-Vertrag eingegangenen Verpflichtungen einzuhalten, führen sie Gespräche „auf technischer Ebene“, um Kriminelle abschieben zu können. Als Gefahr der Normalisierung der Beziehungen zu den Taliban hatte dies die noch immer amtierende afghanische Botschafterin in Österreich, Manizha Bakhtari, schon mehrfach, unter anderem in einem Interview mit KiJuKU vor rund einem Jahr (unten verlinkt) kritisiert. Auch dieses Mal – online zugeschaltet aus Kanada, warnte sie vor dieser „Normalisierung“. Sie wies aber auch darauf hin, dass nicht nur Mädchen von weiterführender Schulbildung ausgeschlossen sind, sondern viele Buben in neue aus öffentlichen Schulen in Madrasa (religiöse) abgezogen werden, die natürlich unter dem Ideologie-Diktat der Taliban stehen. Ähnliche ideologische Einflüsse existieren im Nachbarland Pakistan (Stichwort Schussattentat auf die spätere jüngste Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai, Anmerkung der Redaktion). Ein Gefahrenpotenzial, dass Europa und die Welt gar nicht im Blick habe.

Übrigens hatte die Botschafterin schon im Frühjahr 2021, als die Taliban bereits weite Teile Afghanistan erobert hatten, davor gewarnt und sich gegen Abschiebungen in ihr Heimatland ausgesprochen – und wurde damals vom österreichischen Außenministerium (Alexander Schallenberg) „einbestellt“, also vorgeladen worden.

Vielfältige Formen des Widerstands

Das Bildungsverbot für Mädchen ab Schulstufe 7 werde in einigen Jahren auch zu einem extremen Engpass in medizinsicher Versorgung führen, wenn jetzige Gynäkologinnen beispielsweise in Pension gehen. Unter anderem darauf wies die Gründerin des Kulturvereins Fivestones und Integrations-Referentin der Grazer Stadtregierung, Masomah Regl hin. Sie erzählte aber auch davon, dass es im Land selbst unterschiedlichste Formen von Widerstand gibt. Einerseits agieren rund 20 bewaffnete Gruppen gegen die Taliban-Herrschaft. Sie kenne zwar nicht alle und deren Programme, aber von einigen wisse sie, dass sie für ein demokratisches Afghanistan kämpfen.

Außerdem gibt es immer wieder auch – selbst unter diesen Bedingungen – Protest auf der Straße, beispielsweise von Frauen in Herat im Juni, der dann brutal gestoppt wurde.

Der wichtigste und am weitesten verbreitete Widerstand laufe aber zivilgesellschaftlich: Einerseits indem Frauen, Mädchen, aber auch junge Männer die Taliban-Regeln umgehen. Und andererseits über Untergrundschulen für Mädchen, die vor allem von der Diaspora im Ausland online stattfindet.

Untergrundschulen

Ein solches Bildungszentrum – Tabish – betreibt von Wien aus Zeba Mirzayee, worüber sie auch bei dem erwähnten Mediengespräch berichtete. Sie schildete aber auch die soziale Situation für viele Menschen im Land mit steigenden Lebensmittelpreisen, medizinischer Unterversorgung einerseits, aber auch über kleine Projekte, die für Hilfe in all diesen Feldern sorgen.

Lukas Gahleitner-Gertz (Sprecher der Asylkoordination und Experte für Asylrecht)
Lukas Gahleitner-Gertz (Sprecher der Asylkoordination und Experte für Asylrecht)

Widersprüchlich

Lukas Gahleitner-Gertz, Jurist und Sprecher der Asylkoordination, zitierte absatzweise auch den offiziellen österreichischen Länderbeschreibungen, wo die Fachleute des Außenministeriums beschreiben, wie furchtbar die Lage in Afghanistan ist. Das führe auch dazu, dass die Schutz- und Asylanerkennungs-Quote für Afghan:innen bei 85 Prozent liege. Gleichzeitig werde um Rückehrentscheidungen und Vereinbarungen mit den Taliban verhandelt.

Wolfgang Petritsch (jahrzehntelanger Spitzendiplomat und Präsident des oiip)
Stehend: Wolfgang Petritsch (jahrzehntelanger Spitzendiplomat und Präsident des oiip)

EU-Vertretung in Kabul

Der jahrzehntelange Spitzendiplomat – und Präsident des ÖIIP (Österr. Institut für internationale Politik) Wolfgang Petritsch sah die Einladungen zu den „technischen Gesprächen“ mit den Taliban überhaupt nicht ein, „weil es in Kabul ohnehin eine EU-Vertretung gibt“, neben der UNAMA (Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan). Die Staatengemeinschaft, insbesondere die EU und Österreich eben als demnächst Sicherheitsratsmitglied mit einer „besonderen Verpflichtung für den Weltfrieden) müsse dringend darauf insistieren, dass die Taliban die Verpflichtung aus dem Doha-Vertrag zu einem interafghanischen Dialog mit allen ethnischen und anderen Gruppen auch der Opposition einzuhalten haben. Druckmittel hätte die EU, immerhin ist sie die größte Spenderin für humanitäre Hilfe im Ausmaß mehrerer hundert Millionen Euro gegen Hungersnot unter anderem bei Kindern. „Und die Taliban wissen auch, wenn diese Hilfe ausfällt, kommt es zur Katastrophe.“

Forderungen nach Verbesserung der Situation für Mädchen und Frauen bezeichnete Petritsch als „Lackmustest“, hier müsse die Staatengemeinschaft ganz dringend „den Druck auf die Taliban erhöhen, immerhin ist Afghanistan der einzige Staat der Welt, der Frauen von allen öffentlichen Aktivitäten ausschließt“.

Landenteignungen

Moheb Mobarez, Obmann der Association of Young Afghan Leaders in Europe“ fügte den schon genannten Entrechtungen, Ungerechtigkeiten, Diskriminierungen … die schon genannt wurden noch hinzu, dass die Taliban auch Menschen zwangsweise umsiedeln, ihnen Land wegnehmen und forderte: „Die internationale Gemeinschaft muss an der Seite der Menschen für eine demokratische Zukunft eintreten, statt dieses Regime zu normalisieren.“

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Fotos aller fünf Sustainability-Finalist:innen

Von e-Milchpumpen über Nebelfanggeräte bis zu Holzschaum, Solar-Energie-Austausch und verwenden statt deponieren

Nachhaltigkeit oder mit der englischen Bezeichnung Sustainability ist vielfach zu einer Art Modebegriff geworden. Auch wenn es um diese Idee wieder ein wenig ruhige geworden ist, wie überhaupt Umwelt(schutz) in Zeiten von Krisen und Sparbudgets weniger Rolle spielen. Auch wenn gerade und insbesondere nachhaltige Projekte und Ideen auch ganz schön viel Sparpotenzial haben.

Bei Jugend Innovativ wurde es vor vielen Jahren zu einer eigenen Kategorie, nachdem es zunächst aus einem gesponserten Sonderpreis Klimainitiative hervorgegangen war. Wobei Nachhaltigkeit nicht nur in den Finalprojekten der so betitelten, sondern quer durch praktisch alle Kategorien seit Jahren eine große Rolle der Erfindungen und Entwicklungen der Schüler:innen spielt.

Platz 1 – und obendrein das Ticket zum internationalen Bewerb EUCYS (obwohl von der EU weit darüber hinaus, nahezu weltweit), gemeinsam mit zwei anderen JI-Finalprojekten – siehe Überblick im ersten Bericht „And the winners are…“ ging an zwei Schüler aus der HTL Ried im Innkreis (Oberösterreich). Leonhard Hauser und Cedrik Thalbauer (beim Finale erkrankt) haben die Milchsammelpumpe auf Elektro-LKW auch elektrifiziert.

Während die Milchsammel-Lastwägen schon elektrisch unterwegs sind, laufen die Pumpen, die Milch auf den Bauernhöfen ins Fahrzeug bringen, noch hydraulisch und müssen dazu von einem Dieselmotor angetrieben werden. Laut und alles andere als sauber.

Problem: Der sperrige Milchtank-Aufbau am LKW bietet kaum Platz für Akkus. Es gelang den genannten beiden Jugendlichen in Zusammenarbeit mit einem großen LKW-Produzenten die Akkus neu anzuordnen.

Obendrein entschied sich das Duo, gegen einen aufwändigen Total-Umbau. Die bisherigen Pumpen werden weiter genutzt, der hydraulische Antrieb erfolgt nun allerdings durch einen Elektromotor (4 kW). Dafür erfanden die HTL-Schüler ein eigenes Verbindungsteil zwischen der bisherigen Pumpe und dem neuen Motor.

Die Neukonstruktion ist nun aber nicht nur sauberer und umweltfreundlicher – Jahr für Jahr werden so pro Milchsammel-LKW rund 7.300 Liter Diesel und damit 20 Tonnen CO₂ eingespart. Die Entwicklung mit dem megalangen Projekttitel „E-Mobilität in der Milchlogistik-Elektrifizierung eines Milchtankaufbaus“ ist sogar effizienter: Der Wirkungsgrad der Pumpen stieg von 60 Prozent (und damit weniger als zwei Drittel) auf 90 Prozent.

Wasser aus fast Nichts

Ein Käfer inspirierte den nunmehrigen Abendschul-HTL’er der Mössingerstraße (Klagenfurt Kärnten) Dario Periša zu seiner Tüftelei, Forschung, dem Bau von mehreren Versionen von Modellen für Prototypen, um Wasser dort zu gewinnen, wo es (fast) nicht vorhanden ist.

Der schwarze, rund zwei Zentimeter kleine oder große (?) „Nebeltrinker-Käfer“ (Onymacris unguicularis) steckt seinen Kopf fast in den Sand, reckt das Hinterteil seines Panzers nach oben, um feine Nebeltröpfchen und damit Wasser aufzufangen. Ob aus Beobachtung dieses Käfers oder anderer Tiere oder schlicht der eigenen Natur-Wahrnehmung machen auch Menschen in sehr trockenen Weltgegenden sich – mit einfachen Hilfsmitteln – Nebel zunutze, um doch an das überlebenswichtige Nass zu kommen: In Chile, Marokko oder dem Oman, so Periša, „spannen Bewohner:innen großflächige Stoffnetze auf, um Nebelwasser zu sammeln. Das Problem: Die Ausbeute liegt bei zwei bis zehn Prozent.“

„Nebelnetze“ aus Metall einerseits und diese sozusagen unter Strom setzen, können durch Korona-Ionisierung Tropfen ihrerseits aktiv anziehen. Diese Technik gibt es im Labor bereits. Der Schüler, der übrigens schon vor zwei Jahren mit einem ganz anderen – auch eigenständigen Solo-Freizeit-Projekt im Finale war („Universal-Switch“ – Link zum Beitrag mit dem Bericht darüber am Ende unten verknüpft) – baute einen eigenen Nebelwindkanal: Ultraschall-Nebelerzeuger, Lüfter mit 3D-gedrucktem Strömungsgleichrichter, Hochspannungstransformator.

In seinem „Hobby“-Projekt, wie er es gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I und mehr… nannte, jenseits aller schulischen Aufgaben, testete er verschiedene Drahtnetz-Konstruktionen bei unterschiedlichen Spannungen – samt jeweiligen Messreihen. Das beste Ergebnis: 38 Prozent Effizienz bei 10,5 Kilovolt.

Dann entwarf Periša eine eigene Hypothese: Was, wenn er die Drähte gegen Blechstreifen tauschen würde – die Oberfläche ist dann ja deutlich größer. Erstaunt und enttäuscht nahm er die Messungen zur Kenntnis: Blechnetze schnitten schlechter ab als die Drahtnetze.
Dennoch gab er nicht auf und fand heraus, worin der Grund lag: Das elektrische Feld zwischen den Blechen verhält sich grundlegend anders als zwischen Drähten, ein einzelner Blechstreifen hingegen sammelt doppelt so viel Wasser wie ein einzelner Draht.
Und so baute der Schüler einen zylindrischen 360-Grad-Filter, der Nebel aus jeder Windrichtung einfangen kann, und konstruierte per 3D-Druck das Modell eines autonomen Kollektorturms: Photovoltaikanlage, UV-Wasseraufbereitung, ESP32-Steuerung.

In der Originalgröße könnte ein solcher Turm mehr als 300 Liter Wasser in fünf Stunden sammeln!
Das würdigte die Jury mit Platz zwei in der Kategorie Sustainability.

Holzschaum

Holz spielt die zentrale Rolle in ihrer Schule, besuchen Lois Oberacher und Michael Wagner doch das Holztechnikum im Salzburger Kuchl, eine HTL mit eben dem Schwerpunkt um diesen nachwachsenden Rohstoff. Doch während alle Schüler:innen nachhaltigen Holzbau lernen, wird nach wie vor mit Styropor gedämmt – ein Produkt aus fossilem Erdöl, das letztlich zu Mikroplastik zerfällt und kaum recyclebar ist.

Das muss doch anders auch gehen. „Hilfe“ holten sich die beiden durch eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Salzburg – und experimentierten daran, aus Holz eine Art Schaum zum Dämmen zu machen.

Ihre – fünf – Zutaten: Paulowniafasern (immergrüne Bäume), Stärke, Ligninsulfonat (einem Nebenprodukt der Zellstoffindustrie), Leinöl und Wasser. Wasserstoffperoxid treibt den chemischen Schäumprozess, ganz ohne synthetische Polymere.

„Wir haben verschiedene Zusammensetzungen dieser Materialien getestet, fast drei Dutzend Varianten“, erzählen die beiden und zeigen angreifbare Würfel aus mit Schaum gefüllten Holzstücken. „Am Ende stand ein formstabiler Schaum mit einer Rohdichte von rund 150 Kilogramm pro Kubikmeter und einem Feststoffgehalt von sieben Prozent, homogene Porenstruktur, ausreichende mechanische Stabilität“, heißt es in einer Kurzfassung der Projektbeschreibung. Diese Masse „lässt sich bearbeiten wie ein fester Schaumstoff. Feine Fasern unter 0,5 Millimeter ergeben glatte, dichte Oberflächen; gröbere Fasern bis 1,5 Millimeter eine offene, faserige Struktur. Je nach Anwendung lässt sich der Schaum gezielt anpassen – Dämmstoff, Verpackungsmaterial oder Kern einer „Sandwichplatte“.

Alle Inhaltsstoffe sind nachwachsend, die Rohstoffe kostengünstig und regional verfügbar. Und am Ende: Alles kompostierbar!
Bevor der Holzschaum zum Einsatz kommen kann, „muss er jedenfalls noch auf seine Brandbeständigkeit geprüft werden und ganz ausgereift ist er noch nicht“, gestehen die beiden Schüler, „aber wir wollen auf der FH studieren und selber weiter dran arbeiten“, zeigen sie sich optimistisch was die Verwirklichung der Praxistauglichkeit ihrer Vorarbeiten angeht.
Platz 3 im 39. Bundesfinale in dieser Kategorie – entschied die Jury.

Verwenden statt wegführen

Bei so manchen Jugend-Innovativ-Projekten stellt sich spontan die Frage „Häääh, warum gibt’s das nicht längst???“ Das trifft beispielsweise ganz stark auf das Prinzip auf die Entwicklung von Jakob Ferbar, Dorian Galler und Jakob Huss aus der HTL Leoben (Steiermark) zu. Was vielleicht ein bisschen kompliziert „Entwicklung eines Estrichsystems unter Einsatz von Bodenaushubmaterial“ benamst ist, bedeutet „nichts“ anderes als:

Statt beim Hausbau tonnenweise Material, das für die Baugrube ausgehoben wird wegzuführen, um es zu deponieren und andererseits wiederum Unmengen an Sand für den Boden des Hauses heranzukarren…
… genau: Schauen, prüfen, was und wie viel vom Aushub kann für den Estrich, den Untergrund für Fußbodenbeläge, verwendet werden!

In Zusammenarbeit mit einem – international tätigen, österreichischen Baustoffhersteller – brachten die drei Schüler unterschiedlichstes Aushubmaterial ins Labor, um Mischungen für Estrich zu erstellen und zu testen – mehr als fünf Dutzend. Dabei verwendeten sie übliche, bekannte Testverfahren – in Sachen Verformung unter Feuchtigkeit, Beige- und Druckfestigkeit.

Der vom Trio entwickelte neue Estrich besteht nun zu rund einem Drittel aus Aushubmaterial plus Wasser plus speziellem Bindemittel. Neben ersten Kleinversuchen im Labor ließen die HTL-Schüler bereits 200 Kilo in einem Mischer mixen, um das Ergebnis auf Praxistauglichkeit zu testen. Noch, so gestehen sie, mache die Zähigkeit von Ton aus dem Aushubmaterial Probleme beim Mischen, doch das Partnerunternehmen will mit den Jugendlichen weiter daran arbeiten „und auch Wiener Wohnen ist an unserer Grundlagenforschung sehr interessiert“, verkünden sie gegenüber Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…

Sonnen-Energie automatisch verteilen

Gehen sprichwörtlich die Speicher der empfangenen Solar-Energie in einem Haus über, und würde gerade im Nachbarhaus mehr Strom gebraucht, so scheitere derzeit der mögliche Austausch oft an unterschiedlichen technischen Systemen – vereinfacht und laienhaft ausgedrückt. Dagegen haben Lukas Österbauer, Florian Thaler und Jonas Schöppe aus der HTL im oberösterreichischen Braunau (übrigens eine Schule, die seit Jahrzehnten fast Dauergast mit Projekten im Finale ist) „Universal EMS“ (Energie-Managment-Software) entwickelt. Wobei sie nicht nur Soft-, sondern auch ein Hardwareteil erdacht und gebaut haben.

Was am Ende vielleicht einfach klingen mag, war kein leichter Weg, wie die drei Schüler in der Projektbeschreibung berichten: „Wochenlang verstrickte sich das Team beim Versuch, die Kommunikationsprotokolle in Java zu programmieren. Erst ein Strategiewechsel hin zu einer flexiblen Vermittler-Software brachte den Durchbruch.“

Entwicklung einer passgenauen Aufsteckplatine, die den kostengünstigen Raspberry Pi fit für den Schaltschrank macht: Spannungswandlung, industrielle Schnittstellen, Sicherheitsanforderungen – einerseits.
Und andererseits eine Software, die Gerätedaten sammelt, Node-RED „übersetzt“ diese OpenEMS optimiert die Energie-Flüsse.

„Wir wollten jedenfalls alles mit Open Source machen, um Erzeuger und Verbraucher auch so einfach verbinden zu können, damit – welche Hard- oder Software verwendet wird, technologieoffen diese automatisch mit unserer verknüpft werden kann“, erklären sie dem Journalisten den dahinter liegenden Gedanken. „Der lokale Manager erfasst jede Kilowattstunde und funkt die Werte an einen zentralen Server. Dort übernimmt eine KI die Regie“, ist das Erfolgsrezept des Trios.

Die drei Schüler wollen übrigens dran bleiben und Hard- und Software bis zur Marktreife weiterentwickeln: Einbaufertiges Starter-Kit samt Software-Abo ist das Ziel, damit der „Universal EMS“ dezentrale Erzeuger:innen und Verbraucher:innen analog einem virtuellen Kraftwerk ausgleichen.

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Fotos aller fünf Science-Finalist:innen

Gütesiegel für 42 Schulen und fünf Top-Top-Wissenschaftsprojekte

Am 8. Juni (2026) wurden 42 Schulen aus sieben österreichischen Bundesländern von Wissenschafts-/Forschungs-Frauenministerium und OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung) mit dem Young-Science-Gütesiegel ausgezeichnet. Diese Schulen – aller Typen – haben entsprechende Schwerpunkte – in Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Forschungs-Einrichtungen.

Vor knapp eineinhalb Wochen stellten sich im – mittlerweile 39. – Bundesfinale von Jugend Innovativ auch wieder die fünf besten der besten Projekte in der Kategorie Science (Wissenschaft) vor. Die Jury würdigte sie mit Preisen.

Platz 1 ging an ein Projekt, mit dem zwei Jugendliche der HTL Bregenz den Rahmen der Schule praktisch sprengten. Eineinhalb Monate lang studierten Jonas Stadelmann und Julian Übelher an der Virginia Tech Uni in den USA, um weiter an einem internationalen Problem eines Tiefpunkt in einem Algorithmus eines Quantencomputers. Was fast unaussprechlich „Analyzing and Overcoming Optimization Obstacles in Adaptive Variational Quantum Algorithms“ und selbst in der Übersetzung „Analyse und Überwindung von Optimierungshindernissen in adaptiven variationalen Quantenalgorithmen“ für Laien „nur“ hochkomplex klingt, können die beiden auf praktische einfache Art andeuten:
„Die Entwicklung neuer Medikamente … scheitert oft an der Rechenleistung klassischer Computer, wenn es darum geht, komplexe Molekül-Strukturen zu simulieren. Quantencomputer versprechen hier die Lösung.“ Dabei gibt es einen „vielversprechender Algorithmus… doch er bleibt oft in … Phasen stecken, in denen die Berechnung stagniert und wertvolle Quantenressourcen verschwendet werden…“

Und siehe da, das Duo aus Vorarlberg machte sich auf den Weg, diesen Algorithmus (ADAPT-VQE) aus dieser bisherigen Sackgasse herauszubringen – und dies ist ihnen, nicht zuletzt dank ihres Forschungs-Aufenthalts in den USA gelungen. Ihre  Diplomarbeit ist dabei, als Peer Review-Papier veröffentlicht zu werden – Schüler im Kreis der internationalen Quantenforschung!

Neben dem Science-Sieg dürfen sich die beiden auf die Reise zum chinesischen Wissenschafts- und Technologie-Innovationsbewerb in Xi’an City in der Provinz Shaanxi freuen.

Mehr als nur unangenehm

Zu recht regelmäßigen Teilnehmer:innen im Jugend-innovativ-Finale zählen unter anderem Wissenschaftsprojekte aus dem (Real-)Gymnasium Schloss Wagrain im oberösterreichischen Vöcklabruck. Das diesjährige Team – Tim Schachinger, Elias Todjeras, Munachukwuso Chijioke, Jwan Rasheed sowie ihre Koordinatorin Salome Daniels, die in Wien verhindert war – aus dem Wahlpflichtfach Biologie legen nur die Forschungsfragen fest und koordinieren die Experimente rund um die sogenannte Quaggamuschel im Attersee.

Rund 100 weitere Jugendliche der Schule beteiligen sich an en Forschungen rund um diese invasive Art. Zum einen sind ihre scharfkantigen Schalen für Badende und Schwimmende höchst schmerzhaft – an Füßen und da sich diese Muscheln auch an Stegen ansiedeln, auch für Hände beim Festhalten, um den See zu verlassen.

Das ist aber bei Weitem noch nicht alles, Filteranlagen könn(t)en so nach und nach verstopft werden.

Auf
Auf „Spektakulär“ setzt das Team, einer demonstriert – mit Kunstblut und Verband – die Verletzungsgefahr durch die scharfkantigen Muschelschalen

Zum einen haben Schüler:innen Sedimentproben aus verschiedenen Tiefen entnommen und daraus die Belastung hochgerechnet. Fast eine halbe Million dieser Muscheln pro Quadratmeter errechneten sie. Eine andere Gruppe untersuchte, wer als Fressfeinde in Frage kämen. In Zusammenarbeit mit BirdLife gibt es erste Vermutungen, dass Blässhühner und Tauchenten Geschmack an Quaggamuscheln finden könnten. Eine andere Gruppe arbeitet mit Fischern zusammen, um den Magenhinhalt von Rotaugen und Karpfen zu analysieren – vielleicht…?

Eine weitere Gruppe versucht einen ganz anderen Weg zu erforschen: Gibt es Materialien, an denen sich diese Muschelart nicht festsetzen kann, dann…

Und neben den Vor-Ort-Proben im See kann fast ständig auch in der Schule beobachtet werden. Seit einigen Monaten steht in der Aula ein Aquarium mit Exemplaren der lebendigen Forschungsgegenstände der mehr als 100 beteiligten Schüler:innen. Die Quaggamuschel-Forschund der AHS läuft bis 2028.

Silbrig glänzte der Umschlag, den Mr. Cube samt Statue für den zweiten Science-Platz überreichte.

Wasserdicht ohne Ewigkeits-Chemie

Recht spektakulär ging’s zeitweise beim Stand von Johannes Schneider, Vanessa Moosmann und Robin Pregler aus der HTL Dornbirn (Vorarlberg) zu. Grad, dass nicht mit Spritzpistolen herumgeschossen wurde. Aber Wasser rann und floss – nicht nur auf einem kleinen Stück Stoff über einem Auffangbecken, sondern auf größeren regenmantelartigen blauen Stoffen.
So demonstrierte das Trio, dass alles unter dem Stoff trocken bleibt, wenn dieser mit ihrer Erfindung zuvor besprüht worden war – am Ende des Beitrages gobt’s auch ein Video dazu.

Und was ist das Neue, schließlich gibt es Imprägniermittel läääängst.
Die herkömmlichen verdanken ihre Fähigkeit allerdings sogenannten Ewigkeits-Chemikalien- PFAS – per- und polyfluorierten Alkylverbindungen. Da diese Chemikalien eben wie ihr Spitzname sagt, laaaaange nicht abgebaut werden können, ist eine EU-weite Regulierung zur Beschränkung derselben in Vorbereitung.

Gut, es gibt bereits PFAS-freie Imprägniermittel, gestehen die drei Schüler:innen zu, „doch im direkten Leistungsvergleich halten sie mit den fluorhaltigen Produkten meist nicht mit“. Das Trio setzt auf „eine Kombination aus Silikonöl (Polydimethylsiloxan) mit einem speziellen Silikonharz und Isoparaffin als Trägerflüssigkeit“.

Testete, testete und testete. Fast zwei Dutzend unterschiedliche Mischungen unterzogen sie verschiedenen Prüfungen, wieweit das Material Wasser abweist und nicht durchlässt – und verglichen dies mit dem PFAS-Testsieger.

„Ein vierstündiger Langzeit-Beregnungsversuch (beim Projekt „Aqua Shield – PFAS freier Imprägnierspray für Textilien“) machte den Unterschied sichtbar: Rezeptur 18 ließ kein Wasser durch, beim PFAS-Spray sickerten knapp 50 Milliliter hindurch. Und die Materialkosten sanken von anfänglich 6,32 Euro pro Liter auf 4,49 Euro, bei besserer Wirkung und ohne Ewigkeitschemikalien.“

Also besser und billiger – Die Schüler:innen denken – mit einer Partnerfirma – die Produktion über ein reines Wissenschaftsprojekt hinaus, in Angriff zu nehmen. Neben Platz 3 gewannen die drei Schüler:innen auch die Einladung zur Luxembourg International Science Expo 2026.

Strom aus organischem Abfall

Ein durchaus funktionierendes Kleinstmodell einer Brennstoffzelle aus Hefe und Zucker präsentierten Jana Pfeiffer und Max Schneeberger von der HTL im oberösterreichischen Braunau an ihrem Stand im Jugend-Innovativ-Finale. Die Computermessungen zeigten praktisch laufend – natürlich winzige, aber doch vorhandene Strommengen.

Hefe als Prototyp für einen Pilz und Zucker verwendeten sie aber „nur“ stellvertretend für ihre eigentliche wissenschaftliche Forschung, „weil wir aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen hier nicht mit wirklichen organischen Abfällen arbeiten wollen / dürfen / können“.

Denn um solche kreist ihre Arbeit: In jeder Kläranlage braucht es viel Energie, um organisch Abfälle abzubauen. Könnten diese nicht eher genutzt werden, um Energie zu erzeugen?

Nicht viel, aber doch ein bisschen Strom zeigt die Messung am Laptop an
Nicht viel, aber doch ein bisschen Strom zeigt die Messung am Laptop an

„Mikroorganismen bauen organisches Material ab und geben dabei Elektronen frei. Leitet man diese Elektronen über eine Elektrode ab, fließt Strom. An der gegenüber liegenden Kathode reagieren sie mit Sauerstoff, und der Stromkreis schließt sich“, so die Überlegung des Duos. Die beiden Jugendlichen beließen es mit „Microbial Fuel Cell“ allerdings nicht „nur“ bei der theoretischen Überlegung und der Anfertigung des eingangs beschriebenen Modells, sondern bauten in der Schule unterschiedliche Versuchsanordnungen – die funktionierten und Strom erzeugten.

Neben einem der Anerkennungspreise gewannen sie damit vor allem – neben der Tremo-Cup-Erfinderin – die Reise zur Taiwan International Science Fair 2027 (TISF) in Taipei.

Wie wirkt Straßenverkehr auf Pflanzen

Hinterlassen Abgase Spuren in Böden und den darauf wachsenden Pflanzen? Dieser Frage sind Fabian Kaltenbrunner, Max Lehner und Timo Haydter aus der HLUW (Höherer Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft) Yspertal (Niederösterreich) auf den Grund gegangen.

An mehreren Punkten rund um ihren Schulstandort entnahmen sie vor mehr als einem Jahr Bodenproben, die Pflanzen unterzogen sie dem „Braun-Blanquet-Verfahren, einem etablierten Schätzsystem für Pflanzengesellschaften“. Wobei sie die Untersuchungsorte einteilten in nahe der Bundesstraße (B36), Güter- sowie Feldwege. Im schuleigenen Labor analysierten sie die Stichproben.

Über ihre Ergebnisse schreiben sie in der Kurz-Darstellung: „An der Bundesstraße beträgt die Naphthalin-Konzentration 2,8 mg/kg trockener Boden, deutlich erhöht gegenüber Feldwegen. Auch bei den Schwermetallen, insbesondere Barium und Zink, zeigt sich ein Gefälle mit abnehmender Entfernung zum Verkehr. … Überraschend positiv fielen die biologischen Tests aus: Trotz der verkehrsnahen Standorte fanden die Schüler keine Pflanzen, die auf Versalzung durch den Winterstreudienst hindeuten. Die Vegetation zeugt stattdessen von gut durchfeuchteten, nährstoffreichen Böden.“

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Fotos aller fünf ICT & Digital-Finalist:innen

Zitter-, Sicherheitssysteme-, Allergene-Checks sowie Hilfe für Blinde in der analogen und digitalen Welt

Sie war gleichsam die Abräumerin bei den Preisen im 39. Jugend-Innovativ-Finale: Alice Hristov mit ihrem digitalen Untersetzer eines Kaffee- oder Teehäferls. „Tremo-Cup“ war dabei für sie „nur“ ein eigenes zusätzliches Projekt zur Arbeit an der Diplomarbeit mit Mitschüler:innen in der HTL Spengergasse, verrät sie Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… so „nebenbei“.

Der Titel ihrer Tasse, vielmehr des unter ihr anzubringenden Zusatzes kann das Muskelzittern (Tremor) der Trinkenden messen – und damit erstmals genauer mögliche (beginnende) Parkinson-Phasen erkennen. In ein biegsames und doch festes 3D-gedrucktes Gehäuse hat die Schülerin einen Beschleunigungs-Sensor und einen Microcontroller eingebaut, der die Bewegung in Echtzeit auswertet.

Derzeit, so Hristov, könne das Zittern, selbst in Pflegeeinrichtungen, nicht regelmäßig und exakt überprüft werden, was sich auch auf die Dosierung von Medikamenten auswirkt.

Der Untersatz, der über den Boden der Tasse gestülpt wird, kann Tremor von „normalem“ Zittern bei Trinkbewegungen unterscheiden, indem ein Kalibrierungssystem zwei Referenzmuster misst. Dieses lernt ihr elektronischer und digitaler Untersatz anhand von sechs Sekunden Ruhe- und sechs Sekunden Trinkbewegung. In der Folge vergleicht der Algorithmus die Sensordaten live mit beiden Mustern und erkennt ob normale Bewegung, Ruhe-Tremor oder Aktions-Tremor.

Über Bluetooth landen die Messdaten in einer ebenfalls selbst entwickelten App, die den Verlauf als Diagramm zeigt. Ein Klick und schon kann daraus ein PDF-Bericht erstellt werden für das nächste ärztliche Treffen.

Der Prototyp läuft bereits, die Mustererkennung funktioniert. Erste Feldtests sind in Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund geplant.
Übrigens: Materialkosten liegen bei ca. 15 Euro.

Ach ja, Alice Hristov gewann damit die Kategorie ICT & Digital UND darf – wie zwei weitere Projektteams beim kommenden internationalen Bewerb EUCYS (European Contest for Young Scientists) antreten und wie ein anderes Projekt – siehe Award-Übersicht im ersten Teil der diesjährigen Jugend-Innovativ-Berichte, unten am Ende des Beitrages verlinkt – ihren Tremo-Cup bei der Taiwan International Science Fair im kommenden Jahr in der Hauptstadt Taipei vorstellen.

Damit der Lift nicht zum Einfallstor wird

Mit zu den auffälligsten Stand-Installationen zählte das Modell eines – noch dazu funktionierenden – Liftes samt Spielfiguren eines der vielen Teams aus der HTL Rennweg (Wien). „Der Aufzug ist aber nur ein Beispiel, sicher ein besonders auffälliges, wie OT und IT vernetzt und damit anfällig für Hacker-Angriffe sind“, beginnen Layan Al-Basha, Julia Dam, Eduard Smola, Mohammad Danesh und Tamara Marl den Sinn und Zwecke der Präsentation ihres eigentlich ICT & Digital-Projekts zu erklären.

Mit „Ascend“ (aufsteigen) programmierten die fünf Schüler:innen ein Werkzeug, das vernetzte digitale und vormals „nur“ analoge Technologie, die aber sehr oft bis meistens längst elektronisch gesteuert wird, überwacht. Mögliche Hacker-Angriffe erkennt, aber noch viel wichtiger, idealerweise auch vor solchen schützt.

Sehr oft erfolgen Attacken eben über die sogenannte OT (Operational Technology) also Betriebstechnik, die aber eben… siehe vorigen Absatz. Jetzt könnte so ein Angriff beispielsweise dazu führen, dass sich Lifttüren lange oder gar nicht mehr öffnen lassen – Horror. Oder auch genau über deren Steuerung über die Vernetzung obendrein auf die IT etwa eines Krankenhauses zugegriffen wird…

Genau in diese Schnittstellen Sicherungen einzubauen ist eines der Ziele. Das Modell – der Lift und die Steuerung, Überwachung, Sicherung via erstelltem Computerprogramm – des Quintetts zeigt das so gut, dass es als Muster für den Unterricht in der eigenen Schule zum Einsatz kommen wird. So lernen die Schüler:innen der nächsten Jahrgänge, „was die EU-NIS2-Richtlinie von industriellen Betrieben verlangt: Cybersicherheit geht heute weit über Passwortrichtlinien hinaus“, wie es in der Projektbeschreibung heißt.

Die Jury vergab dafür sozusagen die Silbermedaille in dieser Kategorie.

Superschneller Allergen-Check

Ausgangspunkt für „Allergen Guard“ – von der Jury mit „Bronze“ gewürdigt – von Lucas Lammer und Teoman Can Çivici war das Schock-Erlebnis eines Kollegen. Die beiden sind nicht nur Top-Schüler im Theresianum und somit eines der wenigen Projekte aus einer AHS, sondern auch Spitzensportler. Sie schwimmen knapp mehr als eine Woche nach dem Jugend-Innovativ-Finale bei den Österreichischen Meisterschaften 50 und 100-Meter Freistil, landläufig auch Kraulen genannt. Bei einem Trainingslager griff der erwähnte Kollege zu einem Müsli-Riegel mit Bananengeschmack. Allergische Reaktion, weil Spuren von Erdnüssen im Riegel sind. Zum Glück hatte er, Allergiker, einen EpiPen griffbereit.

Da müsste es doch was geben, das selbst Spuren eines Allergens schnell und verlässlich nachweisen könnte. Und so tüftelten und programmierten die beiden eine App. Mit dem Smartphone BarCode scannen, ebenso die kleinstgedruckte Zutatenliste über eine Foto-Text-Analyse und schon vorher das eigene persönliche Allergie-Profil eingeben. Egal worauf, in Sekundenschnelle, zeigt die App an, ob die betreffende Person das Lebensmittel gefahrlos essen kann oder lieber Hände weg davon.

Warnungen erfolgen in einer Art Ampel-System: Sicher / Vorsicht / Gefahr samt dazugehörender – kurzer – Begründung. Hinweise selbst auf Spuren des jeweiligne Allergens werden sicherheitshalber mit „Vorsicht“ angezeigt.

„Bei internen Tests erkannte die App bei fünf Produkten acht von acht Allergenen und Spurenhinweisen korrekt, darunter der Corny-Riegel, der den Anstoß gab“, heißt es in der Projektbeschreibung. Eine Beta-Version wird in der Allergie-Community getestet, mit Jahresende 2026 soll die App gekauft werden können.

Mehr Bildschirmzeit über Lernen

Übrigens: So „nebenbei“ erwähnen die beiden Schüler, dass sie schon eine ganz andere App – gemeinsam mit Eltern – entwickelt haben, die es bereits – im Apple-Store (iPhone, iPad) gibt: learn2play. Der Streit um Bildschirmzeit soll dabei spielerisch gelöst werden. Absolvierte Lernaufgaben bringen sogenannte Credits für weitere Screen-Time, so das Prinzip dahinter. „Beim Einrichten entscheidest du genau, was eingeschränkt wird. Einzelne Apps, ganze Kategorien wie Spiele oder Social Media, oder beides. Alles ist hinter einer PIN geschützt, damit deine Regeln auch deine Regeln bleiben. Ein automatischer Tages-Reset sorgt dafür, dass dein Kind jeden Morgen von vorne beginnt – die Lernroutine bleibt bestehen…“, heißt es in der Beschreibung im App-Store.

Alt Text Generator

Dieses Projekt wurde schon ausführlicher in einem anderen Beitrag gewürdgit, dem über Inklusion und Barrierefreiheit: „Alt Text Generator“ dreier Schüler:innen der HTL Mössingerstraße in Klagenfurt (Kärnten) überprüft die alternativen Bildtexte, die beschreiben (sollen), was auf Bildern oder Grafiken zu sehen ist, damit blinde und seh-beeinträchtigte Menschen diese vorgelesen bekommen können, auf ihre Aussagekräftigkeit statt allgemeiner Bezeichnungen wie bloß „Bild“.

Leopold Klocker, Stefan Ebner und Ana-Maria Frank haben in rund 600-stündiger Arbeit ein umfassendes, praxistaugliches Online-Werkzeug programmiert, das KI so nutzt und einbaut, dass es die alternativen Texte automatisch schafft. Solches machen große kommerziell Tools wie Google Gemini mit Bild-zu-Text-Modellen schon, aber das Werk des Kärntner Trios kann genauer beschreiben, die Texte direkt in die jeweilige Website einbauen. Und es können die bestehenden Texte auf ihre Aussagetauglichkeit und damit Barrierefreiheit mit Hilfe von KI überprüft werden. Übersichtlich wird dann ausgeworfen, wo es hapert und Bildtexte nachgebessert werden sollten. Ohne dass die Betreiber:innen selbst Bild für Bild einzeln durchforsten müssen.

Und der Generator kann die Bildtexte auch in verschiedenen Sprachen KI-gesteuert erstellen.

Brille mit Kamera, Bluetooth und Handy-App

Auch dieses Projekt wurde – nachträglich und damit verspätet, sorry dafür – schon ausführlich im Beitrag über Inklusion und Barrierefreiheit vorgestellt. Leist- und brauchbare Hilfen für blinde und seh-beeinträchtigte Menschen, die Hindernisse abseits des Bodens erkennen und den Träger:innen in Echtzeit übermittelt gab und gibt es seit Jahrzehnten bei Jugend Innovativ, auch solche, die es ins Finale schaffen – mehr im erwähnten Beitrag, der natürlich unten verlinkt ist.

Nun aber zum aktuellen, mit einem der Anerkennungspreise ausgezeichneten Finalprojekt, das Fabian Lindbauer, Liam Vendel und Manuel Zauner aus der HTL Braunau (Oberösterreich) „Ascenta – Guiding your Vision“ nannten.

Trotz auch schon früherer Jugend-Projekte fanden sie kein wirklich für jederfrau und jedermann erschwingliches Assistenz-System für Hindernisse nicht auf Bodenhöhe. Ständiges herumfuchteln mit einem Blindenstock in alle Richtungen und Höhen wäre ja nicht praktikabel.

Bald war die Idee da, die technische Lösung in eine Brille zu packen – eine Kamera, einen Mini-Microcontroller und KI, die Bilder der Kamera „übersetzt“. „Doch der winzige Arbeitsspeicher von nur einem Megabyte reichte nicht für Objekterkennung und Bluetooth-Übertragung gleichzeitig“, heißt es in der Kurzbeschreibung des Projekts.

Da die Erkennung auf dem Smartphone gut zehnmal genauer ist, lassen die Entwickler nun die Kamerabrille nur mehr aufnehmen und es in kleine Datenpakete zerlegen und so über Niedrig-Energie-Bluetooth an ein Smartphone  senden. Die vom Team entwickelte App analysiert es, wandelt die Bildinformation in Sprache um und sendet an die Trägerin / den Träger akustisch die Info, wo, in welcher Höhe sich welche Art von Hindernis befindet, das eben nicht vom Boden ausgeht – beispielsweise ein an der Hauswand offenstehendes Fenster oder was auch immer.

In die beiden Brillenbügel sind die Akkus eingebaut. Der – funktionstüchtige, „aber noch nicht marktreife“ (so das Trio zu KiJuKU.at) – Prototyp kommt bei derzeit rund 90-prozentiger Erkennung und einer etwa zwei- bis drei-sekündiger Latenzzeit (bis zur Sprachausgabe) auf rund 120 Euro Materialkosten. „Alles läuft offline, ohne Cloud, ohne Tracking. Die geplante Consumer-Edition soll rund 800 Euro kosten, ein Drittel des Marktstandards“, schreiben die Schüler in der Projekt-Info weiters. Und wollen – mit Hilfe des aws Incubater-Programms aus dem Schulprojekt ein Unternehmen gründen, um die „sprechende“ Brille zur Einsatztauglichkeit weiterzuentwickeln.

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Fotos aller fünf Engineering II-Finalist:innen

Schlaue (High-)Tech-Lösungen beim Sport, am Strand, im Haus, Bienstock und am Berg

Sie ist Mitglied des österreichischen Ultimate-Frisbee-Nationalteams, einer außergewöhnlichen Sportart, weil diese ohne Schiedsrichter:innen stattfindet. Das, worüber oft und viel geredet wird – fair play – wird hier einfach gespielt und gelebt. Und dennoch ist es längst über „Hobby“ hinausgekommen. Seit mehr als 40 Jahren gibt es Weltmeisterschaften, in zwei Jahren (2028) bei den nächsten Sommerspielen in Los Angeles soll es sogar erstmals olympisch werden.

Petra Palinkas, diese Top-Spielerin, ist Schülerin in der HTL Rennweg. Im Team mit Arpit Singh, Elias Vavra und Mohana Kovač haben sie das Sportgerät weiterentwickelt. Denn was fehlte, so Palinkas, waren wissenschaftlich fundierte Analyse-Möglichkeiten wie es sie in vielen anderen Sportarten gibt. Trainiert wurde und wird sozusagen im „Blindflug“ – üben und schauen, wie’s gut passt.

Das Quartett stattete im Rahmen ihrer gemeinsamen Diplomarbeit eine Frisbee-Scheibe mit einem Messgerät aus – Sensoren, Akku, Funk-Modul, das Daten an eine Bodenstation schickt, wo sie in einer App berechnet werden. So die Idee und die Praxis. Von Version zu Version der Prototypen wurde dieses Teil an der Unterseite der Scheibe, die sie nun SmartDisc nannten, kleiner und leichter. Schließlich muss die Scheibe sich ja vergleichbar zu Wettbewerbs-Frisbees verhalten. Was nicht nur das Teammitglied, sondern auch weitere Spielerinnen auf Praxistauglichkeit positiv überprüft haben.

Das Mess-Teil soll noch kleiner und kompakter werden, das Quartett hat auch vor, ein Unternehmen zu gründen, um aus einem Schulprojekt, das im 39. Finale von Jugend-Innovativ mit dem Sieg in der Kategorie Engineerin II belohnt wurde, möglichst vielen Ultimate-Frisbee-Spieler:innen zur Verfügung stellen zu können.
„Neben“ dem Kategorie-Sieg darf das Team auch zur MILSET Expo-Sciences Europe 2026 (ESE) im italienischen Mantua fahren und SmartDisc ort präsentieren.

„Fliegende“ Hütte

Was auf dem Tisch ihres Standes aussieht wie ein großes Spielzeughaus ist ein Modell einer Fertigteil-Berghütte für Regionen jenseits der 2000 Höhenmeter. Lucas Eberharter und Philipp Kaserer vom Holztechnikum Kuchl (Salzburg) sind Bergsportler. Weil sie selber feststellen mussten, dass Übernachtungsmöglichkeiten in unzugänglichen Gegenden – ohne Zufahrtsstraßen für Bauarbeiten – fehlen, kamen sie auf die Idee ihres Projekts „ModulAlp“.

Per Hubschrauber werden die Teile – jeweils unter 1500 Kilo – in mehreren (15 bis 20) Flügen vor Ort gebracht und zusammengebaut. Das Duo hat sich für eine asymmetrische Form, um Spitzen-Stürme abzuleiten, ebenso entschieden wie für offene Schichtbauweise, um die Holzwände (Lärche) nicht durch die Atemluft der bis zu vier Personen zu durchfeuchten.

Und wenn sie nicht (mehr) gebraucht wird, kann die Hütte abtransportiert werden – in die Landschaft wird nicht eingegriffen. Für ihr Modell haben die beiden eigenhändig Lärchen-Vollholz zu kleinen 5 x 2,15 cm Schindeln abgespalten.

Immer wieder Bienen

Projekte rund um Bienen und den sie bedrohenden Krankheiten spielen bei Jugend Innovativ immer wieder eine erfolgreiche Rolle – siehe unten am Ende verlinkte Beiträge über „SP50 statt Bienentod“, ein auch internationales Siegerprojekt aus der HLUW Yspertal (2022). Thomas Koppelstätter und Samuel Forstenpointner aus der HTL Braunau (Oberösterreich), selber auch Imker, entwickelten ein System zur automatischen Überprüfung, ob und wie viele Zellen eines Bienenstocks von der Varroamilbe befallen ist.
Dies muss bisher händisch erfolgen: jede Brutzelle öffnen, Larve entnehmen, unters Mikroskop bringen, schauen – und entsprechend handeln…

Das genannte Duo erfand mit „HiveScan“ für das sie sowohl die Mechanik samt Kamerasystem bauten und eine KI-Analyse samt userfreundlicher Benutzeroberfläche programmierten. Das System fährt Wabe für Wabe ab, ein Multifunktionskopf öffnet den Zelldeckel (Bienen lassen einen Millimeter Abstand), entnimmt die Larve und positioniert eine Kamera mit LED-Ringlicht für zwei standardisierte Aufnahmen. Die KI-Analyse erkennt Varroabefall sowie alle Entwicklungsstadien der Brut. Alle Ergebnisse speichert das System in einer Datenbank, die die Wabe virtuell abbildet.“

Der von den beiden Schülern gebaute und programmierte Prototyp ist bereits voll funktionsfähig und soll laufend mit weiteren Daten aus der Praxis erweitert werden.

SmartHomeVision

Smar Home – längst sein Begriff und Praxis in vielen Haushalten. Doch die Kommandos „Licht an!“ oder andere berücksichtigen nicht, was beispielsweise für einen de Schulwarte der HTL Braunau gilt. Gehörlose bzw. hörbeeinträchtigte Menschen kommunizieren mit Gebärden-(Sprache).

Genau das war für Matthias Wintersteller und Luca Pohn die Herausforderung für ihr Projekt, das sie SmartHomeVision nannten. Vision für sichtbare Gesten, aber nicht zufällig auch für die darüber hinausgehende Bedeutung der Zukunftsfähigkeit.

Die beiden tüftelten so lange, dass ungefähre Gesten schon reichen, um die entsprechenden Schalter für Licht, Heizung oder was auch immer in Gang zu setzen, zu modifizieren oder abzudrehen. Die Erkennungsrate liege bei mehr als 98 Prozent erklären sie dem Reporter. Der Schulwart hat’s jedenfalls auch getestet und war sehr zufrieden, so die „Visionäre“.
Die beiden planen, SmartHomeVision als Open-Source-Projekt zu veröffentlichen und es so zu erweitern, dass auch Menschen, die aufgrund motorischer Einschränkungen keine der Standardgesten ausführen, das System auf individuelle eigene Gesten trainieren können.

Strand-Safe

Der Titel des Projekts, mit dem Moritz Weißhaupt und Tobias Bacher aus der HTL Mössingerstraße (Klagenfurt, Kärnten) es ins Bundesfinale des 39. Jugend-Innovativ-Bewerbs schafften, spricht nicht für eine neuartige Sonnencreme. Eine solche wäre in der Kategorie Enginering II auch falsch aufgehoben. Wohin mit Geldbörse, Handy und ähnlichem, wenn du – entweder allein am Strand bist oder die ganze Gruppe ins Wasser will?

Eine Sicherheitsbox, in der alles verstaut wird und über PIN-Tastenfeld oder Smartphone-App via Bluetooth Low Energy bedient wird. Hast du das Handy drinnen verwahrt, kann du sie auch wie in radschloss oder einen Safe über Nummernschloss öffnen. Aber was, wenn jemand die ganze Box mitnimmt?

„SunSafe“ verfügt über einen Gyrosensor – bei Erschütterungen werden Alarm und Push-Benachrichtigungen ausgelöst. Ein GPS-Modul zeigt den jeweiligen Standort des Safes in Echtzeit auf einer Google-Maps-Karte an – was du dann gegebenenfalls später auch über deinen Laptop machen kannst.

Ein Solarmodul mit Akku macht SunSafe übrigens autark. Bis jetzt sind Platine und App fertig, die Spannungsversorgung nach einer Überarbeitung bereits in zweiter Version getestet. Als nächstes folgen 3D-Druck, Montage und der finale Feldtest am Wörthersee.

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Fotos aller fünf Engineering I-Finalist:innen

Holz als Carbon-Schutzmantel, automatischer Drohnen-Akku-Tausch, Techno-Schlange …

Ihre Erfindung gehörte zu jenen, die beim 39. Bundesfinale von Jugend Innovativ in der Expedithalle des Kulturgeländes Brotfabrik in Wien-Favoriten sofort ins Auge stachen: Ein Rennrad mit Holzrahmen. Passt zu ihrem Schultyp: Holztechnikum der HTL Imst (Tirol). Doch das Holz ist für Adrian Müller und Vincenz Sonderegger „nur“ die dünne Verkleidung für den darunter liegenden Karbonrahmen.

Carbon – gewebte Kohlenstofffasern – ist unter anderem DAS Material für Rennrad-Rahmen: Leicht und doch steif sowie stark belastbar. „Aber ein einziger Steinschlag kann einen Carbonrahmen unsichtbar zerstören“, stellen die beiden Schüler fest. Und begannen daran zu tüfteln, wie dieses kostbare Material (besser) geschützt werden könnte. Und griffen zum Material ihres Schulschwerpunktes. Viel Recherche, Experimente – sie bauten eigene Testvorrichtungen, die darauf einhämmerten, es verbogen… – führten sie zur Erkenntnis: Ahorn ist DAS Holz der Wahl. Es ist „feinporig und geht eine starke Verbindung zur Kohlefasermatrix ein“.

Eine 2 mm dünne Holzumrundung über dem Karbonrahmen „verdoppeln die Schlagfestigkeit. In Torsions-, Biege- und Drucktests erreichen die Prototypen das Niveau reiner Carbonteile“. Von denen es dann weniger braucht, was billiger kommt.

Für die Fertigung erfanden die beiden Jugendlichen, die aus Vorarlberg kommen und ihr Projekt deswegen woodberg.vbg nannten, ein eigenes Verfahren: Einen selbst gebauten Überdruckschlauch, der bis zu 3 Bar erreicht, „dreimal mehr als die ursprünglich geplante Vakuummethode“.

Ziel, so die beiden zu Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr…, wir wollen ein Unternehmen gründen, müssen davor aber noch Sicherheitstests für unser Rad durchführen lassen und es zertifizieren lassen“.

Die Jury befand es das beste der besten Projekte in der Kategorie Engineering I – und außerdem reist das Team – mit zwei anderen – zum internationalen Bewerb EUCYS (European Union Contest for Young Scientists).

PowerAirLoop

Kaum weniger auffallend als das holzverkleidete Rennrad war eine metallene nicht ganz kniehohe große Box mit Metallrohren auf dem Deckel. Und vor allem die manches Mal – etwa bei dem Gespräch mit der Jury – Drohne, die nach einem kleinen Rundflug dort landet. Das Flugobjekt parkt auf dem Deckel, die Metallrohre fahren heran, werden zu einer Art Schiene, zwischen der die Drohne fixiert wird, nach vor fährt. Bis zur Akku-Tausch-Station wo der (fast) leere Akku entnommen und durch einen vollgeladenen ersetzt wird. Die Drohne fährt zurück, die „Schiene“ entfernt sich, die Drohne ist „ready for Take-Off!“

Nino Wieland, Michael Erber, Mathias Waltner und Richard Pruckmair aus der HTL Rennweg haben ihr „PowerAirLoop“ baute dafür auf einem Vorgängerprojekt des Quartetts – „Zephyr, eine vollständig selbst gebaute Drohne mit eigenem Flightcontroller-Code“ – auf. In dem neuartigen System des automatischen Akku-Tausches stecken gut 300 bis 400 Arbeitsstunden – Hirnschmalz ebenso wie Programmier-, aber auch technische Handwerkskunst.

Dafür gab’s Platz 2 in der Kategorie Engineering I. UND den Preis des Publikums.

Natrix

Drohnen sind zwar fast allgegenwärtig. Aber überall kommen sie auch nicht hin. Klick gemacht hat es bei Clemens Saurugg, Dan Luong, Amritpal Padda und Alexander Janisch nach dem großen katastrophalen Erdbeben im Südosten der Türkei vor drei Jahren. Unter Trümmern eingeschlossene Menschen, enge Hohlräume. Da kann bestenfalls nur händisch auf Verdacht gegraben werden. Da kam das Quartett – ebenfalls aus der HTL Rennweg (Wien) – auf DIE Idee: Schlangen kommen durch engste Spalten.

Und so begannen sie zu überlegen, wie eine Art Techno-Schlange funktionieren könnte. Eine solche bauten sie aus mehreren – erweiterbaren – Modulen zusammen, die sich mit einer rotierenden Spiral-Umwindung auf verschiedensten Untergründen fortbewegen können und nicht wie Räder etwa im Sand durchdrehen. Im „Kopfteil“ bauten sie natürlich eine Kamera ein – mit Infrarot-LED, sodass sie auch im Finsteren Bilder liefern kann.

„Das ist nun schon unser vierter Prototyp“, verraten die vier Jugendlichen, die ihr Projekt „Natrix“ nannten – nach dem lateinischen Fachbegriff für Ringelnatter (natrix natrix).

Platz drei bei den „Ingeneur:innen“ fand die Jury.

SynthoBot

Fade Chemiestunden gaben für ein weiteres Team aus der HTL am Wiener Rennweg – die dieses Mal besonders erfolgreich war – den Anstoß. Langweilig, weil kaum bis keine Experimente durchgeführt werden durften. Grund: kein einziger Luftabzug funktionierte.

Tobias Weinhofer, Nedzhatin Remziev sowie die beiden beim Treffen mit KiJuKU.at verhinderten Mitschüler Eneş Bağ und Sebastian Schöngrundner haben dafür Abhilfe geschaffen. Ein fahrbarer Kasten mit Acryl-Glaswänden und pneumatische Türen mit mobilem Abzug.

Im Inneren des Oberteils finden die Experimente hinter geschlossenen, aber durchsichtigen Türen statt. Die Luft wird abgesogen und in einen Kübel darunter gleitet, wo sie gefiltert und völlig ungiftig ins Freie gelassen werden kann. Die Türen verriegeln übrigens automatisch und lassen sich erst wieder öffnen, wenn die Luft im Experimentierraum komplett sauber ist.

Dafür gab’s einen der beiden Anerkennungspreise, ebenso wie für

AthloRegain

Für die (Wieder-)Stärkung des Hüftbeuger-Muskels (Psoas major) dachte sich Nikolaus Melinz ein spezielles Gerät aus, das er im 3D-Modell demonstriert. Denn, so der Schüler der HTL Eisenstadt (Burgenland), es gibt praktisch kein Gerät, das gezielt diesen Muskel trainiert, „bei den meisten werden Oberschenkel-Muskel mit aktiviert“, erklärt er Kinder I Jugend I Kultur I und mehr…

Die Trainingsposition ist im Liegen, der Oberschenkel kommt in eine Textilschlaufe, wird damit entlastet. Eine austauschbare gelaserte Funktionskurvenscheibe aus Stahlblech dreht das Gerät. Je weiter der Hüftbeuger zusammengezogen wird, desto größer ist der Hebelarm, desto größer der Widerstand. So folgt das Gerät dem Muskel, statt ihm das Training aus der Hand zu nehmen.

Wird die Position auf der Trainingsbank umgedreht, kann der Gesäßmuskel gestärkt werden. Noch ist Melinz‘ Konstruktion „nur“ digital und im 3D-Druck-Kleinmodell, ein echter Prototyp soll in der Laufschule der HTL entstehen. Vergleichbare medizinische Kraftgeräte kosten zwischen 5.000 und 8.000 Euro; „AthloRegain“, wie er sein Projekt nannte, kommt auf rund 2.500 Euro.

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Schüler:innen müssen natürlich mit ihren Handys abstimmen

„Schon vieles gewusst, aber…“

KiJuKU: Da Sie alle ja mit SmartPhones aufgewachsen sind und sich sicher auch schon so manchen Gedanken über Ihre eigene Nutzung gemacht haben, und Vieles davon haben Sie ja schon in den eingebauten Mentimeter-Umfragen abgestimmt, frage ich „nur“, hat dieser, teils interaktive, Vortrag für Sie überhaupt etwas Neues gebracht?
Julia B.: Vieles wusste ich natürlich schon, aber dass zu viel Handynutzung kurzsichtig machen kann, war für mich neu. Und auch, dass man gut auf die Körperhaltung aufpassen soll, weil das später mal Folgen haben kann. Der Vortrag hat mich jetzt wieder zum Denken angeregt, dass ich meine Handynutzung vielleicht überdenke und reduzieren werde und dafür mehr Zeit draußen verbringe. Also ich fand’s sehr interessant.
KiJuKU: Und was sind die Beweggründe, dass Sie’s überdenken wollen?
Julia B.: Naja, meine Freizeit im virtuellen Raum zu verbringen und draußen zeiht so das schöne Leben vorbei, das find ich dann ein bissl schade.

Wortwolke, wer welche Apps nutzt
Wortwolke, wer welche Apps nutzt

Tobias: Mich hat vor allem der gesundheitliche Aspekt sehr gefesselt. Man weiß es eh irgendwo im Hinterkopf, dass es für den Nacken nicht so gut ist. Aber dann Zahlen zu hören und zu wissen, was es noch für körperliche Konsequenzen haben kann, das ist der Punkt, der mich am meisten interessiert hat.

Julia H.:  Ich glaub, ich kann den beiden auch nur zustimmen. Ich glaub, jede und jeder von uns weiß, wie’s um unsere Handynutzung steht, deswegen fand ich den Vortrag sehr angenehm. Ich fand gut, das in Erinnerung zu rufen, wie drastisch das mit der Handynutzung in unserem Alter ist. Deswegen fand ich bei den Abstimmungen interessant, wie’s anderen geht, wie viele eigentlich über acht Stunden täglich sind. Natürlich waren auch die gesundheitlichen Aspekte sehr interessant zum Zuhören.

Studie über Handynutzung von 15-/16-Jährigen
Studie über Handynutzung von 15-/16-Jährigen

KiJuKU: Noch jeweils eine kurze Zusatzfrage, wie schätzen Sie selber ihren täglichen Handy-Stundenverbrauch ein?
Julia B.: Was ich bei der Abstimmung gesehen habe, war ich glaub ich ganz gut dabei, ich schau schon, dass ich da drauf achte, ich würd mich bei 2 bis 2½ Stunden einordnen.

Julia H.:  Bei mir ist’s schon ein bissi höher, aber auch noch gering, so 3 bis 4 Stunden.

Tobias: Ich glaub, ich stech da ziemlich heraus, ich hab so durchschnittlich so um die acht Stunden pro Tag. Ich weiß, dass das zu viel ist, aber ja…

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Über den interaktiven Vortrag in der HAK/HASch Tulln (NÖ)

Interview mit der Vortragenden

„Handy Stopp“ – ein ausgezeichneter Beitrage von Salzburger Schüler:innen beim U19-Prix-Ars-Electronica

Smartphone-Coach Andrea Buhl-Aigner (rechts) im Interview mit KiJuKU-heinz

Vom Marketing zum Smartphone-Coaching

Andrea Buhl-Aigner war jahrelang im Bereich Marketing bzw. digitale Kimmunikation für Unternehmen aber auch NGO tätig. Heute tritt sie in phasenweise interaktiven Workshops für Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern auf, um bewusste(re)n Umgang vor allem mit Smartphones zu thematisieren. Außerdem bietet sie Seminare von Crash-Kurs bis zu „fit“ an und betreibt die dazugehörige Website. In der ersten Schulwoche war sie zwei Tage lang für Jugendliche und Pädagog:innen (im Rahmen von SchilF – Schulinterne Fortbildung) der Handelsakademie und -schule Tulln (Niederösterreich) im Einsatz, Ende September spricht sie dann vor Eltern dieser Handelsschule und -akademie. Workshops, Unterlagen, Vorträge, Kurse und vieles mehr rund ums Smartphone auch für Eltern von (Klein-)Kindern gehören auch zu ihren Angeboten.

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… war bei einer Doppelstunde für die Abschlussklassen dabei – eigener Bericht, am Ende verlinkt, berichtet darüber, hat drei Schüler:innen interviewt – ebenfalls eigener, unten verlinkter Beitrag – und führte mit ihr ein Interview.

KiJuKU: Du warst früher im Marketing tätig und hast, wie du sagst, die Seiten gewechselt. Warum und inwiefern?
Andrea Buhl-Aigner: Je länger ich diese Jobs gemacht und alle möglichen Tools unreflektiert verwendet habe, desto mehr war ich erstaunt und teilweise schockiert, was wir da alles für Daten sammeln und nutzen und darüber, was alles machbar ist, um die User und Userinnen bei der Stange zu halten.

Außerdem bin ich zehn Jahre aus Niederösterreich nach Wien gependelt und hab im Zug die Veränderungen miterlebt. Jugendliche bei der gemeinsamen Fahrt in die Schule waren früher laut, heute ist es fast nur mehr in stilles Gewische, selbst wenn Kinder oder Jugendliche gemeinsam fahren.

Das alles hat mir zu Denken gegeben und im Zuge beruflicher Veränderung, hab ich beschlossen, mich selbstständig zu machen und aus dem gesammelten Wissen zu schöpfen, um Aufklärung darüber zu machen. Ich kannte ja alle technischen Hintergründe, was machbar ist.

KiJuKU: Was ist da machbar?
Andrea Buhl-Aigner: Im Online-Marketing wussten wir, wie wir die Leute reinziehen und dafür sorgen, dass sie möglichst lange oder oft wieder kommen – vom Produktdesign über Personalisierung, Erkenntnisse aus psychologischen Studien nutzen und so weiter.

KiJuKU: Und jetzt bietest du Workshops in Schulen an?
Andrea Buhl-Aigner: Am Anfang hab ich nur mit Eltern oder / und Lehrerinnen und Lehrern gearbeitet, mittlerweile auch mit Schüler:innen.

KiJuKU: Was unterscheidet deine Workshops von schon bestehenden Angeboten etwa von Safer Internet?
Andrea Buhl-Aigner: Ich bin keine Konkurrentin, es gibt ohnehin mehr Bedarf als Angebot und ich versuche über mein Wissen der anderen Seite, Lücken zu füllen und Ergänzungen anzubieten. Ich kann ja viel Wissen von der anderen Seite einbringen. Damals war die Aufgabe, User:innen möglichst lange und immer wieder zu binden, heute fördere ich Selbstkontrolle vor Abhängigkeiten.

Ein Mittel dazu ist, die Jugendlichen immer wieder nach ihren Selbsteinschätzungen zu fragen – über Nutzungszeiten, wie sie sich fühlen, aber auch aus Studien wissenschaftliche Erkenntnisse unter anderem aus der Gehirn-Chemie zu präsentieren, wie Computerspiele zur Adrenalin-Ausschüttung führen, wie vor allem am Abend zu viel davon das Melatonin, das den Schlaf fördert, verringert. Thematisiert wird auch die Frage Soziale Netzwerke versus reale Welt und es gibt auch Tipps gegen Handy-Stress.

PS: In Wien können Pflichtschulen die Smartphone-Coach-Workshops „gefangen im Online-Flow“ über die Wiener Bildungs-Chancen kostenlos buchen, die 390 € pro Gruppe werden direkt über diese Plattform abgerechnet. In Niederösterreich können Schulen über Science Center Niederösterreich kostenlos buchen. Links weiter unten.

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Über den interaktiven Vortrag in der HAK/HASch Tulln (NÖ)

Interviews mit drei Schüler:innen der HAK Tulln

„Handy Stopp“ – ein ausgezeichneter Beitrage von Salzburger Schüler:innen beim U19-Prix-Ars-Electronica

bildungschancen.wien

sciencecenter.noe

smartphonecoach

saferinternet.at -> smartphone

Bildmontage aus Foto desAutor mit dem Buch, Buchcover, Foto des IG-Autorinnen, Autoren-Geschäftsführers sowie Screenshots von Aussendungen der FP und VP NÖ, der Online-Ausgaben von heute und oe24

Mit Verdrehung des Inhalts Stimmungsmache gegen Schullektüre eines Jugendbuches

„Leila, Nico, Ahmed und Herrn Herzog hat sich der Autor ausgedacht. Aber wie in vielen seiner Bücher verpackte Robert Klement, jahrzehntelanger Deutsch- und Geschichte-Lehrer und vielfach ausgezeichneter Autor, reale, ausführlich recherchierte, Schicksale und Vorgänge in seine fiktive Geschichte und Figuren. „Halbmond über Rakka“ mit dem Untertitel „Verführung Dschihad“ versucht – wie auch die anderen in den vergangenen rund zwei Jahren (vor 2016, Anmerkung der Redaktion) erschienenen Jugendbücher zum Thema IS – auf die Frage zu fokussieren, wie können – in der Regel grundvernünftige – Jugendliche auf der Suche nach so etwas wie Sinn in ihrem Leben, in den Sog, den Strudel einer derart totalitären Ideologie, die sich als Religion tarnt, geraten. Oder diesem – wie Nico hier – sich auch wieder entziehen.“

Polit- und medialer Wirbel

Das stand in meiner Besprechung des in diesem Absatz erwähnten Jugendbuches – Link zur vollständigen Buchbesprechung sowie zu einem Interview mit dem Autor weiter unten -, das vor wenigen Tagen für Wirbel in Niederösterreich sorgte. In einer Mittelschule in Wr. Neustadt lesen die Schüler:innen dieses Buch. Ausgehend von einer aufgeregten Aussendung des Bildungssprechers der FP, der das Buch, ja offenbar nicht einmal den Untertitel auf dem Cover – „Verführung Dschihad“ gelesen hatte („So etwas kann und darf es nicht geben!“), trommelten reichweitenstarke (Online-)Medien – „heute“ (Eltern, FPÖ schlagen Alarm: „Schüler müssen Buch über Heiligen Krieg lesen“) und „oe24“ („IS-Buch“ in Schule? Skurriler Polit-Streit in NÖ) – ebenfalls gegen die Lektüre dieses aufklärerischen Buches.

Nachhilfe-Empfehlung an Bildungssprecher

Der Politstreit bezieht sich darauf, dass der Landesgeschäftsführer der niederösterreichischen ÖVP, Matthias Zauner, in einer Aussendung schrieb: „Dass FPÖ-Abgeordneter Sommer ausgerechnet ein Buch, das sich mit religiös motivierter Radikalisierung auseinandersetzt und die dadurch entstehenden Probleme anspricht, mokiert, zeigt nicht nur, dass er das Buch selbst wohl nicht gelesen hat, sondern auch, dass er ihm nur um die schnelle Schlagzeile geht. Denn hätte er sich mit dem Inhalt auseinandergesetzt, wüsste er, dass die Behandlung dieses Buchs im Unterricht genau das Gegenteil von politisch Radikalisierung zum Ziel hat – nämlich diese schon im jungen Alter zu verhindern.“ Und er empfahl dem Bildungssprecher seiner Koalitionspartei in „dringend eine Nachhilfestunde“.

Tendenziöse Umfrage

„heute“ hat übrigens mit dem Artikel, in dem dann doch auch aus Buchbesprechungen sowie einem Interview dieses (Vorläufer-)Mediums, Kinder-KURIER mit dem Autor, zitiert wurde, eine Online-Umfrage angehängt – „Findest du es gut, dass das Thema IS im Unterricht thematisiert wird?“ Und die erste mögliche Antwort lautete: „Nein, also mit diesem Buch kommen Jugendliche nur auf dumme Gedanken“, der schließlich fast zwei Drittel (64%) zustimmten.

Bildungsdirektion

Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… wollte von der Bildungsdirektion einerseits Kontakt zur Schule, um von Schüler:innen und Lehrpersonen zu erfahren, was sie dazu sagen und andererseits, „ob und inwiefern Sie in diesem oder anderen Fällen aktiv werden, um in diesem Fall doch verleumderischen Berichten entgegen zu treten oder eventuell auch zu problematisieren, dass via medialer Online-Umfrage Schul-Lektüre beeinflusst werden sollte“.

Die Leiterin der Stabstelle Kommunikation in der Bildungsdirektion antwortete folgendermaßen: „Das Buch „Halbmond über Rakka“ ist genau das Gegenteil von IS-Verherrlichung, es hat vielmehr zum Inhalt, vor Radikalisierung zu warnen. Robert Klement ist ein bekannter und anerkannter Jugendbuchautor. Es gibt darüber hinaus didaktische Materialien zu der Lektüre und es gibt auch Empfehlungen für die Altersgruppe, für die das Buch eingesetzt wurde.

Zur Schularbeitsvorbereitung mussten sich die Schüler in die Perspektive einer der handelnden Figuren begeben und aus dieser Sicht eine E-Mail an einen Freund schreiben. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich allerdings nicht in die Perspektive von „IS-Verherrlichern“ versetzen, sondern – im Gegenteil – eine kritische Position eines in Österreich lebenden Jugendlichen einnehmen.“

Screenshot von der Homepage des Autors mit dem Offenen Breif sowie dem Buch-Cover
Screenshot von der Homepage des Autors mit dem Offenen Breif sowie dem Buch-Cover

Offener Brief des Autors

Nun haben der Autor selbst sowie die Interessensgemeinschaft Autorinnen Autoren ebenfalls öffentlich Stellung genommen.

„Als Autor des Romans „Halbmond über Rakka“ bin ich entsetzt über die völlig willkürlichen Attacken der FPÖ auf engagierte Lehrende in Wiener Neustadt, die mein Buch für den Unterricht verwenden. Ich denke, dass der Roman nach Villach und 2020 (Anschlag Wiener Innenstadt) und besonders nach den islamistischen Attentaten in Europa eine sinnvolle und aktuelle Ergänzung des Deutschunter­richts darstellt. Meine Positionierung gegen Islamismus, Extremis­mus und Gewalt ist in diesem Roman für jeden kritischen Leser klar zu erkennen.

Ich bin Literatur-Staatspreisträger und wurde in den letzten 40 Jahren mehrfach ausgezeichnet. Meine 29 Romane wurden in 15 Sprachen übersetzt. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich unser Land Autokratien und Diktaturen annähert, in denen kritische Bücher aus öffentlichen Bibliotheken und Schulen verbannt werden. Ein FPÖ-Politiker, der meinen Roman attackiert, obwohl er ihn nicht gelesen hat, disqualifiziert sich als „Bildungssprecher“. Dass eine politische Partei die Schullektüre bestimmen will, ist nicht zu akzeptieren!

Da ich den Medien entnehme, dass die FPÖ bei der Bildungs­direktion NÖ Beschwerde eingelegt hat, erscheint mir dieses Schreiben notwendig“, veröffentlichte Robert Klement als offenen Brief an Bildungsdirektor Dr. Fritthum auf seiner Website.

IG Autorinnen Autoren

Am Dienstag (25. März 2025) veröffentlichte im Namen der Interessensvertretung österreichischer Schriftsteller:innen, der IG Autorinnen Autoren, deren Geschäftsführer Gerhard Ruiss eine Aussendung. In dieser heißt es unter anderem: „Der Angriff des FPÖ-Niederösterreich-Bildungssprechers verkehrt den Inhalt und Wert des Buches von Robert Klement in sein Gegenteil. „Halbmond über Rakka“ wurde dementsprechend von rechten Medien auch sogleich als „Propaganda für den Heiligen Krieg“ und als „Kniefall vor dem Islam“ und „Zwangslektüre“ bezeichnet. Der Autor hat auf die FPÖ-Attacken auf seiner Website robertklement.com in einem Offenen Brief an die Bildungsdirektion NÖ bereits geantwortet.

Es ist beschämend und ein Armutszeugnis zugleich, wie sich FPÖ-Bildungssprecher Sommer Aufklärungsarbeit über Radikalisierung vorstellt. Und Herr Sommer ist nicht irgendwer, er ist der Wirtschafts-, Finanz-, Budget-, Jugend- und Bildungssprecher der FPÖ im Niederösterreichischen Landtag. Es ist schlimm um die österreichische Bildungspolitik bestellt, wenn das die Bildungsvorstellungen eines Bildungssprechers für den Umgang mit politisch brennenden Themen an österreichischen Schulen sind, engagierte Lehrer/innen und Schulen mit Büchern, die sich schwierigen Themen stellen, zu Islamistenhandlangern zu machen, um sich auf deren Rücken den billigen Applaus aus der rechten Ecke zu holen. Es ist übel um sie bestellt, wenn ein Bildungssprecher einer mitregierenden Landtagspartei glaubt oder meint oder verbreitet, dass sich ausgerechnet ein angesehener österreichischer Jugendbuchautor und Staatspreisträger dazu hergibt, islamistische Propaganda zu verfassen und ein österreichischer Traditionsverlag dazu, islamistische Propaganda zu veröffentlichen und zu verbreiten. Österreich hat nicht nur ein Bildungsproblem, Österreich hat ganz offensichtlich auch ein Bildungspolitikerproblem. 

Wir fordern Herrn Sommer auf, seinen Irrtum einzubekennen, sich dafür zu entschuldigen und den von ihm angerichteten Schaden umgehend wieder gutzumachen.“

Keine Antwort

Die KiJuKU-Anfrage an die FP-Niederösterreich „hat er (der Bildungssprecher) oder haben Sie (der Pressereferent) in der Zwischenzeit wenn schon nicht das ganze Buch, so die Kurzbeschreibungen oder Rezensionen dazu gelesen?“ blieb übrigens unbeantwortet.

Die Anfrage ins Achen Kontakt zur Schule an die Bildungsdirektion bzw. die zuständige SchulQualitätsManagerin (vormals Inspektorin) harrt noch einer Antwort, wenngleich auch verständlich ist, dass die betreffende Schule bzw. vor allem Jugendliche und Lehrpersonen vorerst von Medien genug haben.

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Titelseite des Jugendromans
Titelseite des Jugendbuches „Halbmond über Rakka“
Mit VR-Brille Besuch in einem Labor, in dem mit dem Greifer auch Teile einer Maus bewegt werden können

Begreifen wollen, wie geht denn das!

Christian Bertsch hält eine viereckige Kartonröhre in die Kameras – links und rechts schauen weit oben rote Schnüre heraus, viel weitere unten tun dies blaue. Er zieht zunächst an einer der roten Enden und – es wird nicht nur diese Schnur auf der anderen Seite kürzer, auch bei den blauen Schnüren zeigt sich Bewegung!?

Wie geht das? Nein, aufmachen oder aufschneiden gilt nicht. Es gehe darum, erst Theorien zu entwickeln, zu diskutieren, wie der „Trick“ funktioniert. Idealerweise wird danach mit eigenen Kartonröhren und Schnüren ein Modell gebaut, das zum selben Ergebnis kommt.

Mit diesem einfachen und doch so anschaulichen Experiment demonstrierte der Bildungsexperte Mittwochmittag im Wiener MuseumsQuartier einen wichtigen Zugang zu Wissenschaft. Den will eine neue Abteilung mit eigenem Namen – VISTA – am ISTA (Institute of Science and Technology Austria, 1100 Mitarbeiter:innen, 78 Forschungsgruppen aus 80 Nationalitäten), der exzellenten Forschungseinrichtung in Klosterneuburg (nahe bei Wien), ab sofort verstärkt unternehmen.

Versuche im Park, Workshops in Schulen…

Bertsch, der Vista leitet und Gaia Novarino, selber Neurowissenschafterin am ISTA und dort Vizepräsidentin für Wissenschaftsbildung, stellten einige dieser Aktivitäten vor. Die reichen für mobile Vermittlung in Parks oder auch bei heurigen mit einem Elektro-Tuck-Tuck voller Experimentierboxen bis zu Workshops in Schulen bzw. für Kinder und Jugendliche am ISTA-Gelände. Dafür wird übrigens noch ein eigenes Gebäude (VISTA Science Experience Center) errichtet, das in zwei Jahren den Betreib aufnehmen soll und für das diese Woche noch der offizielle Spatenstich erfolgt.

Mehr Raum für Vorträge, Workshops, aber auch für Ausstellungen als Ergebnis von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Kunst wird es dort geben. Zwölf Mitarbeiter:innen hat das neue VISTA – das V steht übrigens nicht als Abkürzung für irgendetwas.

Mit den genannten und noch vielen weiteren sowohl analogen als auch digitalen und virtuellen Aktivitäten – unter anderem knapp vor Weihnachten zwei gestreamten – auch nachzusehenden – Christmas Lectures für jüngere bzw. ältere Schüler:innen sollen viele, vor allem aber nicht nur, junge Menschen für Wissenschaft interessiert werden. Und zwar nicht nur für deren Ergebnisse, sondern vor allem die Methoden und Arbeitsweisen. Außerdem will VISTA – wie auch die Kinderunis – Forscher:innen und Kinder bzw. Jugendliche zusammenbringen, auch Vorbilder schaffen, nicht zuletzt weibliche. So waren bei dem Mediengespräch Plakate der Computerwissenschafterin Jen Iofinova, der Klimaforscherin Yi-Ling Hwong sowie der Zellbiologin Medina Korkut-Demirbaş als Anschauungsbeispiele dafür platziert.

Mögliche Vorbilder: Computerwissenschafterin Jen Iofinova, Zellbiologin Medina Korkut-Demirbaş und Klimaforscherin Yi-Ling Hwong
Mögliche Vorbilder: Computerwissenschafterin Jen Iofinova, Zellbiologin Medina Korkut-Demirbaş und Klimaforscherin Yi-Ling Hwong

Verstehen, wie Wissenschaft funktioniert

Prozessorientiertes Lernen und Forschen sind in Österreichs Schulen noch weit unterentwickelt, stellten die Wissenschafter:innen fest und verwiesen auf entsprechende Ergebnisse bei Pisa-Studien. Die Mission lautet: „Verstehen, wie Wissenschaft Wissen schafft!“

Mit VISTA solle keine Konkurrenz zu bereits existierenden ausgezeichneten Wissenschaftsvermittlungen wie Kinderunis, Sparkling Science, Science Center Netzwerk betreiben werden, sondern einfach zusätzliche Angebote.

Eine weitere Intention von VISTA ist, der in Österreich stark ausgeprägten Skepsis gegenüber Wissenschaft, die sich nicht zuletzt in der Corona-Pandemie gezeigt habe, entgegenzuwirken. Daher werden nicht nur auf Kinder, Jugendliche und Pädagog:innen angesprochen, das rollerartige Elektrofahrzeug mit Anhänger fahre mit Wissenschafter:innen immer wieder auch zu Heurigen, um dort Besucher:innen zu Experimenten einzuladen.

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"Die unmöglichen Möchlichmacher:innen" aus der Brückenschule (Wien-Liesing)

Unmögliche Möglichmacher:innen

Dutzende Initiativen, Vereine, Organisationen, Schulen sowie kommerzielle Anbieter präsentierten ihre Angebote nach der Verleihung des Staatspreises innovative Schulen auf drei Stockwerken in der Aula der Akademie der Wissenschaften in der Wiener Innenstadt. Mehrere Stunden waren die Messestände in Betrieb, stellten Mitarbeiter:innen vor, welche Angebote – von naturwissenschaftlichen Experimenten, klima- und umweltrelevanten Projekten bzw. Spielen über landwirtschaftliche Pflanz-projekte, Zusatz-Qualifikationen bis zur Bearbeitung psychischer und psychologischer (mental health) es jedenfalls gibt. Es waren sicher bei Weitem nicht alle.

Manche zeigen allerdings auf, was Schulen selber zukaufen sollen/können/müssen, auch wenn beispielsweise gerade naturwissenschaftliche Experimente auch Teil des „normalen“ Unterrichts sein könnten/sollten/müssten. Wobei es für Wiener Pflichtschulen seit Kurzem unter dem Titel „Wiener Bildungs-Chancen“ die Möglichkeit gibt, kostenpflichtige Angebote gratis wahrzunehmen – die Stadt Wien bezahlt dafür in Summe vier Millionen Euro – siehe hier.

Neben den engagierten, (Spiel-)Freude versprühenden jugendlichen angehenden Elementarpädagog:innen aus der BAfEP Strebersdorf – die kommen im Artikel über die Preisverleihung vor, weil diese Bildungsanstalt einen der zehn Preise gewonnen hat – stachen dem durch die Ausstellung wandernden Journalisten die Jugendlichen der „Brückenschule“ ins Auge. Die über eine Brücke verbundene aus zwei Gebäuden bestehende Schule in Wien Liesing präsentierte eine bunten Stand mit unter anderem einer „sozial genialen Box“. Berfin, Omar, Anais, Melissa, Nicole, Suhejla, Elif, Hamed, Leonie, Hassan, Nina, Marcel, Shaidullah, Nikodem und Dokka hatten gemeinsam dieses Set aus einer Art gestapelten Werkzeugboxen erarbeitet. Nach langem Tüfteln, basteln und gestalten finden sich in diesen Boxen Elemente für Spiele für soziales Lernen. „Zum Beispiel haben wir eine kleine Box mit Steinen. Die haben wir zuerst gesammelt und dann mit Symbolen bemalt, die Gefühle ausdrücken können. So haben auch Schülerinnen und Schüler, die noch nicht so gut Deutsch können oder sich noch schwertun, über Gefühle zu reden, die Möglichkeit zu zeigen, wie es ihnen gerade geht“, schildern Berfin und Anais ein wichtiges Element des genannten Holzkisterls.

Sozusagen ein Einstieg, um davon ausgehend über Gefühle zu reden. Das ist aber nur eine Basis, von der ausgehend dann mögliche Konflikte besprochen, bearbeitet und Streits geschlichtet werden (können).

Die genannten sind rund zwei Drittel ihrer – jetzt vierten („wir haben das aber im vorigen Schuljahr entwickelt“) Klasse, „wir haben das alles freiwillig gemacht – als eigener Verein und wir nennen uns „Die unmöglichen Möglichmacher:innen“

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