Die Jury wählte – wieder – elf Texte aus den 236 Einsendungen zum Ohrenschmaus 2026 aus. Die wurden bei der Preisverleihung in drei Blöcken vorgelesen. Und so werden hier auch Text-Ausschnitte in drei Beiträgen veröffentlicht; Teil 3 ist damit der achte Teil der Berichte von der Preisverleihung 2026
Papa, Papa, Oma
und Opa
und Mama
Papa
Und das war’s
Daniela Kedro
Unser Jochen is unser Freund, bringt uns immer zum Lochen,
indem er uns sogt lustige Sochn.
Er ist kuraschiert
und smart und erledigt ollas vom Start bis ins Züll, nur waun er wüll.
… seine Gegenwort is wie, a unbezohlbores Geschenk.
Und mit seiner lustigen Art beschenkt,
wenn man immer an seine Freundschaft denkt.
Marvin Prodner
Liebe und Sex können sehr schön und angenehm sein und man fühlt sich sehr geborgen, weil man von seinem Partner angenommen wird.
Liebe und Sex können aber auch sehr enttäuschend sein, weil diese Zärtlichkeit oft nicht zu verwirklichen ist.
Darunter leiden wir beide sehr!
Wir haben uns aber wirklich irrsinnig gern, letztens hat sie sogar mit mir gekuschelt und ich habe einen Kuss bekommen.
Wir beide, wenn wir zusammen sind, genießen die Zeit. Doch sie glauben alle, dass wir nicht zusammenpassen.
Wieso kann ich nicht sagen, das ist für mich unverständlich.
Hermann Resch
… Mit 25 Jahren habe ich beschlossen, auf eigenen Beinen zu stehen. Der Schritt, von zu Hause auszuziehen, war für mich nicht nur ein Aufbruch in ein neues Leben, sondern auch ein Versprechen an mich selbst: Verantwortung zu übernehmen, meinen eigenen Alltag zu gestalten und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Seit nunmehr zehn Jahren lebe ich allein, und diese Zeit hat mich geprägt.
Ich habe gelernt, was es heißt, für sich selbst einzustehen, Entscheidungen zu treffen und die kleinen wie die großen Dinge des Lebens selbst in die Hand zu nehmen.
Alleine zu leben, bedeutet für mich nicht, einsam zu sein. Im Gegenteil — es hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, sich selbst kennenzulernen. Ich habe gelernt, meine eigenen Stärken zu erkennen und mit meinen Schwächen ehrlich umzugehen. Ich habe entdeckt, was mir Freude schenkt, was mir Kraft gibt und welche Werte mir im Leben wirklich wichtig sind. Doch so wertvoll diese Jahre der Selbstständigkeit auch waren — die Sehnsucht nach einer Gefährtin ist geblieben.
Musik ist seit vielen Jahren meine treue Begleiterin. Ich spiele Akkordeon, und wenn ich die Tasten berühre, scheint die Welt für einen Moment stillzustehen. Musik ist für mich wie ein zweites Herz, das in einem eigenen Takt schlägt. Sie schenkt mir Ausdruck, wenn Worte nicht ausreichen, und sie öffnet Türen zu Stimmungen, Erinnerungen und Gefühlen, die tief in mir verborgen liegen. Wenn ich spiele, fühle ich mich verbunden — mit mir selbst, mit der Welt, manchmal auch mit Menschen, die zuhören. …
Doch mein Leben besteht nicht nur aus Musik. Ich liebe es, in Bewegung zu sein — sei es mit dem Fahrrad durch Felder, Wälder und kleine Dörfer, oder einfach entlang von Straßen, die ich schon hundertmal gefahren bin und doch jedes Mal neu entdecke.
Radfahren ist für mich Freiheit: der Wind im Gesicht, die Sonne auf der Haut, das Gefühl, dass jeder Tritt in die Pedale mich ein Stück weiterträgt, nicht nur körperlich, sondern auch gedanklich. Manchmal denke ich mir, das Leben ist wie eine Fahrradtour — man strampelt, man schwitzt, manchmal geht es bergauf, manchmal leicht bergab, und immer wieder hat man das Gefühl, dass es sich lohnt, weiterzufahren. …
Franz Schwager
Die Susi — so liab is’ sie.
Der Robert — liab is’ er.
Der a! — der Helmut.
Robert — ich liebe dich. Bist eh’ ned bös? Liaber Bua, der.
Gabi: so liab is’!
Voll super! Schee.
Liebe — so liab is’!
Der Bua is’ so liab. A liaber Bua.
Der is’ a liab, der Helmut.
I mog olle!
Di a.
Renate Seiberl
Sicher fiel die Wahl auf dieses Stück nicht zufällig. DIE Anti-Kriegs-Komödie schlechthin – fast 2.500 Jahre alt/jung wird derzeit von Jugendlichen des BORG (BundesOberstufenRealgGymnasiums) mit künstlerischem Schwerpunkt in der Hegelgasse 12 (1010 Wien) im Theater Arche (1060 Wien) gespielt: Lysistrata/e von Aristophanes (411 vor unserer Zeitrechnung im antiken Griechenland uraufgeführt.
Wer die Geschichte nicht kennt, hier kürzest zusammengefasst: Die Frauen Athens und Spartas – jener Stadtstaaten, die ständig im Clinch und oft auch im Krieg liegen – tun sich zusammen: Sex-Streik. Erst wenn die Männer Frieden schließen, gibt es wieder Zärtlichkeiten, Erotik und Sexualität.
Da braucht es keine aktuellen Text-Änderungen – die Bezüge liegen auf der Hand. Kriege kommen (wieder) näher. Nicht nur – Stichwort Ukraine und Nahost – real, sondern auch allumfassend: höhere Militär-Budgets, Kriegsrhetorik, zunehmender Hass… – bleibt da noch Raum und Zeit für Liebe?
Die große Klasse (30 Schüler:innen) spielt in zwei verschiedenen Bestzungen (A und B – ohne Bewertung – siehe Info-Box), wobei es nur in den zentralen Rollen unterschiedliche Spieler:innen gibt. Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… konnte lediglich der Generalprobe einer – noch dazu aus Krankheitsgründen – gemischten Besetzung zusehen. Und kann den Besuch empfehlen. Trotz Hektik und sehr verzögertem Probenbeginn flutscht die knapp mehr als eine Stunde nur so dahin – mit dramatischen überzeugend gespielten Momenten, viel Musikalität und Rhythmus, Tanz und auch manch szenischem Witz.
Diese Version der Aristophanes-Komödie weist einige Besonderheiten auf. Auffälligste: Es gibt jeweils zwei – unterschiedlich angelegte – Lysistratas, eine die eher aus dem Kopf und die andere, die mehr aus dem Bauch/Herz heraus agiert sozusagen – die Denkerin mit den Ideen und die (emotional) Handelnde, die auch alle anderen zu überzeugen versucht. Denn so leicht wie der Gedanke klingt ist es nicht. Auch die Frauen sehnen sich nach der Zärtlichkeit ihrer Männer. Oder sie trauen sich nicht (zu), gegen die vorgegebenen Rollen aufzubegehren. Und selbst wenn, können sie das durchhalten?
Und so ließen sich die Macher:innen dieser Stückversion (Dramaturgie: Lehrerin ute Bauer) den Trick einfallen, die beiden verschiedenen Schreibweisen der Transkription des letzten griechischen Buchstabens im Namen a bzw. e zu verschmelzen: Lysistratæ.
Apropos doppelt: Die Inszenierung (Regie führte mit Jakub Kavin der Co-Leiter von Theater Arche) setzt auch auf zwei Sichtweisen – ein Teil des Publikums sitzt an der sonst üblichen Bühnen-Rückwand. Womit die Jugendlichen in beide Richtungen spielen. Außerdem treten die Männer (einige auch von Mädchen gespielt) von der einen, Frauen von der anderen Seite auf – stehen einander sozusagen im Konflikt gegenüber. Die Mitte der Bühne ist der Raum der ausgetragenen Streits ebenso wie der Verhandlungen. Oder in einer Szene für Kinesias und Myrrhine und ihr Spiel zwischen Aufreizen und dann doch nicht – wenn du nicht für den Frieden bist. „Make Love not War!“ weltberühmt geworden durch die „Bed-Ins“ von John Lennon und Yoko Ono und als Protestslogan vor allem gegen den Vietnamkrieg der USA gegen Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, verknüpft mit den „Hippies“.
Auch bekannt wurde der Slogan „Stell dir vor, es ist Kreig und keiner geht hin!“ Er wird oft dem (Theater-)Dichter Bertolt Brecht (1898 – 1956) zugeschrieben, wurde aber – im englischen Original vom Dichter Carl August Sandburg (1878 – 1967) in „The people, yes“ verfasst: „Sometime they’ll give a war and nobody will come.“
Die Darsteller:innen der genannten Rollen werden hier nicht erwähnt, weil erstens keine Beurteilung der anderen Besetzungen abgegeben werden kann. Und aus einem zweiten, sogar noch wichtigeren Grund: Was in der knapp mehr als einen Stunde auffällt – in Wahrheit gibt es kaum Nebenrollen, selbst 1., 2., 3…. (alte) Frau haben ihre großen Auftritte, auch wenn es quantitativ weniger und kürzere sind als die der zentralen Figuren. Doch die Inszenierung gibt praktisch allen Mitwirkenden auf der Bühne Raum und Zeit, die Rolle und sich in Szene zu setzen.
Übrigens haben die Jugendlichen, von denen einige auch live musizieren (Klavier vs. Schlagzeug sozusagen), auch die wenigen aber markanten Bühnenelemente in „Kunst und Gestaltung“ geschaffen: auf Karton gemalte altgriechische Säulen, die auf dem flachen Material bestechende 3D-Effekte vermitteln.
Natürlich läuft nicht alles glatt – gemeint ist nicht die Inszenierung, sondern das Stück selbst, aber letztlich doch. Zumindest auf der Bühne! Aristophanes schrieb übrigens rund 20 Jahre später „Die Weibervolksversammlung oder Frauen in der Volksversammlung“. Zuerst als Männer verkleidet übernehmen Frauen – angeführt von Praxagora die Macht, um die Stadt ohne Korruption, Krieg und Bereicherung zu regieren.
So einfach wär’s also? Natürlich könnte dem Dichter vorgehalten werden, seine Idee wäre naiv. Und hat seit fast 2.500 Jahren nicht funktioniert. Wurde sie aber je angewandt? Und ist sie nicht zu vereinfachend? Gibt es nicht auch Frauen, die als Staatenlenkerinnen Kriege initiierten – erinnert sei an Margret Thatcher, die als britische Premierministerin Krieg um die Malvinas (Falkland-Inseln) mit Argentinien führen ließ? Steckt nicht mehr und weitergehendes – Stichwort Interessen – hinter Kriegen? Aber braucht es nicht wenigstens Utopien und gehörige Portionen Humor, um nicht völlig zu resignieren?
Übrigens: Das griechische Lysis steht für Auflösung und stratós für Heer!
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