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Am 5. Februar 2024 trinken Kinder der Al-Najah-Grundschule in der Stadt Zelingei in Zentral-Darfur, Sudan, in Tontöpfen aufbewahrtes Wasser.

Sudan: Drohende Hungersnot in Lager für Kriegsflüchtlinge

Die Entfernung zwischen Wien und Khartum ist nur knapp länger als die nach Gran Canaria (3.791,59 zu 3.547,82 Kilometer). Zweitere ist eine bei Tourist:innen beliebte Insel, erstere die Hauptstadt des Sudan. Von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet, herrscht seit mehr als einem Jahr in diesem ostafrikanischen Land im Süden Ägyptens Krieg. In dem Lager Zamzam, in dem mittlerweile fast eine halbe Million Menschen Zuflucht gefunden haben (400.000) droht Hungersnot.

Darauf machte das Kinderhilfswerk Unicef Anfang August (2024) aufmerksam. Das Famine Review Committee (FRC) ließ einen Warnruf los, dass im Lager Zamzam eine Hungersnot herrscht. Dies ist übrigens die erste Feststellung einer Hungersnot durch den Ausschuss seit mehr als sieben Jahren und erst das dritte Mal, dass eine Hungersnot festgestellt wurde, seit das Überwachungssystem vor 20 Jahren eingerichtet wurde. Der FRC warnt davor, dass in anderen Teilen des Sudan eine Hungersnot droht, wenn keine konzertierten Maßnahmen ergriffen werden.

Am 2. Februar 2024 sitzt die 25-jährige Djawair Issakh mit ihren drei Monate alten Zwillingssöhnen Hissein und Hassan in einem von UNICEF unterstützten Still- und Ernährungsaufklärungszentrum im Flüchtlingslager Farchana im Osten des Tschad. Seit Ausbruch des Krieges haben mehr als eine halbe Million Sudanesen – über ein Drittel (37 Prozent) derjenigen, die aus dem Sudan geflohen sind – im Tschad Zuflucht gesucht. Darunter sind 380.000 Kinder, von denen viele in äußerst fragilem Zustand oder mit Verletzungen im Tschad ankamen.
Am 2. Februar 2024 sitzt die 25-jährige Djawair Issakh mit ihren drei Monate alten Zwillingssöhnen Hissein und Hassan in einem von UNICEF unterstützten Still- und Ernährungsaufklärungszentrum im Flüchtlingslager Farchana im Osten des Tschad. Seit Ausbruch des Krieges haben mehr als eine halbe Million Sudanesen – über ein Drittel (37 Prozent) derjenigen, die aus dem Sudan geflohen sind – im Tschad Zuflucht gesucht. Darunter sind 380.000 Kinder, von denen viele in äußerst fragilem Zustand oder mit Verletzungen im Tschad ankamen.

Fast ¾ Million Kinder

Unicef und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnen vor der zunehmenden Gefahr für die Menschen im Sudan, insbesondere für die Kinder, wenn die dringende Hilfe für die in Konfliktgebieten wie Darfur, Khartum, Kordofan und Al Jazirah eingeschlossenen Gemeinschaften nicht ankommt. Die Lage ist im ganzen Land nach wie vor kritisch. Schätzungsweise 730.000 Kinder werden in diesem Jahr an schwerer akuter Unterernährung leiden, der lebensbedrohlichsten Form der Mangelernährung.

Am 6. Februar 2024 hören die UNICEF-Mitarbeiter James Elder (schwarzes UNICEF-Shirt, zweiter von links) und Zaid Elamin (blaues UNICEF-Shirt, mit dem Rücken zur Kamera), WASH-Beauftragter des UNICEF-Außenbüros West-Darfur, in Zelingei Town in Zentral-Darfur, Sudan jungen Frauen zu, die über die Auswirkungen des Krieges auf ihre Ausbildung und ihre Träume sprechen.
Am 6. Februar 2024 hören die UNICEF-Mitarbeiter James Elder (schwarzes UNICEF-Shirt, zweiter von links) und Zaid Elamin (blaues UNICEF-Shirt, mit dem Rücken zur Kamera), WASH-Beauftragter des UNICEF-Außenbüros West-Darfur, in Zelingei Town in Zentral-Darfur, Sudan jungen Frauen zu, die über die Auswirkungen des Krieges auf ihre Ausbildung und ihre Träume sprechen.

Kein sicherer Zugang für Hilfslieferungen

Der stark eingeschränkte Zugang für humanitäre Hilfe ist eine der Hauptursachen für die Hungersnot in Zamzam. Zwar konnte Unicef im Juli genügend lebensrettende therapeutische Fertignahrung (Ready-to-Use Therapeutic Food, RUTF) zur Behandlung von rund 4.000 akut unterernährten Kindern nach El Fasher liefern, einschließlich einer Zuteilung für das Lager Zamzam, doch der anhaltende Mangel an sicherem Zugang bedeutet, dass der Bedarf weiterhin enorm ist und die weitere Versorgung mit humanitären Hilfsgütern unvorhersehbar ist.

Am 3. Februar 2024 tragen Kinder Wasserbehälter, nachdem sie diese an einem UNICEF-Bohrloch in der Flüchtlingssiedlung Adré im Tschad gefüllt haben. Fast die Hälfte der im Tschad ankommenden sudanesischen Flüchtlinge überquerte die Grenze über Adré.
Am 3. Februar 2024 tragen Kinder Wasserbehälter, nachdem sie diese an einem UNICEF-Bohrloch in der Flüchtlingssiedlung Adré im Tschad gefüllt haben. Fast die Hälfte der im Tschad ankommenden sudanesischen Flüchtlinge überquerte die Grenze über Adré.

Weltweit…

… waren rund 733 Millionen Menschen im Vorjahr (2023) von Hunger bedroht. Das entspricht einem von elf Menschen weltweit und einem von fünf in Afrika, so der jüngste Bericht über den Stand der Ernährungssicherheit in der Welt (State of Food Security and Nutrition in the World, SOFI), der kürzlich von fünf spezialisierten Organisationen der Vereinten Nationen veröffentlicht wurde.

Um eineinhalb Jahrzehnte zurückgeworfen

Der Jahresbericht, der dieses Jahr im Rahmen des Ministertreffens der Task Force der Globalen Allianz gegen Hunger und Armut der G20 in Brasilien vorgestellt wurde, warnt davor, dass die Welt das Ziel der nachhaltigen Entwicklung (SDG) 2, keinen Hunger zu haben, bis 2030 deutlich verfehlt.  Der Bericht zeigt, dass die Welt um 15 Jahre zurückgeworfen wurde und die Unterernährungsrate mit der von 2008-2009 vergleichbar ist.

Am 5. Februar 2024 überprüft eine Hebamme des Sudanesischen Roten Halbmonds, einem UNICEF-Partner, in Zelingei Town in Zentral-Darfur, Unterlagen. Hinter ihr sitzt eine Mutter auf einem Bett neben Kisten mit Beuteln mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung (RUTF).
Am 5. Februar 2024 überprüft eine Hebamme des Sudanesischen Roten Halbmonds, einem UNICEF-Partner, in Zelingei Town in Zentral-Darfur, Unterlagen. Hinter ihr sitzt eine Mutter auf einem Bett neben Kisten mit Beuteln mit gebrauchsfertiger therapeutischer Nahrung (RUTF).

Trotz einiger Fortschritte in bestimmten Bereichen, wie z. B. bei der Bekämpfung des Wachstumsmangels und dem ausschließlichen Stillen, ist eine alarmierende Zahl von Menschen weiterhin von Ernährungsunsicherheit und Unterernährung betroffen, da die weltweiten Hungerniveaus drei Jahre in Folge auf einem Plateau verharren.

Am 3. Februar 2024 holen Kinder Wasser an einem UNICEF-Bohrloch in der Flüchtlingssiedlung Adré im Tschad. Fast die Hälfte der im Tschad ankommenden sudanesischen Flüchtlinge überquerte die Grenze über Adré.
Am 3. Februar 2024 holen Kinder Wasser an einem UNICEF-Bohrloch in der Flüchtlingssiedlung Adré im Tschad. Fast die Hälfte der im Tschad ankommenden sudanesischen Flüchtlinge überquerte die Grenze über Adré.

Erfolge in Lateinamerika, Rückschritte in Westasien und Afrika

Die regionalen Trends sind sehr unterschiedlich: Der Anteil der Bevölkerung, der von Hunger betroffen ist, steigt in Afrika weiter an (20,4 %), bleibt in Asien stabil (8,1 %) – obwohl dies immer noch eine große Herausforderung darstellt, da mehr als die Hälfte der weltweit Hungernden in dieser Region leben – und zeigt Fortschritte in Lateinamerika (6,2 %). Von 2022 bis 2023 hat der Hunger in Westasien, der Karibik und den meisten afrikanischen Subregionen zugenommen.

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Am 6. Februar 2024 holen Frauen in Zelingei Town, Zentral-Darfur, Sudan, Wasser, das von einem Tankwagen über den UNICEF-Partner Jebel Marra Charity Organization for Rural Development (JMCO) zum provisorischen Lager für Vertriebene an der Al Rabad School geliefert wird.
Am 6. Februar 2024 holen Frauen in Zelingei Town, Zentral-Darfur, Sudan, Wasser, das von einem Tankwagen über den UNICEF-Partner Jebel Marra Charity Organization for Rural Development (JMCO) zum provisorischen Lager für Vertriebene an der Al Rabad School geliefert wird.
Die 8 Monate alte Latu Doyo wird im Dubuluk Gesundheitszentrum in Äthiopien wegen schwerer akuter Unterernährung behandelt und erholt sich gut.

Unicef-Notruf: Hilfe für 110 Millionen Kinder dringendst nötig

110 Millionen Kinder auf der Welt sind extrem in ihrer Existenz bedroht. Für sie und 63 Millionen Erwachsene bat, nein forderte, am Montag das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen dringende Nothilfe. Dafür bräuchte es fast zehn Milliarden Euro, so die Unicef, um

die von humanitären Krisen, den anhaltenden Auswirkungen der weltweiten COVID-19-Pandemie und der wachsenden Bedrohung durch klimabedingte Extremwetterereignisse Betroffenen in 155 Ländern und Gebieten zu retten.

Viele Familien haben nach den Kämpfen im Osten der DR Kongo am Standort Kanyaruchinya für Vertriebene in der Provinz Nord-Kivu Zuflucht gesucht.
Viele Familien haben nach den Kämpfen im Osten der DR Kongo am Standort Kanyaruchinya für Vertriebene in der Provinz Nord-Kivu Zuflucht gesucht.

„Heute sind mehr Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen als je zuvor in der jüngsten Geschichte“, setzte am Montag die Exekutivdirektorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, Catherine Russell, einen dringenden Notruf an die Welt ab. „Überall auf der Welt sind sie mit einer tödlichen Mischung aus Krisen konfrontiert, von Konflikten und Vertreibung bis hin zu Krankheitsausbrüchen und rasant steigender Mangelernährung. Gleichzeitig verstärkt Klimawandel diese Krisen und löst weitere aus. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir über die richtigen Hilfsmittel verfügen, um die Kinder mit gezielten und rechtzeitigen humanitären Maßnahmen zu erreichen“, so die Unicef-Vertreterin laut einer Medien-Aussendung.

Fast so viele wie in der ganzen EU leben

Übrigens: In der gesamten EU leben rund 140 Millionen Kinder und Jugendliche. Also fast genau so viele in anderen Gegenden der Welt, vor allem dem globalen Süden, sind extremst (lebens-)bedroht. Allein fast 37 Millionen Kinder wurden aufgrund einer Vielzahl von Krisen aus ihren Heimatregionen vertrieben – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Am 24. August 2022 stehen von links nach rechts Yalda, Ibrahim und Mustafa, Bewohner des Bezirks Khoshi, Provinz Logar, Afghanistan, in dem Lager, in dem sie leben, seit ihre Häuser bei den jüngsten Sturzfluten zerstört wurden.UNICEF verteilt Hygiene-Kits an Familien, die im Bezirk Khoshi vertrieben wurden, die wichtige Dinge wie Seife zum Baden und Waschen, Handtücher, Shampoo und Damenbinden enthalten.
Am 24. August 2022 stehen von links nach rechts Yalda, Ibrahim und Mustafa, Bewohner des Bezirks Khoshi, Provinz Logar, Afghanistan, in dem Lager, in dem sie leben, seit ihre Häuser bei den jüngsten Sturzfluten zerstört wurden.UNICEF verteilt Hygiene-Kits an Familien, die im Bezirk Khoshi vertrieben wurden, die wichtige Dinge wie Seife zum Baden und Waschen, Handtücher, Shampoo und Damenbinden enthalten.

Maßnahmenplan

Im Rahmen des „Humanitarian Action for Children“ („Humanitären Maßnahmenplan für Kinder“), der den Finanzmittelaufruf von Unicef für das Jahr 2023 enthält, plant das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Kinder wie folgt mit Hilfe zu erreichen

Am 24. August 2022 bringt ein Vater sein Kind zu einer von UNICEF unterstützten mobilen Gesundheitsklinik, um sich im Bezirk Khoshi, Provinz Logar, Afghanistan, behandeln zu lassen, wo sein Haus durch die jüngsten Überschwemmungen zerstört wurde.
Am 24. August 2022 bringt ein Vater sein Kind zu einer von UNICEF unterstützten mobilen Gesundheitsklinik, um sich im Bezirk Khoshi, Provinz Logar, Afghanistan, behandeln zu lassen, wo sein Haus durch die jüngsten Überschwemmungen zerstört wurde.

Vorrangige Zielländer

Die fünf wichtigsten Spendenaufrufe nach Finanzierungsbedarf für 2023 sind:
* Afghanistan: 1,65 Milliarden US-Dollar
* Ukraine und Hilfe für Menschen auf der Flucht aus der Ukraine: 1,058 Milliarden US-Dollar
* Syrische Flüchtlingskrise: 867 Millionen US-Dollar
* Demokratische Republik Kongo: 862 Millionen US-Dollar
* Äthiopien: 674 Millionen US-Dollar

„Die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels sind eine allgegenwärtige Bedrohung für Kinder“, sagt Russell. „Deshalb setzen wir im Rahmen unserer humanitären Hilfe einen Schwerpunkt auf Klimaanpassung und Stärkung der Widerstandsfähigkeit. So können wir die Kinder erreichen, die die heutigen Krisen durchleben und ihnen und ihren Gemeinschaften helfen, sich auf die kommenden vorzubereiten.“

„Vergessene“ Kinder

Unicef weist auch darauf hin, dass auf die Menschen in so manchen Regionen der Welt von der internationalen Gemeinschaft oft „vergessen“ wird, so sind die fünf am schlechtesten finanzierten Hilfsaufrufe von Unicef für das laufende jahr folgende:
* Libyen 91% unterfinanziert – sozusagen Hilfe für eines von zehn notleidenden Kindern!
* Kamerun 89% unterfinanziert
* Libanon 89% unterfinanziert
* Europäische Mehrländer-Hilfe für Menschen auf der Flucht: 88% unterfinanziert
* Guinea 85% unterfinanziert