Image-Kampagne um den Fachkräftemangel im Bereich Elementarbildung (Kindergarten) zu verringern; vielfältige (Aus-)Bildungswege; eigene Homepage dazu.
Neu- und wissbegierige, aufgeweckte, fröhliche (sehr) junge Kinder blicken direkt in die Kamera, zeigen auf dich und dich und dich. Oder zumindest, jene, die sich von den Sprüchen „du bist elementar für… mein Selbstvertrauen / meine Neugier / meine Autonomie / meine Entwicklung“ jeweils mit einem Rufzeichen, gemeint fühlen (könnten).
Mit diesen wortspielerischen inhaltlich zentralen Aussagen startet das Bildungsministerium seine – heuer einzige große – Werbekampagne. Diese soll, zunächst vor allem online und via social Media vorläufig bis April Tausende Maturant:innen oder / und Berufs-Umsteiger:innen ansprechen, sich für die Ausbildung zur Elementarpädagogin oder zum Elementarpädagogen zu interessieren. Um dann idealerweise einen der unterschiedlichen Ausbildungswege zu beschreiten und den anspruchsvollen, wertvollen Beruf zu ergreifen.
Die am Freitag von Bildungsminister Christoph Wiederkehr vorgestellte Werbeoffensive will und soll aber gleichzeitig generell das Image dieser Berufsgruppe und ihrer für die Entwicklung von Kindern im kognitiven und sozialen Bereich wichtigen Grundlagenbildung fördern. Noch immer wird Elementarbildung ja vielfach eher als Kinderbetreuung gesehen und auch so behandelt – bis hin zu veralteten Begriffen (Stichwort „Tanten“).
Erste Stufe, Phase, Grundbaustein der Bildung (junger und jüngster) Menschen – das ist der Kindergarten, der nicht zufällig im Englischen übrigens genau so heißt, manchmal fälschlicherweise auch mit einem d statt t als kindergarden geschrieben. Grund: Er ist eine Erfindung des deutschen Pädagogen Friedrich Wilhelm August Fröbel (1782 – 1852), von Mitchel Resnick, Miterfinder des spielerischen Programmierlernspiels Scratch, vom berühmten MIT (Massachusetts Institute of Technology) immer wieder als die wichtigste Erfindung der vergangenen 500 Jahre genannt: Professionelle, außerhäusliche, ergänzende Früherziehung.
„Bundesweit sind mehr als 388.000 Kinder in institutionellen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen. Insgesamt arbeiten mehr als 71.000 Personen in institutionellen Kinderbildungs- und -betreuungseinrichtungen“, sind aktuelle Zahlen auf der mit Beginn der Kampagne eingerichteten Homepage (Link am Ende des Beitrages).
„Jährlich werden rund 1.800 Stellen aufgrund von Pensionierungen, Umzügen, Karenz oder anderen Gründen frei. Wird eine Verbesserung der Strukturqualität in Form des Fachkraft-Kind-Schlüssels angestrebt, so werden laut einer Studie bis zum Jahr 2030 voraussichtlich rund 20.200 Elementarpädagoginnen/ Elementarpädagogen gebraucht“, heißt es dort weiter.
Wiederkehr wies auf die Ausbildungsoffensive hin, für die – trotz Sparkurses – 32 Millionen für 4000 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Neben der vielleicht am bekanntesten Ausbildung in BAfEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) sowohl als BHS (berufsbildende höhere Schule) als auch als Kolleg gibt es die Fachschulen für Assistenzberufe, Studien an PH (pädagogischen Hochschulen) sowie FH (Fachhochschulen) und Universitäten, aber auch einen Hochschullehrgang zum Quereinstieg. Neu ab Herbst 2026 wird es flächendeckendberufsbegleitende BAfEP-Kollegs (Zielgruppe20- bis 45-Jährige) geben, neue Bachelor-Studien Elementarpädagogik an einigen PH. Alle Möglichkeiten sind übersichtlich auf der neuen, bunten Homepage – mit den vier Sujets der aufgeweckten Kinder mit der Pose „Wanted“ aufgelistet.
Die – auf KiJuKU-Nachfrage 360.000 €-Kampagne soll helfen, den eklatanten Fachkräftemangel zu verringern. Allerdings hapert es – so Expert:innen aus dem Berufsfeld – an den Arbeitsbedingungen, „um fertig ausgebildete Elementarpädagog:innen auch im Berufsfeld zu behalten.“ Wobei die Bezahlung, die in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich erhöht wurde, aber noch immer nicht auf dem Niveau von Volksschullehrer:innen liegt, wie gefordert, „nicht das Hauptproblem ist. In erster Linie ist es das Fehlen von interdisziplinären Teams, vor allem Psycholog:innen, die bei Inklusion wichtig wären, und es ist noch immer die zu große Anzahl von Kindern pro Gruppe“, so heißt es vom NeBÖ (Netzwerk elementarer Bildung in Österreich).
Bei den Kleinstkindern in Krippen liegt die Spannbreite der Gruppen zwischen 8 und 15 je nach Bundesländern und in den Kindergartengruppen zwischen 20 und 25. Die Forderung der Berufsgruppe lautet seit Längerem pro Jahr um je ein Kind weniger pro Gruppe, für Kindergartengruppen sei – auch wissenschaftlich untermauert – ein Verhältnis von sieben Kindern pro Pädagog:in sinnvoll und wünschenswert.
Auf diese Forderungen angesprochen unterstützte der Bildungsminister sie grundsäzlich, vieles sei eine Frage der Verhandlungen zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Trägerorganisationen. Generell hoffe er, dass im Zuge der Debatten um die Reformpartnerschaft Bund / Länder jedenfalls der aktuellen „Fleckerlteppich“ ein Ende finde und es „endlich gesamtösterreichische Qualitätsstandards“ geben werde.
Die oben schon mehrfach erwähnte Image-Kampagne, um Tausende neue Bewerber:innen für Ausbildungen in diesem Berufszweig zu finden, startet somit rund zwei Wochen vor dem Tag der Elementarbildung, der heuer zum neunten Mal am 24. Jänner stattfindet. Dieser geht auf die Initiative Raphaela Kellers zurück, die mit der Gründung des „Österreichischen Berufsverbandes der Kindergarten- und Hortpädagog_innen“ (ÖDKH) am 24. Jänner 2018 diesen Aktionstag ins Leben gerufen hat. Mit dem vierten TdEB (2021) ist der ÖDKH im Netzwerk elementare Bildung Österreich NEBÖ aufgegangen. Verschiedene Veranstaltungen in etlichen Bundesländern werden laufend auf der Homepage von NeBOe veröffentlicht – link ebenfalls am Ende des Beitrages. In Wien wird es einige Tage davor (21. Jänner) neben einem Impulsvortrag samt Diskussion zu „Harmonie in Diversität – Praxisimpulse für eine kultursensible Bildungskooperation“ die Präsentation von Umfrageergebnisse zum Tag der Elementarbildung geben.
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