„Staatsfragmente“ von Kiki Miru Miroslava Svolikova im Theater Drachengasse (Wien) legt Machtmechanismen – jenseits der Zeiten – bloß.
Ein Text vier Mal gleich hintereinander gespielt – und doch weder gleich und damit auch nicht fad. „Staatsfragmente“, geschrieben von Kiki Miru Miroslava Svolikova, „zerlegt“ Herr-schaftsformen derzeit im Theater Drachengasse. Regisseurin Valerie Voigt siedelt das „Königsmärchen“ (so der Untertitel) einmal in der ersten Runde in der Steinzeit an. Die Menschen bewegen sich da eher äffisch mit überlangen Armen auf allen Vieren voran. Das Auftauchen eines – längst ausgestorbenen – Dinosauriers irritiert doch, oder ist es ein Element von Humor?
Die Wiederholungen spielen sich dann zunächst im 13. Jahrhundert rund um eine Papstwahl ab, hernach im monarchistischen Absolutismus und schließlich zwischen Gegenwart und Zukunft ab.
Die vier Schauspieler:innen – Johanna Sophia Baader, Lukas Haas, Nataya Sam, Sebastian Thiers – wechseln dabei jeweils in einer der Perioden in die Rolle des „Königs“ bzw. Papstes, das heißt eigentlich der Päpstin. Die anderen drei sind Berater:innen, die immer wieder darüber stöhnen, dass die herr-schende Person stets zu nächtlichen Treffen „einlädt“, um die Frage zu klären, soll sich Monarch:in, Päpst:in… dem Volk zeigen und wenn ja, in welchem Gewand (üppige Kostüme: Kostüm: Katia Bottegal, im Gegensatz zur schwarz-weißen Bühne von Thomas Garvie).
Mit dem Volk zeigen sich alle eher bis sehr unzufrieden, raten dazu, ein neues zu wählen. Und bleiben damit immer auf der Seite der Machthaber:innen. Was das Volk will, und ob sich dieses nicht lieber einen anderen oder gar keinen „König“ wünscht oder angesichts diktatorischer Regimes lieber selber das Land verlässt – das interessiert nicht einmal auch nur eine der Beratungspersonen, geschweige denn die jeweils herrschende Figur. Die immer wieder mit Wortspielen ausgehend vom untertänigen „Durchlaucht“ humorvoll bis hin zu „Knob-lauch“ in Frage gestellt wird.
Auch wenn in jeder der vier Wiederholungs-Episoden ein anderes Thema – in schwimmender Schrift projiziert: Sprache und Gewalt / Glaube / Inszenierung / Technik – in den Fokus rückt und damit nicht nur die Rollen getauscht werden, so demaskiert das 1½-stündige Stück die (fast) immer gleichen Mechanismen Mächtiger. Mit einem dezenten Anflug von Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“, wenn die vier am Ende ihrer Kleider entledigt werden und – nicht nackt, aber in Unterwäsche – dastehen bzw. -sitzen.
von Kiki Miru Miroslava Svolikova
Theater Drachengasse (Wien); 1½ Stunden
Regie: Valerie Voigt
Es spielen: Johanna Sophia Baader, Lukas Haas, Nataya Sam, Sebastian Thiers
Kostüm: Katia Bottegal
Bühne: Thomas Garvie
Musikalische Arrangements: Johanna Sophia Baader
Choreografie: Christina Osternig
Regieassistenz: Eva Weinlich
Rechte bei Suhrkamp Theater Verlag, Berlin
Bis 31. Jänner 2026
Theater Drachengasse: 1010 Wien, Fleischmarkt 22 / Eingang Drachengasse 2
Tickets: tickets.drachengasse.at –> Staatsfragmente
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