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Gernot Kranner mit den Plakaten zu Dario Fos "Bezahlt wird nicht"
Gernot Kranner mit den Plakaten zu Dario Fos "Bezahlt wird nicht"
20.02.2026

Andere schließen, mutiger Theatermacher sperrt in Wien (wieder) auf

Aus der Freien Bühne Wieden wird nun die Freie Bühne Wien – Gernot Kranner setzt in Eigenregie, mit wenigen Spenden, ein Zeichen und will ein Talenteschmiede-Haus.

Mutig, hoffnungsfroh und mit mehr als nur einer Portion Optimismus sperrt ein kleines Wiener Theater (wieder) auf. Aus der vor 50 Jahren von Topsy Küpers gegründeten und mit Jahresende 2025 geschlossenen Freien Bühne Wieden wird nun die Freie Bühne Wien. Ganz ohne Subvention, nur angewiesen auf Spenden, künftig Eintrittsgelder und eigenes, privates Geld, aber mit einigen engagierten vor allem jungen Künstler:innen, traut sich Gernot Kranner (Musicaldarsteller, Schauspieler, Sänger und Regisseur), zu „diese wichtige Seelennahrung, denn eine solche sind Kunst und Kultur in jeder Form, Art und Weise“ dieses Unterfangen zu starten.

Live-Hörproben

Wobei, künstlerisches Programm bzw. Kost-, pardon Hörproben, gab es schon im Rahmen der Pressekonferenz: Sänger Michael Havlicek, begleitet von Pianist Pavel Singer, sangen und spielten klassisch die Begegnung von Mozart und Salieri; Stella Kranner (Nichte des neuen Theater-Intendanten) mit dem All-Time-Hit „I’m so Excited“ („Ich bin so aufgeregt“ von den Pointer Sisters, 1982).

Am Gründungs-Jahrestag (27. Februar) startet das Programm mit „Heute Abend Lola Blau“ (Musik und Libretto von Georg Kreisler), einem Stück, mit dem auch Topsy Küppers vor einem halben Jahrhundert eröffnet hatte. Giulia Jahn, am Klavier begleitet von Marcel Jahn gastieren aus Liechtenstein mit diesem Soloprogramm für eine Sängerin / Schauspielerin. Die Kostüme für Giulia Jahn hat Adrian Hall Kranz gestaltet, die als Visual-Artist seit fünf Jahren in Wien lebt.

Talenteschmiede

Programmatischer Schwerpunkt des nun wieder eröffneten Theaters unter leicht geändertem Namen: Förderung junger und jüngster Künstlerinnen und von (jungen) Menschen, die sich künstlerisch betätigen wollen, so Kranner bei einem Mediengespräch Donnerstagmittag, eine Woche vor der Eröffnung. Weil er selbst das Glück hatte, sehr jung schon auf seinem künstlerischen Weg gefördert zu werden, möchte auch er heute jungen Leuten Chancen zu geben und eine Bühne zu bieten. „Talenteschmiede“ fiel mehrmals als Begriff.

Darüber hinaus werde es Workshops und Begegnungen von angehenden Künstler:innen unterschiedlichster Sparten – Schauspiel, Musik, Gesang, Tanz, Pantomime… – geben mit möglichen gemeinsamen Auftritten. Aber auch „nur“ Treffen von Alt und Jung bis Jüngst in der Caféteria des Theaters, um miteinander ins Gespräch zu kommen, genannt „Club 4“ – die Freie Bühne Wien, vormals Wieden liegt im 4. Bezirk der Bundeshauptstadt).

Ausstrahlen

Die Teilnehmer:innen eines mehrtägigen Masken-Workshops im August mit der Theaterpädagogin Claudia Bühlmann, werden auch das Haus selbst verlassen und in die Umgebung – die Wiedner Hauptstraße bis zum Südtiroler Platz – ausstrahlen; mit der zuvor entwickelten Performance sozusagen Menschen auf der Straße mit Kunst und Kultur „anstecken“.

Workshops

Theaterworkshops für Kinder (8 bis 12 Jahre) werden die schon genannte Stella Kranner und Setareh Eskandari, ebenfalls Sängerin, Schauspielerin, Musicaldarstellerin – und Schwester dreier schauspielender, tanzender, singender Mädchen bzw. junger Frauen – siehe KiJuKU-Berichte über Produktionen von teatro) leiten – Start am 7. März mit „Komm in die Schule der magischen Musical-Tiere“).

Einbinden will der neue Direktor aber auch nicht nur darstellende Künste, so holte er mit Ludwig Max Laengauer einen gelernten Schuhmacher auf die Bühne, der Maßschuhe ebenso vorstellte wie eine ungewöhnliche Hose – aus der Auseinandersetzung mit Uniformen -, angefertigt Milena Todorova, einer Modekünstlerin, die derzeit in Paris lebt. An den Wänden einiger Räume des Theaters hängen farbenkräftige Bilder von Hannes Simoner aus der Obersteiermark. Diesem Maler mit besonderen Bedürfnissen kauft Gernot Kranner immer wieder Bilder ab und animiert durch das Sichtbarmachen dessen Werke auch andere, es ihm gleich zu tun. Simoner verwendet das Geld, um wieder neue Farben zu kaufen und bunte Zeichen zu setzen.

„Bezahlt wird nicht!“

Sophie Berghäuser, eine junge Regisseurin und Sebastian Kranner (Sohn von Gernot), den es ab 13 Jahren zur Regie hinzog, werden einerseits einschlägige Nachwuchs-Werkstätten leiten, andererseits bei Eigenproduktionen des neuen/alten Theaters inszenieren. Programmatisch für die knappen bis kaum vorhandenen Gelder für freie Kulturinitiativen, aber auch das seit einigen Jahren für viele Menschen kaum leistbare Leben wird als erstes Dario Fos sozialkritische Komödie „Bezahlt wird nicht“ in Angriff genommen.

Sophie Berghäuser kündigte an, die bekannte satirische Komödie in neuer Form zu inszenieren und freute sich über dieses Theater, das jungen Leuten Raum gibt, sich selbst erproben zu dürfen, abseits hierarchischer Strukturen.

Übrigens, der Stücktitel wird nicht zum Motto im Umgang mit den Künstler:innen. Trotz – noch – leerer Kassen, „werden die Künstlerinnen und Künstler selbstverständlich bezahlt“, wie der Intendant betont.

Gastspiele

Davor gastiert das Lessingtheater – hervorgegangen aus der AHS in der Lessinggasse (Leopoldstadt), wo Theater auf dem Stundenplan steht, aber eigenständig geworden – mit Dürrenmatts „Die Physiker“ in der Freien Bühne Wien (Regie: Simon Malleczek; 7. und 14. März 2026).

Der „Prinzipal“ himself wird die Bühne für Auftritte seiner Mitsing-Musicals nutzen, zunächst im März „Die Bremer Stadtmusikanten“ und „Pinocchio“ sowie „Der Zauberer von Oz“. Um aber auch älteres Publikum in das 10 Sitzplätze fassende Theater zu bringen, wird es beispielsweise ein „Heinz Conrads Galakonzert“ mit Gerhard Ernst, Christl Prager und Charlotte Ludwig geben, am Akkordeon: Christian Höller, moderiert von Günter Tolar.

Künstlerische Brücken

Geplant sind auch „brückenbauende“ Workshops, unter anderem für Orchester mit dem Dirigenten Oleksandr Drahan, der – wie viele andere auch Künstler:innen – vor dem Krieg in der Ukraine Zuflucht in Wien gefunden hat. Griechische Live-Musik von Mikis Theodorakis liefern Ni & KO – Nikos Kritikos und Kostas Liaskos, moderiert von Charlotte Ludwig (15. März 2026).

Apropos Brücken bauen, Gernot Kranner wird aber jetzt nicht alle seine Aktivitäten in den vierten Wiener Bezirk verlegen, beibehalten will er das von ihm – heuer zum fünften Mal – organisierte auch vom Bezirk unterstützte „Please Peace Festival“ auf dem Sobieskiplatz im Alsergrund (9. Bezirk) rund um die Jahrestage der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki (6., bzw. 9. August 1945).

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Das Theaterhaus von außen
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Freie Bühne Wien

1040, Wiedner Hauptstraße 60 B, 1. Stock
Telefon: 0664  372 32 72
freiebuehnewieden.at

Noch fehlt der Spielplan, Start 27. und 28. Februar 2026 – siehe Text oben.