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Persisch-iranische Löwenflaggen sowie Fahnen der USA, von Israel und von Österreich
Persisch-iranische Löwenflaggen sowie Fahnen der USA, von Israel und von Österreich
02.03.2026

Demonstrant:innen strahlten mit der Sonne um die Wette

Freudenfest und Dankeszug zur US-Botschaft – mit großer Hoffnung auf Regimewechsel im Iran.

Freudestrahlend lachten die allermeisten Gesichter der Demonstrant:innen, ob sehr jung oder ganz alt, mit den Sonnenstrahlen sozusagen um die Wette. Tausende feierte ausgelassen Sonntag ab dem frühen Nachmittag erst auf dem Wiener Heldenplatz, dass bei einem der ersten Bombenangriffe Israels in Irans Hauptstadt Teheran Ali Khamenei, oberster politischer Führer des Iran, der seine Herrschaft religiös verkleidete, gezielt getötet worden war.

Aus dem Freudenfest formierte sich schließlich eine Demonstration, die dann ebenso fröhlich vorbei an Präsidentschaftskanzlei, Bundeskanzleramt und Burgtheater zur Ringstraße zog, vorbei am Hauptgebäude der Uni Wien in Richtung Währinger Straße und weiter zur Boltzmangasse in Wien-Alsergrund (9. Bezirk) vor die Botschaft der USA.

Üblicherweise ist diese das Ziel für Demonstrationen, die Handlungen der US-Regierung (stark) kritisieren, an diesem Sonntag erlebten die Vertretung der Vereinigten Staaten von Amerika in Wien vielleicht erstmals eine Kundgebung mit Danksagungen. Im Demozug waren immer wieder neben der – alten persisch-iranischen Löwenfahne – auch Sternenbanner (USA) sowie Flaggen Israels, mitunter auch die von Österreich, zu sehen.

Viele Pahlavi-Fotos, manche auch mit Schah bzw. King betitelt
Viele Pahlavi-Fotos, manche auch mit Schah bzw. King betitelt, einige auch mit Donald-Trump-Dankesfotos

Kings Donald und Reza

So manche Demonstrant:innen, zumeist Menschen, die selbst oder deren (Groß-)Eltern aus dem Iran geflüchtet sind, trugen auch Fotos von Donald Trump mit Danksagungen für die koordinierte Bombardierung durch Israel mit. Viel mehr Fotos – handlich A3 bis riesig – zeigten Cyrus Reza Pahlavi, den ältesten Sohn des 1979 von der islamischen Revolution gestürzten Schah Mohammad Reza Pahlavi. Die Revolution beendete damals zwar die Herrschaft der undemokratischen Monarchie, wurde aber selber rasch zur noch ärgeren diktatorischen Schreckensherrschaft. Mit Zehntausenden Todesopfern erst kürzlich bei den großen Protesten im Jänner 2026. Das bewirkt offenbar eine Art Verklärung der seinerzeitigen Monarchie.

Viele oppositionelle Gruppen hoffen, dass – sollte es überhaupt zu einem Ende des Regimes kommen – Pahlavi wie er mitunter betont, einen Übergang zur Demokratie moderieren würde. Bei der Demo in Wien ertönten allerdings immer wieder lautstarke Rufe nach König (Shah) Reza Pahlavi.

Gar kein Ayatollah

„In vielen Medien und auch von vielen oppositionellen Iraner:innen wurde Ali Khamenei immer wieder als „Ayatollah“ bezeichnet. Dabei war der 1939 im ostiranischen Maschhad Geborene nie mehr als ein Hujjat al-Islam, also ein Geistlicher mittleren Ranges“, schreibt der bekannte österreichische Politikwissenschafter Thomas Schmidinger in der Wochenzeitung „Die Furche“ – und zuvor ähnlich schon in einem Posting auf Social Media. „Als Ayatollah wurde er von Unterstützer:innen des iranischen Regimes erst bezeichnet, als er die Nachfolge Ayatollah Khomeinis als „Oberster Führer“ (Rehbar) antrat – also ein politisches Amt, das in Khomeinis Konzept der „Herrschaft der Rechtsgelehrten“ (welāyat-e faqīh) für die Oberhoheit der Religion über dem gewählten Staatspräsidenten stand, gewissermaßen als Statthalterschaft für den verschwundenen zwölften Imam. Für die traditionellen schiitischen Gelehrten galt bis zu Khomeini, dass erst die Wiederkehr des verborgenen Imam Mahdi zur Errichtung einer religiös legitimierten Herrschaft führen dürfe. Bis dahin hätten die schiitischen Gelehrten auf Distanz zur jeweiligen weltlichen Herrschaft zu achten und ihre religiösen Stiftungen dem Einfluss des Staates zu entziehen.“

Kaum Hoffnung auf Regimewechsel

Schmidinger postete übrigens am Montag: „In den letzten 24h hat der iranische Präsident Masoud Pezeshkian, der eigentlich immer dem reformistischeren Lager innerhalb des Regimes angehört hatte, in Worten und Werken klar gemacht, dass es mit ihm keine Venezuela-Lösung geben wird. Sollte das das Ziel Donald Trumps gewesen sein, ist dieses vorerst gescheitert. Das iranische Regime hat einige wichtige Leute zu ersetzen, es ist aber weder politisch oder militärisch bereits am Ende, noch bereit mit den USA zu kooperieren. Vielmehr deutet sich vorerst eine Verhärtung und weitere Eskalation an. Das geschwächte Regime scheint zumindest vorerst zusammenzuhalten und sich zu verbunkern.“

„Bigott“

„Wer zu den 32 000 Toten und dem Blutbad, dass die islamische Republik am 8. und 9. Januar im Iran angerichtet hat geschwiegen hat, aber jetzt die Menschen, die ihre toten Kinder zu Grabe geführt haben, belehren will, ist bigott“, postete die deutsche Autorin, Jorunalistin, Filmemacherin, Politologin Düzen Tekkal am Montag auf Instagram.

„Niemand will Krieg. Die islamische Republik führt seit 47 Jahren Krieg gegen Ihre eigene Zivilbevölkerung. Die Betroffenen wünschen sich Demut, statt Belehrungen angesichts der grausamen Situation, in der sie sich gegenwärtig befinden. Sie befinden sich zwischen Todesangst und Hoffnung und haben große Angst am Ende wieder verraten zu werden.“

kijuku_heinz

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