Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Szenenfoto aus "Heidi"
Szenenfoto aus "Heidi"
07.03.2026

Heidi, Klara, Geißenpeter & Co. mit Live-Musik samt wildem Sitz-Tanz

Der weltberühmte Schweizer Klassiker, gespielt von einem inklusiven Ensemble beim Festival Jungspund in St. Gallen, Teil 2 der Berichte aus der Schweiz.

Selten ist Klara authentischer besetzt als in dieser „Heidi“-Inszenierung von Theater Frei-Raum in Kooperation mit Heitere Fahne aus Bern (Schweiz). Louis Amport bewegt sich auch außerhalb der Bühne im Rollstuhl fort. Theater spielt er erst seit rund einem Jahr, „aber ich hatte schon Bühnenerfahrung, hab getanzt und Referate gehalten“, vertraut er KiJuKU.at an nach der mehr als umjubelten ersten der Vorstellungen bei „Jungspund“, dem Theaterfestival für junges Publikum im Schweizer St. Gallen.

Sieben Akteur:innen spielen die bis Japan und Australien bekannte Geschichte nach den beiden Büchern Johanna Spyri (1827 – 1901) über das Waisenmädchen, das von der Tante zum anfangs griesgrämigen Opa hoch oben auf der Schweizer Alm gebracht wird. Ihn ebenso aufheitert wie später das Mädchen Klara aus der deutschen Stadt Frankfurt, die „behütet“ mehr oder minder eingesperrt lebt und für die Heidi eine Spielgefährtin werden soll und wird. Aber selber unter Heimweh nach Luft, Licht, Alm und den Ziegen leidet…

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Heidi“

Ein bis 12 Jahre dabei

Das vor fast 20 Jahren gegründete Kollektiv Frei_Raum (2009) versteht sich von Anfang an als inklusive Kultur- und Theatergruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen. Manche spielen schon seit einem Dutzend Jahren in vielen Produktionen, etwa Katrin Jenni, die hier in die Rolle von Fräulein Rottenmeier schlüpft – überstreng, keine Freude am Leben aufkommen lassend und aus Heidi – „so heißt niemand“ – eine Adelheid macht.

So wie sie treten übrigens zu Beginn (Regie: Meike Schmitz) alle Spieler:innen als Ziegen (Ausstattung: Renate Wünsch) in Erscheinungen mit unterschiedlichem Naturell und verschiedensten Gemeckern. Aus der Geißen-Sicht beginnen sie sich über die Menschen zu wundern, bevor sie deren Rollen übernehmen. Dominik Blumer verzieht sich vor allem in eine Art Cockpit mit analogen und elektronischen Instrumenten, wo er für Live-Musik mit Gitarre, Akkordzither, Keyboard und Laptop sorgt; aber auch Klaras Vater Sesemann bzw. Geißenpeters Großmutter spielt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Heidi“

Rollenwechsel

Den frechen, aufmüpfigen Geißenpeter, der Heidi die wunderbare Berg- und Ziegenwelt eröffnet, der aber eifersüchtig ungut reagiert als Klara aus der Stadt die zurückgekehrte Heidi auf der Alm besucht, gibt Vera Roher. Und in ähnlicher Art spielt sie den Drehorgel-Straßenjungen in Frankfurt.

Mehrere Rollen – alle natürlich neben schon erwähnten Ziegen – übernehmen auch Christoph Schmocker als Alp-Öhi und den Sesemann-Diener Sebastian sowie Marie Omlin als Heidis Tante Dete, Haushälterin bei Sesemanns, zusätzlich die des herbeigeholten Arztes, weil Heidi krank und kränker wird und es obendrein im Hause Sesemann zu spucken scheint.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Heidi“

Puppe

Und die Hauptfigur selbst? Die spielt in einer ganz eigenen Liga – als große Hand geführte Puppe (Leonard Wanner), der vor allem Anniek Vetter immer wieder stauendes Leben einhaucht. In so manchen Szenen unterstützen jeweils weitere Schauspieler:innen die Bewegungen der Puppe, etwa wenn sie scheinbar viele Stufen steigt, auf den Heuboden klettert oder einen Kirchturm in der Stadt erklimmt.

In einer Art Disco-Szene mit dem Drehorgel-Jungen hüpft Puppe Heidi kurz ins Publikum, um dieses zum Mittanzen im Sitzen einzuladen. Wozu sich die Zuschauer:innen großteils mitreißen ließen, um zu merken, dass dies sehr gut funktioniert, womit sich der Kreis zu Klara (siehe erster Absatz des Beitrages) wiederum schließt.

Flügel…

Außerdem sorgen die wenigen Videos und das stimmungsvolle Lichtdesign von Cyril Lüthi für so manch große Augen im Publikum sowie für einen magischen Moment gegen Ende mit flatternden Schmetterlingen – an Angeln, in Flügelkostümen und digital im Video: „The perfect inclusive happy place“ nennt Louis Amport als Klara diese Augenblicke; die vielleicht sogar das bessere Ende wären als der Epilog, in dem alle der Reihe nach erzählen, welche Wege ihre Figuren weiter nehmen.

kijuku_heinz

Compliance-Hinweis: Die Berichterstattung kann nur erfolgen, weil das Festival „Jungspund“ Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … für vier Tage nach St. Gallen (Schweiz) eingeladen hat.

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Heidi

Nach den beiden Büchern von Johanna Spyri
Theater Frei_Raum & Heitere Fahne aus Bern
Ab 9 Jahren; 1½ Stunden

Schauspiel
Klara: Louis Amport
Klaras Vater / Peters Großmutter/ Live-Musiker: Dominik Blumer
Fräulein Rottenmeier: Katrin Jenni
Heidis Tante Dete / Arzt / Haushälterin bei Sesemanns: Marie Omlin
Heidis Opa Alp-Öhi / Sebastian, Haushälter bei Sesemanns: Christoph Schmocker
Geißenpeter / Drehorgeljunge: Vera Rohrer
Heidi-Puppenspielerin: Anniek Vetter

Regie: Meike Schmitz
Ausstattung: Renate Wünsch
Puppenbau: Leonard Wanner
Musik: Dominik Blumer
Dramaturgie: Rahel Bucher
Video und Lichtdesign: Cyril Lüthi
Künstlerische Co-Leitung: Rahel Bucher, Meike Schmitz
Produktion: Theater Frei_Raum & Heitere Fahne

Wann & wo?

Samstag, 7. März 2026
16 Uhr
Lokremise: 9000, St. Gallen (Schweiz), Grünbergstraße 7

kollektivfreiraum.ch

Trailer

Jungspund

Theaterfestival für junges Publikum St. Gallen (Schweiz)
Bis 7. März 2026
jungspund.ch/