Fröhlich-buntes Bilderbuch über Bräuche zum persischen Neujahrsfest, das mit Jahreszeitwechsel beginnt – und von gut 300 Millionen Menschen gefeiert wurde – unter Kurd:innen auch als politisches Widerstandsfest.
Auch wenn das Wetter sich nicht an Kalender hält und es nun bei der Umstellung auf die Sommerzeit (in der Nacht vom 28. auf den 29. März 2026) fast winterlich anfühlt, so hat auch der Frühling schon seit einer Woche Einzug gehalten – laut Kalender am 20. März.
Das Erwachen der Natur ist für gut 300 Millionen Menschen immer auch der Start eines neuen Jahres: Nawrouz, Novruz, Nowrouz, Nowrouz, Nawrouz, Nauryz, Nooruz, Nowruz, Navruz, Nevruz, Nowruz, Navruz (übersetzt: neuer Tag) – in den verschiedenen Regionen und Ländern des kurdisch-persischen Kulturbereichs, nunmehr übrigens des Jahres 1405, bei Kurd:innen allerdings schon 2638. Nach dem jüdischen Kalender (Jahreswechsel im Herbst) befinden wir uns im Jahr 5786, der islamische Kalender schreibt 1447. Das Jahr des Feuerpferdes ist dem chinesischen, aber auch dem tibetischen Kalender zufolge – nach dem erstgenannten das Jahr 4723; für Tibet gibt es drei unterschiedliche Null-Jahre und entsprechend entweder das Jahr 1000 oder 1772 oder 2152.
Sowohl Frühling als auch Winter hat die studierte Grafikdesignerin (in Teheran, der Hauptstadt des Iran und später in New York, die seit 15 Jahren in den USA lebt) personifiziert. „Willkommen, Onkel Nouruz!“ heißt das von ihr verfasste und farbenfroh gezeichnete Bilderbuch. Naneh Sarma ist demnach eine ältere Frau in einem kleinen iranischen Dorf – und die Großmutter des Winters. Jahr für Jahr wartete sie – in eine Wolldecke eingekuschelt auf die Ankunft „ihres alten Freundes“, des „heiteren alten Onkels Nouruz“.
Und immer verschläft sie seine Ankunft, er kann nicht lang bleiben, muss schnell weiter, auch anderen den Frühling bringen. In diesem Jahr, das nun das Bilderbuch beschreibt, soll es anders sein. Deshalb lädt sie ihre Enkelkinder ein – die ja dann eigentlich allesamt mit dem Winter verwandt sein müssten – Geschwister oder wenigstens Cousins und Kusinen, oder?!
Wie auch immer – Oma und Enkel bereiten sich auf den Gast vor – und greifen dazu zu den Traditionen des persischen Neujahrsfestes – vom nicht nur in dieser Kultur bekannten Frühlingsputz bis zum typischen „Haft-Sīn“-Tisch: Sieben Sachen, die – im Persischen bzw. Farsi mit dem Buchstaben S beginnen – was im Buch fehlt. Und so kaufen sie am Markt nicht nur Sabseh – grüne Sprossen von Getreide, und das Gewürz Somaq, sondern auch Äpfel, weil sie Sib heißen, Essig (Serke)… Üblicherweise kommen noch Knoblauch (Sir) und Münzen (Sekke) auf den 7er-Tisch dazu; die Hyazinthen (Sombol) auf die Oma und Kinder in der Eile vergessen haben, bringt der Onkel selber mit.
Der Originaltext ist offenbar auf Englisch erschienen (als Buch findet es sich auf ihrer Homepage nicht) und daraus von Susanne Seidita übersetzt; weshalb sowohl die sieben Sachen noch dazu mit S nicht erschließen als auch darauf verzichtet wird, dass er Name Naneh Sarma sicher nicht zufällig von der Autorin und Illustratorin gewählt wurde, heißt der doch „Oma kalt“.
Unter Kurd:innen hat der Neujahrstag – Newroz – eine viel politischere Bedeutung: Eine Legende besagt, dass an diesem Tag 612 v. u. Z. der Schmied Kaveh den Widerstand gegen den kinderfressenden Tyrannen Dahak (Zohak, Dahaq) angeführt und diesen getötet haben soll. Aus Freude darüber wurden Feuer angezündet, die leuchtend die Kunde über den gelungenen Aufstand verbreiteten. Weshalb bei kurdischen Neujahrsfeiern oft Feuer entfacht werden; dafür gibt es da nicht den Brauch mit den sieben Dingen mit dem Anfangsbuchstaben S.
Seit eineinhalb Jahrzehnten (Mai 2010) ist nach UNO-Beschluss der „internationale Nouruz-Tag“ anerkannt: „Nouruz ist ein Frühlingsfest, das von mehr als 300 Millionen Menschen seit mehr als 3000 Jahren auf der Balkanhalbinsel, in der Schwarzmeerregion, im Kaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten gefeiert wird“.
Auf der Seite des Verlags von „Willkommen, Onkel Nouruz! Wir feiern den Frühling“ gibt es unter „Lehrmaterialien“ eine Ausmalvorlage „Happy Nouruz“ zum Downloaden.
Übrigens von wegen Frühlingsbeginne und Wintereinbruch. Im Wiener MuseumsQuartier ist ein Stiegen-Abgang noch immer geschlossen und mit einer Tafel „Wintersperre“ versehen 😉 Seit fast zwei Wochen – damals mit Fotos bei strahlendem Sonnenschein und mehr als frühlingshaften Temperaturen – wurde auch die Frage, wann hier der Winter endet, nicht beantwortet.
Text und Illustration: Rashin Kheiriyeh
Übersetzung aus dem Englischen: Susanne Seidita
Willkommen, Onkel Nouruz! Wir feiern den Frühling
32 Seiten
Ab 4 Jahren
Nord Süd Verlag
18,50 €
Zu einer Schau- und Leseprobe geht es hier
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