Macht-Spiele zwischen zwei „König-Reichen“ als Entzauberung von Herr-schaftsverhältnissen einer Rotterdamer Gruppe (Niederlande) schon für ein sehr junges Publikum bei spleen*graz; Teil 3.
Eine Bühne, zwei scharf abgegrenzte Hälften. Rosa die eine, grün die andere. Zwei an antike Säulen erinnernde Sitzgelegenheiten auf denen die Wendy Briggeman und Sue-Ann Bel thronen. Gleich gewandte wie der Hintergrund und die Säule. Krone die eine, Haare zu einer anderen Form einer Krone geknotet die andere. Beide mit Bärten im Gesicht – das wird ganz am Ende noch eine besondere Rolle spielen 😉
Und dann geht’s los. Beide steigen herab von ihren erhabenen, gehobenen Thronen, holen hinter der Wand Bauteile, um die eigene Säule zu erhöhen. Wer hat den höheren Turm?!
Tanz- und Fitness-Battles folgen, ein Kampf mit hölzernen Schwertern – natürlich in den jeweils eigenen Farben -, Rülps und Furz-Competition dürfen nicht fehlen im Wettstreit, wer besser, stärker, lauter, vielleicht auch grindiger sein kann… Doch selbst dabei bleibt es nicht in „BullyBully“, dem Gastspiel der Rotterdamer Gruppe „Maas theater en dans“ (Niederlande) beim nunmehr elften spleen*graz. Das Stück (Konzept, Regie: René Geerlings; Kompositionen: Reinier van Harten, Sergio Escoda; Kostüme: Daphne Karstens mit Assistenz von Alice Sprascio und Karmijn Lange) bringt aus spielerischem Wettstreit entstehendes mögliches Mobbing (Bullying) schon für ein sehr junges Publikum – ab 3 Jahren. Und spielte dementsprechend im sogenannten Knopftheater des Grazer Kindermuseums Frida & freD.
Wie geschrieben, es bleibt nicht beim Wettstreit, sondern wird fortgesetzt mit gegenseitiger Zerstörung der burgartigen Aufbauten auf den Säulen. Samt Kränkungen, Ärger und Zorn. Somit demaskiert das wortlose Schauspiel mit Tanzeinlagen der beiden Machtgelüste und Herr-schafts-anwandlungen in Szenen, die Kindern oft nur allzu bekannt sein dürften.
Auch klar, damit kann’s nicht enden, Versöhnung findet statt – vielleicht ein wenig zu abrupt. Dem Weg zum Frieden hätte der eine oder andere Zwischenschritt nicht geschadet.
Dafür gibt die Gruppe den Kindern am Ende eine kleine Überraschung mit auf den Heimweg: Einen Schnurrbart zum Aufkleben – mit der Botschaft: Wenn ihr euch den unter die Nase pickt, hören euch die Leute ganz bestimmt zu – frühe Sensibilisierung für noch immer vorhandene Geschlechter-Stereotypen.
Compliance-Hinweis: Das Festival spleen*graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für drei Tage zur Berichterstattung nach Graz eingeladen.
Maas theater en dans (Niederlande)
40 Minuten; ab 3 Jahren; ohne Sprache
Mit: Wendy Briggeman, Sue-Ann Bel
Konzept, Ausrichtung: René Geerlings
Kompositionen: Reinier van Harten, Sergio Escoda
Kostüme: Daphne Karstens, Alice Sprascio (Assistentin), Karmijn Lange (Assistentin)
Die rund eineinhalb Dutzend Produktionen der 11. Ausgabe „verhandeln auf sehr unterschiedliche Weise, was es heute heißt, auf dieser Welt zu sein – und Verantwortung für sie zu übernehmen. Sie fragen nach Wahrheit und Lüge und danach, warum Theater gerade dann wichtig ist, wenn Gewissheiten brüchig werden. Sie erzählen von Selbstermächtigung, von Körpern in Bewegung, von Tanz als politischer Geste. Sie erkunden, wie Demokratie gelernt, gelebt und infrage gestellt werden kann – im Großen wie im Alltäglichen.
Gleichzeitig öffnen die Arbeiten Räume für Imagination und Widerstand: wenn Dinosaurier und Performer*innen Freundschaft schließen, wenn wir an den Anfang der Erde zurückgehen oder ins Jahr 2225 in eine Science-Fiction springen, wenn wir durch Wälder streifen oder versuchen, der Schwerkraft zu entkommen. Immer geht es um Identität und Entscheidung: Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie revoltiere ich?
Oder ganz banal: Was soll ich anziehen? Alle Fragen werden zu Einladungen, sich selbst und die Welt ein wenig anders zu betrachten. Die Themen sind so unterschiedlich wie die künstlerischen Handschriften der eingeladenen Produktionen. Gemeinsam ist ihnen der ernsthafte Blick auf junges Publikum und der Wunsch, Theater als Erfahrungsraum zu begreifen: als Ort des Staunens, des Zweifelns, des Lachens und des gemeinsamen Denkens – und den Raum dazwischen zu öffnen“, heißt es im Programmheft.
Bis 22. April 2026
Graz – in vielen Theatern und an anderen Orten
spleen-graz –> programm
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