„Ich kann’s nicht lassen“ aus Berlin gastierte beim Theaterfestival für junges Publikum spleen*graz mit einer richtigen Mit-Erleben-Performance; Teil 4.
Die Bühne – gehört allen. Auch wenn anfangs die vier Tänzer:innen teils in eigenen markierten Zonen ihre Bewegungen vollführen, so stecken sie damit bald die Besucher:innen an. Die Zuschauenden werden zu (Mit-)Tanzenden. Und so passt auch der Titel des Gastspiels aus Berlin beim internationalen Theaterfestival für junges Publikum spleen*graz voll: „Ich kann’s nicht lassen“.
Doch, keine Angst: Queen Buckhype, Iman Gele, Junior Wave, Solomon „Big Liveness“ Quaynoo nötigen ihr Publikum auch gar nicht, mitzumachen. Wer nicht will, kann auch „nur“ zuschauen, sich auch an den Rand auf einen der Sessel setzen. Vielleicht späte wieder einsteigen.
Und dennoch sind die vier Performer:innen vom Jungen Tanzhaus Berlin nicht bloß Animateur:innen. Was sie, die Krump-Tänzer:innen, drauf haben zeigen sie immer wieder in der einen oder anderen Szene, so sie – immer ganz ohne Worte – sich Platz für wilde Moves verschaffen. Mitunter scheinbar gegeneinander batteln, dann wieder die jungen (ab 6 Jahren) Besucher:innen zu gemeinsamen Tanzschritten und anderen Bewegungen einladen. Aber immer wieder auch sozusagen das Kommando an das eine und andere Kind übertragen, um sich dann – mit allen anderen, den von diesem Kind ausgehenden Tanz- und anderen Bewegungen anzuschließen.
Janne Gregor, die künstlerische Leiterin und Choreografin hat diese rund ¾-stündige Show, die natürlich jedes Mal (ganz) anders verläuft, gemeinsam mit einigen der Tänzer:innen (Co-Kreation: Queen Buckhype, Iman Gele, Junior Wave, Kofie DaVibe) entwickelt. Und lädt am Ende auch alle in einen Sitzkreis am Boden ein, sich über das eben (Mit-)Erlebte auszutauschen. Bei der Performance im Grazer Kristallwerk, die Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… besuchte, fielen von Kindern Sätze wie, sich glücklich gefühlt, aber auch ein bisschen Angst vor dem Mittanzen gehabt zu haben. Manchen war’s in einigen Passagen (Musik: Moritz Thorbecke, BravoDomo) zu laut – dafür lagen Ohrstöpsel bzw. Gehörschutz-Kopfhörer bereit.
„Krump ist ein Tanzstil, der in Los Angeles von Menschen mit afrikanischen Wurzeln entwickelt wurde und sich gegen soziale Ungleichheit und Diskriminierung richtet. Für viele Tänzer*innen ist Krump bis heute Zufluchtsort und Familienersatz. Im Tanz können sie sich zeigen und einander gegenseitig unterstützen. Dieses selbstermächtigende Lebensgefühl überführt Janne Gregor in den Theaterraum und bricht gewohnte Hierarchien auf“, beschreibt die Gruppe, weshalb sie genau mit diesem Tanzstil arbeitet.
Compliance-Hinweis: Das Festival spleen*graz hat Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr … für drei Tage zur Berichterstattung nach Graz eingeladen.
Janne Gregor und Junges Tanzhaus Berlin (Deutschland)
Ohne Sprache; ¾ Stunde; ab 6 Jahren
Künstlerische Leitung, Choreografie: Janne Gregor
Tanz: Queen Buckhype, Iman Gele, Junior Wave, Solomon „Big Liveness“ Quaynoo
Co-Kreation: Queen Buckhype, Iman Gele, Junior Wave, Kofie DaVibe
Bühne, Kostüm: Johanna Schraut
Musik: Moritz Thorbecke, BravoDomo
Lichtdesign: Luigi Kovacs
Dramaturgische Begleitung: Thomas Schaupp
Assistenz Choreografie, Produktion: Lena Klink
Tanzvermittlung: Amelie Mallmann, Lucia Matzke
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Livia Patrizi
Audio-Bearbeitung: Matthias Millhoff
Produktionsleitung: Sina Kießling, Thomas Dörschel
Die rund eineinhalb Dutzend Produktionen der 11. Ausgabe „verhandeln auf sehr unterschiedliche Weise, was es heute heißt, auf dieser Welt zu sein – und Verantwortung für sie zu übernehmen. Sie fragen nach Wahrheit und Lüge und danach, warum Theater gerade dann wichtig ist, wenn Gewissheiten brüchig werden. Sie erzählen von Selbstermächtigung, von Körpern in Bewegung, von Tanz als politischer Geste. Sie erkunden, wie Demokratie gelernt, gelebt und infrage gestellt werden kann – im Großen wie im Alltäglichen.
Gleichzeitig öffnen die Arbeiten Räume für Imagination und Widerstand: wenn Dinosaurier und Performer*innen Freundschaft schließen, wenn wir an den Anfang der Erde zurückgehen oder ins Jahr 2225 in eine Science-Fiction springen, wenn wir durch Wälder streifen oder versuchen, der Schwerkraft zu entkommen. Immer geht es um Identität und Entscheidung: Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie revoltiere ich?
Oder ganz banal: Was soll ich anziehen? Alle Fragen werden zu Einladungen, sich selbst und die Welt ein wenig anders zu betrachten. Die Themen sind so unterschiedlich wie die künstlerischen Handschriften der eingeladenen Produktionen. Gemeinsam ist ihnen der ernsthafte Blick auf junges Publikum und der Wunsch, Theater als Erfahrungsraum zu begreifen: als Ort des Staunens, des Zweifelns, des Lachens und des gemeinsamen Denkens – und den Raum dazwischen zu öffnen“, heißt es im Programmheft.
Bis 22. April 2026
Graz – in vielen Theatern und an anderen Orten
spleen-graz –> programm
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen