„Tutto Gas“: Touri-Karikatur in bemalter Karton-Kulisse zwischen heißem Sand, Drinks und Macho-Belästigung.
Ein einsamer Touri, der sich zunächst langsam und lange eher verschreckt, zurückhaltend als Live-Karikatur einer Klischeefigur in Karton-Kulissen (Bühne: Charlotte Gash) mit ebensolchen angemalten Requisiten an einem Sandstrand bewegt. Der Titel „Tutto Gas“ der Performance der Kompanie Freispiel schwebt da lange eher wie eine Themenverfehlung über dem Agieren von Kajetan Uranitsch (Konzept und Schauspiel). Ist doch die italienische Bezeichnung für Vollgas zu so etwas wie einem Synonym geworden für junge österreichische Kurzzeit-Urlauber:innen in großen Gruppen, die sich in Adria-Badeorten ärgstens aufführen.
Schaum- bis vollgebremst bewegt sich der Protagonist über den Sandstrand mit entsprechenden witzigen Bewegungen, die die Hitze des Untergrunds fast mitspüren lassen, schwimmt in – Kartonwellen… Also Wellen-, Kulissen-Schieber und weggeworfenen Müll durch die Luft transportierender (un-)sichtbarer Geist tritt Simon Schober in grau-schwarzem Komplett-BodySuit samt völlig verhülltem Kopf in Erscheinung (Kostüme: Adisa Ganiyeva).
In der abendlichen Disco nimmt die Hauptfigur doch Anleihe bei den Sauf-Exzessen, kippt sich Drink um Drink rein. Und macht eine Frau an, die er schon am Strand gesehen hat und in die er sich angeblich – ohne ein Wort mit ihr gewechselt zu haben – verliebt hat, ihr eine Schlagerschnulze widmet. Und die folgerichtig nur eine Kartonfigur ist – stellt sie doch lediglich ein Objekt seiner Begierde dar.
Doch die hält ihm in der Disco – folgerichtig – eine Kartontafel mit groß geschriebenem NEIN hin. Das er zunächst nicht akzeptieren will. Aktueller hätte das Stück nicht auf die Bühne des Dschungel Wien kommen können – Stichwort Ex-ORF-Boss Roland Weißmann.
Die Frau verschwindet, er wird – aber eher wegen seiner Alkoholisierung – aus der Bar gewiesen und wacht anderntags am Strand auf – mit dem Nein-Taferl. Und hat nun einen Song (Musik: Jakob Rüdisser) auf Lager, dass er’s endlich kapiert und Grenzen respektieren gelernt hat – bei der entsprechenden tänzerischen Performance unterstützt ihn (sein) Geist nun mit entblößtem Gesicht: Ein Nein heißt Nein.
Kompanie Freispiel
Ab 13 Jahren; ca. 50 Minuten
Konzept: Kajetan Uranitsch
Performance
Tourist: Kajetan Uranitsch
„Grauer Geist“: Simon Schober
Bühne: Charlotte Gash
Kostüme: Adisa Ganiyeva
Choreografie: Bence Mezei, Desi Bonato
Musik: Jakob Rüdisser
Licht: Michael Zweimüller
Produktion: Simon Schober
Mitarbeit: Lena Reinhardt
Bühnenassistenz: Kärt Kokota, Simon Schober
Outside Eye (dramaturgische Beratung): Gabriele Wappel
Bis 24. April 2026
Dschungel Wien: 1070, MuseumsQuartier
Telefon: 01 522 07 20-20
dschungelwien –> tutto-gas
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