Viele Jugendliche setzten mit ihren Schüler:innen-Unternehmen auf Re- und Upcycling sowie Nachhaltigkeit; Bericht von der internationalen Juniorfirmen-Handelsmesse in Wien, Teil 1.
Während Klima- und Umweltschutz in öffentlichen Diskussionen an Stellenwert verliert, spielt er bei vielen Jugendlichen doch offenkundig eine große Rolle. Schüler:innen mehrerer Länder mach(t)en Re-, Upcycling und Nachhaltigkeit sogar zu ihren Geschäftsideen wie – wieder einmal – die jüngste internationale Handelsmesse von Junior-Unternehmen in der Wiener Millenniums-City eine Woche vor Frühlingsbeginn (2026) zeigte.
Seit mehr als 30 Jahren beteiligen sich auch österreichische Schulen an diesem praktischen internationalen, vor mehr als 100 Jahren in den USA gegründeten Wirtschaftslern-programm nach dem Motto „Learning Business by Doing Business“. Im Gegensatz den Übungsfirmen (ÜF) in Handelsakademien und -schulen wo die Geschäftsabläufe (in der Regel) „nur“ virtuell durchgespielt werden, müssen Junior-Companies mit echten Produkten bzw. Dienstleistungen Handel betreiben.
Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… trieb sich einige Stunden zwischen den fast fünf Dutzend Messeständen auf der „Plaza“ dieses großen Einkaufszentrums in Wien-Brigittenau herum, sprach mit vielen der Jugendlichen über ihre Geschäftsideen. Vorweg muss und will sich der Journalist aber entschuldigen, dass Zeit und Energie doch nicht ausreichten, um mit allen 56 Companies ins Gespräch zu kommen. Sorry, prominte, izvini… bei den nicht in diesem, und weiteren, Bericht(en) vorkommenden Juniorfirmen sowie bei den Leser:innen, dass sie keinen Einblick in alle Unternehmensideen und Produkte bekommen.
So, nun aber endlich hinein in die – in diesem Bericht – Re-, Upcycling- und Nachhaltigkeits-Produkte. „Hangout“ in großen stylish runden Buchstaben vermittelt schon das Logo Freizeit- bzw. Festival-Feeling. Emilia L, Sena K. und Elias B.L. breiten fürs Foto, die an einer Ecke des Messestandes baumelnde Hängematte aus. „Unsere Hängematte kann auch als Picknickdecke verwendet werden, sie ist aus wasserabweisenden Stoffen, die wir aus Resten machen, die wir von Firmen bekommen haben“, erklären die drei Jugendlichen der Innsbrucker Ferrarischule.
Dieses Schüler:innen-Unternehmen hat dazu noch weitere Produkte im Angebot – praktische Taschen für Schlüsse, Geldbörse und anderes in einem – zusammenrollbar, Netze mit Karabinern für Thermosflaschen und Tees deren spezielle Papierbeutel samt dem ausgelaugten Tee kompostierbar sind. „In herkömmlichen Teebeuteln ist oft Mikroplastik“, nennen sie den umweltmäßigen Vorteil ihrer eigenen.
Ein recht großer Sitzsack, in den sich der Lehrer gemütlich versinken lässt und ein deutlich kleinerer daneben stehen vor dem Stand von „PolyBag“. Was in Österreich aufs Erste an eine Polytechnische Schule denken lässt, kommt von Schüler:innen der Handelsakademie im tschechischen Hradec Králové. Aus ehemaligen Polypropylen-Säcken (Kunststoff) schneiden die 15 Jugendlichen des dritten Jahrgangs dieser Junior-Company die Teile für die Sitzsäcke zu. „Das ist ein sehr starkes, langhaltendes Material und würde sonst nur im Müll landen“, berichten die drei nach Wien gekommenen „PolyBag“-Vertreter:innen Lenka Zemonová, Ondra Veselý und Fonda Vagenknecht. „Nähen lassen wir sie von Menschen mit Behinderungen in einer örtlichen geschützten Werkstätte, dem Daneta-Zentrum“, weisen sie noch auf die Kooperation hin, die Barrieren zwischen den HAK-Schüler:innen und Menschen mit Behinderungen abbauen will.
Kein Produkt, sondern eine Dienstleistung – samt Modell dazu – präsentierten und verkaufen Boris Stoyanov, Daria Tancheva, Iva Peychinova, Victor Simeonov und Aleksander Issakov aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia mit „Rain Reborn“. „Wir haben ein Bewässerungssystem für Pflanzen entwickelt, das Regenwasser zum Gießen sammelt und über eine App automatisch so steuert wie die jeweiligen Pflanzen es brauchen – also nicht zu wenig und nicht zu viel“, schildern die fünf Schüler:innen aus der Handelsakademie Iva Apostolov. Sie haben sich nicht nur diese schlaue Wiederverwendung von Regenwasser ausgedacht, sondern auch das Gießsystem mit seinen Sensoren und die App so programmiert, dass sie nun Packages verkaufen: Von 150 € für jene, die’s dann selber installieren bis zum Full-Service um 500 €.
„Nur“ ein Teil der Kollektion einer der Junior-Firmen aus der W@lz, dem Wiener Alternativen Lernzentrum (einer privaten, alternativen Oberstufenschule) ist aus Altamterial. „Clutched“ verkauft hänkellose Handtaschen mit Schnapp-Verschluss-mechanismus – aus gehäkelter (Baum-)wolle in den verschiedensten Farben. „Einige haben wir aus recycelter Baumwolle gehäkelt, die sind aber härter. Viele mögen die weicheren aus neuer Wolle“, so Lenny zu KiJuKU.at bevor seine Kolleginnen Josephine und Emma dazustoßen, um die Taschen fürs Foto zu präsentieren.
Übrigens, so gestehen die Schüler:innen, „Keine leichte und schnelle Arbeit, jetzt brauchen wir für eine Tasche ungefähr zwei Stunden, am Anfang waren’s sogar bis zu vier Stunden.“
Ebenfalls alles Handarbeit sind die Produkte der Juniorfirma „A haße G’schicht“ von Georg Nader, David Schaller, Philip Rabitsch, Philip Seidl, Anant Kuna, Fabian Dachauer und Mila Aleksić, Schüler:innen des TGM (Schule der Technik, eins Technologisches GewerbeMuseum genannt) in Wien. „Zuerst wollten wir Feuerzeuge selber herstellen, auch schon aus Recyclingmaterial, dann hat uns ein Lehrer auf die Idee mit dem „ewigen Zündholz“ gebracht. Da haben wir dann schon eineinhalb Monate herumgetüftelt und -probiert, gestehen einige der Jugendlichen am Messestand.
Der Vater eines der Schüler ist Jäger, er überließ den Jugendlichen leere, alte Patronenhülsen. Die werden mit Feuerzeugbenzin gefüllt, in dem ein Metallteil mit schmalem, ebenfalls wiederverwendetem Sägeblatt und ein Docht steckt. An einer in die Hülse eingekerbten Stelle kommt eine Reibefläche, die über das Sägeblatt den Docht entzündet, der dem Wind standhält – Genaueres im Video, in dem Georg Nader dem Journalisten – und damit dir liebe Leserin, lieber Leser – die Funktion schildert.
Wird fortgesetzt mit Berichten über weitere Juniorfirmen aus dem In- und Ausland.
… sind von SchülerInnen – für ein Schuljahr – gegründete Unternehmen, die mit realen Produkten oder/und Dienstleistungen handeln. Das unterscheidet sie von den Übungsfirmen (ÜFA) in den Handelsakademien und -schulen, die dort im Lehrplan verankert sind, aber „nur“ virtuell handeln.
Für diese Schüler:innen-Firmen gelten vereinfachte Steuer- und andere Regelungen. Der Grundsatz leitet sich von den Erfindern von vor mehr als 100 Jahren – siehe weiter unten – ab: Wirtschaft lernen durch eigenes Wirtschaften sozusagen.
In Österreich beteiligten sich erstmals im Schuljahr 1995/65 Junior Companys an dem Bewerb. In diesem Schuljahr nennt die Homepage des österreichischen Projekts 5200 beteiligte Schüler:innen in 550 Junior Companies, unterstützt von 315 Lehrpersonen und 487 Volunteers (Freiwillige)
Die Idee geht auf drei US-Amerikaner zurück: Horace Moses, Theodore Vail und Winthrop M. Crane gründeten vor mehr als 110 Jahren (1919) „Junior Achievement“ (JA). Ziel: Verbesserung der Wirtschaftsbildung in US-amerikanischen Schulen. Der Leitspruch lautete: „Learning business by doing business“.
Vor mehr als 30 Jahren (1990) wurde „Junior Achievement International“ (JAI) als weltweiter Dachverband gegründet. Damals gab es bereits in 15 Ländern Junior Companies. Im Jahr 2002 kam es zur Fusion von Young Enterprise Europe und Junior Achievement International. 2004 wurde der Dachverband in Junior Achievement Worldwide umbenannt.
Heute zählen bereits über 100 Staaten zu den Mitgliedern von JA Worldwide!
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