Kinder Jugend Kultur und mehr - Logo
Kinder Jugend Kultur Und mehr...
Szenenfoto aus "Plastic!" im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz
Szenenfoto aus "Plastic!" im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz
10.03.2026

Vom Elfenbein-Ersatz bis zum „Müll-Strudel“ im Meer

„Plastic!“ – eine Tanz-, Musik, Schauspiel-Performance mit eingebauten szenischen, gezeichneten, geschriebenen, gesagten Info-Happen im „Zirkus des Wissens“ an der Linzer Johannes-Kepler-Uni.

Über der Bühne hängt an quer gespannten Seilen eine sehr große, leichte Kunststofffolie wie ein fast hauchdünne Wolke. An weiteren Seilen baumeln unterschiedlichste Flaschen, Dosen und Deckel – die meisten Behältnisse für Lebensmittel und Getränke. Und das ist bei Weitem noch nicht alles, was an Requisiten in der rund 50-minütigen Performance „Plastic!“ derzeit im Zirkus des Wissens, einem Veranstaltungsort der JKU (Johannes Kepler Uni) am Stadtrand von Linz, darauf wartet, bespielt zu werden.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Plastic!“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz

Coco Brell spielt, tanzt, musiziert kunstvoll mit den genannten und vielen weiteren Objekten aus den künstlich von Menschen hergestellten Materialien. Parallel dazu „bespielt“ Regisseur Marcel Keller, als Klischee-Prof gekleidet, mit live gemalten und comicartig gezeichneten Bildern und vorbereiteten Grafiken, die große Rückwand mit den via Live-Kamera übertragenen Illustrationen: Zu Beginn mit breitem Pinsel und Wasserfarben bläuliche Wellen, die er sobald das Blatt voll ist mit schwarzen Linien durchkreuzt, bis alles zu einer grauen Soße verschwimmt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Plastic!“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz

Am Anfang lagen Billardkugeln

So manche Fakten werden immer wieder eingestreut – wer, wann welche Kunststoffe erfunden hat. Wieviel Plastik produziert wurden und werden. Wie viele Millionen Tonnen davon in die Meere gespült werden – gewaltige Müllinseln, die immer wieder medial vorkommen, werden auch hier genannt, wie der „Müllstrudel“ im Pazifischen Ozean (Great Pacific Garbage Patch). Allerdings machen diese in Wahrheit nur einen Bruchteil des Plastiks in den Meeren aus, der überwiegende Großteil sinkt auf den Grund der Ozeane bzw. ist schnell sehr zerkleinert – Mikroplastik und landet mehr oder minder rasch in den Nahrungskette der Meeresbewohner:innen und in der Folge u.a über Fischkonsum in uns Menschen …

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Plastic!“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz

Chemische Atom- und Molekülketten(-reaktionen), die bei der Herstellung ablaufen oder auch, dass am Beginn Billardkugeln standen sind Elemente der erzählten, eingeblendeten und dargestellten Fakten. Die Kugeln für das Spiel auf grün befilzten Tischen wurden ursprünglich aus dem Elfenbein von Elefanten-Stoßzähnen hergestellt. Ein bis zwei der Dickhäuter mussten für einen Satz von Kugeln ihre Leben lassen. Und daswar obendrein recht teuer.

Nicht nur, aber auch ein von einer US-Firma ausgeschriebener Bewerb für Billardkugeln aus billigerem Ersatzmaterial ließ John Wesley Hyatt 1868 verformbares Celluloid aus Nitrocellulose und Kampfer entwickeln. Da Celluloid leicht Feuer fing und obendrein nicht besonders wasserfest war, wurde es bald von anderen, neueren Kunststoffen ersetzt.

Szenenfoto aus
Szenenfoto aus „Plastic!“ im Zirkus des Wissens der JKU (Johannes Kepler Universität) Linz

Ambivalent

Dennoch ist „Plastic!“ alles andere als eine Lehrveranstaltung, sondern eine spannende Aufführung rund um und vor allem mit Kunststoffen – samt ihren Ambivalenzen: Nicht nur langlebig und schlecht abbaubar, aber auch sehr praktisch, sondern nicht zuletzt für die Erzeugung erneuerbarer Energien – Windräder oder Solarpaneele – einsetzbar und (noch?) erforderlich.

Spielfreudig und lustvoll wechselt die Performerin zwischen Schauspiel, Tanz und Live-Musik – Ukulele, E-Gitarre, Keyboard und Schlagzeug, von dem aus sie mit kräftigen Trommelschlägen kleine Plastikteile in die Luft fliegen lässt. Zwischendurch schlüpft sie in die Rolle einer Hexe, die mit Zahlen-Zauberspruch alles Mögliche zusammenbraut oder wird zu drei verschiedenen Typ:innen von Influencer:innen, um Plastik-Dinge zu promoten oder ganz gegenteilig für ein kunststofffreies Leben zu werben.

Die Spielerin teilt das Publikum in zwei Gruppen, die projizierten Texte in einer Art Kanon singen
Die Spielerin teilt das Publikum in zwei Gruppen, die dann die projizierten Texte in einer Art Kanon singen

Ein bisschen mitmachen

Gegen Ende der Performance richtet sich dieser menschliche Wirbelwind an das (junge) Publikum, ersucht die eine und den anderen – nein, nichts zu sagen, sondern mit Kunststoffteilen an Kleidung oder auch auf Nägeln Geräusche zu erzeugen. Die nimmt sie mit dem Mikro auf und speist sie in den via Loopstation erzeugten Soundmix.

Apropos interaktiv – Feedback wird am Ende nicht „erfragt“, sondern kann mit Hilfe von Legosteinen – verspielt gegeben werden. Übrigens meldet das dänische Baustein-Unternehmen aktuell einen Rekordumsatz und -gewinn und verkündet unter anderem, dass die genoppten Steine mittlerweile zu mehr als der Hälfte aus erneuerbaren und recycelten Inhaltsstoffen produziert werden.

Rezept für Bio-Kunststoff

Einzig schade, dass das im Verlauf des Stücks einmal genannte Rezept, um selber zu Hause biologischen, auch formbaren, Kunststoff herzustellen, weder analog noch digital verteilt wird, was nebenbei für manch andere der transportierten Infos auch kein Fehler wäre. Aber KiJuKU hat aus dem Internet ein solches Rezept einer luxemburgischen Science-Site „gefischt“, das – zugegeben jetzt noch nicht ausprobiert -, mittelschwer bzw. -leicht machbar scheint, samt Zutatenliste: Wasser, Speisestärke, Essig, Glyzerin (aus der Apotheke), Kochtopf, Kochplatte, Schneebesen, Kochlöffel, Backblech oder andere Unterlage für heiße und feuchte Bioplastikmasse – Rezept und Kochanleitung sind am Ende des Beitrages ebenso verlinkt wie übersichtliche Seiten zur Geschichte von Kunststoffen unter dem Titel „Plastik – Fluch und Segen“.

Unter den Links unten findest du auch einen Bericht über eine monatelange, leider schon zu Ende gegangene Ausstellung / Installation namens „Metabolica“ im Wiener MuseumsQuartier. Dort hat der Künstler Thomas Feuerstein in einer großen Maschinen-Anordnung aus Algen und Bakterien einen Biokunststoff herstellen lassen; Bio-Kunststoff aus dem er schon davor Kunstwerke geschaffen hat.

kijuku_heinz

science.lu/ –> bioplastik-rezept

nachhaltigkeit-im-unterricht.de –> plastik-geschichte

nachhaltigkeit-im-unterricht.de –> kann-plastik-nachhaltig-sein

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

INFOS: WAS? WER? WANN? WO?

Plastic!

Eine Produktion im Rahmen des Projekts PsyPol; ab 11 Jahren; ca. 50 Minuten

Schauspiel und Musik: Coco Brell
Regie und Illustrationen: Marcel Keller

Wann & wo?

Bis 12. März 2026
Zirkus des Wissens:
Johannes Kepler Universität: 4020 Linz, Altenberger Straße 69 (Endstation Straßenbahnlinien 1 und 2 – ca. ½ Stunde (meistens) vom Bahnhof entfernt)
Telefon: 0732 2468 0
jku –> plastic